Selbstständig in DE & Selbstständig in CH

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    • Selbstständig in DE & Selbstständig in CH

      Liebe Community.

      Es ist kompliziert:

      Ich arbeite als selbstständiger Grafiker in DE und möchte demnächst zu meiner Ehefrau nach CH ziehen. Ich werde weiterhin selbstständig bleiben und Aufträge in DE und CH abwickeln. Die angemietete Wohnung in DE möchte ich vorerst behalten um flexibel auf die Auftragssituation reagieren zu können, CH wird aber mein neuer Lebensmittelpunkt.

      Für mich stellt sich die Frage, wie ich am besten verfahren soll, wenn es um den Aufenthaltsstatus in CH, die Selbstständigkeit und Vermeidung möglicher Doppelbesteuerung geht.

      – Ich werde öfters in DE sein, dann ist Wochenaufenthalter die Lösung. Oder doch B-Aufenthalter?

      – Verstehe ich das richtig, dass ich laut Ausgleichskasse bei Aufenthalt und Arbeit in CH ein neues Einzelunternehmen gründen muss? Wäre es dann sinnvoll (auch steuerlich) mein Einzelunternehmen in DE zu schließen bzw. ruhen zu lassen und in CH ein neues Einzelunternehmen zu gründen?

      – Oder am besten einen klaren Cut machen und DE (vorerst) aufgeben?

      Da muss es doch ähnliche Erfahrungen geben... Ich freue mich auf Eure Hinweise.

      Viele Grüße
      R
    • Lieber Ranxeron,

      deine Fragen beschäftigen mich zurzeit auch, ich bin am selben Punkt, einziger Unterschied ist, dass ich Schweizerin bin aber seit 26 Jahren in D wohne und auch selbständig bin. Ich habe hier sogar 2 Steuernummern, weil das FA unbedingt bei meiner Tätigkeit 2 Firmenanmeldungen haben wollte.

      Jetzt ist auch bei mir die Frage der Abwicklung. Jetzt auf Ende Jahr beide Firmen abmelden, d.h. auch sofort die Steuererklärung fertig machen, weil ohne diese kann ich mich hier auch nicht abmelden. Oder doch alles noch laufen lassen und in der Schweiz neu gründen und das Ganze langsam angehen und quasi 1 Jahr der Überbrückung starten und eben eine Doppelbesteuerung in Kauf nehmen.

      Soviel weiß ich schon, dass wenn du noch Einkünfte in D hast musst du die irgendwie versteuern und somit bist noch in D steuerbar. Also wenn du hier Stammkunden hast, kannst die nicht mit einem Schweizer Unternehmen abrechnen, nehme ich mal an. Ach, ich weiß, ich muss zum Steuerberater, das wäre einfacher und beantwortet bestimmt die eine oder andere Frage.

      Ich hatte schonmal ein Einzelunternehmen in der Schweiz, leider kann ich mich an nichts mehr erinnern, ist einfach zu lange her.

      Lass uns unsere Erfahrungen hier teilen... es gibt bestimmt noch mehr Selbständige mit den gleichen Fragen...

      Bis uff bald
      liebe Grüsse
      deNice
    • Hallo deNice.

      Danke für die lieben Worte. Trotz Steuerberater aus dem Grenzgebiet bin ich nicht wirklich weiter gekommen. Welche Aufenthaltsbewilligung ist für einen Selbstständigen die bessere?

      Ich war auf dem Amt für Migration um mich als selbstständiger Grenzgänger (scheint mir die bessere Lösung zu sein) anmelden. Solche Konstrukte werden laut Amt nicht gerne gesehen und die Chancen sind eher niedrig, dass ich diese Bewilligung auch bekomme. Ich muss nun zuerst ein Formular zur Feststellung der Steuerpflicht von Wochenaufenthaltern ausfüllen. Anschließend wird entschieden, ob ich als Grenzgänger anerkannt werde.

      Ich melde mich sobald ich News habe!

      Lieben Gruß
      R.
    • Hallo,

      bei mir ist die Situation ähnlich. Ich bin seit 18 Jahren selbstständig und werde jetzt in die Schweiz umziehen. Meine Kunden sitzen hauptsächlich in Deutschland, Luxemburg und der Schweiz. Prinzipiell ist also eine B Bewilligung für einen Selbstständig-Erwerbenden richtig (im Rahmen der Bilateralen mit der EU ja auch so vorgesehen).

      Aber...ich habe das mit einem Treuhänder in der Schweiz durchgesprochen und dabei hat er mir zur Gründung einer Kapitalgesellschaft geraten. Also GmbH oder AG. Das hat den Vorteil dass man als Angestellter einer Firma in der Schweiz mit weniger Formalitäten beim deutschen Finanzamt konfrontiert wird. Bei einem Selbstständigen werden die deutschen Steuerbehörden lieber den gesamten Umsatz in D versteuern wollen, was nachteilig ist (Obendrein droht Ärger mit der Umsatzsteuer, gerade wenn man auch vom Homeoffice aus arbeitet). Das Gewerbe in Deutschland bestehen lassen hat den selben Effekt. Zusätzlich werden dann Fragen der Krankenversicherung und demnächst wohl auch Altersvorsorge in D aufgeworfen. Über das Vehikel einer Kapitalgesellschaft kann hingegen die Steuer mindestens für die Altersvorsorge besser ausgestaltet werden, auch wenn es in Teilen dann zu einer Doppelbesteuerung in der Schweiz kommt. Obendrein ist eine GmbH / AG die angesehenere Form und bei der Bewilligung wohl völlig problemlos. Immerhin müssen für die AG 50% des Haftungskapitals oder mind. 50.000 CHF auf einem Kapitaleinzahlungskonto liberiert werden, d.h. eine grundsätzliche Solvenz ist damit bereits nachgewiesen.

      Problem dabei ist dann nur noch, dass die Domizilierung einen in der Schweiz wohnhaften Gesellschafter benötigt. Also Umzug - Bewilligung - Domizilierung. Für die Bewilligung reicht laut Treuhänder dann die vorläufige Firmengründung, der Handelsregistereintrag muss dann später nachgereicht werden.

      Viele Grüße
      Markus
    • Hallo Markus.

      Danke vielmals für deine ausführlichen Infos. Ich habe ähnliches gelesen.

      Ich habe mich auf Raten meiner Sachbearbeiterin in CH als Aufenthalter ohne Erwerbstätigkeit angemeldet. Sobald ich Auftraggeber in der Schweiz akquiriert habe, werde ich mich aber anders anmelden müssen. Aber so kann ich vorerst mein System beibehalten und flexibel auf die zukünftige Auftragslage reagieren. Ich werde die Entscheidung demnächst mit meinem Steuerberater besprechen und berichten.

      Viele Grüsse
      Ron
    • Markus Schulz schrieb:

      ...
      Das hat den Vorteil dass man als Angestellter einer Firma in der Schweiz mit weniger Formalitäten beim deutschen Finanzamt konfrontiert wird. Bei einem Selbstständigen werden die deutschen Steuerbehörden lieber den gesamten Umsatz in D versteuern wollen, was nachteilig ist (Obendrein droht Ärger mit der Umsatzsteuer, gerade wenn man auch vom Homeoffice aus arbeitet).
      ...
      Hi, ich bin in einer ähnlichen Situation! Ist man als Selbständiger nicht im Land des steuerlichen Wohnsitzes (und dem Sitz des Einzelunternehmens) steuerpflichtig (also im Fall eines Umzuges dann in CH)? Ich dachte hierfür spielt es keine Rolle wo der Kunde sitzt!?
    • fabyoga schrieb:

      Hi, ich bin in einer ähnlichen Situation! Ist man als Selbständiger nicht im Land des steuerlichen Wohnsitzes (und dem Sitz des Einzelunternehmens) steuerpflichtig (also im Fall eines Umzuges dann in CH)? Ich dachte hierfür spielt es keine Rolle wo der Kunde sitzt!?
      Ja, prinzipiell schon.

      Mir wurde es aber sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland vom Treuhänder bzw. Steuerberater ungefähr so erklärt: Wer ausschließlich in seiner (neuen) Heimat im Arbeitszimmer oder Büro sitzt und dort verbleibt wird auch eher auf keine Probleme treffen, selbst wenn z.B. ein ITler Remote beim Kunden arbeitet. Aber bei Arbeitseinsätzen in Deutschland kann für die Umsatzsteuer bereits eine Diskussion losgetreten werden, da normalerweise die Leistung dort steuerbar ist wo sie erbracht wird.

      (Fällt also deutsche Umsatzsteuer inkl. Erklärungspflicht an oder nicht, kann eine Steuerschuldumkehr vereinbart werden usw. Zumal die im EU-Verkehr dazu getroffenen Regelungen und Nachweise über die Ust-IDs (z.B. DE- oder LU- Nummern) im Zusammenspiel mit der Schweiz nicht greifen. (Ergebnis einer USt-Sonderprüfung bei mir, in dem Fall aber für Einsätze in der Schweiz mit meinem Betriebssitz in Deutschland.))

      Obendrein achten die Finanzämter in Deutschland sehr genau darauf wo gearbeitet wird um ggfs. dort auch eine Steuerpflicht anzunehmen. Bei mir hier in der Grenzregion zu Luxemburg werden in Luxemburg Angestellte extrem darauf durchleuchtet, ob sie nicht doch mehr als 12 (?) Tage im Jahr von Deutschland aus gearbeitet haben und dadurch Einkommenssteuer auch in Deutschland anfällt (Art. 10 des DBA mit Lux, wurde bisher moderat mit umgegangen, inzwischen sehr restriktiv.).

      Quintessenz: Ist absehbar dass es mehr als nur vereinzelte oder ausnahmsweise Arbeitseinsätze in Deutschland gibt, ist der Weg über eine Kapitalgesellschaft widerstandsfreier und potentiell risikoärmer (wenn man Diskussionen mit Ämtern als Risiko ansehen möchte.)

      Da es sich auch steuerlich besser darstellt und weitere Vorteile bei Abschreibungen und Ausgaben bringen kann ist es für mich der passendere Weg.
    • Markus Schulz schrieb:

      fabyoga schrieb:

      Hi, ich bin in einer ähnlichen Situation! Ist man als Selbständiger nicht im Land des steuerlichen Wohnsitzes (und dem Sitz des Einzelunternehmens) steuerpflichtig (also im Fall eines Umzuges dann in CH)? Ich dachte hierfür spielt es keine Rolle wo der Kunde sitzt!?
      Ja, prinzipiell schon.
      Mir wurde es aber sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland vom Treuhänder bzw. Steuerberater ungefähr so erklärt: Wer ausschließlich in seiner (neuen) Heimat im Arbeitszimmer oder Büro sitzt und dort verbleibt wird auch eher auf keine Probleme treffen, selbst wenn z.B. ein ITler Remote beim Kunden arbeitet. Aber bei Arbeitseinsätzen in Deutschland kann für die Umsatzsteuer bereits eine Diskussion losgetreten werden, da normalerweise die Leistung dort steuerbar ist wo sie erbracht wird.

      (Fällt also deutsche Umsatzsteuer inkl. Erklärungspflicht an oder nicht, kann eine Steuerschuldumkehr vereinbart werden usw. Zumal die im EU-Verkehr dazu getroffenen Regelungen und Nachweise über die Ust-IDs (z.B. DE- oder LU- Nummern) im Zusammenspiel mit der Schweiz nicht greifen. (Ergebnis einer USt-Sonderprüfung bei mir, in dem Fall aber für Einsätze in der Schweiz mit meinem Betriebssitz in Deutschland.))

      Obendrein achten die Finanzämter in Deutschland sehr genau darauf wo gearbeitet wird um ggfs. dort auch eine Steuerpflicht anzunehmen. Bei mir hier in der Grenzregion zu Luxemburg werden in Luxemburg Angestellte extrem darauf durchleuchtet, ob sie nicht doch mehr als 12 (?) Tage im Jahr von Deutschland aus gearbeitet haben und dadurch Einkommenssteuer auch in Deutschland anfällt (Art. 10 des DBA mit Lux, wurde bisher moderat mit umgegangen, inzwischen sehr restriktiv.).

      Danke für die Info! Ich frag mich gerade, wie wollen die das denn überprüfen von wo aus gearbeitet wurde?

      Markus Schulz schrieb:


      Quintessenz: Ist absehbar dass es mehr als nur vereinzelte oder ausnahmsweise Arbeitseinsätze in Deutschland gibt, ist der Weg über eine Kapitalgesellschaft widerstandsfreier und potentiell risikoärmer (wenn man Diskussionen mit Ämtern als Risiko ansehen möchte.)

      Da es sich auch steuerlich besser darstellt und weitere Vorteile bei Abschreibungen und Ausgaben bringen kann ist es für mich der passendere Weg.

      D.h. angestellt sein in der eigenen GmbH?

      Darf ich noch fragen, welche steuerliche Vorteile ergeben sich noch aus der KapGes im Vergleich zum Einzelunternehmen? :)
    • Größte Vorteil ist wohl dass man in der Kapitalgesellschaft Rückstellungen aus dem Gewinn machen kann, die dann an die Gesellschafter als Dividende gezahlt werden. Werden diese in die Alterssicherung einbezahlt ergeben sich steuerliche Vorteile gegenüber der Versteuerung eines Selbstständigerwerbenden. Mein Treuhänder hatte mir eine Beispielrechnung für beide Modelle an das Flipchart gemalt. Da gab es einen signifikanten Unterschied in der Gesamtbelastung. :)