Als Arzt in der Schweiz?

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    • Als Arzt in der Schweiz?

      Hallo! :CH:

      Habe bei meiner Suche durch das Forum keine passende Antworten gefunden, so dass ich hoffe, dass sich jemand hier medet :) . Ich bin Ärztin in DE, arbeite aktuell im Krankenhaus und würde gerne in ca 2 Jahren in die Schweiz umziehen und eine Arztpraxis betreiben. Meine Frage wäre, ob sich jemand damit auskennt, wie es mit ausländischen Ärzten in der Schweiz aussieht. Darf man als Ausländer eine Arztpraxis kaufen und führen und wenn ja unter welchen Bedingungen? Ist das überhaupt realistisch?

      Bin für jede Information sehr dankbar!

      Viele Grüße,
      Helena
    • Hallo Helena

      Eine Freundin von mir ist Französische Ärztin in der Schweiz (das sollte vergleichbar sein). Ihre Diplome wurden im Wesentlichen direkt anerkannt. Für ein Zusatzdiplom musste sie drei Jahre Berufserfahrung innert der letzten 5 Jahre nachweisen (irgendwas mit speziellen Narkosen). Das war auch kein Problem, hat aber etwas gedauert.

      Sie hat, als sie eingewandert ist, allerdings zuerst bei einem Spital begonnen und sich erst nach einigen Jahren eine Praxis eröffnet (und keine gekauft). Das war der einfachere Weg, weil das Spital dann natürlich in allen Anerkennungsfragen unterstützt hat und sie auch die Kultur zunächst einmal kennenlernen konnte. Auch danach hatte sie aber keine Chance eine Praxis zu übernehmen, da es ihr einfach zu teuer war und sie die Finanzierung nicht hinbekommen hätte (ohne noch länger zu warten). Sie hat sich dann dazu entschlossen eine Praxis neu gründen. Bei der Neugründung war es so, dass sie 15% des notwendigen Kapitals (gesamthaft 1M CHF, also rund 150k CHF) selber aufbringen musste (und das hat sie vorher im Spital erarbeitet). Den Rest hat die Bank finanziert. Die ersten 12 Monate waren relativ schwach und sie musste erneut nachfinanzieren. Unterdessen (3 Jahre nach Gründung) ist sie sehr zufrieden. Ihr Ziel war es immer nach 10 Jahren schuldenfrei zu sein und das scheint sie nach eigener Aussagen zu schaffen.

      Ich war bei der Nachfinanzierung aktiv beteiligt und gebe Dir daher den Tipp, dass Du Dir unbedingt einen auf Arztpraxen spezialisierten Treuhänder (sowas wie ein Steuerberater in Deutschland) suchst. Ihr wahrscheinlich grösster Fehler war es, dass sie zuerst einen "Generalisten" hatte. Das war eine recht teure Entscheidung.

      Gruss,
      Jan
    • Der "Markt" für Ärzte ist riesig. Kantons-Spitäler haben hunderte Arzt-Stellen offen, jedes kleine Spital sucht händeringend nach Ärzten.

      Ich würde in Deinem Fall auch erst eine Anstellung in einem Spital suchen, Land und Leute kennen lernen und dann den Markt sondieren um eine vernünftige Entscheidung für die Praxis treffen zu können. Pur aus der Ferne oder nur mit ein paar Kurzvisiten dürfte das schwer sein.

      Prinzipiell kann man als EU-Bürger eigentlich alles tun und lassen, ggfs. muss es halt bewilligt werden. Wenn der Praxis-Kauf mit dem Erwerb einer Immobilie verbunden ist, so kann man das aus dem Ausland heraus nicht ohne weiteres. Das muss dann bewilligt werden. Ausnahme stellt der Erwerb von selbstbewohntem Eigentum dar, dafür kann man eine Bewilligung über den bewilligungsfreien Kauf vom zuständigen Grundbuchamt erhalten (mit Einspracherecht durch die Gemeinde, den Kanton und den Bund).

      Daher auch hier: besser aus der Schweiz heraus diesen Schritt gehen, zumal ein ggfs. finanzierendes Institut Dich bereits "kennen" kann.

      Generell braucht es zum Immobilienerwerb in der Schweiz immer eine nationale Bank die ein unwiderrufliches Zahlungsversprechen ausstellt. (Das kennt man in Deutschland schon vom Wording gar nicht.) Wir mussten zum Kauf unserer Ferienwohnung jetzt auch wieder ein Zahlungsversprechen unserer Bank mitbringen, obwohl die Wohnung nicht finanziert ist. Für den vorherigen Hauskauf (den wir tatsächlich aus Deutschland heraus getätigt haben) mussten wir uns "auf die Schnelle" eine Bank in der Schweiz besorgen.

      Daher würde ich empfehlen ;) : Rein betriebswirtschaftlich und speziell auch abrechnungstechnisch dürfte es klug sein erst den Gesundheitsmarkt in der Schweiz kennen zu lernen und erst dann auf dieser Grundlage eine so weitreichende Investitionsentscheidung zu treffen. Bei der Anerkennung der Diplome kann eine Anstellung in einem (grösseren) Spital sehr hilfreich sein, ebenso ist damit die Aufenthaltsbewilligung geklärt und ein Kauf aus der Schweiz heraus ist mit weniger Aufwand verbunden.

      Ansonsten: Machen, es ist traumhaft hier :CH: