Folge 2 von "Das gibt es nur in der Schweiz"

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Nach dem grossen Erfolg des ersten Teils von "Das gibt es nur in der Schweiz" habe ich für euch eine Fortsetzung produziert. Bei Teil 2 ist sehr viel von eurem Feedback und Ergänzungen eingeflossen. Vielen Dank für euren zahlreichen Kommentare und Likes. Ich habe mich riesig darüber gefreut. Im Folgenden Video seht ihr nun zehn weitere ausgewählte Beispiele, die Touristen und Auswanderer in der Schweiz zum Staunen bringen.

Im Folgenden findet ihr den Inhalt des Videos auch in Textform. Unterhaltsamer und Bildreicher ist natürlich das Video.

Singleverbot für Meerschweinchen

In der Schweiz gibt es eine Partnervermittlung der tierischen Art. Grund ist ein Gesetz. Als soziale Tiere fühlen sich Meerschweinchen nur in Gruppen von zwei oder mehr Tieren wohl. Als Single leiden diese Tiere daher sehr unter psychischen Stress. Die tierfreundliche Schweiz nimmt diesen Umstand ernst und hat in der Schweizer Tierschutzverordnung daher festgeschrieben, dass Meerschweinchen in Gruppen von mindestens 2 Tieren zu halten sind.

Was aber tun, wenn man ein Paar besitzt und eines von beiden stirbt? Wie verhindern, dass endlos Nager auf Nager folgt? Die Lösung ein Meerschweinchen zum Leasen. Findige Tierzüchter haben sich daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Gegen eine einmalige Gebühr wird ein passendes Tier geleast und kann auf Wunsch auch behalten werden. Stirbt jetzt das ehemalige Single-Tier oder haben die beiden nur Streit miteinander kann das geleaste Meerschweinchen zurückgegeben werden und der Betrag wird anteilig erstattet.

Europameister im Bahnfahren

In Europa ist die Schweiz mit den meisten Kilometern pro Kopf einsame Spitzenklasse. 2018 benutzte jeder Einwohner im Schnitt 71 Mal die Bahn und legte dabei fast 2400 Kilometer zurück. Auf den weiteren Plätzen folgen in Europa erst mit grossem Abstand Österreich mit 1481 km, Frankreich mit 1393 km, Schweden mit 1324km und Deutschland mit 1182 km. Schlusslicht in Europa sind die Griechen mit gerade einmal 103 Kilometer pro Kopf.

Dass die Bahn in der Schweiz so rege genutzt wird, liegt nicht nur am gut ausgebauten Netz, sondern auch der Sauberkeit und zu guter Letzt auch an der Pünktlichkeit. Auch wenn in den letzter Zeit, diese durch vermehrt Baustellen etwas abnahm, im Vergleich mit den Nachbarstaaten ist die Schweizer Bahn weiterhin sehr pünktlich.

Der längste Eisenbahntunnel der Welt

Nicht nur pünktlich und sauber ist die Bahn in der Schweiz, sondern auch Rekordverdächtig. Der Gotthard-Basistunnel ist mit 57.1 Kilometern, der längste Eisenbahntunnel der Welt. Nach nur 17 Jahren Bauzeit wurde der Tunnel am 1. Juni 2016 feierlich eröffnet und löste damit den Seikan-Tunnel in Japan ab. Als sich der Süd- und der Nordvortrieb am 15. Oktober 2010 im Berg trafen, betrug die Abweichung lediglich acht Zentimeter seitlich und einen Zentimeter in der Höhe.

Mit dem neuen Tunnel schafft die Schweiz eine raschere Verbindung durch die Alpen. Dank der neuen Flachbahn erhält der Güterverkehr mehr Kapazitäten und für Reisende verkürzt sich die Fahrzeit markant. Für die 57 Kilometer benötigt der Zug nur noch 20 Minuten. Zukünftig dürfen die Züge mit maximal 250 km/h durch den Tunnel rasen. Die Züge können im Notfall 15 Minuten brennend weiterfahren und erreichen auch in dieser Situation einer der beiden Nothaltestellen, an der sie dann gelöscht werden können.

Extra Raclette- und Fondue-Programm

Schweizer Geschirrspüler unterscheiden sich nicht nur in der Einbaunorm. In der Schweiz sind bei der Elementbreite 55cm üblich und im EU-Raum 60cm. Darüber hinaus bieten einige Schweizer Abwaschmaschinen ein ganz spezielles Programm an. Das Fondue und Raclette-Programm – eine helvetische Spezialität, wie die heissen Käsegerichte selbst. Caquelons und Raclettepfännchen sowie Auflauf- und Gratinformen werden ohne Einweichen dank einer aktiven Aufweichphase wieder perfekt sauber. Starke Käseverschmutzungen lassen sich damit ohne viel Aufwand wieder entfernen. Allerdings nimmt diese Reinigungsprozedur wesentlich mehr Zeit in Anspruch als ein normaler Waschgang.

Heimatort

Im Schweizer Reisepass und auf dem Ausweis gibt es ein helvetisches Unikum, mit welchem ausländische Behörden nichts anfangen können. Der Heimatort. Im Schweizer Recht wird zwischen Heimat und Wohnsitz unterschieden. Jeder Schweizer hat sowohl einen Heimatort als auch einen Wohnort. Wo in vielen Ländern auf Formularen oft nach dem Geburtsort gefragt wird, wird in der Schweiz meist nach dem Heimatort gefragt. Der Heimatort kann, muss aber nicht mit dem Geburtsort oder Wohnort übereinstimmen.

Der Heimatort stammt aus der Zeit als nicht die Schweiz der Staat war sondern der Kanton und soll den Ort beschreiben, an dem die Wurzeln liegen. Ausländer tragen hier das Herkunftsland ein. Bei der Geburt erben Schweizer den Heimatort vom Vater. Bei regulären Einbürgerungen erhalten Neuschweizer diesen über den Wohnort und bei der erleichterten Einbürgerung über den Verwandtschaftsgrad. Bis weit ins 20. Jahrhundert war der Heimatort wichtig, weil der Heimatort für seine Sozialfälle selbst aufkommen musste. Heute gilt das Wohnortprinzip. Schweizer die lange am gleichen Ort leben, können ein Begehren einreichen und einen neuen Heimatort erlangen.

Die steilste Zahnradbahn der Welt

Mit einer Steigung von 48% und einer Länge von 4'618 Metern führt die steilste Zahnradbahn der Welt auf den Hausberg der Stadt Luzern, den Pilatus. Trotz der durchschnittlichen Steigung von 38% ist die Bahn in nur 30min von der Talstation Alpnachstad auf der Bergstation Pilatus Kulm und überwindet dabei eine Höhendifferenz von 1'635 Metern. Mit Hilfe von zwei horizontal drehenden Zahnrädern ist es möglich, diese Steigung zu meistern. Entwickelt wurde diese ausgeklügelte Technik vom Züricher Ingenieur Eduard Locher. Dieses System war auch sein Meisterwerk. Bei der Eröffnung der Bahn 1889 fuhr die Bahn noch mit Dampf. Seit den 30er Jahren wird die Bahn elektrisch betrieben.

Die Zahnradbahn gehört mit zu der bei Touristen beliebten "Goldenen Rundfahrt". Zu dieser gehört neben der Fahrt mit der Zahnradbahn auch die Fahrt mit der Luftseilbahn und Panorama-Gondelbahn am Pilatus und eine Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Sehr touristisch, aber auch sehr sehr schön.

Besenbeiz

Vielleicht nicht einzigartig, aber etwas Besonderes sind die Besenbeizen in der Schweiz. Oft etwas abgelegen und ganz spezielle Öffnungszeiten. Meist nur während den Sommermonaten, am Wochenende, nur an Sonntagen, nur bei schönem Wetter oder einfach nur unregelmässig. Je nach Gusto des Betreibers. Diese saisonal begrenzt geöffneten Bergwirtschaften sind für Wanderer und Ausflügler eine tolle Alternative zum Picknick. Die Eröffnung einer temporären Besenbeiz ist unkomplizierter als für einen regulären Gastronomiebetrieb und ermöglicht Älplern und Forstwarten ein zusätzliches Einkommen als Gastwirt. Für die Gäste, ist es eine gute Möglichkeit der Rast mit häufig lokalen Spezialitäten in toller Atmosphäre. Früh galt: Wenn der Besen draussen steht ist die Beiz geöffnet.

Spätes Frauenwahlrecht

Die Schweiz war eines der letzten Länder Europas, welches das Frauenwahlrecht flächendeckend eingeführt hat. Trotz dieses Umstandes kam dem auch etwas Positives abgewinnen. Es war auch das erste Land, welches das Frauenwahlrecht durch eine Volksabstimmung, des männlichen Teils der Bevölkerung, einführte. Der Hauptgrund für die späte Umsetzung liegt im politischen System der Schweiz. Bei Vorlagen, welche die Verfassung betreffen, entscheidet allein das stimmberechtigte Volk zusammen mit den Kantonen. Um das Stimmrecht auf den verschiedenen Ebenen einführen zu können, brauchte es jeweils die Mehrheit der stimmberechtigten Männer. Auf nationaler Ebene war zudem das Ständemehr nötig, also die Mehrheit der zustimmenden Kantone. Das waren grosse Hürden.

1959 scheiterte die erste Volksabstimmung über das eidgenössische Frauenstimmrecht klar. Nur ein Drittel der Schweizer Männer stimmten mit Ja und nur in den welschen Kantone Neuenburg, Waadt und Genf stimmte die Mehrheit mit Ja. Protestaktionen und Frauenstreiks in der ganzen Schweiz waren die Folge. Bei der zweiten Volksabstimmung 1971 wendete sich dann das Blatt und 65% der Schweizer Männer stimmten dieses Mal mit Ja. Aber in den Kantonen Schwyz, Uri, Obwalden, Glarus, Thurgau, St. Gallen, Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden erhielt das Frauenwahlrecht keine Mehrheit. Das Ständemehr war aber dennoch erreicht. Auf kantonaler Ebene dauerte es nochmal 19 Jahre bis 1990 der letzte Kanton Appenzell Innerrhoden seinen Frauen das Stimmrecht einräumte. Dieses Mal mit einem Bundesgerichtsurteil gegen den Mehrheitsentscheid der Männer an der Landsgemeinde von 1990.

Landsgemeinde

Ja schon wieder Politik. Aber da sich wahrscheinlich der ein oder andere jetzt beim Frauenwahlrecht gefragt hat, was eine Landsgemeinde ist. Werde ich die Gelegenheit nutzen und diese Schweizer Besonderheit hier kurz erklären.

Die Landsgemeinde ist eine Urform der schweizerischen Demokratie und in ihrer Art in der Welt einzigartig. Die erste historisch belegte Landsgemeinde fand bereits 1294 statt. Die Landsgemeinde aus früheren Zeiten hat mit der heutigen Form aber wenig gemein. Landsgemeinden gibt es nur noch in den konservativ geprägten Kantonen Appenzell Innerrhoden und Glarus. Einmal im Jahr versammeln sich in diesen beiden Kantonen einige tausend Stimmberechtigte unter freiem Himmel zur Landsgemeinde. Manchmal kommt es dabei zu heftigen Diskussionen, an denen jeder teilnehmen kann. Die Stimme wird mit erhobener Hand abgegeben, und es wird abgeschätzt, ob es mehr oder weniger als die Hälfte sind. In Zweifelsfällen wird einfach durchgezählt.

Die längste Fussgänger-Hängebrücke

Bei Zermatt findet sich die längste Fussgänger-Hängebrücke der Welt. Die Charles Kuonen Brücke ist 494 Meter lang und Teil des Europaweges. Wer die Brücke überqueren möchte sollte aber unbedingt Schwindelfrei sein. Am höchsten Punkt ist die Brücke 85 Meter über dem Abgrund, welchen man die ganze Zeit durch die Trittgitter hindurch sieht. Die Breite beträgt nur 65cm. Erbaut wurde die fast einen halben Kilometer lange Brücke in weniger als 3 Monaten und dank einem patentierten Schwingungs-Dämpfungssystem kann die Brücke kaum ins Schwingen kommen. Bei Gewitter wird von einer Überquerung dringend abgeraten. Wem jetzt beim Zuhören noch nicht schlecht geworden ist, kann im Wallis den perfekten Nervenkitzel erleben. Ich werde mir das aber bestimmt nicht antun.

Kennt ihr noch weitere Einzigartigkeiten oder Ungewöhnliches in der Schweiz? Schreibt es mir auf YouTube in die Kommentare. Wenn euch das Video gefallen hat, würde ich mich über ein Like und ein Abo freuen.