Lehrer hier?

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    • Hallo zusammen,
      nach einer langen Zeit, in der ich immer nur mitgelesen habe, habe ich mich jetzt doch angemeldet. Ich hoffe, so vielleicht Antworten auf Fragen zu bekommen, die mich in Bezug auf das Leben und Arbeiten in der Schweiz interessieren. Mein Mann und ich denken seit längerem darüber nach, in die Schweiz auszuwandern. Die Gründe sind vielfältig, wie bei den meisten von euch. Zum einen reizt uns die Natur in der Schweiz, die insbesondere ich von vielen Urlauben kenne, zum anderen sind wir von vielem in Deutschland genervt (was hier aber zu weit führen würde). Wir arbeiten beide in Berufen, die - soweit mir bekannt ist - in der Schweiz gesucht werden. Mein Mann ist Arzt und ich bin Lehrerin an der Realschule. Wir haben zwei Kinder, der eine wird in diesem Jahr eingeschult, der andere ist in der 8. Klasse des Gymnasiums. Auch das Schulsystem in Deutschland (das ich gut kenne), überzeugt mich nicht wirklich, soweit ich weiß, ist z.B. das Schweizer System sehr viel vielfältiger und durchlässiger.
      Aktuell ist die Auswanderung noch ein Gedankenspiel, wir sprechen aber auch mit den Kindern darüber und alle können es sich vorstellen (der Große hat einen Freund in der Ostschweiz, das hilft bei der Überlegung). Da ich nicht genau weiß, wo ich meine verschiedenen Fragen unterbringen sollte, schreibe ich sie einfach mal hier rein. Vielleicht habe ich Glück, dass sich jemand auskennt (oder jemanden kennt, der sich auskennt ;):
      Mich interessieren die Erfahrungen von deutschen Lehrern, die in die Schweiz gegangen sind (insbesondere Kanton SG). Wie unterscheidet sich der Beruf vom Alltag in Deutschland? Wie sind die Erfahrungen?
      Dann interessiert mich auch sehr, wie die unter euch, die mit Kindern (am besten Schulkindern) umgesiedelt sind, den Wechsel erlebt haben. Auch hierzu habe ich natürlich bereits im Forum gesucht und alles gelesen, was in Frage kommt. Eventuell gibt es aber neuere Informationen dazu.

      Danke für's Lesen und ich freue mich über eure Erfahrungen.

      Viele Grüße aus Niedersachsen
      Ina
    • Da sich leider niemand zu meinem Thema äußert, pushe ich es selbst noch einmal nach oben. Ich würde mich auch sehr freuen, wenn jemand allgemeine Erfahrungen mit den Schweizer Schulen / dem Unterricht etc. - z.B. aus Erzählungen aus dem Freundeskreis oder aus Elternsicht - äußern könnte. Unsere Auswanderunspläne sind schon relativ konkret, auch wenn es vielleicht nicht so klingt. Danke für's Lesen und hoffentlich auch für Antworten.

      Viele Grüße
      Ina
    • Das ist nicht böse gemeint...ich denke ..dass es recht wenige Aktive Forenmitglieder gibt..die diese explizite Erfahrung verlässlich teilen können..schlichtweg..weil sie keine Kinder haben...mir fallen jetzt gerade 5 kinderlose Personen und Paare aus diesem Forum ein..
      Viel Erfolg...Gruss...Honigbiene
    • Hallo Ina

      hast du dich schon mal unter edk.ch erkundigt? Du musst soweit ich weiss, dein Lehrdiplom in der Schweiz erst anerkennen lassen.

      Wie sich der Beruf im Gegensatz zu Deutschland unterscheidet, kann ich dir nur aus Vermutung und von Erzählungen von Freunden (die in Deutschland als Lehrer arbeiten) sagen. In der Schweiz ist man meist in einer Schulentwicklungsgruppe und gestaltet das Schulleben aktiv mit. Allerdings arbeite ich auf der Primarstufe und nicht Sekundarstufe.

      viele Grüsse

      Monika
    • Hallo Honigbiene,
      ich dachte mir dass das der Grund für die "Stille" ist, habe ich nicht missverstanden. Danke für deine Antwort.

      Hallo Monika,
      dass ich mein Lehrdiplom anerkennen lassen muss, hatte ich bereits herausgefunden, trotzdem danke für den Hinweis. Da das mit finanziellem Aufwand verbunden ist, mache ich, wenn die Auswanderung konkreter wird.
      Ich würde auch in der Schweiz in Teilzeit arbeiten wollen, soweit ich weiss, ist das nicht ungewöhnlich und sollte kein Problem sein (?) Weisst du, was das Stundendeputat an einer Sek Schule in der Schweiz ist - oder ist das zu verschieden zwischen den Kantonen?

      Viele Grüsse
      Ina
    • Hallo Ina

      ja Teilzeit sollte kein Problem sein. Wie es mit den Wochenlektionen aussieht, gut Frage. Die unterscheiden sich teilweise von Kanton zu Kanton. Ich hab 24 Wochenlektionen und arbeite damit auf meiner Stufe 88% (bei mir sind 100% gar nicht möglich). Primarschule hat so etwa 28 Wochenlektionen bei 100%. Mit der Stufe steigt auch die Wochenlektionenzahl.

      Dass auch nachmittags Unterricht stattfindet, wird dir bewusst sein oder?

      Da du speziell nach Kanton SG gefragt hast, vielleicht hilft dir das weiter:
      schule.sg.ch/
      wenn du die Seite nicht schon gefunden hast. Jeder Kanton hat ein eigenes Schulamt. Da gibt es auch eine Stellenbörse. Oberstufe wäre wohl für dich relevant.

      Achja in der Schweiz wird in der Sekundarschule zwischen Sek A und Sek B unterschieden, da ist dann das Niveau jeweils unterschiedlich. Genau kenne ich mich da aber nicht aus.

      Wenn mir noch was einfällt, melde ich mich :), kannst auch gerne Fragen.
    • @Ina_niedersachsen

      Hi Ina,
      Ich bin Deutschlehrerin im Kanton Genf.
      Die 26 Kantone haben ein eigenes Schul- und Lehrerausbildungssystem, wohingegen in Deutschland das Schulsystem in allen Bundesländern weitestgehend gleich ist. Von daher kann man den Schulalltag der verschiedenen Kantone nicht wirklich miteinander vergleichen.

      Zunächst einmal zur Diplomanerkennung: Bern erkennt das deutsche 2.Staatsexamen problemlos an, vorausgesetzt es ist ein Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien. Je nach Kanton, müsstest du mit einem Examen für Real-und Hauptschulen einige Scheine an einer pädagogischen Hochschule in der Schweiz nachholen, da die Sekundarschule I (also bis 10.Klasse Deutschland) ein Gesamtschulsystem ist.
      Da müsstest du dich mit Bern in Verbindung setzen und dich genauere informieren. Die Anerkennung der Diplome ist Bundessache und kann nicht von einem Kanton anerkannt werden (während es in Deutschland Ländersache ist). Anschließend solltest du (je nachdem wie entschieden wurde) mit der pädagogischen Hochschule selbst in Kontakt treten, falls du Scheine nachholen solltest, was eigentlich nicht so dramatisch ist. In solchen Fällen kann man immer als Vertretungskraft nebenbei arbeiten (was auch gut bezahlt wird).

      Was die Arbeit in der CH betrifft: ich selbst unterrichte Deutsch in der Romandie.. es ist leider kein Lieblingsfach, der Röstigraben ist einfach da und die Westschweizer sind weder Fans von der deutschen Sprache, noch von der Deutschschweiz. Ich weiß jetzt nicht, welche Fächer du hast.
      Ich hab auch schon im Waadtland und in Bern unterrichtet und kann behaupten, dass der Unterricht viel traditioneller und konservativer ist, als in Deutschland. Der Lehrer ist der Hauptakteur, der Fremdsprachenunterricht steckt leider noch in den Kinderschuhen. Selektions-und Ausleseverfahren gibt es auch hierzulande. Die Schulen in der Romandie sind katastrophal ausgestattet (leider noch oft noch mit OHP).

      Die Lehrerausbildung wird in vielen Kantonen reformiert, ist aber auch noch sehr mangelhaft. Die muss man sich sowieso ganz anders vorstellen als in D, sie ist noch viel universitärer.
      Das hat folgenden Grund: wie in vielen anderen europäischen Ländern gibt es auch in der Schweiz kein Lehramtsstudium. Die Studenten studieren also 1 Fach auf Bachelor/ Master of Arts oder Science und machen dann anschließend eine 1-jährige pädagogisch-praktische Ausbildung an einer pädagogischen Hochschule (die Regelung gibt es in der gesamten Schweiz). Das Praktikum kommt leider zu kurz und die Studis hören leider erst nach 5 Jahren Studium zum ersten Mal etwas von dem Begriff „Didaktik“.

      Die Deutschschschweiz ist schon besser, was die Qualität des Unterrichts angeht. Leider kann ich dir aber nichts genaues zum Kanton SG sagen.

      Angenehm hier sind die kleineren Klassen (bei nur 8 Millionen Einwohnern, ist das auch klar), mit nur 20-22 Schülern. Meine Kollegen sind sehr nett und ich bin gerne hier.
      Anfangs ist es mir etwas schwer gefallen, dass meine Oberstufenschüler teilweise viel zu unkritisch und dadurch auch naiver waren als meine deutschen Schüler. Das ist eben Mentalitätssache und man gewöhnt sich daran. Letztendlich kommt es darauf an, wie du deinen Unterricht gestaltest.

      Oft merke ich, dass meine Schüler in der Schweiz einem höheren Leistungsdruck ausgesetzt sind, als meine deutschen Schüler es waren. Im Waadtland fallen 70% der Schüler jedes Jahr durch die Maturität (=Abitur), was besorgniserregend ist!

      Was Kinder angeht, kann ich dir leider nichts sagen.. mein Baby kommt erst in 3 Monaten :)

      Ich hoffe, dass ich dir dennoch etwas helfen konnte.

      Lieben Gruss
    • Hallo Hangi,

      danke für deine ausführlichen Informationen. Die Romandie kommt für uns (leider) nicht in Frage, da wir alle nicht perfekt Französisch sprechen.
      Meine Fächer sind Geographie und Wirtschaft (Geschichte und Politik dazu fachfremd). Ich arbeite hier übrigens an einer "Gesamtschule", das System ist mir also bekannt. So super ausgestattet sind unsere Klassenzimmer auch nicht, da gibt es große Unterschiede. OHP benutzen wir häufig.
      Gerade habe ich einen Antrag auf Erweiterungsqualifikation für das gymnasiale Lehramt gestellt, dann macht das auch Sinn mit Blick auf einen Wechsel in die Schweiz, so wie du schreibst.
      Dass der Leistungsdruck höher ist, habe ich mehrfach gehört, damit müssten meine Kinder dann auch klar kommen.
      Kleinere Klassen sind natürlich schön.
      Was mich auch interessiert: wie ist das in den Ferien? Hast du als Lehrer Ferien wie die Schüler (wie in D, d.h. du beginnst etwas früher wieder) oder wie ist das? Und: arbeitet man auch in TZ ganztägig (und hat dann bestimmte Tage frei)? Das ist ja für die Betreuung der eigenen Kinder wichtig zu wissen.
      Für dich und dein Baby alles Gute!

      LG Ina
    • Hallöchen Ina,

      Das ist ja praktisch, dass du eine Erweiterungsqualifikation machst! Also dauert es noch mit der Auswanderung?

      Was die Ferien betrifft, ist es genau so geregelt wie in Deutschland. Du hast Ferien, wie die Schüler und hast in den Sommerferien dann aber in der letzten Woche Konferenzen. Generell gibt es hier mehr Klassenkonferenzen als in Deutschland. Ja, in TZ arbeitest du auch ganztägig, hast aber eventuell bestimmte Tage frei. Hier in der Romandie haben wir den Mittwoch Nachmittag frei (ab 11h30), dafür aber an fast allen anderen Tagen bis 15h30 Unterricht.

      Danke und lieben Gruß
      Hangi
    • Hallo Ina

      Ich kann dir leider auch keine Infos zum Schulsystem in der Schweiz geben, kann aber nur zu gut deine Gründe für die Auswanderung in die Schweiz nachvollziehen.
      Wir werden erst in ein paar Wochen zum ersten Mal Eltern (in der Schweiz natürlich) und können daher noch nicht so viel über das Schulsystem hier sagen. Nur denke ich mal, schlimmer als die Entwicklung in Deutschland in den letzten Jahren, wird es sicher nicht sein! Die katastrophale Entwicklung an deutschen Schulen, vor allem in den alten Bundesländern, ist besorgniserregend. Wenn wir privat in Deutschland sind (HH, SH und BY), dann sprechen wir sehr viel mit Eltern und viele davon haben Kinder im Schulalter. Es ist unfassbar aber kaum eine Familie hat keine Probleme zu beklagen! Vom Unterricht in Containern, Inklusion, Mitschülern die teilweise in der 9. Klasse noch kein richtiges Deutsch können und überfüllte Klassen mit bis zu 27 Schülern usw. usw. Die Probleme sind vielfältig und natürlich nicht nur im System zu finden aber zum grossen Teil halt schon! Vor allem fällt uns auf, dass diejenigen die die wirtschaftlichen Möglichkeiten haben und wenn möglich noch in gut situierten Vierteln leben, weniger Probleme haben wie andere.
      Und vom Lehrermangel will ich gar nicht erst reden...Nun ja...

      All diese Dinge sind seit vielen Jahren bekannt und deshalb haben wir auch beschlossen => wenn ein Kind, dann nur hier in der Schweiz.

      Bezugnehmend auf die Jobaussichten für deinen Mann (Arzt), sehe ich allerdings weniger Probleme für Euch. Wesentlich bessere Entlohnung und mehr Anerkennung. Deutsche Ärzte sind in der CH gefragt.

      Viel Erfolg Euch!

      Robert
    • Ina_niedersachsen schrieb:

      wie ist das in den Ferien? Hast du als Lehrer Ferien wie die Schüler (wie in D, d.h. du beginnst etwas früher wieder) oder wie ist das? Und: arbeitet man auch in TZ ganztägig (und hat dann bestimmte Tage frei)? Das ist ja für die Betreuung der eigenen Kinder wichtig zu wissen
      Ich hab in den Ferien auch frei. In den Sommerferien ist eine Konferenz in de letzten Schulwoche...das ist aber von Kanton zu Kanton etwas unterschiedlich, aber grundsätzlich sind die Ferien frei. Bei uns arbeiten Teilzeitlehrpersonen ganztägig un haben dann auch bestimmte Tage frei.
      Achja was wohl auch einen Unterschied zu Deutschland darstellt, ich krieg meinen Stundenplan meist im Mai/Juni schon für das kommende Schuljahr.

      @RobLenaHH2016

      ich kanns mir gerade nicht verkneifen.....bei uns gibt es auch etwas Unterricht in Containern ^^ ... manchmal wachsen Schule schneller als das sie mit bauen nachkommen.
    • @RobLenaHH2016

      Ich muss leider auch sagen, dass die Situation in der Romandie echt übel ist.. Angefangen von der schlechten Lehrerausbildung, bis hin zum extremen Lehrermangel in der gesamten Schweiz, Platzmangel an Schulen, selektive Ausleseverfahren, die schlimmer sind als in Bayern :), die Inklusionspolitik ist hierzulande gar nicht vorhanden, keinerlei Förderung von Kindern mit LRS oder anderen Schwächen in Grund- und Sekundarschulen und und und ... Dass die Schweizer sich generell nicht so viel beklagen, ist eher eine Mentalitätssache, aber die Probleme gibt es auch hier. Laut PISA hat die Schweiz im OECD-Vergleich mit die größten institutionellen und strukturellen Probleme im Schulsystem... nicht grundlos!
    • Also in der Deutschschweiz scheint die Situation, dann nochmals anders zu sein wie in der Romandie.

      Ich kenne vor allem Kanton Zürich und St. Gallen. Beide unterrichten inklusiv und für Unterstützung ist genug Geld da. Hier werden Kinder schon im Kindergarten gefördert, wenn Bedarf wie Logopädie oder Psychomotorik da ist.

      Lehrer haben wir in der Primarschule genug. Die Kindergartenstufe hat Lehrermangel im Kanton Zürich in St. Gallen spürt man davon nichts

      Was Ausleseverfahren angeht: hier ist eben nicht so, dass praktisch jeder Matura machen kann wie in Deutschland. Die Quote liegt bei etwa 20 Prozent.

      Ich finde die Situation hier gut. Und wenn ich mit meinem Schwiegervater oder Freunden unterhalte, die in Deutschland als Lehrer arbeiten, lebe ich auf einer Insel der seligen
      .
    • Hallo Hangi, Monika und Robert,

      ja, so schnell wird das noch nichts mit der Schweiz. Denke eher in einem Zeithorizont von 1 bis 1,5 Jahren.

      Dass es in der Schweiz nicht so "selbstverständlich" ist, das Gymnasium zu besuchen, empfinde ich persönlich als richtig und realistisch. Hier in D machen inzwischen an die 40% das Abitur, da kann etwas nicht stimmen. Aus meinen 10. Realschulklassen machen 10% eine Ausbildung, der Großteil weiß drei Monate vor Schulende noch gar nicht, wohin die Reise geht, bzw. will Abitur machen, obwohl die Kapazitäten dafür nicht vorhanden sind. Die Frage ist, ob das Schulsystem sich dem sinkenden Niveau nicht anpasst. So wird es aber für Realschüler schwieriger, Ausbildungsplätze zu finden, wenn sie mit Abiturienten konkurrieren, die gar nicht studieren möchten. Dazu kommen in Folge überfüllte Unis, an denen die Ausbildung dadurch ja auch nicht besser wird.
      Nach dem, was ich von Freunden in der Ostschweiz höre, glaube ich schon, dass das Schweizer Schulsystem besser und auch durchdachter ist als das Deutsche.
      @Monika: dass du deinen Stundenplan soo früh hast, ist ja Wahnsinn! Ich bekomme ihn direkt am Ende der Sommerferien, was ich schon gut finde, an anderen Schulen geht das weit ins neue Schuljahr ohne.
      @Robert, alles Gute für deine Familie. Ja, es scheint für Ärzte besser zu sein, als in D. Wenn ich eine Stelle finde, ist es für Lehrer aber wohl auch besser, habe ich das Gefühl.
    • Hangi schrieb:

      @Ina_niedersachsen

      Hi Ina,
      Ich bin Deutschlehrerin im Kanton Genf.
      Die 26 Kantone haben ein eigenes Schul- und Lehrerausbildungssystem, wohingegen in Deutschland das Schulsystem in allen Bundesländern weitestgehend gleich ist. Von daher kann man den Schulalltag der verschiedenen Kantone nicht wirklich miteinander vergleichen.

      Zunächst einmal zur Diplomanerkennung: Bern erkennt das deutsche 2.Staatsexamen problemlos an, vorausgesetzt es ist ein Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien. Je nach Kanton, müsstest du mit einem Examen für Real-und Hauptschulen einige Scheine an einer pädagogischen Hochschule in der Schweiz nachholen, da die Sekundarschule I (also bis 10.Klasse Deutschland) ein Gesamtschulsystem ist.
      Da müsstest du dich mit Bern in Verbindung setzen und dich genauere informieren. Die Anerkennung der Diplome ist Bundessache und kann nicht von einem Kanton anerkannt werden (während es in Deutschland Ländersache ist). Anschließend solltest du (je nachdem wie entschieden wurde) mit der pädagogischen Hochschule selbst in Kontakt treten, falls du Scheine nachholen solltest, was eigentlich nicht so dramatisch ist. In solchen Fällen kann man immer als Vertretungskraft nebenbei arbeiten (was auch gut bezahlt wird).

      Was die Arbeit in der CH betrifft: ich selbst unterrichte Deutsch in der Romandie.. es ist leider kein Lieblingsfach, der Röstigraben ist einfach da und die Westschweizer sind weder Fans von der deutschen Sprache, noch von der Deutschschweiz. Ich weiß jetzt nicht, welche Fächer du hast.
      Ich hab auch schon im Waadtland und in Bern unterrichtet und kann behaupten, dass der Unterricht viel traditioneller und konservativer ist, als in Deutschland. Der Lehrer ist der Hauptakteur, der Fremdsprachenunterricht steckt leider noch in den Kinderschuhen. Selektions-und Ausleseverfahren gibt es auch hierzulande. Die Schulen in der Romandie sind katastrophal ausgestattet (leider noch oft noch mit OHP).

      Die Lehrerausbildung wird in vielen Kantonen reformiert, ist aber auch noch sehr mangelhaft. Die muss man sich sowieso ganz anders vorstellen als in D, sie ist noch viel universitärer.
      Das hat folgenden Grund: wie in vielen anderen europäischen Ländern gibt es auch in der Schweiz kein Lehramtsstudium. Die Studenten studieren also 1 Fach auf Bachelor/ Master of Arts oder Science und machen dann anschließend eine 1-jährige pädagogisch-praktische Ausbildung an einer pädagogischen Hochschule (die Regelung gibt es in der gesamten Schweiz). Das Praktikum kommt leider zu kurz und die Studis hören leider erst nach 5 Jahren Studium zum ersten Mal etwas von dem Begriff „Didaktik“.

      Die Deutschschschweiz ist schon besser, was die Qualität des Unterrichts angeht. Leider kann ich dir aber nichts genaues zum Kanton SG sagen.

      Angenehm hier sind die kleineren Klassen (bei nur 8 Millionen Einwohnern, ist das auch klar), mit nur 20-22 Schülern. Meine Kollegen sind sehr nett und ich bin gerne hier.
      Anfangs ist es mir etwas schwer gefallen, dass meine Oberstufenschüler teilweise viel zu unkritisch und dadurch auch naiver waren als meine deutschen Schüler. Das ist eben Mentalitätssache und man gewöhnt sich daran. Letztendlich kommt es darauf an, wie du deinen Unterricht gestaltest.

      Oft merke ich, dass meine Schüler in der Schweiz einem höheren Leistungsdruck ausgesetzt sind, als meine deutschen Schüler es waren. Im Waadtland fallen 70% der Schüler jedes Jahr durch die Maturität (=Abitur), was besorgniserregend ist!

      Was Kinder angeht, kann ich dir leider nichts sagen.. mein Baby kommt erst in 3 Monaten :)

      Ich hoffe, dass ich dir dennoch etwas helfen konnte.

      Lieben Gruss
      Liebe Hangi,
      ich bin die Nike, Lehrerin in Berlin und bin fest entschlossen zu meinem Freund in die Schweiz zu zeihen. Dein Beitrag hat mir schon sehr geholfen und mir viele Fragen beantwortet. Vielen Dank dafür.
      Tatsächlich bin ich etwas schockiert und sehr beunruhigt, was meine Zukunft in der Schweiz als Lehrerin angeht. In vielen Foren habe ich bezüglich der Stellensuche negative und frustrierende Beiträge gelesen, wie z. B.:
      "Gesucht werden Primarschullehrer und Sekundarschullehrer, keine Gymnasiallehrer. Grundschullehrer dürften relativ unkompliziert eine Stelle finden, Sekundarschullehrer allerdings nicht, denn Schweizer Lehrer sind "allgemein" ausgebildet, d.h. sie können 5 oder mehr Fächer unterrichten, deutsche Lehrer hingegen in der Regel nur 2-3. Deswegen wird man kaum Stellen finden für "nur" 2-3 Fächer.
      An Gymnasien gibt es unglaublich viel Konkurrenz, vor allem in beliebten Fächern. Wie immer gilt: Als Mathelehrer hat man vielleicht eher Glück als als Deutschlehrer.
      Der Schnitt für eine Bewerbung als Deutschlehrer an Gymnasien sind 80 Mitbewerber. Es ist quasi unmöglich, den Fuß in die Tür zu kriegen."

      ODER

      "Alles Soziale: Fast alle Deutsche, die ich gefragt habe, und meine eigene Erfahrung bestätigen mir: Es ist sehr schwer, hier als Deutsche/r "anzukommen" und Freunde zu finden. Wer es nicht glaubt, ist eingeladen, es selbst zu probieren. Man rennt oft gegen die "Glaswand", es bleibt eine "Grenze" zwischen Schweizern und Deutschen. Das frustriert. Man sollte Schweizerdeutsch unbedingt mindestens verstehen lernen, sonst hat man es schwer. Im Lehrerzimmer wird man nie ganz dazugehören. Schweizer haben oft Hemmungen, Hochdeutsch zu sprechen und fühlen sich minderwertig. Das ganze Thema ist sehr verkrampft."

      Ich unterrichte am Gymnasium Geographie, Philosophie und Ethik und frage mich, ob die Situation wirklich schon schlecht für mich aussieht.
      Darüber hinaus habe ich so einige Frage zur Bewerbung:
      Sollte man sich auch direkt bei den Schulen bewerben oder lieber nur über die zentrale Stellenvergabe der Kantone?
      Sollte die Bewerbung lieber digital oder postalisch oder doch einfach persönlich erfolgen?

      Vielen Dank und lieben Gruß an alle @Hangi, @RobLenaHH2016, @Monika
      nike
    • nike schrieb:

      "Alles Soziale: Fast alle Deutsche, die ich gefragt habe, und meine eigene Erfahrung bestätigen mir: Es ist sehr schwer, hier als Deutsche/r "anzukommen" und Freunde zu finden. Wer es nicht glaubt, ist eingeladen, es selbst zu probieren. Man rennt oft gegen die "Glaswand", es bleibt eine "Grenze" zwischen Schweizern und Deutschen. Das frustriert. Man sollte Schweizerdeutsch unbedingt mindestens verstehen lernen, sonst hat man es schwer. Im Lehrerzimmer wird man nie ganz dazugehören. Schweizer haben oft Hemmungen, Hochdeutsch zu sprechen und fühlen sich minderwertig. Das ganze Thema ist sehr verkrampft."

      Ich unterrichte am Gymnasium Geographie, Philosophie und Ethik und frage mich, ob die Situation wirklich schon schlecht für mich aussieht.
      Darüber hinaus habe ich so einige Frage zur Bewerbung:
      Sollte man sich auch direkt bei den Schulen bewerben oder lieber nur über die zentrale Stellenvergabe der Kantone?
      Sollte die Bewerbung lieber digital oder postalisch oder doch einfach persönlich erfolgen?

      Vielen Dank und lieben Gruß an alle @Hangi, @RobLenaHH2016, @Monika
      nike
      Gerne äussere ich mich mal zu Deinem "Sozialen" Teil des Kommentars.

      Alle deine aufgezählten Elemente sind urtypische Vorurteile gegenüber der Schweiz. Ich will nicht behaupten das es nicht auch so etwas gibt und manche solche Erfahrungen machen, dennoch muss man erstmal in sich selbst hineinschauen. Wir, meine Frau und ich, haben uns vor der Auswanderung intensiv Gedanken gemacht über das was auf uns zukommt. Auch diese Punkte die du geschrieben hast, haben uns bewegt.
      Nach etwas mehr als 2 Jahren hier in der Schweiz müssen wir jedoch sagen...alles nicht so schlimm wie behauptet. Erstmal sind wir beide sehr offene und lebenslustige Menschen, die wenig Angst vor neuem haben und auch auf andere Menschen zugehen können. Mit der Sprache ist es wirklich nicht so schlimm wie gedacht. Nach einiger Zeit kommt man da ganz gut mit und versteht problemlos was der Schweizer von einem will. Das der Schweizer gerne mal ins Hochdeutsch wechselt wenn er merkt das man Deutscher ist, kommt aber öfters vor. Manche können gut Hochdeutsch, manche weniger. Bei manchen ist es auch besser sie sprechen Schweitzerdeutsch als Hochdeutsch. :D
      Im Berufsleben stelle ich zumindest fest, dass oftmals Hochdeutsch gesprochen wird (auch vermehrt an CH Schulen) und man eher die Schweizer dazu ermuntern muss ins Schweizerdeutsch zu wechseln.
      Weiterhin war für uns sehr wichtig am Anfang eine deutsche Community vorzufinden. Diese gibt es hier zu Hauf (300.000 Deutsche in der CH) und die helfen einem schon mal am Anfang. Wir haben jetzt knapp 2 Jahre später sogar gute bis sehr gute Kontakte zu Schweizern. Dies ergibt sich mit der Zeit und liegt immer auch ein bissel an einem selber.
      Was ich empfehlen kann, ist sich bei "Spontacts" anzumelden und dort an Aktivitäten teilzunehmen. Hier trifft man allerhand Leute und kann Kontakte knüpfen. Uns hat dies am Anfang sehr geholfen. Wer dann noch sportlich und freizeittechnisch aktiv ist, sollte eigentlich kein Problem haben Leute kennenzulernen.
      Alles in allem muss ich sagen, jeder der ins Ausland zieht wird am Anfang diese Sorgen haben, sofern er nicht eine ihm bekannte Community vorfindet. So muss man in der Lage sein das beste daraus zu machen und stärker aus sich rauszukommen. Wie als wäre man 10 Jahre Single und etwas verzweifelt. Weiter wie bisher oder vielleicht bissel anders... :P

      Viel Erfolg und Liebe Grüsse
      Robert
    • @nike

      nur mal kurz zu den Bewerbungen. Auf der Primarstufe bewirbt man sich direkt bei den Schulen, man kann sich also die Schule aussuchen. Ich gehe davon aus, dass es auf der Sekundarstufe das gleiche ist. Zumindest für die Primarschule gibt es keine zentrale Stellenvergabe. Stellen werden aber direkt auf dem kantonalen Seiten ausgeschrieben für St. Gallen zum Beispiel auf schule.sg.ch und für Zürich auf vsa.zh.ch

      liebe Grüsse Monika
    • nike schrieb:

      "Alles Soziale: Fast alle Deutsche, die ich gefragt habe, und meine eigene Erfahrung bestätigen mir: Es ist sehr schwer, hier als Deutsche/r "anzukommen" und Freunde zu finden. Wer es nicht glaubt, ist eingeladen, es selbst zu probieren. Man rennt oft gegen die "Glaswand", es bleibt eine "Grenze" zwischen Schweizern und Deutschen. Das frustriert. Man sollte Schweizerdeutsch unbedingt mindestens verstehen lernen, sonst hat man es schwer. Im Lehrerzimmer wird man nie ganz dazugehören. Schweizer haben oft Hemmungen, Hochdeutsch zu sprechen und fühlen sich minderwertig. Das ganze Thema ist sehr verkrampft."
      Dann gebe ich mal den Gegenpol dazu :P

      Wir hatten hier GAR KEINE Probleme anzukommen. Alle "Inländer" waren sehr freundlich und hilfreich. Wir haben auch Schweizer Freunde gefunden. Aber man muss sich selber hat bemühen. Man darf als Deutscher NIE vergessen, dass man hier in einem anderen Land lebt und nicht im "Blinddarm" Deutschlands. Das heißt, ich muss progressiv (NICHT aggressiv ;)) vorgehen und mich vorstellen, am Gemeindeleben teilnehmen etc. Das gleiche gilt für die Sprache! Würde man nach Frankreich gehen, würde man ja auch nicht erwarten, dass alle für einen Deutsch sprechen. Hier hat man nur das Glück, dass wenn man Probleme hat, das Gegenüber in der Regel zu Schriftdeutsch (wie Hochdeutsch hier genannt wird) wechseln kann. In unserer Erfahrung war das kein Problem, selbst beim Bäcker zum Beispiel. Inzwischen verstehen wir es ohne Probleme, was von den meisten auch bemerkt wurde (der Bäcker mal wieder) und dann auch positiv ausgelegt wird.
      AAABER was ich zugeben muss ist, dass wir in einem sehr internationalen Kanton und vor allem einer sehr internationalen Stadt leben. Ich habe auch schon Horror-Geschichten von Leuten gehört, die aus Uri/ Schwyz sprichwörtlich geflohen sind, aber wie gesagt, so etwas ist uns persönlich noch nicht passiert.

      Viel Erfolg