Kurz vor Geburt auswandern - viele offene Fragen

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    • Kurz vor Geburt auswandern - viele offene Fragen

      Hallo zusammen,

      ich klicke mich durch die verschiedensten Seiten und Foren. Auch Behörden können nur schwer weiterhelfen oder wollen nicht. Ich hoffe nun auf eine Gleichgesinnte bzw. euer Wissen und Erfahrungen.

      Unser Kind kommt Ende Juli zur Welt. Ich bin gebürtig aus DE, mein Freund ist Schweizer (lebt und arbeitet in CH). Gern möchten wir das Kind in der CH zur Welt bringen. Aktuell bin ich bis einschliesslich Ende Juli in Arbeit (befristeter Vertrag) im DE Mutterschutz sind wir dann Mitte Juni. Ich werde meine Arbeit sicher nicht vorher kündigen. Eine Aufenthaltsbewilligung wollten wir Mitte Mai stellen. Da ich dann irgendwann nicht mehr ständig zwischen DE und CH pendeln möchte (für einen Weg mindestens 6 Stunden ohne Pause unterwegs). Und ich ehrlich gesagt so schnell wie möglich krankenversichert sein möchte (falls Komplikationen, Frühgeburt etc.). Meinen Wohnsitz würde ich vorübergehend auch noch in DE belassen (also keine Abmeldung in DE komplett vornehmen). Beim Amt für Migration habe ich mich bereits erkundigt was ich alles brauche, eine Abmeldung aus DE zumindest schon einmal nicht. Mein Freund muss dann für uns bürgen, dass er uns als Familie ernähren kann und für uns aufkommt. Damit komme ich ganz gut klar und bin mir sicher dass es da keine Schwierigkeiten geben wird. Ich werde erst einmal bei ihm mit einziehen und auch erst in einem halben bis Jahr nach einer grösseren Wohnung schauen. Und auch erst in 2020 heiraten. Nun stellen sich dennoch ein paar Fragen.

      - Darf ich in 2 Ländern einen Wohnsitz haben?

      - Ich bräuchte ab Juni/Juli Schwangerschaftsvorsorge und danach eine Wochenbettbetreuung in der Schweiz. Bei den Praxen an meinen zukünftigen Wohnort habe ich schon erfahren, dass eine Anmeldung im Juni okay wäre und ich die Bestätigung der Krankenversicherung in der Schweiz benötigen wegen Kostenübernahme. Ich hoffe, dass ist wirklich nicht zu spät. Darf ich zwei KV besitzen. Eine in DE und eine der CH. Leistungen beziehe ich ja dann erstmal nur in einem Land - kurz vor Geburt und nach Geburt. Offiziell bin ich im Juni im DE Mutterschutz. Und würde meine KV in DE erst mit Beendigung meines Arbeitsvertrages "verlieren" bzw. denen mitteilen, dass ich nun in der CH bleibe. Geht das ab Anfang Juni in der CH krankenversichert zu sein und bis zum Ende des DE Arbeitsvertrages auch in DE?

      - Wenn ich einen befristeten DE Arbeitsvertrag habe, beantrage ich keine Elternzeit. Habe ich dann automatisch keinen Anspruch mehr auf Elterngeld?
      Leistungen in der Schweiz gibt es ja keine. Und ehrlich habe ich gearbeitet und bin davon ausgegangen dass ich dann auch Anspruch auf Mutterschaftsgeld und Elterngeld habe?

      - Bekommt unser Kind automatisch die Schweizer Staatsbürgerschaft und/oder die Deutsche?

      Ich würde mich freuen, wenn jemand in der gleichen Situation ist/war und Erfahrungen hat und helfen kann. Oder ihr ein paar Tipps habt an wen man sich wenden kann.

      Vielen lieben Dank schon einmal im Voraus.

      Viele liebe Grüsse (noch aus Deutschland)
      Lene
    • Zwei Wohnsitze in D und CH sind möglich.
      Grundsätzlich ist man nur in einem Land Sozialversicherungspflichtig, wo, entscheidet nach Einsenden des entsprechenden Formulars zur Klärung die Dvka (auf der Webseite gibts auch noch einige Infos).
      Elterngeldanspruch hat man auch, wenn man arbeitslos wird vor der Geburt bzw. wenn der befristete Vertrag endet. Man kann dann entweder erst Elterngeld und anschließend Arbeitslosengeld beziehen oder aber beides gleichzeitg (mit Anrechnung). Das gilt aber nur wenn Wohnsitz in D. Im Ausland kann man auch Elterngeld beziehen, aber alle Ausnahmen die ich gefunden habe beziehen sich auf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.
      Zum letzten Punkt kann ich nichts sagen, denke aber dass es ist wie in D, dh das Kind bekommt automatisch die Staatsbürgerschaft der Mutter.
      Ich denke allerdings auch dass du kein Kindergeld bekommen wirst, da es eine Steuerleistung darstellt. Hattest du das mitberücksichtigt?
      Das Kind braucht auch seine eigene Krankenversicherung in CH.
    • Hallo Lene27

      Du kannst schon in beiden Ländern einen Wohnsitz haben, hatte ich für kurze Zeit auch und alle Behörden wussten davon. War auch nicht weiter schlimm und hat niemanden gestört. Hat lediglich dazu geführt, dass ich für die wenigen Monate, die ich hier gemeldet war und nicht gearbeitet habe, weil ich anfangs noch in Deutschland gearbeitet habe, eine Steuererklärung ausfüllen und abgeben musste.
      Du darfst definitiv nur in einem Land krankenversichert sein! Diesen Aufstand habe ich damals voll zu spüren bekommen. Für das andere Land brauchst du das Formular E106, das dir die Krankenkasse aus dem anderen Land ausfüllen muss, damit bist du von der Krankenversicherungspflicht berfreit. Da ich damals noch befristet (also so wie du) für zweieinhalb Monate in Deutschland gearbeitet habe, war ich in der Schweiz durch das Formular von der Krankenversicherungspflicht befreit. Dieses Formular besagt einfach nur, dass die KK auch für Kosten aufkommt, die du im jeweils anderen Land verursachen würdest, falls du dort zum Arzt musst. Die Deutsche KK habe ich dann zum Ende meines befristeten Vertrages in D gekündigt. Da es bei mir nahtlos ineinander überging, war ich dann ab dem nächsten Tag in der Schweiz versichert. Ich habe natürlich keine Ahnung, wie das in deiner Situation mit der Schwangerschaft abläuft, da können ja durchaus hohe Kosten entstehen. Ich kann dir empfehlen mal bei deiner KK in D nachzufragen. Dir in der Schweiz schon eine KK auszusuchen und diese zu kontaktieren, was ich damals auch gemacht habe. Und den KVG in Solothurn kann ich dir auch empfehlen. Mit denen habe ich damals ziemlich lange telefoniert und die haben mir alles erklärt.

      Zum Bürgerrecht/Staatsangehörigkeit eures Kindes:
      "Ein Kind hat von Geburt an das Schweizer Bürgerrecht, wenn seine Eltern verheiratet und der Vater oder die Mutter Schweizer Bürger oder Bürgerin ist. Dasselbe gilt für das Kind einer Schweizer Mutter, die mit dem Vater nicht verheiratet ist. Auch das Kind eines nicht verheirateten Schweizer Vaters und einer ausländischen Mutter erhält das Schweizer Bürgerrecht, wenn der Vater die Vaterschaft anerkennt, bevor das Kind volljährig wird." (Auszug aus: swissinfo.ch/ger/politik/buerg…nd-einbuergerung/28980886 )
      Bedeutet also: Es ist automatisch deutscher Staatsbürger und mit ein klein wenig Bürokratie auch Schweizer, oder ihr müsst vorher noch heiraten. ;) Über die Seiten der Eidgenossenschaft und die Migrationsämter bekommst du dazu sicher noch mehr Info.

      Ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen.
      Alles Gute euch und eurem ungeborenen Kind!
      Penelope

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