Als Selbständigerwerbender nach Bern ziehen

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    • Als Selbständigerwerbender nach Bern ziehen

      Hallo zusammen :)

      Ich bin neu hier und hoffe, dass es hier Personen gibt, die etwas mehr Licht in meine Situation bringen.

      Die Kurzfassung lautet etwa so:

      Ich heiße Maurice, komme aus dem nördlichen Teil Deutschlands und bin nun 25 Jahre jung. Im Sommer 2017 habe ich meine Ausbildung als Anwendungsentwickler mit sehr guten Ergebnissen abgeschlossen. Aus verschiedensten Gründen möchte ich nun für etwa oder mindestens ein Jahr nach Bern ziehen. Geplant ist, dass ich dort alleine als Selbständigerwerbender arbeite. Ein Freund und teilweise schon geschäftlicher Partner (ebenfalls selbständig) unterstützt mich dabei und organisiert für mich bereits Projekte, die er sowieso an einen Programmierer abgeben müsste. So ist zumindest für die ersten Wochen sichergestellt, dass ich auch tatsächlich Arbeit habe. Momentan kann ich über mein bereits bestehendes Gewerbe neben meinem Vollzeitjobs nur kleine Projekte mit ihm umsetzen.

      Da ich momentan alleine wohne, jedoch die Gemeinschaft vermisse, möchte ich mir in Bern eine passende WG suchen. Der Auszug ist für Anfang September 2018 geplant, da ich für die Zeit der Ausbildung ein Auto geleast hatte, welches nach 4 Jahren im August 2018 wieder zurückgegeben wird. Meinen aktuellen Job werde ich kündigen und somit voll abhängig von der Selbständigkeit sein.

      Nun stellen sich mir folgende Fragen:

      1) Was haltet ihr generell von dem Vorhaben?
      2) Da ich weniger als 6 Monate im laufenden Jahr in der Schweiz verbringen werde, bin ich in Deutschland ja steuerpflichtig. Muss ich trotzdem in der Schweiz als Selbständigerwerbender eine ganz normale Steuererklärung abgeben? Muss ich bei der deutschen Steuererklärung die Einnahmen extra angeben, die ich in der Schweiz erwirtschafte? Muss ich in Deutschland steuern nachzahlen, wenn die Summe der Steuern in der Schweiz niedriger ist, als sie in Deutschland wäre (damit man genug Steuern zahlt, aber nicht in beiden Ländern für dieselben Einnahmen besteuert wird. Dafür gibt es ja auch das Doppelbesteuerungsabkommen)?
      3) Kann ich meine Selbständigkeit sofort aufnehmen? Laut gruenden.ch verstehe ich das so, dass ich einige Wochen Zeit habe, bis ich diese Arbeit anmelden kann, da ich ja auch nachweisen muss, dass ich tatsächlich selbständig arbeite.
      4) Als Selbständigerwerbender muss man soweit ich weiß keine Quellensteuer bezahlen, dafür die anderen üblichen Steuern. Ist das richtig so?

      Das ist erstmal das, was mir gerade einfällt :)

      LG Maurice
    • Hallo Maurice

      Zu 1) Lässt sich aus meiner Sicht schlecht beurteilen. Du solltest aber genug finanzielle Reserven mitbringen, dass du auch eine Durststrecke überwinden kannst und ohne weiteres wieder zurückgehen kannst.

      Zu 2) Hier würde ich dir den Gang zum Steuerberater empfehlen, da würde ich mich zu weit zum Fenster raushängen.

      Zu 3) Grundsätzlich ersteinmal richtig. Für die Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz als Selbstständiger, musst du ebenfalls nachweisen, dass du selbstständig tätig bist. Dann hast du auch Anspruch auf eine "Aufenthaltsbewilligung B". Zusätzlich solltest du deine Selbstständigkeit bei der Wohngemeinde melden.

      Zu 4) Das kommt auf die gewählte Unternehmensform an.

      Zusätzlich zu Gruenden.ch kann ich dir noch folgende Links empfehlen:
      KMU-Portal des Bundes
      Ausgleichskasse des Kantons Bern

      Schöne Grüsse
      Maik
    • Hey Maurice,

      ich bin neu hier und gerade in einer ähnlichen Situation wie du.

      zu Punkt 2): das Problem an der Sache ist, dass - wenn du weiter in Deutschland gemeldet und sozialversichert bist - dein Welteinkommen (also alles Geld, was du in Deutschland und jedem anderen Land der Welt - also auch der Schweiz - verdienst) auf jeden Fall in Deutschland auch versteuert werden muss.
      Das heißt, du musst die normale Steuer in der Schweiz abführen und darüber hinaus auf allen Verdienst (egal, ob das Geld in D oder CH generiert wurde) auch noch den deutschen Steuersatz zahlen.
      Da der Steuersatz in der Schweiz eher niedrig und in Deutschland eher hoch ist, stellt sich da schnell die Frage, ob es dann noch sinnvoll ist, deine Pläne so umzusetzen.
      Die einzig mögliche Alternative wäre aber nach meinem Kenntnisstand, dass du deinen Wohnsitz in Deutschland komplett aufgibst. Das würde dazu führen, dass du alle Versicherungen in die Schweiz (und ggf. auch wieder zurück) umziehen müsstest, was natürlich ein wahnwitziger organisatorischer Aufwand ist.

      Soviel mal auf die Schnelle... LG
    • Ich melde mich nun auch mal wieder. Danke für eure Antworten! :)

      Es ist nun alle ein Stück konkreter geworden. Ich habe meinen Job gekündigt und habe eine ungefähre Vorstellung von dem, was ab September in der Schweiz passieren wird.

      Die erhöhte Steuerbelastung für dieses Jahr ist mir bewusst. Ich werde sie aber in Kauf nehmen und beim Umsatz mit berücksichtigen, damit man das Geld dafür zurück legen kann. Vermutlich werde ich in den restlichen Monaten dieses Jahr auch nicht soo viel Einkommen haben, sodass es gar nicht so viele Steuern sein sollten. Aber wenn ich viel Einkommen habe, hab ich auch nichts dagegen :D

      Meinen Wohnsitz werde ich wohl Ende des Jahres abmelden, wenn ich absehen kann, dass ich 2019 das ganze Jahr in der Schweiz verbringen kann. Den Part mit den Versicherungen schätze ich gar nicht als so aufwendig ein. Ich habe eine Unfall- und Privathaftpflichtversicherung, die auch für Vorfälle in der Schweiz zahlt und die Krankenkasse würde ich mir in der Schweiz holen.

      Einen Nachteil habe ich mir allerdings selbst zuzuschreiben: Ich habe zu Ende Juli gekündigt, ziehe aber erst im September um, weil ich im August als Tontechniker ehrenamtlich unterwegs bin. Nun bin ich im August noch nachversichert bei meiner aktuellen KK, aber ab September nur noch mit eigenem Beitrag. Da schaue ich noch, welche Lösung am besten ist. Wenn ich nicht über die Arbeitsagentur versichert werden kann, muss ich mir wohl eine private KK zulegen, bis ich eine Versicherung in der Schweiz habe.

      Maurice
    • Ich hab aktuell noch ein paar Fragen, worauf keine 100%ige Antwort gefunden habe. Vielleicht kann sie jemand kurzfristig beantworten:

      1) Kann ich mich in der Schweiz von der Krankenkassenpflicht befreien lassen, auch wenn ich kein Grenzgänger bin? Ich lese immer nur davon, dass das für Grenzgänger möglich ist.
      2) Kann ich auch mein bestehendes Gewerbe nutzen, um in der Schweiz zu arbeiten? Mein Versicherungsvertreter der Krankenkasse hat das vorgeschlagen.

      Aktuell sieht man Plan so aus:
      - Im August bin ich ohne Job + ein Monat Nachversicherung in der gesetzlichen KK
      - Antrag auf Arbeitslosengeld, damit ich den Anspruch auf 4 Jahre strecken kann, wenn ich zurück komme
      - Anfang September Umzug nach Bern + Freiwillige Weiterversicherung in der gesetzlichen KK
      - Anmeldung Wohnsitz in Bern
      - Aufenthaltsbewilligung beantragen bei der Wohngemeinde
      - Krankenkasse abschließen / AHV-Ausweis beantragen
      - Abmeldung bei der KK in Deutschland
      - Arbeiten und Rechnungen schreiben
      - Anerkennung als Selbständiger bei der Ausgleichskasse beantragen (mit Nachweis von Aufträgen, Rechnungen etc.)
    • Hallo Maurice

      Die Befreiung von der Krankenversicherungspflicht ist nur in begründeten Fällen möglich. Gründe für die Befreiung findest du hier: Gemeinsame Einrichtung KVG.

      Zur Zeit zweiten Frage habe ich leider keine Antwort.

      Von der zeitlichen Abfolge passt dein Plan aus meiner Sicht. Die deutsche Krankenkasse würde ich aber vorher kündigen (Sonderkündigungsrecht wegen Auswanderung).

      Schöne Grüsse
      Maik