Begrüssung mit Küsschen unter Freunden

Umgangsformen

Grüezi

Um gleich einen guten Eindruck zu hinterlassen ist es wichtig, richtig zu grüssen und zu verabschieden. In der Schweiz wird dabei recht streng zwischen Du und Sie unterschieden. Ein Tschüss unter Fremden oder Geschäftspartnern kann schnell als unhöflich ausgelegt werden, diese Du-Form bei der Verabschiedung gehört sich nur unter Freunden. Ein gut ausgesprochenes Grüezi zu Fremden kommt dabei immer gut an und baut Sympathie auf. Ein paar Beispiele:

  • Begrüssung
    • Grüezi (Sie-Form)
    • Grüezi mitenand (Sie-Form/Mehrzahl)
    • Grüezi wohl (Sie-Form)
    • Hoi (Du-Form)
    • Hoi Zäme (Du-Form/Mehrzahl)
    • Sali (Du-Form)
  • Beim Essen
    • En Guete
    • En Guete mitenand (Mehrzahl)
    • Zum Wohl
  • Verabschiedung
    • Ade (Sie-Form)
    • Ade mitenand (Sie-Form/Mehrzahl)
    • Uf Wiederluege (Sie-Form)
    • Tschüss (Du-Form)
    • Tschüss zäme (Du-Form/Mehrzahl)
    • Tschau (Du-Form)

Unter Freunden

Wenn man ein engeres, freundschaftliches Verhältnis pflegt, gibt es in der Deutschschweiz ein kleines Ritual. Man gibt sich zur Begrüssung und Verabschiedung, von Frau zu Frau und Frau zu Mann, in der Reihenfolge links-rechts-links drei Küsschen auf die Wange. Unter Männern ist dies nicht üblich. Achtung in der französischsprechenden Schweiz gibt man sich hingegen nur zwei Küsschen auf die Wange.

Höflichkeit

Zu den Schweizer Tugenden gehört neben der bekannten Pünktlichkeit auch die Höflichkeit. Dies beschränkt sich nicht nur auf Bitte und Danke, auch eine weichere und indirektere Ausdrucksform gehört dazu. Wenn man dies weiss, kann man auch leichter nachvollziehen warum eine direkte und harte Ausdrucksweise schneller als arrogant oder unhöflich aufgenommen wird. "Noch ein Bier, bitte." oder "Ich nehme ein Brot." kommen dabei viel unfreundlicher an als "Dürfte ich ein Brot haben?" oder "Wären sie so nett und würden mir noch ein Bier bringen?". Noch ein guter Tipp zu den Umgangsformen: Seien Sie ehrlich und interessiert.

Schweizerdeutsch

Wichtig ist im Gespräch mit einem Schweizer ihn oder sie möglichst dazu zu bringen Schweizerdeutsch zu sprechen, egal ob man es schon perfekt versteht oder nicht. Es erleichtert ihr/ihm nicht nur das Gespräch, da in der Muttersprache gesprochen wird, sondern es hilft einem selbst beim Verstehen lernen der Sprache. Ob man nun lernen sollte Schweizerdeutsch zu sprechen, gehen die Meinungen weit auseinander und sollte jeder mit seinem sprachlichen Talent vereinbaren. Fakt ist, Schweizerdeutsch sprechen zu lernen ist für einen Deutschsprachigen schwer. Ein schlecht gesprochenes Schweizerdeutsch kann im schlimmsten Fall sogar als Provokation ausgelegt werden. Aber wer es drauf hat und es schafft, Schweizerdeutsch ordentlich zu sprechen, wird es bei der Integration dafür umso einfacher haben.

 

Buisinessknigge

Arbeitsleben

Smalltalk

Wer in der Schweiz erfolgreich sein möchte, sollte an seinen Smalltalkqualitäten arbeiten. Im Gegensatz zu vielen nördlicheren Ländern geht es nicht immer gleich ums Geschäftliche, sondern der Einstieg gelingt am besten über den Smalltalk. Wer gleich zur Sache kommt, wird sich schwerer tun.

Vertrauen

Vieles im Geschäftsleben basiert auf Vertrauen untereinander und man kann sich häufig auf das Wort des Gegenübers verlassen. Wo in anderen Ländern schnell ein Vertrag oder schlimmstenfalls ein Anwalt her muss, basiert vieles in der Schweiz auf Treu und Glauben. Daher muss man nicht verwundert sein, wenn bei Onlinebestellung die Option "auf Rechnung" auftaucht, Sendungen per Nachnahme kennt man dafür kaum. Dieses Prinzip setzt sich im Geschäftsleben fort, Dinge die per Handschlag vereinbart sind, werden umgesetzt und Nachverhandlungen sind unüblich. Bei Verhandlungen wird versucht, dass beide Geschäftspartner zufrieden aus dem Gespräch gehen. Nur damit kann ich mir erklären, dass die Gewerkschaften in der Schweiz fast ohne Streiks auskommen.

Krankheit

Wer krank ist, sollte eher zu Hause bleiben. In Deutschland kennt man es gerade in Berufen, wo eine grosse Jobverlustangst herrscht, dass man sich, selbst mit hohem Fieber, zur Arbeit schleppt. In der Schweiz wird der Arbeitgeber von solch einem Vorgehen nicht begeistert sein. Es wird mehr Wert darauf gelegt, dass der Mitarbeiter seine Leistung erbringen kann und nicht unnötig Kollegen ansteckt. In der Regel ist es auch nicht nötig, dass man für die ersten beiden Krankheitstage zum Arzt geht. Erst ab dem dritten Krankheitstag muss bei den meisten Arbeitgebern ein Arztzeugnis vorgelegt werden. Wenn diese Regelung zutrifft, findet man diese auch im Arbeitsvertrag und kann diese auch wörtlich nehmen. Wie bei vielen anderen Dingen wird auch bei der Krankschreibung mehr auf Eigenverantwortung gesetzt. Diese Freiheit sollte man aber auch schätzen und nicht ausnutzen. Veralbern lassen sich die Schweizer Arbeitgeber wiederum nicht. Bei längerer Krankheit und grösseren Unfällen ist es üblich, dass man mit einem 50 % Pensum wieder anfängt zu arbeiten und sich dann im Pensum nach und nach steigert. Dadurch geht man tendenziell schneller wieder zur Arbeit und wird dafür im Gegenzug nicht gleich voll belastet.

 

 

Freizeit

Apéro

Die Schweizer zelebrieren den Apéro zu vielen Gelegenheiten. Wenn Freunde zu Besuch kommen oder eine grössere Feier ansteht, zu Anfang steht immer der Apéro. Auch kleinere Anlässe, wie Verabschiedung von Mitarbeiter, Einzug, kennenlernen von Nachbarn, Eröffnungen usw. werden gern für diese Tradition genutzt. Ein wichtiges Ritual des Apéros ist das Anstossen. Jeder stösst unbedingt mit jedem an und man schaut sich dabei in die Augen, lächelt sich an und spricht sich mit Namen an. Über Kreuz anstossen und vorbeischauen ist dabei verpönt. Zum Apéro werden kleine Häppchen gereicht, die den ersten Hunger stillen sollen und als Getränk gibt es häufig Sekt, Wein, Wasser oder Orangensaft.

Mitbringen beim Grillieren

Wer zum Grillen bei Schweizer Freunden eingeladen wird, sollte es nicht als gastunfreundlich auslegen, wenn Wurst und Fleisch selbst mitgebracht werden sollen. In der Schweiz ist dies gang und gäbe und rührt wahrscheinlich vom allgemein hohen Fleischpreis. Man kann es aber auch positiv sehen, dafür gibt es dann genau das auf dem Grill, was man am liebsten mag und ist nicht vom Geschmack des Gastgebers abhängig.

Kaffee

Kaffee ist in der Schweiz nicht wegzudenken. Er wird gern und viel getrunken. Die Vielfalt des Angebotes an Kaffee wird Kaffeeliebhabern das Herz höher schlagen lassen, die Palette reicht von Espresso über Kaffee Creme über Latte Macchiato bis Kaffee Schnaps. Wenn man mit Kollegen in der Kantine am Mittagstisch sitzt und alle fertig gegessen haben, wird mit Sicherheit jemand aus der Runde aufstehen und fragen, für wen er alles Kaffee mitbringen kann. Der Weg zum Herz des Schweizers führt am leichtesten über dieses Getränk, die leichtesten Sympathiepunkte sammelt man am besten, wenn man eine Runde Kaffee ausgibt.

Waschküche

Es gibt einen Ort in der Schweiz, an dem scheinbar alle Höflichkeiten abgelegt und Aggressionen ausgelebt werden und das ist die gemeinsame Waschküche in Mietswohnungen. Die meisten Nachbarschaftsstreits drehen sich genau um dieses Thema. Zwar sind über einen Waschplan die Nutzung und Zeiten genau geregelt, dennoch, und vielleicht genau darum, ist das Konfliktpotential sehr hoch. Der eine lässt seine Wäsche zu lange hängen, der andere reizt seine Waschzeiten zu sehr aus oder ein anderer hinterlässt die Waschmaschine oder den Trockenraum dreckig. Selbst kleine Regelverletzungen führen an diesem Ort zu Diskussionen oder auch Mahnzettel ohne Unterschrift finden sich dort öfter mal vor. Besser man hält sich bei diesem Thema gleich raus, die Schweizer sind bei diesem Manöver geübter.

Besuche

Die meisten Schweizer mögen zuhause keine spontanen Besuche. Am besten vorher anrufen und nachfragen, ob ein Besuch gut ist.

Robidogs

Die Strassen und Grünanlagen sind in der Schweiz sauber und gepflegt, dies kommt nicht von ungefähr. Im Umgang mit Hundekot im öffentlichen Raum ist die Schweiz vorbildlich. Für die allermeisten Hundehalter ist es in der Schweiz selbstverständlich, dass verursachter Hundekot aufgenommen und entsorgt wird. Zu diesem Zweck gibt es ein dichtes Netz von sogenannten Robidogstationen, wo es benötigte Tütenspender und Entsorgungsmöglichkeiten gibt.

 

Eine Robidogstelle mit Tütenspender und Abfalleimer

Fettnäpfchen

Schnelles Reden

Reden ohne Punkt und Komma ist in einigen Regionen Deutschlands und bei einigen Frauen beliebt, führt in der Schweiz aber schnell zur Abneigung. Man sollte niemals vergessen, dass Hochdeutsch für die Schweiz auch eine Art Fremdsprache ist. Viele beherrschen es zwar gut, aber dennoch ist der Aufwand grösser. Ein viel zu schnelles Reden führt dann dazu, dass der Gegenüber die Lust verliert diesen Aufwand zu betreiben und plötzlich wird man nicht mehr richtig verstanden. Missverständnisse sind dadurch vorprogrammiert. Ein Gespräch im Normaltempo ist für beide Seiten förderlich.

Ständige Vergleiche mit Deutschland

Sowas sollte man sich von vornherein am besten direkt abgewöhnen, schliesslich hat man Deutschland verlassen. Am besten sollte man dieses Hinterfragen von ungewohnten Herangehensweisen oder Abläufen unterdrücken und diesen neuen Varianten eine faire Chance geben. Klar ist auch in der Schweiz nicht alles gold, was glänzt. Scheinbar machen sie aber auch vieles richtig, sonst würde es der Schweiz nicht so gut gehen, wie es ihr jetzt geht.

Die Schweiz zur EU zählen

Aussagen wie: "Die Schweiz gehört quasi zur EU, nur die Währung ist anders" sollte man tunlichst sein lassen. Die meisten Schweizer haben eh schon das Gefühl, dass die EU ihnen ständig Vorschriften macht und solche Aussagen unterstreichen dieses Gefühl unnötigerweise. Auch wenn die Schweiz sich der EU sehr angenähert hat, hat sie kein Interesse sich der EU anzuschliessen. Die Übereinkünfte mit der EU sind rein wirtschaftlicher Natur und bei vielen Abmachungen, die zu sehr in die Souveränität der Schweiz eingreifen, gibt es häufig einen Sonderstatus für die Schweiz. Die Schweizer sind sehr stolz auf ihre Unabhängigkeit und Neutralität. Wenn wir ehrlich sind, beneiden wir sie meistens auch darum.