Steuern bei Arbeitsplatz in der Schweiz ...

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    • Steuern bei Arbeitsplatz in der Schweiz ...

      Hallo,

      ich hätte zwei Fallkonstellationen:

      1. Fall
      Unbefristeter Vollzeitjob bei Unternehmen mit Sitz in der Schweiz als Angestellter.
      Mieteinnahmen in DE.
      Wohnung in der Schweiz ab 1. Arbeitstag.

      2. Fall
      Unbefristeter Vollzeitjob bei Unternehmen mit Sitz in der Schweiz als Angestellter.
      Mieteinnahmen in DE.
      Wohnung in der Schweiz ab 1. Arbeitstag und parallel Wohnung in DE.

      Fragen:

      In welchem Formularen (Mantelbogen, Anlage N, etc.) und in welchen Zeile muss das Gehalt aus der Schweiz jeweils angegeben werden ?
      Wo muss das Gehalt aus der Schweiz versteuert werden DE oder CH ?
      Besteht eine beschränkte oder eine unbeschränkte Steuerpflicht ?
    • Mieteinnahmen müssen in jedem Fall, unabhängig von allen anderen Faktoren, in Deutschland versteuert werden.

      Zu den Fällen fehlt die Angabe der steuerlichen Ansässigkeit, ebenso die Art der Bewilligung. Dann kann man nix genaues dazu sagen ;)

      Liegt die steuerliche Ansässigkeit in der Schweiz, wäre bei Fall 1 eine beschränkte Steuerpflicht in D anzunehmen.
    • Markus Schulz schrieb:

      Zu den Fällen fehlt die Angabe der steuerlichen Ansässigkeit, ebenso die Art der Bewilligung. Dann kann man nix genaues dazu sagen ;)
      Hallo Herr Schulz,

      vielen Dank.

      Die Begriffe steuerliche Ansässigkeit und Art der Bewilligung sind mir leider nicht geläufig.

      Ich hatte gehofft, dass sich der Rest aus den Fallkonstellationen ergibt. Welche Infos wären denn noch nötig.

      Es würde sich um eine Vollzeit-Angestelltentätigkeit bei einem schweizer Arbeitgeber handeln, der dann Quellensteuer abführt.
      Zwischen beiden Wohnungen (im Falle 2) wäre eine Entfernung von mehr als 500 km vorhanden, also allenfalls Wochenendheimfarten, wenn überhaupt
      regelmäßig vielleicht 1-2 mal pro Monat.

      Generell ist mir unklar was bzgl. des Schweizer Gehaltes eigentlich der Unterschied zwischen Fall 1 und Fall 2 ist, denn in beiden Fällen
      dürfte das Schweizer Gehalt als solches ja nicht in DE versteuert werden. Sehe ich das richtig ?
    • fpch schrieb:


      Generell ist mir unklar was bzgl. des Schweizer Gehaltes eigentlich der Unterschied zwischen Fall 1 und Fall 2 ist, denn in beiden Fällen
      dürfte das Schweizer Gehalt als solches ja nicht in DE versteuert werden. Sehe ich das richtig ?
      Nein, das ist so nicht richtig. Ausschlaggebend ist der Lebensmittelpunkt und gerade hier könnte argumentiert werden, dass dieser in Deutschland ist, da die Familie dort noch lebt und besucht wird.

      Die Art der Bewilligung bezieht sich auf die Frage, ob Du ein Grenzgänger wirst oder nicht, was steuerliche Auswirkungen haben wird.
    • So einfach ist es nicht. Für den Unterschied bei der steuerlichen Ansässigkeit konstruiere ich mal ein Beispiel:

      Verdienst in der Schweiz umgerechnet 8.000 €/Monat, Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung in Deutschland 8.000 € im Jahr.

      a) Steuerliche Ansässigkeit in der Schweiz

      Im Fall der Bewilligung B fällt auf das Schweizer Gehalt Quellensteuer an, zusätzlich eine Steuererklärung in der Schweiz (Einkommen >100.000CHF in der auch das Vermögen in Deutschland (Immobilie) anzugeben ist). Die Vermietungsgewinne sind nach DBA in Deutschland steuerbar. Dort ist man dann beschränkt steuerpflichtig. D.h. die 8.000 € werden um den Satz des steuerfreien Existenzminimums erhöht und dann eine Satzbestimmung vorgenommen. Macht etwas über 2.000 € Steuern für die Vermietung.

      b) steuerliche Ansässigkeit in Deutschland

      Die Quellensteuer in der Schweiz wird ganz normal bezahlt. Dann ist eine Einkommenssteuererklärung für das Globaleinkommen in Deutschland abzugeben. Hier wird das Schweizer Einkommen unter Progressionsvorbehalt gestellt, d.h. für die Einnahmen aus der Vermietung wird das Brutto(!)-Einkommen aus der Schweiz zur Satzbestimmung mitgerechnet (13x8000=104.000) Die Vermietungseinnahmen von 8.000 € werden dann besteuert als wären es die Einnahmen von 104.000 - 112.000€. Macht dann etwa 2.750 €, alles ggfs. plus Soli.

      Sind die Einnahmen in Deutschland höher oder gibt es noch andere Einkommensarten, wirkt sich das immer weiter negativ aus.

      Die steuerliche Ansässigkeit kann man dabei nicht für sich alleine entscheiden. In den Fällen in denen man auch bei Wohnsitz in der Schweiz noch Familie in Deutschland hat (Frau, Partnerin, Kinder) wird von den Finanzbehörden angenommen, dass sich dort der Lebensmittelpunkt befindet und damit auch die steuerliche Ansässigkeit (Stichwort "Heimfahrt" spricht dafür dass der Lebensmittelpunkt nicht verlagert worden ist.)

      Die Art der Bewilligung muss zur korrekten Einordnung auch noch festgelegt werden, da diese u.U. steuerliche Auswirkungen in Deutschland (Stichwort doppelte Haushaltsführung) haben kann.
    • zu Punkt a) steuerliche Ansässigkeit in der Schweiz:

      Zitat: Die Aufenthaltsbewilligung der Angehörigen von EU-27/EFTA-Mitgliedstaaten (Staatsangehörige EU-27/EFTA) hat eine Gültigkeitsdauer von fünf Jahren; sie wird erteilt, wenn der EU-27/EFTA-Bürger den Nachweis einer unbefristeten oder auf mindestens 365 Tage befristeten Anstellung erbringt.

      Das wäre in jedem Falle gegeben und könnte durch Arbeitsvertrag nachgewiesen werden.
      Kann daraus dann automatisch auf steuerliche Ansässigkeit in der Schweiz geschlossen werden ?

      zu Punkt b) steuerliche Ansässigkeit in Deutschland:

      Scheint ja nun unabhängig von der Bewilligung B zu sein. Aber ich sehe in Bezug auf das Schweizer Gehalt keine Unterschiede zu a), denn in beiden Fallen a) + b) wird ja das Schweizer Gehalt
      als solches nicht in DE versteuert. Bei Fall a) wird es scheinbar gar nicht in DE betrachtet und bei Fall b) "nur" unter Progressionsvorbehalt, d.h. es erhöht die Steuern auf die Mieteinnahmen.


      Folgendes ist noch offen bzw. unklar:

      Gibt es eine Konstellation, bei der das in der Schweiz erhaltene Gehalt in DE zu versteuern ist. Ich meine hier nicht den Progressionsvorbehalt, sondern eine Versteuerung des Gehaltes, so als
      wäre es in DE ausgezahlt worden. Nach aktuellem Kenntnisstand ist das nur bei der Grenzgängerregelung der Fall, bei der 4% in CH pauschal besteuert wird und sonst unter Anrechnung der 4%
      in DE versteuert wird. Ein Grenzgänger ist ja so definiert, dass er täglich pendelt, was bei der angegebene Entfernung von 500 km schlichtweg unmöglich ist. Selbst Pendeln an jedem
      Wochenende ist unrealistisch.

      In den beiden anfangs genannten Fällen 1+ 2 handelt es sich nicht um Familienheimfahrten, man kann von einem Single ausgehen.
      Die "Heimfahrten" nach DE dienten allenfalls dazu, gelegentlich nach dem Rechten in der Wohnung zu schauen mit dem längerfristigen Plan dann die Wohnung in DE auch aufzugeben, z.B.
      nach Ablauf der Probezeit in CH. Außerdem bestünde die Möglichkeit der Untervermietung der Wohnung.

      Falls es eine Konstellation gibt, welche dennoch den Lebensmittelpunkt in DE, und eine Versteuerung des CH-Gehaltes in DE zu Folge hätte, dann müssten aber mindestens folgende Werbungskosten
      absetzbar sein, sonst wäre das inkonsequent:

      Miete für Wohnung in CH wegen doppelter Haushaltsführung
      Möblierung der Wohnung in CH + Telefon/Internet
      Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte i.H.v. 46 Wochen x 500 km = 23.000 km * 0,30 € = 6.900,- € pro Jahr
      Verpflegungsmehraufwendungen
      Umzugskosten

      Wie sehr Ihr das ?












      1. Unbeschränkte Steuerpflicht in DE
    • Solang die Wohnung in D besteht, besteht auch die unbeschränkte Steuerpflicht in D. Die kann von D "ausgesetzt" werden, wenn die Arbeit tatsächlich mit physischer Anwesenheit in CH verrichtet wird. Doppelte Haushaltsführung wird aber wohl nix werden, da die Wohnung in D nicht mehr nötig ist - wozu auch? Es lebt ja keine Familie dort zu der man zurückkehren würde. Die Wohnung ist quasi unbenutzt. Da wird das FA auch fragen warum die Wohnung weiterhin gemietet wird? Oder soll sie vermietet werden in Abwesenheit? Bei Untervermietung wäre es ohnehin keine doppelte Haushaltsführung, da der in der Wohnung geführte Haushalt ja ein fremder ist und nicht der eigene.
    • Shanau schrieb:

      da die Wohnung in D nicht mehr nötig ist - wozu auch?

      Darf man das nicht mehr selber entscheiden, was man mit seiner angemieteten Wohnung macht ?

      Man kann sie:

      - Komplett vermieten
      - Untervermieten
      - Leer stehen lassen

      Es gibt auch Menschen aus dem Ausland, die in DE Wohnungen dauerhaft anmieten, umgekehrt gibt es hier Menschen, die im Ausland Wohnungen dauerhaft anmieten. Genauso gibt es Menschen in D, die Ferienwohnungen im Ausland haben und Ausländer die Ferienwohnungen in D haben, die größtenteils leer stehen. Dürfen die jetzt alle ihre Wohnungen nicht mehr behalten bzw. müssen die sich jetzt alle rechtfertigen, weshalb sie die Wohnung haben. Die Rechtsgrundlage dafür wäre sehr interessant.

      Gerade bei Untervermietung wäre es doppelte Haushaltsführung, ein Thema denn Untervermietung ist per Gesetz so definiert, dass nur ein Teil der Wohnung vermietet ist und ein Teil beibehalten wird.

      Ich schreibe nochmal die Fragen oben auf, weil diese noch offen sind:

      zu Punkt a) steuerliche Ansässigkeit in der Schweiz:

      Zitat: Die Aufenthaltsbewilligung der Angehörigen von EU-27/EFTA-Mitgliedstaaten (Staatsangehörige EU-27/EFTA) hat eine Gültigkeitsdauer von fünf Jahren; sie wird erteilt, wenn der EU-27/EFTA-Bürger den Nachweis einer unbefristeten oder auf mindestens 365 Tage befristeten Anstellung erbringt.

      Das wäre in jedem Falle gegeben und könnte durch Arbeitsvertrag nachgewiesen werden.
      Kann daraus dann automatisch auf steuerliche Ansässigkeit in der Schweiz geschlossen werden ?


      zu Punkt b) steuerliche Ansässigkeit in Deutschland:

      Scheint ja nun unabhängig von der Bewilligung B zu sein. Aber ich sehe in Bezug auf das Schweizer Gehalt keine Unterschiede zu a), denn in beiden Fallen a) + b) wird ja das Schweizer Gehalt
      als solches nicht in DE versteuert. Bei Fall a) wird es scheinbar gar nicht in DE betrachtet und bei Fall b) "nur" unter Progressionsvorbehalt, d.h. es erhöht die Steuern auf die Mieteinnahmen.

      neuer Punkt c):

      Die einzige mir bekannte Konstellation, bei der das in der Schweiz erhaltene Gehalt auch in DE zu versteuern ist, ist der Grenzgängerfall, bei dem tägliches Pendeln unterstellt wird.

      Wenn man bei jemandem trotz physischer Anwesenheit in CH 5 Tage die Woche und trotz der Entfernung von 500 km Grenzgenereigenschaft unterstellt, dann unterstellt man ja auch tägliche Heimfahren.
      Und dann wären auch täglich 500 km Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte als Werbungskosten anzuerkennen (220 Tage x 500 km), alles andere wäre unlogisch. Gleiches gilt für doppelte Haushaltsführung
      bei unterstelltem Lebensmittelpunkt in DE.