Festanstellung zu 80% in CH, selbstständige Nebentätigkeit in D - geht das?

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    • Festanstellung zu 80% in CH, selbstständige Nebentätigkeit in D - geht das?

      Hallo ihr Lieben,

      ich wohne in Ravensburg (D) und ziehe in Erwägung, in die Schweiz zu ziehen, bevorzugt nach Basel. Ich bin Psychologin und befinde mich noch in der Weiterbildung zur psychologischen Psychotherapeutin. Im Rahmen dieser Ausbildung behandle ich sechs ambulante Patient/-innen in einer Praxis in Ravensburg, die Abrechnung mit den Krankenkassen erfolgt über mein Ausbildungsinstitut, das mir wiederum ein Honorar auszahlt, welches ich selbst versteuern muss.
      Nun frage ich mich konkret, ist es möglich, in der Schweiz zu leben und zu arbeiten und dennoch in Deutschland einer sehr kleinen selbstständigen Tätigkeit nachzugehen?
      Einmal pro Woche wäre ich dann hier in Ravensburg. Pro Jahr dürfte ich damit grob geschätzt 9000 € erwirtschaften, abzüglich Ausbildungskosten von 3200 €, also etwa 5800 €, oder eher etwas weniger, wenn ich die Fahrtkosten noch mit abziehe.
      Die Behandlungen sind ohnehin mit Abschluss der Ausbildung vorbei, so dass ich dann ganz in die Schweiz übersiedeln möchte.
      Kennt sich irgendjemand hiermit aus?

      Ich freue mich auf Antworten!

      Liebe Grüße,
      Johanna
    • Hoi Johanna,

      deine Situation ist in der Tat komplex.

      Hast du schon einen Arbeitsvertrag in der Schweiz unterschrieben? Du bist ja, soweit ich das richtig lese, noch in Ausbildung in Deutschland. Du würdest also vier Tage in der Schweiz arbeiten, und einen Tag pro Woche in Deutschland.

      Wenn du dich in Deutschland abmeldest und in der Schweiz eine B-Bewilligung bekommst, wärst du nur noch in der Schweiz steuerpflichtig. Die Einnahmen müsstest du somit in der Schweiz versteuern.
      Wie ist denn deine aktuelle Konstellation in Deutschland? Bist du angestellt, oder hast du eine Ich-AG bzw eine UG/GmbH? Wenn du angestellt bist, kommt mir das komisch vor mit der Versteuerung der Honorare. Aber ich bin kein Steuerberater...

      Für kostenlose Auskünft würde ich mich an deiner Stelle ans deutsche bzw Schweizer Finanzamt wenden. Aber aufpassen, dass dort keine schlafenden Hunde geweckt werden.
      Ansonsten bleibt dir vermutlich nichts anderes übrig als dich an einen Steuerberater zu wenden (mit Fachrichtung internationales Steuerrecht). Die Frage ist, ob sich der Aufwand für knapp 5'000€ pro Jahr lohnt.


      VG Frank
    • Hoi Frank,

      bisher habe ich noch keinen Arbeitsvertrag unterschrieben, ich habe die "fixe Idee", in die Schweiz auszuwandern erst relativ neu :) In D bin ich zum einen an der Uni angestellt und bei den Therapiestunden für die Ausbildung handelt es sich um eine freiberufliche Tätigkeit, also ich bin gewerblich nicht irgendwie gemeldet. Es ist ja auch keine gewerbliche Tätigkeit. Die beiden Sachen laufen auch relativ unabhängig voneinander ab.
    • Hi Johanna,

      ich weiss leider nicht, wie sich die freiberufliche Tätigkeit in Deutschland verhält. Hast du deine Steuererklärung bisher selber gemacht, oder hattest du einen Steuerberater?
      Ich könnte mir vorstellen dass du ein zweites Blatt ausfüllen musstest für die freiberufliche Tätigkeit. Musstest du darauf auch Krankenversicherung und sonstige Abzüge zahlen?

      Wie schon geschrieben, würde ich eher bei einem Steuerberater anfragen. Die Erstauskunft gibt es meist für einen fixen Preis, so um die 180-200€.


      VG Frank
    • Hallo Frank,

      vielen Dank nochmal für deine Antwort! Ich habe meine Steuererklärung selbst gemacht. Na, mit der Ausbildung ist das etwas kompliziert, da es sich dabei um keine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit handelt, entsprechend fallen auch keine Beiträge für die Krankenversicherung an. Vielleicht lohnt es sich wirklich, Rat bei einem Steuerberater einzuholen, da die Situation doch etwas speziell ist ;)
    • Hallo johanna_jolla

      Es ist eine coole "fixe Idee" in die Schweiz auszuwandern :) Gratuliere zu diesem Entschluss.

      In der Schweiz wirst du deine Steuererklärung folgendermassen ausfüllen müssen:

      An der Uni bist du angestellt, also unselbständige Erwerbstätigkeit.
      Die Therapiestunden gelten in der Schweiz auch als eine unselbständige Erwerbstätigkeit, da du keine Kosten wie Miete, Mitarbeitende etc. hast. Zudem erhältst du ein bestimmtes Honorar.
      Wenn du in der Schweiz auch angestellt sein wirst, dann hast Du also Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit von drei verschiedenen Stellen.

      Spare Dir den Weg zum Steuerexperten. Gerne kannst Du mich kontaktieren, falls Du noch weitere Fragen hast. Ich habe 33 Jahre Erfahrung ;)

      Lieber Gruss

      Hasan
    • Hallo Hasan,

      vielen, vielen Dank für deine sehr hilfreiche Antwort! Na, die Unistelle in D werde ich mir in Zukunft sparen, das wäre logistisch nicht mehr wirklich bewältigbar.
      Gut zu wissen, dass die Therapiestunden ebenfalls als unselbstständige Tätigkeit gilt. Sag, woher hast du denn deine Expertise? Gerade im Hinblick auf die Psychotherapieausbildung, bei der es sich ja wirklich um einen ziemlichen Sonderfall handelt, scheint sich oft niemand so wirklich auszukennen...
    • Hallo johanna_jolla

      Sehr gerne. In der Schweiz spielt es steuerrechtlich keine Rolle, ob du Psychotherapeutin, Automechanikerin oder Facility Managerin bist. Die selbständige Erwerbstätigkeit wird anhand von anderen Faktoren bestimmt. Ich habe also nichts am Hut mit der Psychotherapieausbildung sondern bin Wirtschaftsjurist. Wann ist es denn soweit? Wann dürfen wir Dich hier willkommen heissen? :)
    • Hallo Hasan,

      Das ist ja wirklich sehr praktisch, als Wirtschaftsjurist bist du wohl eine zuverlässige Quelle.
      Mein Plan sieht so aus, im Januar 2020 in die Schweiz über zu siedeln. Bis dahin schließe ich noch einige Therapien ab, so dass ich meine verbleibenden Patient/innen auf einen Tag legen kann, was vorher noch nicht geht. Na, aber dieser Plan steht noch auf wackligen Beinen, d.h. Ich hab noch keine Stelle in der Schweiz. Die Idee in die Schweiz zu gehen hat sich bei mir erst vor knapp zwei Wochen konkretisiert. Ich hab mich jetzt mal auf zwei Stellen beworben, die thematisch gut passen würden - schließlich will ich ja auch nicht irgendwas machen - und jetzt warte ich mal ab. Ich weiß jetzt auch nicht, wie leicht oder schwer es ist, einen Job in der Schweiz zu finden, aber wenn's passt passt's.
      Wie war das denn bei dir? Magst du deine Geschichte mit mir teilen?
    • Hallo johanna_jolla

      Ja, das bin ich wirklich :) Das kann ich von mir behaupten. Das geht ja nicht mehr lange. Dann bewirb dich mal fleissig, dann wird's bestimmt was mit dem Job. Wir suchen zwar auch Jobs für unsere Kunden, aber nicht in deinem Bereich.

      Bei mir gibts keine interessante Geschichte. Ich bin in der Schweiz geboren :D