Folge 2 von "Typisch Schweiz"

5 1 1 1 1 1 Gesamtbewertung (1)
Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Im zweiten Teil der Videoreihe "Typisch Schweiz" erwarten euch wieder eine bunte Mischung aus 5 Produkten, die für mich typisch für die Schweiz sind. Vielen Dank für euren vielen Vorschläge nach dem ersten Teil. Diese sind natürlich mit in dieser Folge eingeflossen. Zu jedem Produkt erwarten euch wieder spannende Fakten und Hintergrundgeschichten. Bin wieder sehr gespannt, was alles davon neu für euch war.

Das Video hat wie immer keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll in erster Linie zur Unterhaltung beitragen. Im Folgenden findet ihr den Inhalt des Videos auch in Textform. Unterhaltsamer und Bildreicher ist natürlich das Video. Kennt ihr noch weitere Produkte, die typisch für die Schweiz sind? Schreibt es mir auf YouTube in die Kommentare. Wenn euch das Video gefallen hat, würde ich mich über ein Like und ein Abo freuen.

Ricola

Es gibt wahrscheinlich nur wenige Schweizer, die nicht in irgendeiner Schublade oder Tasche ein Päckchen dieser beliebten Kräuterbonbons vorrätig haben. Die Marke Ricola erfreut sich im Ausland ebenfalls grosser Beliebtheit und wird dort zu Recht als typisch Schweiz wahrgenommen. Die Hustenbonbons helfen bei Husten, Halsschmerzen und Heiserkeit. Der Kräuterzucker bestehend aus 13 in der Schweiz beheimateten Kräutern wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und lindernd. Die Kräutermischung besteht aus: Salbei, Pfefferminze, Thymian, Schafgarbe, Ehrenpreis, Holunder, Malve, Spitzwegerich, Bibernelle, Frauenmantel, Eibisch, Andorn und Schlüsselblume.

Der Name Ricola ist eine Abkürzung des ursprünglichen Firmennamens Richterich & Co., Laufen. Gegründet wurde das Schweizer Familienunternehmen 1930 in Laufen im Kanton Basel-Land, ist dort bis heute ansässig und wird in dritter Generation weitergeführt. Emil Richterich beschäftigte sich intensiv mit der Heilkraft von Kräutern und experimentierte mit eigenen Mixturen. 1940 mischte Emil Richterich zum ersten Mal die heute noch verwendete Rezeptur aus 13 Kräutern für den Schweizer Kräuterzucker und leitet damit den Durchbruch für das Unternehmen ein.

An dieser Stelle habe ich noch ein paar spannende Fakten für euch: Schweizer Bergbauern liefern jährlich über 1'400 Tonnen frische Kräuter an Ricola. Das Ricola Kräuterzentrum in Laufen ist mit über 100 Meter Länge, 11 Meter Höhe und fast 30 Meter Breite der grösste Lehmbau Europas. Aus dem Kräuterzentrum werden jährlich fünf Milliarden Bonbons in 50 Länder der Erde verschickt. Ricola setzt sich stark für den biologischen Kräuteranbau ein und unterzeichnete langjährige Abnahmeverträge mit Schweizer Kräuter-Bauern. Über die ganze Schweiz verteilt gibt es 5 öffentlich zugängliche Kräuterschaugärten. Besonders von Mai bis September sind sie mit ihrem würzigen Duft und ihrer Blütenpracht einen Besuch wert. Die hauseigene Kunstsammlung umfasst zeitgenössische Schweizer Kunst und fördert Kultur- und Kunstschaffende der Schweiz.

Glarner Schabziger

Nun kommen wir zu einem weit weniger bekannten, dafür umso geschichtsträchtigeren und sehr speziellen Produkt. Entweder man hasst ihn oder man liebt ihn. Es handelt es sich um den Glarner Schabziger, das älteste Markenprodukt der Schweiz. Der Schabziger oder auch Zigerstöckli genannt ist ein grünlicher Reibkäse. Er wird aus magerer Kuhmilch und Molke hergestellt, ist sehr eiweissreich und fettarm. Sein Name kommt daher, dass man ihn früher vom sogenannten Zigerstock mit einem Messer abschabte. Gegessen wird er gern als Reibkäse auf Teigwaren, auf Brot oder als Würze im Fondue. In Kochbüchern und auf Speisekarten taucht es dann als Zigerhörnli, Zigerfondue oder Zigerbrut auf.

Noch heute wird der Schabziger nach dem gleichen Prinzip hergestellt wie vor tausend Jahren. Entrahmte Kuhmilch wird auf über 90 °C erhitzt und mit Milchsäurekultur versetzt. Die Milch scheidet dadurch den Ziger, welcher dann das ganze Eiweiss der Milch enthält. Der frische Ziger kühlt im Anschluss in flachen Becken aus, bevor er im Gärbehälter eine erste Reifung von vier bis zwölf Wochen durchläuft. Der Rohziger wird dann anschliessend zerrieben, mit Salz vermengt und zur weiteren Reifung während drei bis acht Monaten in Silos eingelagert. Erst in dieser Phase kommt der stark riechende Zigerklee dazu, der dem Schabziger seine grüne Farbe und den unverkennbaren Geschmack verleiht.

Bereits im 8. Jahrhundert wurde der Schabziger zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Er diente den Glarnern als Zehntabgabe an das Kloster Säckingen, dem das Glarnerland bis 1395 gehörte. Durch ein Gesetz der Glarner Landsgemeinde vom 24. April 1463 wurden alle Hersteller im Kanton Glarus verpflichtet, den Käse nach Qualitätsvorgaben zu produzieren, mit einem Herkunftsstempel zu kennzeichnen, um ihn so vor Nachahmung zu schützen. Damit machten sie ihn somit zum ältesten Markenprodukt der Schweiz. Bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Schabziger vielerorts in der Schweiz direkt an der Haustür verkauft. Seit 2001 ist die Herstellung sogar nur noch auf den Hauptort Glarus beschränkt. Heute wird Schabziger nur noch von der Firma Geska hergestellt. Der Verkauf von Schabziger blieb jedoch nicht auf die Eidgenossenschaft beschränkt. Bereits im 16. Jahrhundert wurde er nach Frankreich und Italien exportiert. Heute wird er als Käse oder in Würzform in bis zu 50 Länder exportiert. Als der eigentümliche Käse es sogar über den Ozean in die USA schaffte, erwies sich der Name als unaussprechlich. In den USA kennt man ihn daher unter dem Namen Sap Sago.

Zweifel

Bei Kartoffelchips schwören die Schweizer auf Zweifel. Auf fast jedem Apéro, Grillfest oder Picknick wird man diese beliebten Chips entdecken. Die Zweifel Pomy-Chips AG ist mittlerweile mit über 50% Marktanteil unangefochtener Marktführer in der Schweiz. Der Weg dahin führte über Umwege. Der Durchbruch gelang dann schlussendlich mit einer einzigartigen und innovativen Servicegarantie.

Handel, Landwirtschaft und Produktion hat bei Zweifel lange Tradition und geht bis ins Mittelalter zurück. Lange Zeit war die Familie Zweifel aus Höngg als Weinbauern tätig. Wegen der Industrialisierung und der Zerstörung der einheimischen Reben, durch eingeschleppte Krankheiten aus Amerika, waren die Gebrüder Zweifel Ende des 19. Jahrhunderts gezwungen umzudenken. Sie entschlossen sich, sich nicht nur auf den Weinanbau zu konzentrieren, sondern ihr Tätigkeitsfeld auf den Handel mit Weinen und die Produktion von Obstsäften auszubauen.  Der Tätigkeitsschwerpunkt wurde bald auf die Obstsaftproduktion verlegt. Nach dem zweiten Weltkrieg kamen Softdrinks immer mehr in Mode und die Obstsaftproduktion war damit nicht mehr besonders lukrativ. In den 50er Jahren begann die Firma Zweifel mit dem Handel von Mineralwasser und stieg in die Produktion von Kartoffel-Chips mit ein. Die Chips-Produktion war ursprünglich nur als Ankurbelungs-Massnahme für den hauseigenen Obstsaft gedacht. Schliesslich machen Chips durstig. Erwies sich dann aber schnell als eigenständiger Verkaufshit. In den 80er Jahren wurde dann die Produktion von Obstsäften eingestellt und die Chips-Produktion blieb.

Der visionäre Frisch-Service, der ab 1962 mit auffälligen orangen Zweifel-Bussen schweizweit unterwegs war, machten die Chips im Nu überall bekannt und begehrt. Die Mitarbeiter des Frisch-Services beliefern Verkaufsstellen und tauschen Produkte kostenlos und rechtzeitig aus. Gerade in den Anfängen, als man noch kein Mindesthaltbarkeitsdatum kannte, war dieser Service natürlich Gold wert und hat bis heute bestand. Durch diesen Service konnte Zweifel immer absolute Frische garantieren. Jederzeit und überall. Das kam an und machte Zweifel innerhalb kürzester Zeit zum grössten Chips- und Snack-Unternehmen der Schweiz. Auch in den Zutaten steckt viel Schweiz drin. In normalen Erntejahren stammen alle Kartoffeln von Schweizer Bauern. Nur in ernteschwachen Jahren wird aus Europa dazugekauft. Damit die Chips so schön knusprig werden, werden diesen in reinem Schweizer Rapsöl gebacken. Gesalzen wird zum Schluss mit Schweizer Alpensalz. Dem Kanton Zürich ist Zweifel bis heute treu geblieben. Produziert werden die Chips heute in Spreitenbach.

Appenzeller Biberli

Das Appenzeller Gebäck schlechthin. Ein Biberli ist ein handtellergrosses mit süsser Mandelmasse gefülltes feinwürziges Honigteiggebäck, dessen genaue Gewürzmischung geheim ist. Einen Appenzeller Biberli mit einem normalen Lebkuchen zu vergleichen, auch wenn der Vergleich durchaus Nahe liegt, kommt im Appenzell etwa so gut an, wie nach der Rezeptur der Gewürzmischung zu fragen. Nämlich gar nicht. Die Wichtigkeit der Geheimniskrämerei im Appenzell, kennen wir ja bereits aus der Käsewerbung. Die Unterschiede zum Lebkuchen liegen vor allem daran, dass ein Biberli gefüllt ist und im Biberteig Eier fehlen. Das Biberli ist ein beliebter Snack für Zwischendurch und die Kleinform vom Biber. Der Biber ist im Gegensatz dazu eher ein Festtagsgebäck oder zum Verschenken. Die grossen Biber sind bis zu 2 kg schwer. Auf der Oberseite der Biber wird oft ein Bild geprägt. Das traditionellste ist das Wappentier des Kantons Appenzell, ein Bär.

Die Geschichte der Biberli, so wie wir sie heute kennen, hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Die ersten Rezepte mit einer Mandelmasse als Füllung fand man aber nicht Kochbüchern aus dem Appenzell, sondern aus St. Gallen. Lebkuchen- und Honigteiggebäcke kannte man zwar schon viel früher, aber immer ohne Füllung. Vor der Industriellen Revolution war Zucker ein teures Gut, welches aus Indien oder der Karibik importiert wurde. Erst nachdem die industrielle Gewinnung von günstigem Zucker aus einheimischen Runkelrüben möglich war entstanden in der Ostschweiz die ersten Rezepte mit Füllung, der Biber war geboren. Jede Bäckerei hat ihr eigenes Rezept und kein Biber schmeckt daher wie der andere.

 

Über der Herkunft der Bezeichnung Biber ist man sich nicht ganz einig. Einige Quellen deuten auf die Herleitung vom lateinischen Wort piper hin, was so viel wie Pfeffer bedeutet. Im Mittelalter verstand man unter Pfeffer auch Gewürze ganz allgemein. Da die Lebkuchengebäcke aus den Klöstern hervorgingen und Latein die Sprache der mittelalterlichen Klöster war ist dies durchaus schlüssig, aber nicht erwiesen. Andere Quellen verweisen auf das mittelhochdeutsche Wort Bimenzelten, was so viel wie Fladen oder flaches Gebäck heisst. Aber egal woher das Wort stammt, ob nun St. Gallen oder Appenzell der Ursprung ist, das Biberli ist eine süsse Ostschweizer Spezialität, die man probiert haben muss.

Cervelat

Ob Cervelat, Klöpfer, Stumpen, Proletenfilet, Filet im Darm, Arbeiterforelle oder Kotelett des armen Mannes, die geräucherte Brühwurst trägt viele Namen und gilt bei vielen als die Schweizer Nationalwurst. Am 1. August, im Pfadfinderlager und auf Grillfesten ist diese Wurst fester Bestandteil. Besonders die Verbindung zum Nationalfeiertag ist tief verwurzelt. Bereits 1891 wurde der Cervelat zum ersten Mal im Zusammenhang mit dem Schweizer Nationalfeiertag, dem 1. August erwähnt. Pro Jahr werden in der Schweiz 160 Millionen Cervelat verspeist. Das sind ganze 20 Stück pro Kopf und dreimal so viel wie Bratwürste. Zubereitungsarten gibt es viele. Sei es mit kreativen Grillmustern versehen bis hin zum Arbeiter-Cordon-Blue (mit Käse gefüllt und Speck umwickelt). Die einzig wahre, ist aber mit Kreuzschnitt an den Enden und über dem Feuer grilliert.

Die Wurst besteht aus Rindfleisch, Schweinefleisch, Rückenspeck, Schwarte und Eis sowie Gewürzen und Pökelsalz. Der Naturdarm ist meist ein importierter brasilianischer Rinderdünndarm. Diese Rinderdärme waren auch der Grund für die Cervelat-Krise von 2008. In der Zeit des Rinderwahns entschloss sich die Europäische Union für einen Importstopp von brasilianischen Rinderdärmen und die Schweiz musste mitziehen. 2008 wurden die Vorräte langsam knapp und die 15-Köpfige "Taskforce Cervelat" wurde gegründet. Kein Witz! Die Taskforce suchte verzweifelt nach Lösungen für die nationale Tragödie. Neben anderen Rinderdärmen wurden auch Schweinedärme und eine künstliche Neuentwicklung auf Kolagenbasis getestet. Es kamen schliesslich Importe aus Argentinien, Uruguay und Paraguay zum Einsatz. 2012 hob die Europäische Union den Stopp für die brasilianischen Rinderdärme wieder auf. Die Krise war überstanden.

Übrigens in der Schweiz werden weniger wichtige Berühmtheiten, die sogenannten C-Prominenten, abwertend als Cervelat-Prominenz bezeichnet. Für Schweizer und alle die in der Schweiz leben nichts Neues, aber ausserhalb der Schweiz kennt man diesen Begriff nicht.

Kennt ihr noch weitere bekannte Schweizer Produkte? Oder habt ihr wünsche für zukünftige Videos? Schreibt es mir auf YouTube in die Kommentare. Wenn euch das Video gefallen hat, würde ich mich über ein Like und ein Abo freuen.