60 Tage Regelung da mit ÖV Dauer länger als 1.5h pro Arbeitsweg?

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    • 60 Tage Regelung da mit ÖV Dauer länger als 1.5h pro Arbeitsweg?

      Hallo Zusammen,

      danke erstmal an alle für das tolle Forum hier, ich lese schon seitdem ich in die Schweiz gezogen bin fleissig mit.



      wir wohnen momentan in CH in einer Mietswohnung und planne mit der Familie (3 Kinder) eventuell wieder nach DE zu ziehen.

      Grund hierfür ist, dass Familie und Freunde dort wohnen. Wir planen deshlab den kauf einer Eigentumswohnung in Grenznähe (5km zur Schweiz).

      Ich fahre schon heute mit dem ÖV zur Arbeit (1h35min von Tür zu Tür). Mit dem Auto laut Google Maps «nur» 50 min. Aber das klappt so in Zürich nicht wirklich.



      Nun zu meiner Frage:

      Auch wenn ich in DE wohne werde ich bis zum CH Bahnhof mit dem Auto fahren (5km) aber dann gerne auf ÖV umsteigen.

      Dort kann ich arbeiten und stehe gleichzeitg nicht im Stau. Somit bräuchte ich statt 1h5min (50km - Auto – Google Maps) insgesamt 1h:40min pro Arbeitsweg.



      Montag und Dienstag sind bei uns meistens die Tage an denen ich wirklich lange im Büro bin. An diesen Tagen muss ich mir bei 1h40min (ÖV Arbeitsweg) schon überlegen ab und an auch in Zürich zu übernachten.

      Sei es eine Wohnung, Airbnb oder einfach ein Hotel. Ich denke das macht keinen Unterschied.



      Was muss in solch einem Fall betrachtet werden? Ist der Arbeitsweg zumutbar (110km, 1h30min pro Weg), obwohl ich ÖV fahre und somit doch über die 1h30min kommen würde?

      Würde die 60 Tage Regelung überhaupt greifen?



      Danke!
      Karl
    • Abends lange Arbeiten dürfte vermutlich kein hinreichender Grund sein, dass die 60-Tage-Regelung gilt.
      Lies z.B. mal baselland.ch/politik-und-behor…wnloads/merkb_d_grenz.pdf da gibt's auch schöne Beispiele. Wichtig ist "aus beruflichen Gründen".
      Und dein Arbeitgeber muss letztendlich bescheinigen und begründen, dass du an mehr als 60 Tagen aus beruflichen Gründen nicht an den Wohnort zurückkehren konntest. Das Formular findest du hier: steuerverwaltung.bs.ch/dam/jcr…chland_formular_gre-3.pdf
    • Schaut euch einfach mal das folgende, wenn auch schon ältere Urteil an:

      online.ruw.de/suche/riw/DBA-Sc…7c457c5ca40d06?crefresh=1

      Das verdeutlicht, dass die Hürden recht hoch sind. Es besteht also immer die Gefahr, dass das deutsche Finanzamt den Anspruch auf die 60-Tage-Regelung verneint. Erst recht, wenn die Familie noch in Deutschland wohnt.
      Ansonsten bin ich weder Steuerberater, noch Anwalt oder Finanzamtsmitarbeiter - kann also keine definitive Auskunft geben.

      @Verena: Mit einer Nacht pro Woche in Zürich übernachten schaffst du es eh keine 60 Rückkehrtage, da das Jahr nur 52 Wochen hat. Davon gehen auch noch Urlaubs- und Krankheitstage ab.
    • lieberjott schrieb:

      Schaut euch einfach mal das folgende, wenn auch schon ältere Urteil an:

      online.ruw.de/suche/riw/DBA-Sc…7c457c5ca40d06?crefresh=1

      Das verdeutlicht, dass die Hürden recht hoch sind. Es besteht also immer die Gefahr, dass das deutsche Finanzamt den Anspruch auf die 60-Tage-Regelung verneint. Erst recht, wenn die Familie noch in Deutschland wohnt.
      Ansonsten bin ich weder Steuerberater, noch Anwalt oder Finanzamtsmitarbeiter - kann also keine definitive Auskunft geben.

      @Verena: Mit einer Nacht pro Woche in Zürich übernachten schaffst du es eh keine 60 Rückkehrtage, da das Jahr nur 52 Wochen hat. Davon gehen auch noch Urlaubs- und Krankheitstage ab.
      Danke für das gute Beispiel.
      Was ist für solche Fragen denn die beste Anlaufstelle? Steuerberater oder Anwalt? Habt ihr ggf. auch einen Tipp oder schon mal gute Erfahrungen mit jemandem gemacht?
    • Hoi zäme,

      ich vermute, dass bei euch beiden (KarlElze74 und Verena) die 60-Tage Regel nicht zur Anwendung kommen wird. Ihr habt beide weniger als 110km Wegstrecke zum Arbeitgeber.
      Die deutlich längere Fahrt mit den Öffentlichen spielt dabei, aus meiner Sicht, keine Rolle. Das deutsche Finanzamt wird dann auf die weniger als 110km verweisen und sagen, dass ihr ja problemlos mit dem Auto fahren könnt. Stau ist da auch keine Ausrede.

      Wenn euer Wohnsitz deutlich weiter weg wäre, würde die 60-Tage Regel eher zählen.

      Die beste Anlaufstelle für so etwas ist ein guter Steuerberater. Sucht euch einen der eine Spezialisierung als "Fachberater für internationales Steuerrecht" hat.
      Ich hatte in einem Thread mal einen Link von der Datev dazu gepostet: siehe hier

      Wie lieberjott schon geschrieben hat, sind die Hürden für die 60-Tage Regel relativ hoch.
      Ein anderer Punkt wäre noch der Arbeitgeber. Der muss euch nämlich bestätigen, dass die Nichtrückkehr "beruflich bedingt" war. Einfach ein Hotelzimmer buchen reicht dafür nicht.
      Eine "beruflich bedingte" Nichtrückkehr wäre z.B. eine Dienstreise für drei Tage in den Tessin. Dann kann man nicht nach Deutschland in die Wohnung zurückkehren.


      VG basileus
    • Das Finanzamt Lörrach hat gerade neue Informationen veröffentlicht:


      Neue Verständigungsvereinbarung zur Zumutbarkeit der Rückkehr anden Wohnsitz bei deutsch-schweizerischen Grenzgängern


      Am 12.10.2018 haben das Schweizer Staatssekretariat für Internationale Finanzfragenund das Bundesministerium für Finanzen eine neue Konsultationsvereinbarung zurGrenzgängerbesteuerung geschlossen.Danach gilt bei Benutzung eines PKW eine Rückkehr aufgrund der Arbeitsausübung alsunzumutbar, wenn die kürzeste Straßenentfernung für die einfache Wegstrecke mehr als100 Kilometer beträgt.


      Nutzt der Arbeitnehmer öffentliche Verkehrsmittel, so ist von einerUnzumutbarkeit der Rückkehr auszugehen, wenn die schnellste Verbindung für dieeinfache Wegstrecke länger als 1,5 Stunden dauert.




      Maßgeblich ist hier die schnellsteVerbindung zu den allgemein üblichen Pendelzeiten.Bei Personen, deren Entfernung zwischen Wohnsitz und Arbeitsstätte weniger als 100 kmbeträgt und die Rückkehr wegen Überschreitens der zeitlichen Grenze nach derbisherigen Vereinbarung nicht zumutbar war, kann sich daher eine Verschiebung desBesteuerungsrechts der einzelnen Staaten ergeben.
      In diesen Fällen sollte Kontakt zumörtlichen Finanzamt zur Anpassung der Einkommensteuervorauszahlungenaufgenommen werden. Die Konsultationsvereinbarung vom 12.10.2018 wurde mit BMFSchreibenvom 25.10.2018 (BStBl I S. 1103) veröffentlicht.