Nebengewerbe gründen?

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    • Nebengewerbe gründen?

      Hallo,

      wir sind vor einem Monat in die Schweiz gezogen. Ich bin fest angestellt und soweit glücklich.

      In D hatten meine Frau und ich eine GbR angemeldet, da wir eine kleine (kommerzielle) Website betreiben. Der "Gewinn" ist dabei aktuell "nicht der Rede wert" (Kleinunternehmer in D).
      Das Gewerbe haben wir in D zum Auszug abgemeldet und wollen jetzt in der Schweiz ein neues Gewerbe anmelden.

      Dazu habe ich ein paar Fragen.

      - Können B-Ausländer Gewerbe einfach anmelden? Bestehen hier Restriktionen?
      - Gibt es ein Pendant zur deutschen GbR? Moment sieht es eher danach aus, dass einer von uns ein Einzelunternehmen anmelden muss.
      - Derzeit gelte ich steuerlich als Alleinverdiener. Würde sich hier etwas ändern wenn meine Frau das Einzelunternehmen anmeldet (ohne, dass das Unternehmen Gewinn macht)?
      - Gibt es sonst etwas zu beachten?


      Ich hoffe ihr könnt eure Erfahrungen teilen!
      VG
    • Prinzipiell ist es hier in der Schweiz viel einfacher und vor allem schneller als in Deutschland eine Firma zu gründen. Obendrein wird man anders als in Deutschland erst ab 100.000 CHF Jahresumsatz mit der Mehrwertsteuer-Frage "belästigt". (Deutschland 20.000 EUR) Einschränkungen für B- oder auch C-Ausländer gibt es nicht, vor allem EU-Bürger können sich da auf die Freizügigkeitsabkommen berufen, diese sind auch Grundlage für B-Bewilligungen, d.h. ein Selbstständigerwerbender aus Deutschland hat bei Umzug in die Schweiz ebenfalls ein Anrecht auch eine B-Bewilligung (sofern das Gewerbe tragfähig ist).

      Neben dem von Dir angesprochenen Einzelgewerbe (werden in der Schweiz auch im Handelsregister eingetragen, dafür hat man dann einen eindeutigen Namen und ist z.B. per Zefix auffindbar, das reduziert im Geschäftsverkehr die Bürokratie) kann auch eine Kollektivgesellschaft gegründet werden, die der GbR relativ nahe kommt (kein Mindestkapital, gemeinsame Haftung usw.)

      Eine Übersicht mit den möglichen Formen für KMU mit aus meiner Sicht sehr guter Erklärung der Vor- und Nachteile findest Du hier: kmu.admin.ch/kmu/de/home/prakt…g/auswahl-rechtsform.html

      Gegenüber Deutschland ist die GmbH in der Schweiz erheblich angesehener und bei Kleinunternehmen weit verbreitet. Ein AG kann man auch mit sehr wenig Aufwand gründen, deutlich weniger als in Deutschland. Aus Kapitalgesellschaften kann man eine Dividende abschöpfen, die u.a. steuerlich begünstigt wird, wenn man sie z.B. in eine Altersvorsorge überführt. Das kann im Falle von Gewinnen eine gute Alternative zu einer weiteren privaten Vorsorge aus bereits versteuertem Einkommen sein.

      Aber: wenn das Unternehmen keinen Gewinn macht, könnte man schon hinterfragen wofür das gut sein soll.

      Zudem gibt es je nach Kanton eine "Heiratsstrafe". Diese kann vor allem bei quellensteuerpflichtigen Personen ein erheblicher Nachteil sein.

      Am Beispiel Aargau für das Jahr 2019:

      6500 CHF/Monat Tarif BN (=Verheiratet als Alleinverdiener): 5,3%, mit einem Kind 3,6%
      6500 CHF/Monat Tarif CN (=Verheiratet als Doppelverdiener): 9,4%, mit einem Kind 8,1%

      Macht pro Monat 265 CHF Steuern mehr (mit einem Kind 291 CHF)

      Da sollte man sehr gut rechnen ob sich eine Erwerbstätigkeit tatsächlich rechnet, gerade wenn es um wenig bis fast keinen Gewinn geht. Der Quellensteuertarif würde in jedem Fall angepasst werden.

      Ausnahme: Nicht quellensteuerpflichtig sein, dann kann man Aufwand über die ohnehin notwendige ordentliche Steuererklärung sparen.