Steuerpflicht Wohnsitz

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    • Steuerpflicht Wohnsitz

      Hallo zusammen,

      anbei ein fiktiver Fall:

      Ein Person A wohnt und arbeitet in Deutschland und hat auch Frau und Kinder in Deutschland. Er bekommt ein Angebot für die Schweiz z.b. ab Oktober und würde auch in die Schweiz ziehen (Wohnung am Arbeitsort in der Schweiz).
      Er würde alle 2 Wochen nach Deutschland fahren.

      Wie verhält es sich für das Jahr 2018, da er erst Oktober in die Schweiz geht, darf dann auch Deutschland das Gehalt besteuern? (60 Tage Regel bzw. 183 Tage Regel?)
      Wenn er nach wenigen Monaten z.b. im März wieder nach Deutschland zurückkehren würde (Arbeit passt nicht oder andere Gründe), müsste er diese drei Moante in Deutschland besteuern oder sollte er im Jahr 2019 mind. 60 Tage (3 Monate) in der Schweiz arbeiten?

      Sollte aber 2019 dauerhaft in der Schweiz bleiben und alle 2 Wochen nach Deutschland pendeln, muss zwingend eine Abmeldung in Deutschland erfolgen UND auch eine Abmeldung vom Mietvertrag um eine doppelbesteuerung die deutlich höher liegt in Deutschland zu vermeiden?

      Vielen Dank
    • Hallo newswiss,

      wenn deine fiktive Person erst im Oktober in die Schweiz geht und dort arbeitet könnte es eng werden mit der 60-Tage Regel. Im Dezember gibt es einige Feiertage. Zudem dürfte die Person gar keinen Urlaub nehmen und auch keinen einzigen Tag unter der Woche in einem anderen Land verbringen, z.B. auf Geschäftsreise.

      Generell würde ich aufpassen mit der 60-Tage Regel. Laut Art. 4 DBA CH-D muss grundsätzlich erstmal geklärt werden wo die Person eine Ansässigkeit hat. In deinem Fall wäre die Familie noch in Deutschland, d.h. es ist weiterhin ein Wohnsitz in Deutschland und vorhanden und somit ist die Person unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland.

      Wenn die Person also zwei Wohnsitze (in CH und D) hat gilt der Staat als Ansässigkeitsstaat in welchem der ständige Wohnsitz (z.B. durch die Familie) bzw der Lebensmittelpunkt (hier auch die Familie) liegt.
      Die Steuern wären also in Deutschland zu entrichten, d.h. die Schweiz würde nur die ermässigte Quellensteuer abziehen.

      Anders verhält sich die Lage bei einer Einzelperson ohne Familie.


      VG basileus
    • Hey,
      Ich habe genau diesen Fall:
      Ich habe eine Stelle ab November. Heißt es, dass ich in diesem Fall in Deutschland besteuert werde?
      Ich habe mit meiner Frau einen Sohn und ein Haus.
      Ich werde mir eine Wohnung oder ein WG Zimmer in der Schweiz nehmen.

      Muss ich in Deutschland steuern zahlen?
      Ich würde natürlich gerne in der Schweiz steuern zahlen


      Beste Grüße
    • Person A hat die Möglichkeit ab jetzt in die Schweiz zu gehen, realistischerweise auch ab September, somit wären es mind 60 Tage in der Schweiz ohne Rückreise nach Deutschland. Wie verhält es sich aber mit der 183 Tage Regel, gilt die dann Rückwirend für Deutschland, oder hat die 60 Tage Regel priorität, d.h. wenn ab september in Schweiz und wenig Heimfahrten, dann Einkommenssteuer in der Schweiz?
    • Hallo Said91,

      aus meiner Sicht musst du in Deutschland Steuern zahlen, da deine Familie ja noch dort wohnt und du dich nicht von ihr losgesagt hast. Ergo ist dein Lebensmittelpunkt immer noch Deutschland.

      Bei den Grenzgängervereinen gibt es Broschüren speziell zu diesen Fragen. Die bekommt man kostenlos wenn man vor Ort geht. Generell können die Grenzgängervereine bei solchen Themen gute Informationen geben.

      Immer dran denken: keiner von uns hier ist Steuerberater, d.h. alles was wir hier sagen ist weder rechtswirksam noch irgendwie verbindlich. Wir können auch nur nach bestem Wissen und Gewissen antworten.


      VG basileus
    • newswiss schrieb:

      Person A hat die Möglichkeit ab jetzt in die Schweiz zu gehen, realistischerweise auch ab September, somit wären es mind 60 Tage in der Schweiz ohne Rückreise nach Deutschland. Wie verhält es sich aber mit der 183 Tage Regel, gilt die dann Rückwirend für Deutschland, oder hat die 60 Tage Regel priorität, d.h. wenn ab september in Schweiz und wenig Heimfahrten, dann Einkommenssteuer in der Schweiz?
      Die 60-Tage Regel spielt aus meiner Sicht so lange kein Rolle wie der Lebensmittelpunkt der Person weiterhin Deutschland ist.
      Die 183-Tage Regel ist eher für Monteure gedacht, soweit ich mich recht entsinne.

      Wichtig ist wirklich Art. 4 DBA CH-D. Dort steht drin wer welche Ansässigkeit hat. Im Zweifelsfall, wie eben schon in der Antwort an said91 geschrieben, würde ich bei den Grenzgänger Vereinen anfragen. Die können auch Kontakte zu Steuerberatern herstellen.

      Der entscheidende Punkt bei euch beiden ist der Wohnsitz in Deutschland mit Familie dort. Da wird es schwierig zu behaupten ich habe den Lebensmittelpunkt jetzt in der Schweiz.


      VG basileus
    • Hey,
      Ich habe mich weiter informiert. Es ist wirklich kompliziert. Die Kantone haben in so einem Fall (Wohnung und arbeit in Bern, Frau und Kind im Eigenheim in Norddeutschland) natürlich erstmal großes Interesse an einer B Bewilligung und der vollen Quellsteuer. Trotzdem könnte das Finanzamt in DE sich noch hinterschalten, oder? Mein Steuerberater meinte am Telefon es sei kein Problem und hat bei anderen Klienten auch funktioniert.
      Nun habe ich mich heute von einem „unabhängigen“ Grenzgänger Verein „beraten“ lassen. IMO gab es da einen interressenskonflikt. Der Berater meinte solange uch über 60 Tage im Jahr ind er Schweiz bin, spielen Frau und Kind und Haus keine Rolle. Dann sollte ich mich aber als Wochenaufenthalter melden, damit ich mich in Deutschland nicht abmelden muss und meien frau und meinen sohn deutlich günstiger Versichern kann(184€ statt ~376€). Außerdem wäre ich dann auch in DE versichert, was auch viele Vorteile hat. Leider kann er sein Paket nur verkaufen , wenn ich Wichenaufenthalter bin, deswegen traue ich dem Braten nicht.
      Das hiesige Finanzamt konnte mir auch keine Auskunft geben. Die meinten das sei zu komplex um das im Vorwege zu klären
      Jetzt habe ich mir nochmal einen Termin beim Steuerberater geholt. Da bezahle ich gerne Geld um hier endlich mal eine Brauchbare Antwort zu kommen und die Optionen abzuwägen( Wenn ich keine Steuern in DE zahlen muss, wäre die Wochenaufenthalter Regelung perfekt wg. KV)
      Wie gesagt, das Pendeln lohnt sich für mich nur wenn ich in der Schweiz besteuert werde.

      Ich bin da wirklich verzweifelt, da dies doch sehr zukunftsentscheidend ist.

      Ich denke aber zumindest , dass ich mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag und einem Mietvertrag keine Probleme haben sollte eiene B Bewilligung zu bekommen, oder?

      Vielen Dank für euer Engagement!

      Beste Grüße
    • Hallo Said91,

      natürlich sind die Grenzgängervereine nicht unabhängig. Irgendwer muss diese Leute ja auch bezahlen, oder hast du für die "Beratung" Geld hinlegen müssen?

      Aus meiner Sicht ist der internationale Wochenaufenthalter (das wäre die korrekte Bezeichnung) für dich nicht vorteilhaft, eben weil du dann eine G-Bewilligung hättest und dein Lebensmittelpunkt weiterhin in Deutschland ist (Familie). Theoretisch müsstest du bei einem Wochenaufenthalt auch einmal pro Woche nach Norddeutschland, was aufgrund der Entferung sicher nicht immer möglich ist.

      Wenn du eine B-Bewilligung bekommen kannst, wäre das sicher die bessere Wahl. Dann bezahlt dein Arbeitgeber die volle Quellensteuer an den Kanton Bern, und du kannst dem deutschen Finanzamt die Steuerbescheinigung schicken dass du sämtliche Steuern auf dein Schweizer Gehalt bereits bezahlt hast.

      Falls deine Frau in Deutschland arbeitstätig ist, kann dein Kind auch über sie familienversichert werden (in der gesetzlichen KV).


      VG basileus
    • Ok super!
      Vielen Dank.
      Ich habe gestern vom Steuerberater die Info bekommen, dass ich mich angeblich auch nicht in Deutschland abmelden muss.
      Er meinte der Fall ist unstrittig. Da werde ich ihm mal vertrauen. Ich denke dann werde ich mich mit B Bewilligung anmelden.

      Meine Frau kann leider aktuell nicht arbeiten, da sie leider krank ist.
      Wir haben überlegt, dass sie sich selbstständig macht und selbstgemachte Sachen im Internet verkauft. Das war schon immer ihr großer Traum.
      Da wir finanziell nicht drauf angewiesen sind, wäre das ein nettes zusätzliches Einkommen und sie kann sich ihre Arbeit einteilen. Ich hoffe das klappt alles so :)

      Beste Grüße
    • Vielen Dank für die Antworten.
      @basileus wofür musstest du die Abmeldung vorlegen? B Bewilligung?
      Weiß jemand ob es für mich steuerliche nachteile hat, wenn ich mich als Wochenaufenthalter melde? Ich denke dieses Jahr komme ich nicht auf 60 Tage(Arbeitsbeginn November) unf müsste steuern nachzahlen. Da die KV gür meine Frau und mein Sohn deutlich günstiger wird, sollte es aber für 2 minate verkraftbar sein.

      Ab nächsten Jahr würde ich dann auch die volle Quellensteuer in Bern direkt vom Gehalt abgühren, oder? Wenn ich 2019 länger als 60 Tage in der Schweiz bin, sollte das steuerlich eigentlich kein Problem sein, oder?

      Ich wäre natürlich sehr daran interessiert in DE weiterhin krankenversichert zu sein, da die DAK in unserem Fall eine mögliche Kinderwunschbrhandlung zahlen würde. Außerdem wäre es günstiger, wobei man die Grenzgängervereine vergessen kann. Der Vertreter hat mir am Telefon nur sachen erzählt die nachher ganz anders im Vertrag standen, daher traue ich diesem modell nicht so wirklich. Falls jemand einen guten GGV kennt versuche ich das natürlich gerne nochmal.

      Vielen dank & Beste Grüße
    • Hallo Said91,

      ich hab die Abmeldebestätigung aus Deutschland bei der Anmeldung in Basel vorlegen müssen. Bei dieser Anmeldung tauscht das Amt dann gleich die G-Bewilligung gegen die B-Bewilligung.

      Wenn du dich als Wochenaufenthalter meldest bist du Grenzgänger. Du zahlst die Einkommenssteuer somit in Deutschland.
      Dass die KV für deine Frau günstiger wäre wage ich zu bezweifeln. Da die Schweiz keine Arbeitgeberbeiträge zur KV kennt, musst du den kompletten Betrag alleine bezahlen. Ich vermute du wärst mit deinem Schweizer Gehalt bei der Beitragsbemessungsgrenze für die KV, d.h. du bezahlst pro Monat 780€. Vorher hast du davon nur etwas mehr als die Hälfte bezahlt. Und für diesen Betrag bist du trotzdem nur gesetzlich versichert. Hinzu kommt, dass du von deiner deutschen Krankenkasse eine Übernahemerklärung der Kosten für die Schweiz brauchst. Das solltest du erstmal anfragen.

      Mit einem Grenzgängermodell würdest du von den Kosten her deutlich günstiger kommen. Ich habe damals 280 CHF pro Monat bezahlt mit 300 CHF Franchise. Dafür war ich nach KVG in der Schweiz versicht und habe mir bei der AOK eine kostenlose Mitversicherung geholt.

      Inwieweit es mit diesem Modell auch möglich ist die Familie mitzuversichern weiss ich nicht, da ich keine Kinder habe.

      Ich war damals beim Verein Grenzgänger Info in Lörrach. Über das Angebot der KV kann ich mich nicht beschweren (bin immer noch sehr zufrieden mit der SWICA). Für die steuerrechtlichen Fragen haben sie mich eh an einen Steuerberater verwiesen. Interessant waren die kostenlosen Broschüren, welche man dort bekommen hat. Also diejenigen für Steuern als Grenzgänger, Umzugsgut, Leben in der Schweiz etc. So etwas muss man sich sonst mühsam zusammen sammeln. Ich glaube man kann diese Broschüren auch für einen kleinen Unkostenbeitrag bestellen.


      VG basileus