So feiert die Schweiz Weihnachten 🎄🎅

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Jedes Land der Welt hat seine eigenen Weihnachtstraditionen. Die Schweiz mit ihrer reichen Brauchtumskultur ist da keine Ausnahme. Hier stelle ich euch vor, wie die Schweiz Weihnachten feiert.

Im Folgenden findet ihr den Inhalt des Videos auch in Textform. Unterhaltsamer und Bildreicher ist natürlich das Video. Was sind eure Traditionen an Weihnachten? Schreibt es mir auf YouTube in die Kommentare. Wenn euch das Video gefallen hat, würde ich mich über ein Like und ein Abo freuen.

Christkind

In einem anderen Video haben wir bereits über den Schweizer Röstigraben gesprochen. Zur Bescherung könnte man in den deutschsprachigen Ländern von einem Weihnachtsgraben sprechen. In Süddeutschland, Österreich und im grössten Teil der Schweiz kommt zu Weihnachten das Christkind. In den westlichen Teilen der Schweiz kommt Père Noël, auf Deutsch Vater Weihnacht und in Norddeutschland dagegen kommt der Weihnachtsmann. Dem Brauchtum nach bringt das Christkind Kindern Weihnachtsgeschenke, ohne dabei gesehen zu werden. Ursprünglich eine protestantische Tradition ist Heutzutage das Christkind überwiegend in katholischen Gegenden verbreitet.

Habt ihr bereits gewusst, dass das Christkind in der Schweiz wohnt? Es hat sogar den Schweizer Pass und ist mittlerweile pensioniert. Das Christkind heisst Willi Würzer und war lange Zeit Leiter der Poststelle Wienacht-Tobel. Im Schweizerdeutschen bedeutet Wienacht so viel wie Weihnachten. Wegen dem Ortsnamen schicken einige Schweizer Kinder schon lange Weihnachtsbriefe an das Christkind in 9405 Wienacht-Tobel. Der Ort liegt im Kanton Appenzell Ausserrhoden an der Grenze zum Kanton St. Gallen. Durch das Internet verbreitete sich die Adresse immer weiter. Willi Würzer hatte 35 Jahre lang alle Briefe gelesen und beantwortet. Die Briefe kommen aus aller Welt, darunter finden sich unter anderem Absenderadressen aus Japan, Brasilien und Deutschland. Mit über 80 Jahren trat das Christkind dann aber kürzer und ging in wohlverdiente Pension. Damit auch in Zukunft alle Briefe an das Christkind beantwortet werden hat 2020 als Nachfolger Robert Zellweger und sein Familienunternehmen diese wichtige Aufgabe übernommen.

Samichlaus

Den Samichlaus kennt man in erster Linie in der deutschsprachigen Schweiz und ist quasi das optische Schweizer Gegenstück zum Weihnachtsmann. Der Samichlaus kommt am Abend des 6. Dezembers zu den Kindern nach Hause. Begleitet wird er dabei von einem Knecht. In der Deutschschweiz "Schmutzli" oder auch "Butzli" genannt. In der französischsprachigen Schweiz kennt man diesen unter dem Namen "Père fouettard".

Chlausengesellschaften sorgen dafür, dass die Tradition weiterlebt und möglichst viele Kinder Besuch vom Samichlaus bekommen. Der Samichlaus trägt ein Buch bei sich, aus dem hervorgeht, ob die Kinder im vergangenen Jahr auch artig waren. Der Samichlaus berichtet den Kindern, wie sie sich im vergangenen Jahr verhalten haben. Im Anschluss können die Kinder mit Weihnachtsgedichten bzw. Samichlaus-Sprüchen ihr Ansehen verbessern. Im Gegenzug verteilt der Samichlaus an die Kinder gute Ratschläge und kleine Geschenke. Dazu gehören Mandarinen, Schokolade, Lebkuchen und Nüsse. In einigen Gegenden finden zu dieser Zeit Klausenmärsche und Trychlerumzüge statt. Dazu gehören zum Beispiel das Chlaus-Chlöpfen in Lenzburg und das Klausjagen in Küssnacht am Rigi. Diese Anlässe finden aber nicht immer zwangsläufig genau am 6. Dezember statt.

Der Legende nach geht der Samichlaus auf den Bischof Nikolaus von Myra zurück. Nikolaus wurde gegen Ende des 3. Jahrhundert in Petras Lykien, das liegt in der heutigen Türkei, geboren. Die Eltern von Nikolaus verstarben sehr früh und hinterliessen ihrem Sohn grossen Reichtum. Nikolaus verschenkte von seinem Reichtum grosszügig an die Armen. Nikolas war aber nicht ganze Zeit Bischof. Wie der Nikolas zu seinem Bischofsamt kam, erzählt eine Legende. Nach dem Tod seines Vorgängers, dem alten Bischof von Myra, war kein Nachfolger zu finden. Die Gläubigen überliessen die Wahl dem Zufall und beschlossen: "Wer morgen als erster zum Frühgottesdienst kommt, soll der neue Bischof sein." Nikolaus wusste davon nichts und lief als erster durch das Kirchenportal. Nach langem Zureden, sagte er dem Amt schliesslich zu und wurde so Bischof von Myra.

Adventsfenster

Kommen wir nun zu einem weitaus jüngeren Brauch. Den Brauch der Adventsfenster gibt es vermutlich erst seit Mitte der 80er Jahre und findet seinen Ursprung im Aargau. Mittlerweile erobert dieser Schweizer Brauch auch andere Länder, wie Deutschland, Österreich und Frankreich. In erster Linie trifft man in der Deutschschweiz auf diesen Brauch. In der Westschweiz und im Tessin gibt es weniger Orte, welche die Idee übernommen haben.

Die Adventsfenster sollen dafür sorgen, dass die Leute sich und das Dorf kennenlernen und gemeinsam besinnliche Momente teilen. Das Prinzip ist einfach. 24 Anwohner eines Dorfes oder Quartiers schmücken eines ihrer Fenster. Im Gegensatz zum Adventskalender, wird das Fenster nicht am Morgen geöffnet, sondern am Abend mit Einbruch der Dunkelheit enthüllt und bleibt bis ca. 22 Uhr beleuchtet. Zur Öffnung des Fensters treffen sich Anwohner zum, in der Schweiz allseits beliebtem, Apéro. Um ehrlich zu sein, ich glaube, dass dieser Brauch nur eingeführt wurde um einen weiteren Grund für einen Apéro zu haben. Aber Spass beiseite. Für Zugezogene ist dies eine sehr gute Gelegenheit um Anschluss im Ort zu finden und die Nachbarschaft kennenzulernen. Jedes Dorf hat dabei seine Eigenheiten entwickelt. Die Fenster bleiben meist bis am 6. Januar dekoriert und können bei einem kalten Winterspaziergang entdeckt werden.

Weihnachtsguetzli

Was wäre Weihnachten ohne den leckeren Duft von frisch gebackenen Keksen bzw. Guetzli wie sie in der Schweiz genannt werden. Weihnachtsguetzli gehören wie in Deutschland und Österreich auch in der Schweiz zur Weihnachtszeit einfach dazu. Schon allein deshalb, weil man sie sehr gut verschenken kann. In der Adventszeit wird in Schweizer Küchen geknetet, ausgestochen, bepinselt und gebacken was das Zeug hält. Mailänderli, Zimtsternli, Chräbeli, Spitzbueben, Vanillehörnli und Totenbeinli. Hmmm, sowas von lecker. Sie sind vielleicht auch Schuld daran, dass die halbe Schweiz im Januar ein Fitnessabo kauft.

Die Weihnachtsgebäcke spielen schon sehr lange Zeit eine wichtige Rolle, wie Dokumente über weihnachtliche Bräuche in der Schweiz belegen. Warum wir zur Weihnachtszeit Guetzli backen, dazu gibt es viele Theorien. Manche sagen, dass zur Geburt des Christkinds in Klöstern aufwendig Backwaren mit kostbaren und exotischen Gewürzen hergestellt worden sind, um sie an Weihnachten und Neujahr an die Armen zu verteilen. Andere Theorien verlagern den Ursprung sogar in die Antike. In der Nacht der Wintersonnenwende vom 21. auf den 22. Dezember glaubten die Menschen damals, dass Geister ihre Häuser heimsuchten. Um sich und seine Tiere zu schützen, wurden damals Tiere aus Teig geopfert. Vielleicht gibt es deshalb auch heute noch viele Ausstechformen mit Tiermotiven.

Schweizer Weihnachtsessen

Das typische Schweizer Weihnachtsessen gibt es nicht. Jede Familie hat ihre eigene Tradition. Hinzu kommen noch regionale Unterschiede und Einflüsse aus dem Ausland. Vielerorts kommen auch einfach Fondue Chinoise, Käsefondue, Raclette, Schüfeli oder Rollschinken auf den Tisch. Auch alte Traditionen sind besonders in der Deutschschweiz wieder im Trend und so erfreuen sich Kartoffelsalat und der klassische Braten steigender Beliebtheit.

Regional kann man ein paar besonders beliebte Gerichte zum Weihnachtsschmaus nennen. Im Kanton Aargau sind es Pastetli mit Milken. Im Kanton Bern gern mal die Berner Platte mit verschiedenem Fleisch, Dörrbohnen, Sauerkraut und Kartoffeln. In der Westschweiz kommt oft Geflügel, insbesondere Truthahn auf den Tisch. Der Truthahn gilt in der französischsprachigen Schweiz als Symbol von Reichtum, Überfluss und Gemeinschaft. Schliesslich kann von diesem grossen Vogel die ganze Familie essen. Die Tessiner setzen ebenfalls gern auf Geflügel. Traditionell der Kapaun, ein kastrierter und gemästeter Hahn, der an Senfsauce serviert wird. Aus Tierschutzsicht sicher bedenklich, was so bei einigen Traditionen der Fall ist. Zur Vorspeise gibt es Tortellini oder Ravioli in Bouillon. Zum Dessert gibt es in der italienischen Schweiz gern Panettone, eine luftig-leichte Mailänder Kuchenspezialität mit kandierten Früchten und Rosinen. Übrigens unter dem Namen Panetón findet man diese Spezialität auch in Peru als typischen Weihnachtskuchen.

Was sind eure Traditionen an Weihnachten? Schreibt es mir doch auf YouTube in die Kommentare. Wenn euch das Video gefallen hat, könnt ihr mich mit einem Like und Abo unterstützen.