Wo: Luzern

Luzerner Fasnacht: Guggenmusiken beim Fasnachtsumzug in Luzern

Datum der Luzerner Fasnacht

Die Berechnung des Datums ist recht kompliziert. Die Luzerner Fasnacht richtet sich nach der jahrhundertealten "katholischen" Fasnacht. Im Jahre 325 legte das Konzil von Nizza Ostern auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsanfang fest. Der vorhergehende Sonntag ist der Palmsonntag. Vom Palmsonntag wiederum 40 Tage (Fastenzeit) zurückgerechnet ist der Aschermittwoch. Die Tage vor dem Aschermittwoch sind die Fasnachtstage, dazu gehören der Schmutzige Donnerstag, der Güdismontag und der Güdisdienstag.

Vereinfach bedeutet dies:

Der Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang = Ostersonntag

Der Sonntag vor Ostern = Palmsonntag

40 Tage vor Palmsonntag (Fastenzeit) = Aschermittwoch (Beginn der Fastenzeit)

Der Donnerstag vorher = Schmutziger Donnerstag (Fasnachtsbeginn)

Zukünftige Fasnachtsdaten:

Jahr Beginn Ende
Fasnacht Luzern 2018 08. Februar 13. Februar
Fasnacht Luzern 2019 28. Februar 05. März
Fasnacht Luzern 2020 20. Februar 25. Februar
Fasnacht Luzern 2021 11. Februar 16. Februar
Fasnacht Luzern 2022 24. Februar 01. März

Fasnachtstage in Luzern und deren Bedeutung

Der Schmutzige Donnerstag bedeutet übersetzt Fetter Donnerstag (Fett = Schmutz). In früheren Zeiten gab es an diesem Tag frisch gemachte fette Würste und es wurde allgemein sehr kalorienreich gegessen. Güdismontag und Güdisdienstag sind vom Wort Güdel abgeleitet. Güdel bedeutet übersetzt Bauch bzw. Wanst. An den zwei Tagen vor Beginn der Fastenzeit hatte man sich nochmal richtig den Bauch vollgeschlagen.

Guggenmusiken

Der Ursprung liegt im alemannischen Brauch zur Austreibung des Winters mit Kuhhörnern, Blecheimern, Kuhglocken, Trommeln und Pfeifen. Unter Guggenmusik versteht man eine Gruppe, die zusammen verschiedenste Arten von Blechinstrumenten spielt mit mehreren Schlagzeugen. Dabei werden häufig bekannte Popsongs, Volkslieder oder Kinderlieder bewusst schräg, aber sehr rhythmisch gespielt. Die Musiker sind dabei verkleidet und tragen auch häufig einen Grind (Maske). Die Guggenmusik ist ein wichtiger Bestandteil der Zentralschweizer Fastnacht.

Grind / Grende

Grind oder auch Grende ist die Bezeichnung der typischen Masken der Fasnacht. Diese werden häufig von den Guggenmusiken getragen und in mühevoller Handarbeit hergestellt. Vom Entwurf bis zum Ergebnis vergehen häufig Monate. Die Motive reichen von gruselig bis fantasievoll.

Die Fritschifamilie

Der Name Fritschi ist genauso wie Fridolin eine Koseform von Friedrich. Die Fritschifamilie besteht aus dem Bruder Fritschi mit seiner Frau, der Fritschene, der Kindsmagd, dem Bajazzo, dem Narr und den Bauern. Der Fritschibrauch wird von der ehemaligen Krämergesellschaft und heutigen Safranzunft gepflegt.

Am 6.März 1446 der Fridolinstag, damals war auch zeitgleich die Fasnacht, wurden die Österreicher im alten Zürichkrieg besiegt. Der Fridolinstag war seit dieser Schlacht lange Zeit ein Festtag. Die ausufernden Ess- und Trinkgelage passten aber nicht zur Fastenzeit. Daher legte der Rat die Feierlichkeiten auf den Schmutzigen Donnerstag zur Luzerner Fasnacht. Die Fritschifigur galt als Symbol der Eidgenössischen Zusammenarbeit. Daher kam es auch immer wieder mal vor, dass der Fritschi von den Innerschweizern aus Stans oder den Baslern entführt worden war. Dieser musste dort wieder abgeholt werden, was wiederum zu Verbrüderungsfesten führte.

 

Luzerner Fasnacht: Das Fritschipaar beim Fasnachtsumzug in Luzern

Tagwacht mit Urknall

Am Schmutzigen Donnerstag wird um 5 Uhr morgens die Fasnacht mit einem ganz besonderen Event eingeläutet. Die Fritschifamilie legt dann am Ufer des Schweizerhofsquai an vom Vierwaldstättersee her kommend per Boot. Nach der Ankunft bahnt sich dann die Fritschifamilie, begleitet von  Harsthornbläsern und einigen Guggenmusiken, den Weg durch die Menge Richtung Fritschibrunnen auf dem Kapelplatz. Dort erklimmt Bruder Fritschi dann das Podest und eröffnet die Fasnacht mit einem lauten Knall (Urknall). Über dem Platz sind jede Menge mit geschredderten Telefonbüchern gefüllte Ballons aufgehängt. Diese platzen kurz nach dem Urknall und der sogenannte Fötzeliräge schneit auf die Menge herab. Im Anschluss daran werden rund um den Fritschibrunnen Orangen in die Menge geworfen. Es wird natürlich so geworfen, dass die Orangen gut gefangen werden können. Die  Tradition des Orangenwerfens trifft man später auch auf allen anderen Umzügen der Luzerner Fasnacht wieder an.

Die Fasnachtsumzüge in Luzern

Der grösste Fasnachtsumzug findet am Nachmittag des Schmutzigen Donnerstages statt. Der letzte Wagen und damit der Abschluss des Umzuges bildet traditionell der Fritschiwagen mit dem Fritschipaar. Auf dem Umzug präsentieren sich die Zünfte der Stadt Luzern und jede Menge Guggenmusikgruppen. Auf Wagen werden häufig aktuelle, sehr fantasivolle und klassische Motive (Sujets) dargestellt. Bei den aktuellen Themen geht es oft mal um die Politik, die zu diesem Anlass gern auf die Schippe genommen wird.

Am Güdismontag findet nochmals ein Umzug statt. Der Ablauf ist recht ähnlich, allerdings ist dieser Fasnachtsumzug etwas kleiner und den Abschluss bildet an diesem Tag der Wey-Frosch (Symbol der Wey-Zunft). Früher wurden diese beiden Fasnachtsumzüge von zwei verschieden Zünften organisiert. Mittlerweile ist man dazu übergegangen dies gemeinsam zu organisieren. Die beiden Umzüge unterscheiden sich dadurch nur noch in Feinheiten. Den Fasnachtsumzug am Montag empfinde ich als etwas ruhiger. Das mag aber auch daran liegen, dass die Fasnächtler auch schon seit dem Schmutzigen Donnerstag fleissig am Feiern sind.

Fasnacht Luzern: Kostümierte beim OrangenverteilenFasnacht Luzern: Typischer Krienser GrindFasnacht Luzern: Gruppe verkleidet als Schutzengel für das Thema SlowdownFasnacht Luzern: Kostümierte Guggenmusiken

Monsterkorso

Den Abschluss der Luzerner Fasnacht bildet am Güdisdienstag der Monsterkorso. Am Abend treffen sich alle Guggenmusiken, die dem Dachverband der Vereinigten Guggenmusiken von Luzern angehören. Diese ziehen bei nächtlicher Stimmung mit Lichtern und lauter Musik gemeinsam durch die Gassen der Luzerner Altstadt. Am Morgen des Aschermittwochs ist dann alles vorbei und der normale Alltag kehrt wieder zurück.

Fazit

Die Luzerner Fasnacht ist wohl die farbenfrohste und lauteste innerhalb der Schweiz. Jedes Jahr zieht diese immer mehr Besucher und Touristen an. Wer schon in Deutschland ein Freund der Fasnacht war, wird in der Luzerner Fasnacht eine bunte Alternative finden. Die Atmosphäre bei der Tagwacht und die Guggenmusiken bei den Umzügen sind für jedermann einen Besuch in Luzern wert.

Buchtipp
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Luzerner Fasnacht: Eine Zeitreise durch zwei GenerationenLuzerner Fasnacht

Eindrucksvolle Einblicke in die Luzerner Fasnacht zeigt der Bildband des Luzerner Fotografen Emanuel Ammon. Er ist selber ein begeisterter «Fasnächtler» und hat während dreier Jahrzehnte seine Fasnachtsimpressionen in einmaligen Fotos festgehalten. Eine Hommage an das bedeutende Luzerner Kulturbrauchtum.