Fragen rund um die Abmeldung in Deutschland

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    • Fragen rund um die Abmeldung in Deutschland

      Hallo zusammen,

      auch von mir erstmal großen Dank für diese Seite, die mir schon oft weitergeholfen hat.

      Ich hätte noch ein paar Fragen zum Thema Abmeldung in Deutschland.

      Speziell gibt es bei mir folgende Motivation weiterhin in Deutschland gemeldet zu bleiben:

      Ich war bisher in Deutschland bei der Wohnung meiner Eltern angemeldet, die sie zu vergünstigten
      Konditionen mieten. Sollte ich in Zukunft nach Deutschland zurückkehren wollen und diese Wohnung
      für mich zur Miete übernehmen, hätte ich das Recht darauf nur, wenn ich auch ohne Unterbrechung
      in dieser Wohnung gemeldet war.

      Mein aktueller Stand ist, dass ich mich bei einer Gemeinde in Bern angemeldet hab und auf die
      Aufenthaltsgenehmigung warte. Nun wurde mir aber bei der Kündigung der deutschen Krankenversicherung
      mitgeteilt, dass für den erfolgreichen Kündigungsabschluss auch eine Abmeldebescheinigung aus Deutschland
      und eine Bestätigung der neuen Krankenkasse in der Schweiz benötigt wird. Ich hätte erwartet, dass hier
      bereits die schweizer Meldebestätigung und neue Krankeversicherung ausreichend ist. Hattet ihr schon
      ähnliche Erfahrungen?

      Bezüglich Melderecht scheint sich seit dem Bundesmeldegesetz 2015 einiges verschärft zu haben. Wie würde
      das aussehen mit Zweitwohnsitz in Deutschland. Kann man seine bisherige Anmeldung einfach beibehalten?
      Gibt es evtl eine spezielle Regelung für Zweitwohnsitze, dass man sich erstmal von Deutschland als
      Hauptwohnsitz abmelden kann, die Abmeldebestätigung bekommt und sich dann wieder als Zweitwohnsitz
      anmeldet?

      Weiterhin hätte ich nochmal die Frage zum Thema Steuern bei beibehaltener Anmeldung in Deutschland.
      Da ich in der Schweiz eine Festanstellung haben werde und auch hier gemeldet bin, sollte ich hier kein Risiko
      haben in Deutschland besteuern zu werden. Wie sieht es bei zusätzlichen Nebenverdiensten aus? Hier habe ich
      es so verstanden, dass eine Besteuerung in Deutschland dann stattfinden würde, wenn die Dienstleistung in
      Deutschland bzw für Kunden aus Deutschland erbracht wird. Ansonsten sollte ich auch hier von der deutschen
      Steuerpflicht befreit sein.

      Puh, ganz schön viele Fragen auf einmal. Würde mich über jede Hilfe freuen.

      Viele Grüsse!
    • Ich denke vor der Beantwortung muss ein Klarstellung erfolgen:

      Im Melderecht gibt es bei Wohnsitzen in zwei Staaten keine Unterscheidung zwischen Haupt- und Zweitwohnsitz. Das ist immer nur innerhalb eines Landes möglich.

      Hingegen wird steuerrechtlich oft vom Erstwohnsitz gesprochen, das meint dann allerdings den Lebensmittelpunkt und hat mit einer Unterscheidung von Erst- und Zweitwohnsitz wie im Meldewesen (z.B: Dauer des Aufenthalts, Ausstattung usw.) nichts zu tun. Hier kann auch die winzige Bude im Heimatland den steuerlichen Lebensmittelpunkt bedeuten, obwohl im Arbeitsland z.B ein ganzes Haus bewohnt wird.

      Und genau daraus ergibt sich meines Erachtens eine gewisse Schwierigkeit bei der steuerlichen Einschätzung bei Dir. Für die steuerliche Festlegung des Lebensmittelpunktes (im DBA geregelt was für Dich wirksam wird wenn zwei Wohnsitze (in D und CH) vorhanden sind) ist es unerheblich in welcher Reihenfolge Wohnsitze gemeldet sind. Bei der Festlegung geht es darum, das Land zu bestimmen, dem die steuerliche Verantwortung für die Besteuerung hauptsächlich zusteht.

      - Deine Situation nur mit Wohnsitz in der Schweiz wäre klar: B-Bewilligung, Wohnsitz und Arbeitsvertrag in der Schweiz, also Quellensteuer (ohne Steuererklärung falls Grenzwert nicht erreicht wird), weitere Einkünfte sind in der Schweiz anzugeben.

      - Eine weitere Adresse im Ausland wäre dann nicht störend und würde nichts ändern.

      - Kommt ein Nebenverdienst hinzu, ist die Frage wo dieser anzusiedeln ist. Liegt er per Arbeitsvertrag oder Gewerbeanmeldung in Deutschland, so löst das eine Besteuerung in Deutschland aus. Aber: wenn Dein Lebensmittelpunkt in der Schweiz liegt, bist Du in Deutschland beschränkt steuerpflichtig. D.h. es gibt keine "Freigrenze" in Form des Existenzminimums und Du wirst ab dem ersten verdienten Euro mit einem ordentlichen Satz (ca. 30% wenn ich mich richtig erinnere) besteuert. Weiter unterliegt dieser in Deutschland erzielte Verdienst in der Schweiz dann dem Progressionsvorbehalt. Beispiel: Du verdienst in der Schweiz 80k und in Deutschland 10k. Dann musst Du in der Schweiz den Steuersatz für einen Verdienst von 90k auf ein Einkommen von 80k bezahlen. Also mehr Steuern.

      - Nun kommt aber hinzu, dass man in dem Setup (Wohnen und Arbeiten in der Schweiz, aber fixe Bindung zur Familie in Deutschland, Wohnsitz dort gemeldet, Nebenerwerb in Deutschland) auch auf die Idee kommen könnte, dass Du eigentlich nur in der Schweiz zur Berufsausübung bist, Dein Lebensmittelpunkt aber eigentlich in Deutschland liegt. Das wäre unschön für Dich, denn dann musst Du neben der Quellensteuer in der Schweiz in Deutschland Dein Globaleinkommen versteuern bzw. wird Dein Verdienst (ohne Abzug der bezahlten Schweizer Steuern) unter Progressionsvorbehalt gestellt. Im obigen Beispiel würdest Du dann in Deutschland 10k Verdienst zum Satz von 90K Einkommen versteuern. Das wäre dann wohl zum Spitzensteuersatz mit vollem Soli.

      Abschließend: Für die Krankenkasse in Deutschland entfällt mit der Abmeldung aus Deutschland die "Geschäftsgrundlage" (insofern es sich um eine gesetzliche KV handelt), die Anmeldung im Ausland spielt da erst mal keine Rolle.
    • Hallo Markus,

      bedeutet das die Krankenkasse definitiv die Abmeldung aus Deutschland benötigt? Wenn diese nicht erbracht werden kann (da noch angemeldet bei den Eltern) der Beitrag fällig wird oder ist die KV einfach nur auf eis gelegt? ?(
    • Hallo Markus,

      danke für die lange Antwort.

      Das heißt dann aber die Diskussion bzgl Besteuerung des Nebenverdienstes in Deutschland ist nur dann relevant,
      wenn entweder Vertrag oder Gewerbeanmeldung in Deutschland ist? Sollte das Gewerbe in der Schweiz angemeldet
      sein und die Kunden in der Schweiz bzw. Resteuropa, sollte ich da von Steuern in Deutschland nicht betroffen sein,
      oder? (Ich hatte bisher auch noch gar keine Gewerbe in Deutschland angemeldet, wenn dann wäre es eine Neuanmeldung
      in der Schweiz.)

      Die Frage nach Klarstellung der Krankenkasse von Mandy würde mich auch interessieren. Oder ist das immer Glückssache
      was jede Krankenkasse verlangt?
    • Hallo Mandy,

      wenn Du keine Abmeldung bringen kannst, läuft die kostenpflichtig weiter. Theoretisch. In der Praxis ist natürlich die Frage welche Art der Versicherung es ist. Gesetzlich (vielleicht Familienversicherung?) oder privat. In Deutschland gibt es eine KV-Pflicht die aber durch Nachweis einer anderen (gleichwertigen) Versicherung in einem anderen EU Land problemlos beendet werden kann. Die Schweiz ist nun kein EU Land, übernimmt aber Teile des harmonisierten Verfahrens zur KV. Dazu kann Dir aber auch die KV in Deutschland Auskunft erteilen, Stichwort wäre also andere Pflichtversicherung in der Schweiz.

      Hallo fireguy,

      ja, nur wenn das Gewerbe in Deutschland angemeldet ist. Eine Selbstständigkeit in der Schweiz ist auch problemlos möglich, bis 100k Umsatz kann man sogar ganz unbehelligt von der MWST agieren. Aber: Wenn man in Deutschland tätig wird kann das je nach Umfang zu Fragen der Finanzämter in Deutschland führen, zumal dann noch ein Wohnsitz in Deutschland existiert. Um alle Fragen von Umsatzsteuerpflicht, Dauer der Aufenthalte in D zwecks Arbeit und damit auch die Frage der Besteuerung einfach beantworten zu können, hat mir mein Treuhänder in der Schweiz zur Gründung einer GmbH/AG geraten (Ich mache das allerdings als Haupterwerb). Dann ist man als Angestellter einer Firma unterwegs und die Eingriffsmöglichkeiten des deutschen Finanzamtes sind damit limitierter. Nur in Deinem Fall ist da auch wieder ein Fallstrick: Wer im Ausland arbeitet und in Deutschland einen Wohnsitz hat, muss ggsfs. in Deutschland Lohnsteuer abführen, wenn mehr als 19 Tage im Jahr in Deutschland gearbeitet werden (Es werden auch einzelne Stunden gezählt, bei IT Dienstleistungen auf Servern eines Kunden gilt der Hauptsitz des Kunden als Leistungsort). Das sollte mit der Wohnsitzmeldung in Deutschland mit bedacht werden. Die macht das aus meiner Sicht unnötig kompliziert ohne einen Vorteil zu bieten.