Angestellt in CH 60% und selbständig 10% in CH und 10% in D

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    • Angestellt in CH 60% und selbständig 10% in CH und 10% in D

      Hallo Leute,

      ich bin gerade auf dieses Forum gestoßen und erhoffe mir Erhellung. Die Sachlage: Ich möchte demnächst als Arzt eine Teilzeitstelle in der Schweiz antreten. Gleichzeitig bin ich schon länger selbständig sowohl in D als auch der CH als Gutachter tätig. Nun hat man mir gesagt, das sei so nicht weiter möglich. Ich müßte, um einen Wohnsitz in der Schweiz zu bekommen (nur dann bekomme ich den Arbeitsvertrag), meinen Wohnsitz in D komplett (auch keinen zweiten!) aufgeben. Das möchte ich natürlich nicht. Wer kann denn da rechtsverbindliche Auskunft geben?

      Bezüglich der Sozialversicherungspflicht habe ich gute Auskünfte von meinem Schweizer Steueranwalt bekommen.

      Gruß und Danke,
      Stephan
    • Hoi Stephan,

      die Antwort auf deine Frage ist relativ einfach: in diesem Forum wird dir keiner eine rechtsverbindliche Auskunft geben können. Das hilft dir natürlich nicht weiter ;)

      Die Fragen wären:
      - wer hat dir gesagt, dass das so nicht weiter möglich ist? Dein neuer(?) Schweizer Arbeitgeber? Die Steuerverwaltung? Ich würde denjenigen erstmal fragen, warum das nicht weiter möglich ist.
      - warst du schon bei einem Steuerberater in Deutschland (am besten einem Fachspezialist für internationales Steuerrecht)? In deiner bisherigen Konstellation hast du doch sicher auch deine Steuererklärung nicht ganz alleine gemacht.

      Bzgl den Wohnsitzen: kein Arbeitgeber kann dich zwingen, deinen Wohnsitz in Deutschland aufzugeben. Das wäre ein Eingriff in dein Persönlichkeitsrecht. Ich an deiner Stelle würde eh überlegen, ob ich bei so einem AG überhaupt arbeiten möchte.

      Noch etwas zur Steuerpflicht: mit Wohnsitz und vermutlich weiterhin Lebensmittelpunkt in Deutschland wirst du dort steuerlich veranlagt werden. Also ermässigte Quellensteuer in der Schweiz, Lohnsteuer in DE.


      VG basileus
    • Hey basileus, besten Dank für die Infos! Es ist nicht der neue Arbeitgeber, der mich verrückt macht, sondern die Gutachtenauftraggeber, die Sozialversicherungspflicht wittern.

      Wenn ich ganz überwiegend in der Schweiz arbeite, muß ich doch den ersten Wohnsitz in der Schweiz haben, dachte ich, oder?

      Zur Steuerveranlagung: Bislang bin ich ich für die Tätigkeiut in D in D und für die Tätigkeit in der Schweiz dort steuerlich veranlagt worden.

      Klar: In dem Forum kann ich nicht erwarten, eine justitiable Anwort zu bekommen, schon klar.

      Beste Grüße
      Stephan
    • Wenn ich ganz überwiegend in der Schweiz arbeite, muß ich doch den ersten Wohnsitz in der Schweiz haben, dachte ich, oder?
      Nein, siehe Grenzgänger.


      Es ist nicht der neue Arbeitgeber, der mich verrückt macht, sondern die Gutachtenauftraggeber, die Sozialversicherungspflicht wittern.
      Das kann schon sein, dass du weiterhin in Deutschland sozialversicherungspflichtig wärst. Wobei, als Selbständiger...Mh. Schwierige Konstellation.
    • lieberjott schrieb:

      Wenn ich ganz überwiegend in der Schweiz arbeite, muß ich doch den ersten Wohnsitz in der Schweiz haben, dachte ich, oder?
      Nein, siehe Grenzgänger.

      Es ist nicht der neue Arbeitgeber, der mich verrückt macht, sondern die Gutachtenauftraggeber, die Sozialversicherungspflicht wittern.
      Das kann schon sein, dass du weiterhin in Deutschland sozialversicherungspflichtig wärst. Wobei, als Selbständiger...Mh. Schwierige Konstellation.
      Ich wohne jetzt in Wiesbaden, sodaß Grenzgänger wohl nicht in Betracht kommt, oder? Ich denke das ist nur in räumlicher Nähe zur Schweiz möglich.

      Ich werde ich sowohl in D als auch der CH rechtlich beraten lassen und poste hier, wenn ich Definitives weiß.
      Gruß
    • maczip schrieb:

      Ich wohne jetzt in Wiesbaden, sodaß Grenzgänger wohl nicht in Betracht kommt, oder? Ich denke das ist nur in räumlicher Nähe zur Schweiz möglich.
      Nein, für die reine Bewilligung ist eine geographische Nähe nicht notwendig (für EU/EFTA-Bürger).
      Grenzgänger bedeutet, dass du mindestens einmal wöchentlich an deinen Hauptwohnsitz (ausserhalb der Schweiz) zurückkehrst. Siehe sem.admin.ch/sem/de/home/theme…ta/ausweis_g_eu_efta.html
    • Wenn ich mir das Thema nochmal durchlese, hast du bisher auf Honorarbasis Gutachten erstellt in der Schweiz. Richtig?
      Ich denke die entscheidende Frage ist: möchtest du wegen eine Teilzeitstelle in die Schweiz ziehen oder nicht?
      Bei 10% Tätigkeit in der Schweiz lohnt sich administrative Aufwand nicht, da selbst WG-Zimmer hier schnell mal 600-1000 Franken kosten.

      Also dann besser keinen Vertrag für eine Teilzeitstelle unterschreiben, sondern weiterhin Gutachten aus Deutschland erstellen.
      Das müsste sogar ohne MWST gehen bis zu einem gewissen Betrag. Ich denke @Markus Schulz könnte dir hier Genaueres sagen.

      So, nochmal den Threadtitel gelesen. Es wären 60% Teilzeit in CH, und ein paar Gutachten in CH + D.
      Grenzgänger würde gehen, in deinem Fall "internationaler Wochenaufenthalter". Ist halt die Frage ob du jedes WE wieder nach Wiesbaden zurückkehrst.

      Ansonsten viel Erfolg bei den Anfragen. Wäre schön, wenn du deine Erfahrungen dann teilen kannst!


      VG basileus
    • maczip schrieb:

      Wenn ich ganz überwiegend in der Schweiz arbeite, muß ich doch den ersten Wohnsitz in der Schweiz haben, dachte ich, oder?

      Zur Steuerveranlagung: Bislang bin ich ich für die Tätigkeiut in D in D und für die Tätigkeit in der Schweiz dort steuerlich veranlagt worden.

      Klar: In dem Forum kann ich nicht erwarten, eine justitiable Anwort zu bekommen, schon klar.

      Beste Grüße
      Stephan
      Wie kann man denn in der Schweiz ohne Wohnsitz und sonstiger Domizilierung dort steuerlich veranlagt werden? Hierfür bedarf es mindestens einer Betriebsstätte in der Schweiz, also eine Kapitalgesellschaft oder ein Selbstständig Erwerbender, was aber (sofern man den Verwaltungsrat nicht fremd besetzt) ebenfalls beides nur mit Wohnadressen in der Schweiz funktioniert.

      Aus Sicht der Umsatzsteuer hingegen findet diese Trennung problemlos statt, da hier am Ort der Leistungserbringung der Umsatz steuerbar ist. Sieht man die Tätigkeit bei dem Auftraggeber in der Schweiz, wäre der Umsatz also hier steuerbar. Deutschland fällt damit mit der UMSt heraus und in der Schweiz wird das erst zur Pflicht wenn man einen Umsatz von 100.000 im Jahr erreicht, vorher besteht keine MWST-Pflicht.

      In jedem Fall wird in der bisherigen Konstellation in Deutschland als Ansässigkeitsstaat das Globaleinkommen besteuert.

      Aus meiner Sicht würde ich auch hier ansetzen und den Wohnsitz komplett in die Schweiz verlegen. Dort dann für die Gutachten eine Gesellschaft gründen (Selbstständig-Erwerbend würde ich zur Vermeidung von Entsende-Bürokratie und Co. nicht wählen, daher GmbH oder AG), darüber ganz normal als eigener Angestellter die Mandate in der Schweiz abrechnen (UMSt. fällt ja ab 1000.000 CHF erst an) und die Mandate in Deutschland ebenso. Als Leistungsort Deutschland fällt dann die UMSt. im reverse Charge für den Auftraggeber an, man selbst ist aber fein raus. Sozialversicherung ist dann komplett in der Schweiz, hier ist noch zu regeln wie das mit der AHV/Pensionskasse für die Anstellung in der eigenen Firma ist.

      (Bei mir ist es ähnlich, ich habe einen "Mini"-Job in Luxemburg (ca. 5% anteilig), habe eine AG gegründet und arbeite da als Angestellter die Mandate in Lux, D du CH ab. Das wurde so von meinem Treuhäder in der Schweit ausgeknobelt ;) )