Auswandern in die Schweiz - Genf, Finanzen und Sprache

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    • Auswandern in die Schweiz - Genf, Finanzen und Sprache

      Hallo Zusammen

      Seit einiger Zeit beschäftige ich mit diesem Thema und habe schon viele Foren Einträge gelesen. Dennoch habe ich viele Fragen die Ihr mir vielleicht beantworten könnt.

      Aktuell führe ich ein recht schönes Leben in D. Habe einen guten Job (~130000€) eine Frau und 3 Kinder (zwischen 1 und 5). Ab Januar 2020 will meine Frau auch wieder 40% Teilzeit arbeiten, aktuell ist sie noch in Elternzeit.

      Nun will mein Arbeitgeber mich dazu bewegen nach Genf zu ziehen (Hauptquartier).
      Der Job an sich würde mich sehr reizen, bin mir aber unsicher, insbesondere was Geld, Schule etc. betrifft.

      1. Die Firma würde die Internationale Schule bezahlen wo Französisch und Englisch gesprochen wird. Die Kinder sprechen aber nur Deutsch.
      Ist es empfehlenswert die Kinder dort hin zu schicken?
      In der Deutschen Schule wird in Französisch und Deutsch unterrichtet. Da ich event. nach wenigen Jahren einen Job irgendwo in der Welt bekomme wäre Englisch ganz gut.
      Aber kann man die Kinder in eine Schule stecken wo Sie die Sprache absolut nicht beherrschen?

      2. Mir wurden Brutto ca. 200T CHF geboten. Reicht das zum Überleben? Auch wenn ich noch ca. 1000€ Verpflichtungen (Kredit Haus welches ich behalten will und auch nicht vermieten möchte) in D habe? Aktuell kann ich eine schöne Summe im Monat sparen.
      Kann ich das dann auch noch wenn ich allein 3000-4000CHF für eine Wohnung / Haus zahlen muss? Auch weiß ich nicht ob meine Frau arbeiten kann (Gesundheitswesen) wegen der Kinder etc....

      3. Steuern. Diese Bezahle ich dann komplett in der Schweiz. Richtig? Einnahmen aus Vermietung in D (Appartement ~200€) werden dann getrennt davon in D versteuert?
      Macht es Sinn am 01. Feb dort anzufangen anstelle vom ersten Jan? Kann ich dann im Januar 2020 noch meinen Steuerfreibetrag in D voll ausreizen?

      4. Wohnen. Generell zahlt mir die Firma den Umzug & den Makler für die Wohnungssuche. Arbeiten muss ich nähe der Vereinten Nationen. Habt Ihr Empfehlungen wo (Stadtteil / Ort) (bevorzugt kleines Haus mit Garten - kinder brauchen platz) man nach einem Haus suchen sollte. Könnt Ihr Internetseiten empfehlen?

      5. Wohnen 2.0: Wäre es auch möglich gleich nach Frankreich zu gehen? Könnten die Kinder dann trotzdem zur Internationalen Schule in Genf?
      Wie sieht es dann mit Steuern aus?

      Es wäre nett wenn einige von Euch Ihre Erfahrungen teilen könnten.

      DANKE

      Hannes
    • Nach Artikel 4 Abs.5 wäre ein Arbeitsbeginn im Februar extrem schädlich. Denn damit würde Dein Januar-Gehalt nach den Regeln der unbeschränkten Steuerpflicht in Deutschland besteuert, d.h. alle Freibeträge oder auch das steuerfreigestellte Existenzminimum fallen weg.

      Die Beibehaltung des Hauses in Deutschland ist ebenfalls schädlich:

      "Selten und daher überraschend in der deutschen Doppelbesteuerungspraxis ist die sog. überdachende Besteuerung im Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz. Dabei handelt es sich um eine einseitig den deutschen Fiskus begünstigende Norm. Deutschland hat sich darin vorbehalten, dass immer dann, wenn ein Wegzügler in der Schweiz ansässig wird, aber in Deutschland eine ständige Wohnstätte innehat und/oder sich gewöhnlich mehr als sechs Monaten im Jahr in Deutschland aufhält, er in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bleibt. Damit unterliegt sein weltweites Einkommen – ggf. unter Anrechnung der Schweizer Steuer – der Besteuerung in Deutschland, als wäre der Wegzügler gar nicht weggezogen. Mit einem Wegzug in die Schweiz unter Beibehaltung einer deutschen Wohnstätte wäre somit zumindest steuerlich nichts gewonnen. Im Gegenteil: Hat der Wegzügler Kapitalgesellschaftsanteile im Gepäck, gilt er nicht nach Doppelbesteuerungsabkommen, wohl aber nach dem Aussensteuergesetz dennoch als weggezogen und die Kapitalgesellschaftsanteile unterliegen der Wegzugsbesteuerung. Ein Wohnsitz in Deutschland gilt nur dann nicht als ständige Wohnstätte im Sinne der DBA, wenn er Erholungs-, Kur-, Studien- und Sportzwecken dient, nachweislich nur gelegentlich genutzt wird und nicht geschäftlichen oder beruflichen Zwecken dient. Wann diese Voraussetzungen vorliegen, entzieht sich einer objektiven Beurteilung und sind häufig nicht nachweisbar, weshalb ein Deutscher, der einer deutschen Besteuerung nicht mehr unterliegen möchte, keine Wohnung oder Räumlichkeiten in Deutschland unterhalten sollte."

      Das Haus ist, gerade wenn es nicht vermietet wird eine ständige Wohnadresse, damit bleibst Du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig mit dem Globaleinkommen. Die Argumentation mit "Erholungs-, Kur-, Studien- und Sportzwecken" ist in diesen Fällen wohl i.d.R. nutzlos.

      Vermietete Immobilien in Deutschland werden nach dem Ort der Liegenschaft versteuert, also im Rahmen der beschränkten Steuerpflicht in Deutschland. Hier können Aufwendungen in Abzug gebracht werden.

      Das Haus unterliegt als nicht vermietetes Objekt dann der Vermögenssteuer in der Schweiz, dies mindestens satzbestimmend.

      Dazu kommt dann noch die "nachlaufende Besteuerung" aus Artikel 4, Absatz 4. Je nach dem wer jetzt Dein AG ist und wo der Sitz des AG ist, kann das ebenfalls nachteilig werden. In all den Fällen ist aber ein Steuerberater / Treuhänder zu konsultieren, ggfs. mit verbindlicher Auskunftseinholung beim deutschen Finanzamt.



      Und ganz ehrlich: Die Frage ob 200k im Jahr zum "Überleben" reichen finde ich ziemlich albern.
    • Hoi

      Ich muss auch meinen Teil beitragen...lach... Kinder von 1-5 und du redest schon von Schule??? Man bis dahin läuft noch viel Wasser überall runter... und die Chance Kinder 2-4 sprachig aufwachsen zu lassen ist ja wohl genial (da spricht voll der Neid aus mir) :D Deutsch, Englisch, Französisch und noch schwyzerdütsch dazu - Kinder wechseln da völlig cool von einer in die andere Sprache

      Bei dem erwähnten Gehalt bleibt die Frau besser zu Hause bis alle Kinder mindestens 4 sind, denn sonst fressen euch die Betreuungskosten für die Kiddys auf (na ja bei dem Gehalt nicht, aber bei Normalverdienern schon :D )

      Ansonsten denke ich mal hast du ein gutes Einkommen um nicht zu verhungern - und deine Kinder werden dir einmal extrem dankbar sein, solche tolle Chance bekommen zu haben, denn multi-kulti wird in der heutigen Zeit immer wichtiger um später im Berufsleben voran zu kommen

      Ausserdem ist es hier schön. Die Leute sind viel freundlicher und irgendwie geduldiger, ruhiger und gelassener - aber da muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen.


      Viel Glück für euch
    • Hallo Zusammen

      Zunächst mal vielen Dank für die Antworten bisher. Nach einigen Tagen Bedenkzeit habe ich nun meinen Vertrag unterschrieben und werde zum 01. Feb 2020 nach Genf ziehen. :)
      Insbesondere zum Thema Steuern habe ich jedoch noch einige Fragen:

      1. Ich möchte zunächst mal mein Haus in D nicht vermieten. Kann es passieren das ich dadurch tatsächlich in D steuerpflichtig bleibe (man unterstellt mir einen Wohnsitz)? Oder muss ich da keine Bedenken haben da z.b. die Kinder in Genf Schulpflichtig sind?
      2. Ich selbst werde am 01.02 dort beginnen. Eventuell kommt die Familie später nach und ich werde einige Wochen (z.b. Februar und März) am Wochenende per Flugzeug "pendeln". Wo bezahle ich denn für diese Zeit Steuern?

      Vielen Dank!

      Hannes
    • Die Beibehaltung des Hauses ohne Vermietung ist extrem nachteilig. Damit verfügst Du über eine ständige Wohnstätte (dabei spielt eine Abmeldung aus Deutschland keine Rolle, ebensowenig der Aufenthaltsort von Frau und Kindern) und nach Artikel 4 Abs. 3 DBA Deutschland/Schweiz kommt dann (insofern Du jahrelang unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland warst) die überdachende Besteuerung zum Tragen, eine fiktive Ansässigkeit. Dabei wird dann grob gesagt in Deutschland alles besteuert was nicht der Lohn aus der Beschäftigung in der Schweiz ist.

      Das Beispiel im Link hier deloitte-tax-news.de/arbeitneh…besteuerung-im-fokus.html
      von Deloitte geht zwar von etwas anderen Voraussetzungen aus, im Grunde sind die Konsequenzen aber gleich. Wichtig dabei ist, dass sich Deutschland in so einem Fall auch an Kapitalerträgen "beteiligt", egal wo diese anfallen und es in dem Fall auch egal ist wie lange oder wie oft die Aufenthalte in Deutschland sind. Aufwendungen sind da auch nicht anrechenbar, vor allem nicht, wenn kein Wohnsitz besteht.

      Ein vermietetes Haus würde eine beschränkte Steuerpflicht in Deutschland auslösen, allerdings nur auf den Ertrag der Immobilie, auf den Aufwendungen anrechenbar sind. Die Immobilie an sich ist satzbestimmend für die Vermögenssteuer in der Schweiz zu berücksichtigen.

      Durch das Pendeln im Februar/März wird das FA in Deutschland bis zum Umzug der Familie die steuerliche Ansässigkeit in Deutschland verorten und bis zu dem Stichtag dann die Veranlagung vornehmen. Da Du weniger als 183 Tage erreichst wird es am Jahresende eine beschränkte Steuerpflicht sein (die Thematik mit dem Haus mal aussen vor gelassen), was eine deutliche Nachzahlung auslösen wird. (Freibeträge, Existenzminimum usw. gibt es dabei nicht.)

      Aber: das sind alles keine Fragen die sich ohne weitere Kenntnis in einem Forum beantworten lassen. Hier dürfte der Weg zu einem Steuerberater/Steueranwalt/Treuhänder mit Fokus auf dem DBA Deutschland/Schweiz unumgänglich sein. Die Gefahr von teuren Fehlern ist erheblich, insbesondere wenn in Deutschland unbekannte Nachzahlungspflichten entstehen.