Evtl. Job in Zürich-bei familienbedingter 50%iger Anwesenheit in CH

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    • Evtl. Job in Zürich-bei familienbedingter 50%iger Anwesenheit in CH

      Hallo zusammen.

      Als Neuling vorweg vielen Dank für all Eure Fragen und Antworten. Trotz vieler dadurch geklärter Teilstücke hier meine Situation im Speziellen:

      Bin wohnhaft in Berlin, von meiner Frau getrennt lebend mit zwei Kindern. Wir haben das wochenweise Wechselmodell (mittwochs Wechsel),
      welches auch in seiner etablierten Funktion genauso aufrechterhalten werden soll. Ich wäre demnach alle zwei Wochen von Mittwoch abends bis Folgemittwoch in Zürich, wo sich gerade eine tolle Möglichkeit der beruflichen Weiterentwicklung für mich auftut. An den Berlintagen würde ich im Homeoffice für die Schweizer Firma arbeiten.

      Plan bzw. Wunsch ist es, möglichst kosteneffizient in Zürich zu wohnen (Berufstätigen-WG o.ä.) und dort aus steuerlichen Gründen gemeldet zu sein. Wichtig ist mir, dass in jedem Falle die Kinder in der momentan bestehenden Familienversicherung verbleiben, idealerweise auch ich.
      Gut wäre es zudem, wenn man das homeoffice in Form eines Shared Office Space / Coworking space über den Schweizer AG laufen lassen könnte.

      Für jegliche Hilfestellung dankbar,

      Grüße
      Olaf
    • Vorsicht mit Homeoffice!
      Je nach Anzahl der "Berlintage" wird es mit Steuer und SV Probleme geben. Bei mehr als 25% Arbeitszeit in D werden die SV Beiträge in D (Ansässigkeitsstaat) gezahlt. Hier gibt es nur all or nothing, also keine halbe-halbe Lösungen. Über die Sozialversicherungspflicht entscheidet die DVKA nach Einsendung eines entsprechenden Formulars (bitte dort auf der Webseite schauen).

      Bei der Steuer kommts drauf an wo die Arbeit physisch verrichtet wird. Du bist in D Ansässig, auch wenn du in CH gemeldet bist, ändert sich daran nichts. Entsprechend bist du auf jeden Fall unbeschränkt steuerpflichtig in D. Ob D dich von der Steuer freistellt, kommt auf die Anzahl der Arbeitstage in CH an (mehr als 183 Tage in CH = D stellt dich für diese ausländischen Einkünfte frei). Für die inländischen Einkünfte (aus den Homeofficetagen in D) jedoch nicht.
      Ob und wie dich dann CH für die Einkünfte aus D freistellt, weiß ich nicht.
      Hierzu bitte einmal Artikel 15 des DBA Schweiz lesen.

      Des weiteren gibt es ein Schreiben des BMF, das diesen und andere Fälle haarklein auseinandernimmt und die jeweilige finanzrechtliche Beurteilung dazu: bundesfinanzministerium.de/Con…_blob=publicationFile&v=2
      Es lohnt sich, das genau zu lesen. Vieles kann man überspringen, da für die eigene Situation nicht relevant.

      Und schließlich sollte nicht unerwähnt bleiben, dass für grenzüberschreitendes Arbeiten in jedem Fall eine A1-Bescheinigung benötigt wird, die der Arbeitgeber JEDES MAL bei der Krankenkasse beantragen muß, mindestens 4 Tage im Voraus, und die mitgeführt werden muß, ansonsten drohen Bußgelder von bis zu 10k Euro.

      Wenn du ohnehin in D Steuern zahlst, da du nicht über die 183 Tage Anwesenheit in CH kommst (bzw für den inländischen Teil der Einkünfte), kannst du aber die Zweitwohnung steuerlich geltend machen als doppelte Haushaltsführung. Dies geht bis zu 1000 Euro (plus Einrichtung etc).
      Ob sich das lohnt, kannst du hier ausrechnen: biallo.sueddeutsche.de/tz/sued…oppelhaushaltrechneri.php
    • Hallo Shanau,

      Herzlichen Dank für Deine sehr substantielle Antwort einschl. der enthaltenen Links - eine schöne Wochenendlektüre. Scheint ja doch alles etwas bedenkenswerterer zu sein als zunächst ausgemalt.
      Ich lese mich mal in die Themen ein, nochmals Dankeschön für diese sehr hilfreichen ersten Spuren.

      Grüße und schönes Wochenende
      Olaf
    • Ja es ist super kompliziert! Ich beschäftige mich jetzt seit einem Jahr damit, ich plane Anfang 2020 in die Schweiz zu ziehen und dort Homeoffice zu machen (deutscher Arbeitgeber). Überall lauern Fallstricke und ich lerne immer noch ständig was Neues.
      Schlimm wirds dann, wenn der örtliche Finanzbeamte oder Steuerberater auch keine Ahnung hat.
      Daher würde ich bevor irgendwelche Schritte eingeleitet werden, auf jeden Fall eine (kostenlose) verbindliche schriftliche Auskunft des FA einholen, wie die diese Situation dann gedenken zu behandeln. Sie sind dann daran gebunden (du aber auch, also die beschriebene Situation muß schon 1:1 umgesetzt werden).
      Und nicht vergessen die Schweizer Seite sollte auch vorab befragt werden.

      Ich weiß zum Beispiel immer noch nicht, wenn nun eine Befreiung von der Steuer in D zutrifft, wann genau diese Befreiung dann umgesetzt wird: ab dem Befreiungsantrag formulare-bfinv.de/ffw/form/di…text=CAEC2601F2EB1628054D
      oder ab der Steuererklärung? das heißt man zahlt erstmal monatlich doppelt Steuern? Und wie wirkt es sich aus wenn ich unterjährig in die Schweiz ziehe? Ich hab noch 8 Monate um das Alles zu klären. Und vielleicht findet mein Mann ja bis dahin auch einen Job in CH und kann mit umziehen. Sieht allerdings schlecht aus momentan, sogar die Arbeitsvermittler melden sich nicht :(