Auswandern und Haus kaufen

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    • Auswandern und Haus kaufen

      Hallo zusammen,

      bin Rentner in Deutschland und möchte in die grenznahe Schweiz umziehen (wo ich auch viel Zeit in meiner Kindheit verbracht habe) und dort meinen Lebensabend verbringen.

      Dazu möchte ich auch vor Ort ein Haus kaufen, finanzielle Mittel sind vorhanden.

      Ebenso bin ich kerngesund, finanziell unabhängig, werde also dem schweizer Staat oder sonst jemand nicht zur Last fallen.

      Fragen dazu:

      Kann ich sofort nach einem Haus schauen, oder sollte ich erstmal vor Ort auf dem Amt für Migration bzgl. einer Aufenthaltsbewilligung vorstellig werden?

      Muss ich mich trotzdem noch in der Schweiz krankenversichern?
      Bin ja über die RV in Deutschland kranken versichert (müsste allerdings noch abklären, inwieweit mir das in der Schweiz weiterhilft).

      Ist der Ablauf eines Hauskauf in der Schweiz ähnlich wie in Deutschland?

      Vielen Dank!

      Gruß John
    • Guten Morgen John_Doe,

      zum Hauskauf und der Aufenthaltsbewilligung kann ich dir nichts sagen, aber zur Krankenversicherung.
      Da du in der Gesetzlichen Deutschen Kasse bist, kannst du mit dem Formular (ich glaube E106) die Befreiung in der
      obligatorischen Schweizer Grundversicherung beantragen. Das läuft alles über die KVG in Solothurn, die ist für
      die gesamte Schweiz zuständig. Da bekommst du eine KKKarte der Schweiz und kannst damit ganz normal zum
      Arzt gehen, wie du möchtest. Es gelten dann auch für dich die gleichen Bedingungen wie jeder Andere in der
      Grundversicherung auch. Heisst 300 Chf Franchise und 10% der Arztrechnungen bis 700 Chf im Jahr.
      Bei meinem Mann funktioniert das ohne Probleme schon seit 4 Jahren, also wenn die Anträge durch sind alles kein
      Problem.

      Viel Erfolg bei der Haussuche!
      Hoffe ich konnte dir ein wenig helfen.
      Grüsse
      Beate
    • Wir haben direkt ein Haus in der Schweiz gekauft

      Das Verfahren ist relativ einfach, kann von mir aber nur für den Fall im Kanton Aargau geschildert werden.

      Der Erwerb von Liegenschaften durch im Ausland ansässige Personen ist bewilligungspflichtig, ausser in dem Fall in dem die Liegenschaft als alleiniger und ständiger Wohnsitz dienen soll. Dann ist auf Gesuch über die Bewilligungsfreiheit des Erwerbs zu entscheiden.

      Hierzu bedarf es einer Voraussetzung in der Schweiz: die Aufenthaltsbewilligung muss im Vorfeld durch das Migrationsamt zugesichert werden. Das ist für EU Bürger Formsache, sofern sie entweder über ein Arbeitseinkommen (Befristung Minimum ein Jahr) oder hinreichende finanzielle Mittel verfügen.

      Das Gesuch zur Bewilligungsfreiheit ist beim Grundbuchinspektorat einzureichen. Das ist ein Schreiben zur Erklärung der Motivation des Zuzugs und zum Nachweis der dauerhaften Bleibeperspektive. Man muss belegen, dass der Wohnsitz in der Schweiz dauerhaft genommen werden soll.

      Fällt der Entscheid positiv aus, erfolgt dies unter Auflagen die die Belegführung fortsetzen. Z.B. Abmeldebestätigung in Deutschland, Zollerklärung über das Zügelgut, aber auch Nachweis des Verkaufs oder dauerhaften Vermietung eventueller Liegenschaften in Deutschland. Verhindert werden soll so ein „pendeln“ aus dem sich dann irgendwann doch kein ständiger Wohnsitz in der Schweiz ergibt.

      Die Liegenschaft in der Schweiz kann dabei auch nur ein selbst zu bewohnendes Haus oder Stockwerkeigentum sein. Der direkte Kauf z.B. eines Doppelhauses mit Vermietung der zweiten Hälfte geht nicht.


      Mit ein wenig Vorbereitung und entsprechenden Abklärungen ist das relativ einfach, wir haben von der ersten Besichtigung des Hauses bis zum Einzug keine zwei Monate gebraucht, normalerweise sollte man aber etwas mehr Zeit einplanen, da z.B. gegen den Grundbuchamtsentscheid bis zu dessen Rechtskraft die Gemeinde, der Kanton sowie der Bund 4 Wochen lang Einsprache erheben kann. Vorher ist ein Eintrag im Grundbuch auch nicht möglich. (Bei uns haben alle Parteien schnell Rechtsmittelverzicht erklärt, daher ging es flotter )


      Alternativ ziehst Du einfach in eine Wohnung (Bewilligung B muss erlangt werden) und planst von da den Kauf, dann ist das Verfahren einfacher. Wir haben den „komplizierteren“ Weg gewählt weil wir zeitgleich eine Firma gegründet haben und eine nachgelagerte Ummeldung an einen neuen Ort mindestens genauso viel Aufwand bedeutet hätte. In Summe hat das Verfahren beim Grundbuchamt 900 CHF gekostet.

      Und noch etwas Werbung für unseren schönen Kanton: Im Aargau gibt es keine Handänderungssteuer. Man zahlt also keine Grunderwerbssteuer
    • Ergänzend vielleicht noch der Hinweis dass Du für die Abwicklung wohl zwingend eine schweizerische Bank brauchst.

      - Das zum Notartermin mitzubringende „unwiderrufliche Zahlungsversprechen“ kennen Institute in Deutschland nicht. Dieses braucht man auch selbst wenn das Haus aus Barmitteln bezahlt wird. (Steuerlich wird aber eine Hypothek interessant sein, bei Finanzierungsgraden unter 50% fallen Zinsen von 0,8 - 0,7% an, da lohnt sich Kapital anders anzulegen. Obendrein können die Zinsen beim Eigenmietwert gegengerechnet werden.)

      - Eine Bank im Ausland ist im Bewilligungsgesuch eher schädlich.
    • Ja, das gibt es.

      Aber dafür hat der Wilhelm Tell die angesprochene Zusicherung der Bewilligung erfunden, damit kann die Bank arbeiten wie mit einer vorliegenden Bewilligung.

      Es wird in der Realität von den Parametern abhängig sein, also Höhe der Finanzierung, Eigenkapitalquote, konkrete Objektbewertung und natürlich auch dem angestrebten Setup des Zuziehenden. Ein Nachweis von Vermögen durch eine deutsche Bank ist dann auch hilfreich. Durch die Tragfähigkeitsberechnung der Bank wird aber jeder durch müssen, das ist hier gesetzlich verankert. (Grob wird die Hypothek mit 4 - 5% Durchschnittszinssatz berechnet, zuzüglich 1-2% der Kaufsumme als Unterhaltungskosten und ggfs bei geringem Eigenkapital auch eine Amortisation. Die Summe daraus darf dann 33% des verfügbaren Einkommens nicht überschreiten. Dazu stellen diverse Banken auch Überschlagsrechner auf ihren Webseiten bereit.)

      Wir wussten vorher auch nicht dass wir auf jeden Fall eine Bank in der Schweiz brauchen, konnten uns die aber innert weniger Tage organisieren.