Wo: Küssnacht am Rigi - Kanton Schwyz

Klausjagen in Küssnacht: Iffele

Geschichte des Klausjagens in Küssnacht

Das Klausjagen ist eine sehr alte und lieb gewonnene Küssnachter Tradition. Den Begriff darf man dabei, nicht allzu wörtlich nehmen. Bei diesem altgermanischen Fruchtbarkeitsritual wird eher eine Jagd auf böse Geister und Dämonen gemacht. Diese sollte mit viel Lärm beim Umkreisen von Obstbäumen verscheucht werden, damit die nächste Ernte reichlich sein sollte. Da dieser Brauch immer zur Zeit des St.Niklaus stattfindet, ergab sich der Name Klausjagen.  Der Umzug in der Heutigen Form, wird seit 1928 so durchgeführt. Die Küssnachter St.Niklausengesellschaft, die für die Durchführung verantwortlich ist, besteht nur aus Männern und ist einer der grössten Männervereine Europas.

Datum Klausjagen

Der Umzug findet immer am 5.Dezember statt, ausser dieser fällt auf einen Samstag oder Sonntag, dann wird der Umzug am vorherigen Freitag durchgeführt. 

Zukünftige Daten des Klausjagens:

Jahr Chienbäse
2018 5. Dezember
2019 5. Dezember
2020 4. Dezember
2021 3. Dezember
2022 5. Dezember

Der Umzug der Klausjäger

Der Grosse Umzug beginnt um 20:15 Uhr  und wird mit einem grossen Böllerschuss eröffnet. Daraufhin werden im ganzen Ort die Lichter gelöscht, was eine sehr beeindruckende Stimmung vermittelt. Der Umzug beginnt.

Alle Klausjäger tragen ein weisses Hirtenhemd. Die Reihenfolge des Umzugs ist ganz genau festgelegt. Als Erstes im Umzug laufen die Geislechlepfer und schlagen Ihre Peitsche. Im Anschluss folgt, der für mich schönste Teil. Es kommen die Iffeleträger und tragen sehr auffällige Konstruktionen, die Iffele genannt werden, auf dem Kopf. Die an Kirchenfenster erinnerte Gebilde, werden in liebevoller Handarbeit aus Karton und farbigen Seidenpapier gefertigt und von innen mit Kerzen beleuchtet. Dabei sind der Grösse scheinbar keine Grenzen gesetzt, einige der Iffelen sind mehr als 2 Meter hoch. Danach folgt der Samichlaus mit mehreren Schmutzli und Kindern als Fackelträgern. Für uns Deutsche lässt es sich am besten mit dem Nikolaus mit seinen Gehilfen Knecht Ruprecht vergleichen. Im Anschloss kommen die Musikgruppen mit dem Spiel der Klausenmelodie, zu diesem Dreiklang wird der traditionelle und spötische Text „Mänz, Mänz, Mänz! Bodefridimänz“ gesungen. Dieser Text geht auf den Bezirksamman Klemenz Ulrich zurück, der während seiner Amtszeit (1920-1924) vergeblich versucht hat, das Klausjagen in gesitteten Formen zu zwängen. Als grösste Gruppe setzen die Trychler den Umzug fort. Sie tragen dabei übergrosse Kuhglocken (Treicheln) vor sich her und schlagen diese rhythmisch von links nach rechts. Sehr eindrucksvoll. Den Abschluss bilden die Hornblässer, mit ihren schaurigen monotonen Klang.

Klausjagen in Küssnacht: Trychler

Fazit

Der Umzug ist nicht nur etwas für Insider und für jede Altersgruppe geeignet. Die Stimmung ist leicht schaurig und mystisch. Mir persönlich haben die Trychler mit ihren riesigen Kuhglocken und die Iffelenträger mit ihren Kirchenfenstern am besten gefallen. Aber ich denke es ist für jeden etwas dabei, selbst wenn man nur für einen Kaffee Schnaps vorbei kommt. Für jeden Einwanderer ein guter Einstieg in die Schweizer Kultur.

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