Mehrere Fragen zu Steuern, Krankenversicherung, Umzug

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    • Mehrere Fragen zu Steuern, Krankenversicherung, Umzug

      Hallo liebes Forum,
      Ich war mir nicht ganz sicher, welcher Themenbereich der passende ist, aber da ich mehrere Fragen zu Steuern, Krankenversicherung und Umzug habe, habe ich den Theard mal zu Auswanderung zugeordnet.

      Ausgewandern bin ich schon im September 2018 von Deutschland in die Schweiz für mein Masterstudium. Jetzt bin ich fast fertig und und fange im Mai mit dem ersten richtigen Job in Zürich an. Meine Fragen sind folgende:
      1. Neben der Wohnung in der Schweiz bin ich in Deutschland noch bei dem Wohnsitz meiner Eltern gemeldet. Muss ich mich jetzt vor Mai in Deutschland abmelden, da ich sonst in Deutschland steuerpflichtig wäre?
      2. Wo war ich 2018 und 2019 steuerpflichtig? Deutschland oder Schweiz? Im November habe ich als Werkstudent 1000 CHF verdient, dort wurden mir die Quellensteuer schon abgezogen. Die restliche Zeit habe ich nichts verdient, aber verdiene jetzt bis Mai wahrscheinlich wieder rund 1000 CHF im Monat als Werkstudent.
      3. Bisher war ich immer noch in Deutschland krankenversichert und habe mich in der Schweiz davon befreien lassen. Hätte ich mich eigentlich im November mit dem ersten Verdienst selbst bei einer Schweizer Krankenversicherung versichern müssen? Kann ich mit der Schweizer Krankenversicherung noch bis Mai warten trotz dem geringen Verdienst?
      4. Wann sollte ich mit der Wohnungssuche in Zürich anfangen? Ich habe schon mal bei comparis und co geschaut und da steht meistens, dass die Wohnung ab 01.02 einzugsbereit wäre. Wahrscheinlich will aber kein Vermieter dann bis Mai auf mich warten. Wie viel Monate vorher suchen ist sinnvoll für mich? Habe auch keine großen Ansprüche und suche nur eine 1-2 Zimmer Wohnung ;)
      5. Hatte jetzt bei zwei Jobangeboten "42.5 Stunden pro Woche + Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten" im Vertrag stehen. Ist das in der Schweiz in der Finanzindustrie üblich?



      Danke schonmal an alle, die mir antworten und weiterhelfen :thumbsup:
      Liebe Grüße, euer Theo :CH:
    • TheoW schrieb:



      4. Wann sollte ich mit der Wohnungssuche in Zürich anfangen? Ich habe schon mal bei comparis und co geschaut und da steht meistens, dass die Wohnung ab 01.02 einzugsbereit wäre. Wahrscheinlich will aber kein Vermieter dann bis Mai auf mich warten. Wie viel Monate vorher suchen ist sinnvoll für mich? Habe auch keine großen Ansprüche und suche nur eine 1-2 Zimmer Wohnung ;)
      Die Frage habe ich mir bei meiner Wohnungssuche auch gestellt und dann gesehen dass viele der Wohnungen, die für mich in Frage gekommen wären, bereits seit mehreren Monaten in den Portalen online waren. Daher würde ich davon ausgehen dass die Mieter dann auch vielleicht einen späteren Mietbeginn akzeptieren bevor die Wohnung auf Dauer leer steht. Da ich mich aber letztendlich für eine Neubauwohnung mit passendem Fertigstellungstermin entschieden habe ist das aber leider jetzt auch nur eine Vermutung.
    • fillg1 schrieb:

      TheoW schrieb:

      4. Wann sollte ich mit der Wohnungssuche in Zürich anfangen? Ich habe schon mal bei comparis und co geschaut und da steht meistens, dass die Wohnung ab 01.02 einzugsbereit wäre. Wahrscheinlich will aber kein Vermieter dann bis Mai auf mich warten. Wie viel Monate vorher suchen ist sinnvoll für mich? Habe auch keine großen Ansprüche und suche nur eine 1-2 Zimmer Wohnung ;)
      Die Frage habe ich mir bei meiner Wohnungssuche auch gestellt und dann gesehen dass viele der Wohnungen, die für mich in Frage gekommen wären, bereits seit mehreren Monaten in den Portalen online waren. Daher würde ich davon ausgehen dass die Mieter dann auch vielleicht einen späteren Mietbeginn akzeptieren bevor die Wohnung auf Dauer leer steht. Da ich mich aber letztendlich für eine Neubauwohnung mit passendem Fertigstellungstermin entschieden habe ist das aber leider jetzt auch nur eine Vermutung.
      Danke für deine Antwort :) War das bei dir auch Zürich oder eine andere Stadt? Hab nur gehört, dass es nicht so einfach ist in Zürich eine Wohnung zu finden, deshalb auch meine Vermutung, dass kein Vermieter einen späteren Mietbeginn akzeptieren. Aber vielleicht ist meine Info auch falsch ;)
    • TheoW schrieb:

      Danke für deine Antwort :) War das bei dir auch Zürich oder eine andere Stadt? Hab nur gehört, dass es nicht so einfach ist in Zürich eine Wohnung zu finden, deshalb auch meine Vermutung, dass kein Vermieter einen späteren Mietbeginn akzeptieren. Aber vielleicht ist meine Info auch falsch ;)
      Ich habe nicht direkt in Zürich gesucht, sonder aus eher persönlichen Gründen ;) ein paar km östlich, also so die Gegend Zumikon, Forch, Maur. U.a. ist für mich dort der "richtige" Kompromiss zwischen Nähe zur Großstadt und trotzdem ländlich.
    • Zu 1.) Eine Einkommenssteuerpflicht entsteht dadurch nicht. Wenn du aber noch Einnahmen in Deutschland generierst, dann sind diese so oder so in Deutschland steuerpflichtig. Durch den deutschen Wohnsitz können aber Kirchensteuern in Deutschland fällig werden. Zusätzlich solltest du in diesem Fall schauen, dass die Post, die an deine deutsche Adresse bekommst von deinen Eltern oder von dir regelmässig geöffnet wird. Gerade Post von Ämtern oder andere Wichtige schreiben gelten häufig auch ohne Einschreiben als zugestellt. Egal wie lange diese ungeöffnet liegen bleiben.

      Zu 3.) Das kommt auf die Umstände an. Wenn die Begründung für die Befreiung von der Krankenversicherungspflicht in der Schweiz weggefallen ist, dann musst du dich ab dem 1. Tag darum kümmern. Wichtig dabei zu wissen ist, dass mit der Versicherungspflicht auch eine Beitragspflicht entsteht. Bei einer verspäteten Anmeldung bei der Krankenversicherung müssen die Beiträge nachgezahlt werden.

      Schöne Grüsse
      Maik
    • TheoW schrieb:

      1. Neben der Wohnung in der Schweiz bin ich in Deutschland noch bei dem Wohnsitz meiner Eltern gemeldet. Muss ich mich jetzt vor Mai in Deutschland abmelden, da ich sonst in Deutschland steuerpflichtig wäre?
      Entscheidend ist wo Dein Lebensmittelpunkt (oder in der Schweiz: Dein Steuerrechtlicher Wohnsitz) ist. Wenn Deine 800m2 Villa in Lörrach steht und deiner CH-Einzimmer Studio auf 50m2 in Basel 5km weiter, wird die Deutsche Steuerverwaltung Deine Lebensmittelpunkt bei Ihnen verorten. Deshalb würde ich mich abmelden, wenn das für Dich nicht mit anderen Problemen verbunden ist.

      TheoW schrieb:

      2. Wo war ich 2018 und 2019 steuerpflichtig? Deutschland oder Schweiz? Im November habe ich als Werkstudent 1000 CHF verdient, dort wurden mir die Quellensteuer schon abgezogen. Die restliche Zeit habe ich nichts verdient, aber verdiene jetzt bis Mai wahrscheinlich wieder rund 1000 CHF im Monat als Werkstudent.
      Als Werksstudent warst Du in der Schweiz steuerpflichtig für das in der Schweiz erzielte Einkommen. Und genau das wiederholt sich nun.

      TheoW schrieb:

      3. Bisher war ich immer noch in Deutschland krankenversichert und habe mich in der Schweiz davon befreien lassen. Hätte ich mich eigentlich im November mit dem ersten Verdienst selbst bei einer Schweizer Krankenversicherung versichern müssen? Kann ich mit der Schweizer Krankenversicherung noch bis Mai warten trotz dem geringen Verdienst?
      Wenn Du Dich hast befreien lassen, wird Deine Krankenversicherung eine ausreichende Deckung haben. Mit Deiner Aufenthaltsbewilligung (wahrscheinlich B1?) machen sie das mit, solange Du noch keinen "richtigen" Arbeitsvertrag hast und weil Du ja eine Krankenversicherung in Deutschland (wahrscheinlich über Deine Eltern) hast. Immer dann, wenn die Versicherung in der Schweiz zu einer Doppelbelastung wird, sind die Behörden hier sehr kulant. Diese Befreieung für Studis ist ohnehin auf 6 Jahre begrenzt.

      TheoW schrieb:

      5. Hatte jetzt bei zwei Jobangeboten "42.5 Stunden pro Woche + Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten" im Vertrag stehen. Ist das in der Schweiz in der Finanzindustrie üblich?
      Willkommen im richtigen Leben. Früher war alles besser, oder? :D

      PS: Sorry, Maik war schneller
    • Hallo Theo,

      verdammt, Maik und Jan waren schneller... 8o

      Noch ein paar kleine Ergänzungen von mir: du wirst für 2018 in Deutschland vermutlich noch eine Steuererklärung machen müssen (falls du vorher schon mal eine Steuererklärung gemacht hast). Das gleiche für 2019, wobei in beiden Jahren dein deutsches Einkommen gleich 0 wäre.


      TheoW schrieb:

      5. Hatte jetzt bei zwei Jobangeboten "42.5 Stunden pro Woche + Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten" im Vertrag stehen. Ist das in der Schweiz in der Finanzindustrie üblich?
      42 Stunden sind in der Schweiz in vielen Bereichen üblich pro Woche. Dass Überstunden mit dem Gehalt abgegolten werden, kenne ich aber nur für Führungskräfte. Wobei ich von IT ausgehe, nicht Finanzindustrie.


      VG basileus
    • basileus schrieb:

      Dass Überstunden mit dem Gehalt abgegolten werden, kenne ich aber nur für Führungskräfte. Wobei ich von IT ausgehe, nicht Finanzindustrie.
      Hinzu kommen noch Stellen mit Provisionszahlungen bzw. Abschlussprämien, dort ist ebenfalls verbreitet. Was durchaus auf den Finanzsektor zutrifft.
    • fillg1 schrieb:

      Wobei das mit den Überstunden in der Schweiz wohl etwas anders gesehen wird, zumindest in den Firmen die ich kenne. Überstunden werden einerseits gerne gesehen, andererseits gelten sie als Indikator für fehlerhafte Planung ;-).
      Ist ja auch richtig so. Ich zahle oder kompensiere (je nach Wunsch) jede Überstunde. Aber wenn jemand regelmässig 10 Überstunden pro Woche macht, frage ich mich schon, ob der Mitarbeiter alles im Griff hat. Und natürlich frage ich ihn/sie das auch irgendwann.

      Es geht ja nicht darum, dass wir möglichst viele Überstunden machen, sondern darum, dass wir im Rahmen unserer Planung die Aufgaben Termin- und Budgetgerecht erledigen. Da kann es mal Abweichungen geben, aber nicht regelmässig. Wer bei mir einigermassen "normal-intensiv" arbeitet, kommt mit seiner Arbeitszeit super aus. Und für den Plausch und den Kaffee zwischendurch sollte immer noch Zeit sein. Für Angestellte gibt es in der Regel auch wichtigeres als zu arbeiten. Arbeiten um zu leben - nicht andersherum ;)

      Dass aber ein Mitarbeiter länger bleibt, wenn's brennt, ist natürlich positiv. EIne Hand wäscht die andere...
    • 1. + 2.)
      Grundsätzlich entscheidet die Ansässigkeit über deinen steuerrechtlichen Wohnsitz. Hauptmerkmal ist der Wohnort, wobei regelmäßig bewohnte Räumlichkeiten, zu denen du Zutritt hast, bereits ausreichen um einen Wohnort zu begründen. Wenn du zwei Wohnsitze hast, dann entscheidet der "Mittelpunkt der Lebensinteressen" über die Ansässigkeit. Massgebend sind dabei die persönlichen und sachlichen Beziehungen zu einem Staat, wobei die persönlichen Beziehungen stärker gewichtet werden als die sachlichen. In diesem Fall wäre dein Lebensmittelpunkt und dein Ansässigkeitstaat ziemlich sicher in Deutschland. In diesem Fall könntest du dich aber immer noch von der "Grenzgängereigenschaft" befreien, wenn eine tägliche Rückkehr zu deinem Wohnsitz in Deutschland unzumutbar ist (siehe dazu das Merkblatt des Steueramtes in Zürich)

      Also ja, ich würde mich in Deutschland möglichst bald abmelden.

      3.) Bei der Anmeldung beim Einwohneramt der Wohngemeinde muss man für gewöhnlich ein Nachweis erbringen, dass man ausreichend krankenversichert ist. Dies muss aber nicht zwingend eine Schweizer Krankenversicherung sein.

      4.) Ich habe 7 Jahre in der Stadt Zürich gewohnt und bin dann nach Baden umgezogen, weil die Wohnungen in Zürich einfach viel zu überteuert sind. Mir persönlich hat es in Baden auch besser gefallen als in Zürich, aber das ist wohl Geschmacksache. Gute Wohnungen zu einem angemessenen Preis bekommst du in der Stadt Zürich nur über Beziehungen. Masslos überteuerte Wohnungen sind jedoch immer zu finden.

      5.) 42 Stunden pro Woche sind normal, 40 Stunden eher die Ausnahme. Als normaler Angestellter solltest du die Überstunden jedoch kompensieren können. Für das Kader sind die Überstunden jedoch wirklich normalerweise mit dem Gehalt abgegolten.