Das musst du in Bern gesehen haben

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In der neuen Videoreihe "Das musst du in …" gesehen, stelle ich euch bekannte Sehenswürdigkeiten und Insidertipps aus Schweizer Städten und Regionen vor. Mit dieser Reihe möchte ich euch noch mehr die Schönheit der Schweiz näherbringen und hoffe den ein oder anderen zu einem Ausflug zu animieren. Im ersten Teil widme ich mich dem Stadtzentrum der Bundeshauptstadt Bern. Ich stelle euch die aus meiner Sicht Wichtigsten und einige Insidertipps vor.

 

Im Folgenden findet ihr den Inhalt des Videos auch in Textform. Unterhaltsamer und Bildreicher ist natürlich das Video.

Das Bundeshaus

Hier schlägt das Herz der Schweizer Demokratie. Der Sitz der Schweizer Regierung und des Parlaments ist von Aussen wie von innen eine wahre Pracht. Unter seiner mächtigen Kuppel tagt das Parlament, in den West- und Ostflügeln sind Teile der Landesregierung sowie der Bundesverwaltung untergebracht. Der Bau ist auch ein Symbol der nationalen Einheit. Um dies zum Ausdruck zu bringen, wurden 30 Gesteinsarten aus 13 Kantonen für Bau und Dekoration des Bundeshauses verwendet. Auf dem grosszügig angelegten Vorplatz findet sich ein Wasserspiel mit 26 Fontänen, eine für jeden Kanton. Das Wasser spritzt Mal im Takt, mal ganz unterschiedlich in die Luft. Spiegelt aus meiner Sicht auch ein wenig den Kantönligeist wieder, aber das ist nur meine Interpretation.

In der Eingangshalle huldigt das Bundeshaus dem Mythos der Schweiz: Eine riesige Skulptur zeigt die Urväter beim Rütlischwur, genauso, wie Friedrich Schiller in seinem Drama "Wilhelm Tell" die fiktive Gründungsszene der Eidgenossenschaft beschreibt. Ausserhalb von Sessionen und am 1. August, dem Nationalfeiertag der Schweiz, finden im Bundeshaus Führungen statt. Absolut empfehlenswert. Im ersten Stock befindet sich der Saal des Nationalrates mit seinem charakteristischem Wandbild «Die Wiege der Eidgenossenschaft». Der kleinere Saal des Ständerats befindet sich ebenfalls im ersten Stock. Der rechteckige, mit dunklem Holz vertäfelte Raum soll an die Ratssäle der Alten Eidgenossenschaft erinnern, ebenso der ovale Ratstisch in der Saalmitte. Auch diesen Raum ziert ein bekanntes Bild, das Fresko «Die Landsgemeinde». Als krönenden Abschluss sollte man sich den Gang durch die Wandelhalle mit Blick auf die Aare und die Schweizer Alpen nicht entgehen lassen. Wer nicht in den Genuss kommt das Bundeshaus von innen zu besichtigen, kann von der auf Rückseite des Gebäudes gelegenen Bundesterrasse eine fast ebenso schöne Aussicht geniessen.

Berner Münster

Das zweite Gebäude was die Silhouette der Stadt markant prägt ist der mehr als 100m hohe gotische Turm des Berner Münsters. Am Rande der Altstadt gelegen, lohnt sich hier eine kurze Rast im davorgelegen Park auf der Münsterplattform, mit wunderschönen Blick auf die Aare. Auch der Innenbereich kann sich sehen lassen. Kunstvoll gefertigten Kirchenfenster, Skulpturen, Fresken und ein aussergewöhnlich wertvoller Glockenbestand. Darunter auch die grösste Glocke der Schweiz, mit einem Durchmesser von 248 cm und einem Gewicht von knapp 10 Tonnen.

Mattelift, Marzilibahn, Freibad Marzili und Aare

Wer von der erhöhten Altstadt an die Aare, das idyllische Mattequartier oder Marziliquartier möchte, der kommt dabei mit dem Mattelift oder der Marzilibahn am schnellsten und eindrücklichsten ans Ziel. Der Mattelift oder auch im Volksmund Senkeltram genannt liegt direkt am Rande der Münsterplattform und wird von sogenannten Liftboys bedient. Die Marzilibahn ist eine Drahtseilbahn und verbindet die Bundesterrasse mit dem Marziliquartier. Unten angekommen lohnt sich ein Spaziergang an der Aare oder bei grosser Hitze ein Besuch des Marzilibads. Verschiedene Becken, Liegewiesen und der direkte Zugang zum Fluss machen die Berner Badi zum beliebten Treffpunkt. Der aufmerksame Besucher wird im Sommer in der Aare auch jede Menge Schlauchboote entdecken. Der Fluss der Stadt ist für die Bewohner nicht nur einfach ein Gewässer. Aareschwimmer und Aareböötler gehören im Sommer einfach zum Stadtbild dazu.

Berner Altstadt

Etwas ganz Besonderes und zurecht UNESCO Weltkulturerbe ist die Berner Altstadt. In Form einer Halbinsel und eingefasst von der Aare, thront sie deutlich oberhalb des Flusses. Die Kramgasse, die wunderschönen Figurenbrunnen und die barocken Hausfassaden sind dabei eine echte Augenweide. Eine Besonderheit bilden dabei die Kellergeschäfte. Im Mittelalteralter wurden beiderseits der breiten Gassen unter jedes Haus Vorratskeller gebaut. Heute dienen diese Keller als Geschäftslokale für Boutiquen, Kunstgalerien, Bars, Restaurants und Weinhandlungen. Sogar ein Theater und ein kleines Kino gibt es in den Kellergewölben. Die 6 kilometerlangen Laubengänge laden zum Einkaufsbummel ein und schützen Besucher beim Flanieren vor Regen und Sonne. Wunderbare Gelegenheiten zum Verweilen gibt es dabei immer wieder in den charmanten Cafés. Innerhalb der Altstadt finden sich noch viele weitere bekannte Sehenswürdigkeiten und jede Menge kleine Insidertipps. Dazu später mehr.

Farbige Strassenschilder

Aufmerksamen Besuchern werden schnell die farbigen Strassenschilder auffallen. Diese stammen noch aus der Besatzungszeit durch Napoleon. Zur besseren Orientierung teilen die französischen Besatzer die Stadt in farbige Quartiere ein. Einer Legende nach, verliefen sich betrunkene Französische Soldaten schnell in der verwinkelten Altstadt und fanden mit den Farbigen Strassenschildern besser den Weg nach Hause. Da auch viele Soldaten damals Analphabeten waren, war die Farbgebung eine praktische Erfindung und hielt sich bis heute. Ein einziges farbiges Strassenschild bildet dabei eine Ausnahme. Das Schild bei der Kornhausbrücke ist orange, oder sollte ich besser oranje sagen und trägt den Schriftzug Korenhuisbrug. Dieses Strassenschild erinnert an die Fussball-Europameisterschaft von 2008, als rund 60'000 feierfreudige Niederländer sich auf dem Bundesplatz versammelten und friedlich über die Kornhausbrücke Richtung Stade de Suisse zogen. So sollte Fussball sein.

Zytglogge

Die Zytglogge, auf Hochdeutsch Zeitglocke, ist das alte Stadttor von Bern und gehört mit zu den Wahrzeichen der Stadt. Die übergrossen Ziffernblätter fallen als erstes auf und sind auch von weitem gut zu erkennen. Unterhalb der Uhr und über dem Tordurchgang drehen noch die Zeiger des Astrolabiums langsam ihre Runden. Die komplexe Darstellung der nördlichen Hemisphäre zeigt stets das aktuelle Tierkreiszeichen, die Mondphase, das Datum und Zeitpunkt des Sonnenauf- und Sonnenuntergangs. Sehr eindrucksvoll.

Immer zur vollen Stunden ereignet sich ein wunderbares Schauspiel. Kurz vor dem Stundenwechsel kündigt ein krähender Hahn ein Figurenspiel an: Bären tanzen ihre stündlichen Runden, ein Narr läutet entsprechend seinem Wesenszug absichtlich die Stunde zu früh ein, die Viertelstundenschläge ertönen vom Turm herab und Chronos, der Gott der Zeit, dreht seine Sanduhr um. Die goldene Figur von Hans von Thann schlägt schliesslich die Stundenglocke, dies natürlich im Takt mit Chronos’ schwingendem Zepter.

Im Turminneren ist die Zeit scheinbar stehengeblieben. Hier ist das beeindruckende Spielwerk des Astrolabiums aus dem Jahr 1530 zu bestaunen. Wer noch die 130 Stufen im Inneren erklimmt, wird mit einem schönen Ausblick auf die Dächer, Terrassen und Gassen der Stadt belohnt.

Sehr speziell, aber aus meiner Sicht einzigartig ist das Pissoir direkt an der Zytglogge. Wo kann man sonst legal und gebührenfrei direkt an einer der Hauptattraktionen der Stadt sein Geschäft verrichten?

Albert-Einstein-Haus

1902 trat Albert Einstein die Stelle beim Patentamt an, wohnte für 7 Jahre in Bern und entwickelte hier die weltbekannte Relativitätstheorie. In diesem Haus in der Kramgasse wohnte der geniale Physiker von 1903 bis 1905 und stellte unsere Vorstellungen von Raum und Zeit auf den Kopf. Das Wohnhaus ist öffentlich zugänglich. Die Wohnung Einsteins im 2. Stock ist im Stil jener Zeit eingerichtet. Wer noch mehr über Albert Einstein erfahren möchte, dem kann ich noch einen Besuch im historischen Museum von Bern empfehlen.

Bern und seine Brunnen

Die 11 historischen Figurenbrunnen in der Berner Altstadt erinnern noch heute als farbige Relikte an mittelalterliche Zeiten. Um 1550 ersetzen die kunstvollen Exemplare die hölzernen Brunnen und stellen vermutlich die damals vorherrschenden gesellschaftlichen Wertvorstellungen dar. Neben dem dekorativen Charakter und ihren spannenden Geschichten haben die Brunnen auch praktische Funktionen. Das kühle Nass ist Trinkwasser und steht allen kostenlos zur Verfügung. Einige der Brunnen sind zudem mitten auf verkehrsreichen Strassen platziert und somit ein sehr charmantes Verkehrshindernis. Der Wasserzufluss erfolgt über den grösstenteils unterirdischen Stadtbach.

Die Brunnen werde ich nur kurz vorstellen, da dies sonst die Länge des Videos sprengt. Die Standorte der Brunnen habe ich euch in die Videobeschreibung gepackt. Der berühmteste ist wohl der Kindlifresserbrunnen auf dem Kornhausplatz. Um dessen Bedeutung viele Mythen existieren. Die wohl plausibelste ist, dass der Brunnen eine erzieherische Massnahme darstellte und als Kinderschreck den Kindern Angst einjagen sollte um sie so gutes Benehmen zu lehren. Anmutig und schön steht Justitia mit verbundenen Augen auf ihrem Sockel. 1986 wurde die Figur leider von jurassischen Extremisten zerstört. Seitdem steht nur noch eine Kopie auf der Säule des Gerechtigkeitsbrunnens. Das Original kann im historischen Museum von Bern besichtigt werden. Die Figur des Mosesbrunnen stellt Moses mit seinem 10 Geboten dar. Mit seiner rechten Hand weist er dabei auf das zweite Gebot.  Auf der korinthischen Säule des Vennerbrunnen steht ein stolzer Berner Bannerträger in voller Montur. Auf dem Zähringerbrunnen überblickt ein aufrechtstehender Bär mit goldenen Helm die Strasse. Das Berner Wappentier erinnert an seine Gründer, die Zähringer. Die Brunnenfigur des Simsonbrunnen zeigt den biblischen Helden Simson in römischem Gewand, wie er mit blossen Händen das Maul eines Löwen aufreisst. Etwas abseits gelegen steht der Läuferbrunnen, mit einem Boten in den Farben der Stadt und Wappen auf der Brust. Zwischen den Beinen des Armbrustschützen auf der Säule des Schützenbrunnens sitzt ein kleiner Bär und zielt frech auf die Passanten, die in den Laubengängen flanieren. Die Figur des Anna-Seiler-Brunnen erinnert an Anna Seiler, die der Stadt Bern das Inselspital stiftete. Am Fusse dieses Brunnes sollen sich die Eltern des berühmten Schweizer Malers Ferdinand Hodler kennengelernt haben. Die Brunnenfigur des Armbrustschützen auf dem Ryfflibrunnen ist sagenumwoben. Der Soldat soll den Schützen Ryffli darstellen, der Überlieferungen zufolge mit einem einzigen gezielten Schuss Ritter Jordan III. von Burgistein bezwungen haben soll. Der Pfeifferbrunnen versprüht Leichtigkeit und Freude und zeigt einen Musikanten, der fröhlich auf einem Dudelsack musiziert. Begleitet wird er von einer goldenen Gans und einem Äffchen.

Vier witzige Geheimtipps

Mitten im Bahnhof Bern gibt es eine Figur, die einem ständig anschaut. Egal, ob man von rechts oder von links kommt. "Dr Loubegaffer", auf Hochdeutsch würde ich dem Balkonglotzer sagen, ist wahrscheinlich das bekannteste Werk des Künstlers Sandro Del-Prete und die erste Inversionsstatue, die je öffentlich aufgestellt wurde. Den Standort muss man etwas suchen. Am einfachsten findet man ihn, wenn man von der Tram-Haltestelle Bern Bahnhof auf die Rolltreppe zur Christoffel-Unterführung runterfährt und dann gleich das zweite Schaufenster auf der rechten Seite ansteuert.

Wer mal einen Blick auf das unterirdische Kanalsystem von Bern werfen möchte, sollte unbedingt noch im Kaffee Montag vorbeischauen. Nach einer kurzen Kaffeepause offenbart ein Besuch auf dem stillen Örtchen etwas ganz Besonderes. Der Boden auf dem WC ist aus Glas und gibt somit den Blick frei auf die frühere Kanalisation des alten Bern. Ein ganz spezielles Highlight.

Wer in den Gassen von Bern ein Füfliber bzw. Fünffrankenstück entdeckt, sollte vorsichtig sein. Nichtsahnende Besucher könnten beim Versuch diese aufzuheben Nass werden. Die Münzen sind im Boden verschraubt und sie sind nur ein Köder. Aus einem Dachspeier hoch über Gasse spritzt in regelmässigen Abständen ein kleiner Schwall Wasser auf das Kopfsteinpflaster.

Um das verlassene Geisterhaus in der Junkerngasse 54 ranken sich vielen Mythen und Schauergeschichten. Immer um Mitternacht soll eine schwarz gekleidet Frau durch die heute als Lager genutzten Räume wandeln. Früher wurde das Haus auch als Stall genutzt und die Pferde sollen schon nach wenigen Stunden nervös und verrückt geworden sein. Bewohnt wurde das Haus scheinbar nie.

Berner und Kenner werden jetzt sicher sagen: "Da fehlt doch noch was". In dieser Folge habe ich mich extra nur dem Stadtzentrum gewidmet, da sonst das Video einfach zu lang geworden wäre. Für all die schönen Dinge ausserhalb des Stadtzentrums werde ich mich in einem zukünftigen Teil dieser Serie kümmern und euch gleichzeitig die Möglichkeit der Mitgestaltung geben. 

Wenn Ihr also noch weitere Sehenswürdigkeiten und Insidertipps habt, so schreibt sie mir doch in die Kommentare. Wenn euch das Video gefallen hat, so könnt ihr mich mit einem Like und Abo bei YouTube unterstützen.