Erster Job und das gleich in der Schweiz. Steuern? Steuerberater? Steuererklärung?

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    • Erster Job und das gleich in der Schweiz. Steuern? Steuerberater? Steuererklärung?

      Guten Tag,

      ich habe einige Fragen an die alten Auswanderprofis.

      Ich werde ab dem 1.9.19 einen Job in der Schweiz (Kanton Wallis) annehmen und auch dort wohnen. Sprich Aufenthaltsbewilligung B. Ich habe bis jetzt noch nie eine Steuererklärung in Deutschland machen müssen und bin auch im Jahr 2019 nicht steuerpflichtig in Deutschland, da ich keine Einnahmen habe.
      Trotz vieler Stunden vorm Rechner bleiben einige Fragen offen.

      Ich werde für den ersten Monat einen festen Wohnsitz haben und dann höchstwahrscheinlich diesen wechseln. Jetzt habe ich gelesen, dass abhängig der Gemeinde unterschiedliche Steuersätze auftreten. Hinzu kommen Fahrtkosten / Verpflegungskosten innerhalb der Firma, die ich zusätzlich steuerlich geltend machen kann.

      Konkret wird sich mein Einkommen in den Monaten September-Dezember auf 20-35.000 CHF belaufen. Je nachdem, ob das 13. Monatsgehalt und etwaige Boni bezahlt werden. Soweit ich richtig informiert bin, werden die Steuern automatisch vom Arbeitgeber abgeführt.

      Bin ich auf Grund des "geringen" Gesamteinkommens für das Jahr 2019 begrenzt steuerpflichtig bzw. erhalte gezahlte Steuern zurück? Oder richten sich die Steuern automatisch nach meinem Monatsbruttolohn, unabhängig vom Gesamtjahresverdienst?
      Lohnt es sich eurer Meinung nach zu Beginn einen Steuerberater hinzuzuziehen, um einmal das System komplett zu verstehen? Mit welchen Kosten hätte man an dieser Stelle zu rechnen?
      Ich habe gelesen, dass ich mit Aufenthaltsbewilligung B keine Steuererklärung schreiben muss. Das macht aber wahrscheinlich keinen Sinn, da man immer etwas absetzen kann oder?

      Vielen Dank für eure Zeit.
      Viele Grüße
      Takeo
    • In der Konstellation wirst Du in der Quellensteuer drin sein. D.h. es werden einmal die Faktoren (Familienstand, Anzahl der Kinder) festgelegt und damit dann der gültige Quellensteuertarif. Und Quellensteuer bedeutet, dass diese Steuern fix vom Lohn pro Monat abgezogen und vom Arbeitgeber abgeführt werden.

      Demgegenüber steht die ordentliche Besteuerung. Die erreicht man entweder mit der Bewilligung C (frühestens nach 5 Jahren), einem Verdienst über 120k im Jahr oder dem Erwerb von Wohneigentum in der Schweiz.

      Es gibt noch eine nachgelagerte Korrekturmöglichkeit bei der Quellensteuer, ob das lohnt kann dann ein Treuhänder sagen. Der wird für die Abrechnung wohl ein paar hundert Franken nehmen. (Manche bieten das Pauschal z.B. für 299 CHF an, viele Dinge sind dann aber als Extra deklariert und werden mit etwa 180CHF/h abgerechnet.)
    • Hoi Takeo,

      wie Markus schon richtig geschrieben hat, wird dein Arbeitgeber die Quellensteuer für dich abführen. Du musst dir darüber also keine Gedanken machen.
      Die Quellensteuer ist kantonsabhängig, d.h. es spielt für dich keine Rolle in welcher Gemeinde im Wallis du wohnst. Es sei denn du bekommst über CHF 120k Jahresgehalt, dann musst du eine reguläre Steuererklärung machen.

      Die meisten Kantone haben eine Steuersoftware, mit deren Hilfe man sie Steuererklärung ausfüllen kann. Diese hat auch Erklärungen zu Fahrtkosten, Verpflegungskosten etc. Du könntest dir die Software für den Kanton Wallis (ich hoffe die haben so etwas :) ) schon herunterladen und ein bisschen damit experimentieren.

      Pro Jahr kann man CHF 3'000 für Fahrtkosten ansetzen, zusätzliche CHF für ein Velo sowie Verpflegungskosten (hier muss die Arbeitsstelle aber mehr als 30min entfernt sein von deinem Wohnort). Bitte aber nicht blind auf diese Zahlen verlassen, ich habe die mal aus dem Kopf hier hingeschrieben. Müsste nochmal genau nachschauen, wie viel man wirklich ansetzen kann.
      Eine Tarifkorrektur kannst du auch ohne Treuhänder (Schweizer Bezeichnung für Steuerberater) einreichen. Zumindest hier in Basel-Stadt waren die Leute von der Steuerverwaltung sehr hilfreich und ich musste nie lange auf Antwort warten.

      Deine Quellensteuer wird nach deinem Monatsbruttolohn berechnet, d.h. dein Arbeitgeber schaut in die Quellensteuertabelle und behält den anteiligen Steueranteil ein. Das siehst du dann auf deiner Gehaltsabrechnung.

      Zusammenfassung:
      - mit einem Gehalt von unter CHF 120k pro Jahr musst du keine Steuererklärung machen
      - Quellensteuer richtet sich nach deinem Monatslohn
      - das Schweizer Steuersystem hat nicht so viele Sonderfälle wie das deutsche, z.B. kann man nicht so viele Abzüge geltend machen. Ich würde an deiner Stelle die Steuersoftware runterladen und selber schauen, was du ansetzen kannst. Die möglichen Abzüge sind meist in einem PDF-Dokument erklärt.
      - falls du damit nicht zurecht kommst, kannst du immer noch einen Treuhänder kontaktieren. Bei der Höhe deiner Einkünfte ist aber die Frage, ob sich das lohnt.


      VG basileus