Frage an euch Schweizer: Woher kommt die manchmal grosse Abneigung "Deutschen" gegenüber?

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    • Frage an euch Schweizer: Woher kommt die manchmal grosse Abneigung "Deutschen" gegenüber?

      Grüezi Miteinand,

      eines vorweg: Ich möchte keine Grundsatzdebatte hier auslösen, sondern nur von meinen Erfahrungen berichten. Mir ist auch bewusst, dass jeder Schweizer / Deutscher anders ist und man die Aussagen/Eindrücke nicht verallgemeinern kann.

      Ich, Sohn eines Deutsch-Italieners und einer Italienerin, wohne an der Grenze zu Kreuzlingen und bin wegen meiner Eltern (DE/IT, IT) ab und an in der Schweiz (Tessin) und fühle mich auch sehr, sehr wohl.
      Da ich die Schweiz einfach liebe, nehme ich mir oftmals die Freiheit, mit Kollegen ebenfalls die ein oder anderen Nachmittage (Wochenenden) in der Schweiz zu verbringen.
      Dabei ist mir ist schon wiederholt aufgefallen, dass einige Schweizer "uns" gegenüber eigenartig waren - zumindest Anfangs. Ich habe oftmals beide (IT/DE) Ausweise dabei, und komischerweise nachdem ich zu verstehen gebe, dass ich Italiener bin (der deutsch kann), sind diejenigen viel freundlicher mir gegenüber, als anschliessend meinen Kollegen gegenüber, die halt "nur" Deutsche sind.

      Die Erfahrungen haben wir nicht nur in Tessin gemacht, denn da würde das einigermassen Sinn machen, sondern auch in Zürich, Bern und auch anderen Teilen der Schweiz.
      Wortlaut einiger Kumpels: "Der einzige Orte an den ich mir willkommen vorkomme ist Basel".

      Ich weiss, dass Deutsche in der Schweiz oftmals negativ als Wirtschaftsflüchtlinge angesehen werden, aber in meinen Augen sind die Italiener doch die grösseren Schmarotzer. :D
      Daran kann's also schon mal nicht liegen. An der Sprache glaube ich auch nicht, da mein Kollege und ich aus der gleichen Region kommen, sodass unsere Mundart auch mehr oder minder gleich ist.
      Mir ist bewusst, dass es hierauf nicht `die` Antwort gibt, aber ich hoffe, ihr versteht was ich meine und könnt mir das Thema etwas näher bringen. :CH:
    • Hoi,

      also wir haben nie solch eine Erfahrung gemacht (Region Baden, Zürich und Aarau). Ganz im Gegenteil, wir fühlten uns immer gut aufgehoben und nicht "schlecht" behandelt, was in der Tat in Deutschland ganz anders war. Meine Frau ist nicht EU-/EFTA-Angehörige, weshalb man im Ausländeramt direkt angeschriehen wurde ausser ich war dabei, wobei hier dann auch nur ausschliesslich mit mir geredet wurde bis ich darauf bestanden habe, dass meine Frau an der Unterhaltung teilnehmen sollte, die perfekt und fliessend Deutsch spricht.

      Meinem Stiefvater ist es nur passiert, dass er einen Kommentar wegen seines Deutschen Passes bekommen hat, als Deutschland die Konter-Massnahmen gegen Grenz-Shopping implementiert hat und der Deutsche Zoll Schweizer an Bahnhöfen hinterhergerannt ist, um eine Strafe zu kassieren.

      Was ich gehört habe, ist dass es anscheinend auch viele Deutsche gibt, die hierher kommen und denken "Die Schweiz ist ja nur der Wurmfortsatz Deutschlands" und alles hat gefälligst wie in Deutschland zu sein und alle MÜSSEN auf hochdeutsch mit mir reden. Das macht natürlich einen schlechten Eindruck...

      Was anderes kann ich mir nicht vorstellen...
    • Hallo Brunis, sehr gut ausformuliert Dein Text, man kann sich in Dein Anliegen gut hineindenken. Vieles unter Menschen ist schwer zu erklären, man nimmt es gezwungenermaßen zur Kenntnis im Laufe des Lebens. Gegenüberliegende Städte am Rhein schimpfen übereinander (z.B. Köln-Düsseldorf, Mainz-Wiesbaden), innerhalb einer Stadt schimpfen die Stadtteile übereinander (Mainz). Im großen Rahmen sind es Völker/Länder und im kleinen Rahmen sind es die Nachbarn auf der gegenüberliegenden Straßenseite und die vorne an der Ecke. ||

      Da ich die Schweizer noch nicht einschätzen kann, berichte ich Dir ein gerade erlebtes Beispiel auf der Ebene Nachbarn in einer DE-Stadt mit ca. 10k Einwohnern. Wir hatten letzten Samstag unsere Nachbarn zum sogenannten Neujahrsgrillen eingeladen. Das direkte Nachbarhaus mit 4 Wohnpartien. Alle wurden schriftlich und sehr freundlich eine Woche vorher eingeladen. Alle Nachbarn von uns haben viele Fragen, wir sind ein Hotel im Osten, dass 30 Jahre geschlafen hat und seit einem Jahr in "Militärgeschwindigkeit" 8) rekonstruiert wird. Die Nachbarn sind verunsichert, ist auch Wohngebiet. Also der Anlass zum Nachbarschafsgrillen war auch die Nachbarn "mitzunehmen" auf unserer Reise. Sich Befindlichkeiten anhören, bauliche Themen andeuten. 3 Tage vorher begannen die Vorbereitungen, im Innenhof war die Feuerschale und oben im Dach wohl temperiert ein Essentisch vorbereitet. Noch einen Tag vorher wurde das Tafelsilber geputzt und die frischen Tulpen für das Gäste WC gekauft. --- ES KAM NIEMAND =O =O Es hat auch niemand abgesagt. So eine Situation hatte ich noch nie erlebt, gerade die Jetztzeit mit Ihren Weichenstellungen "Hotel als Nachbar" und dann so eine dämliche Symbolik. Und wäre ich jetzt ein Eingeborener hier, dann würde ich mit den Nachbarn die kommenden 20 Jahre nicht reden, auch nicht grüßen; solche Fälle existieren hier eine ganze Menge nur in dieser Straße hier.

      Und dann, noch eine kleinere Ebene, kam mir am Folgetag der Gedanke, ich hatte auf alle Einladungen geschrieben, dass wir alle aus dem Haus einladen, vielleicht mögen die sich in diesem Nachbarhaus so wenig, dass deshalb keiner kam. ;(


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      Manchmal fährt der falsche Zug an den richtigen Ort.
    • Hallo Amadeus, mein Beileid.
      Es tut weh, sich deinen Beitrag so durchzulesen. Da machst du dir solch eine Mühe und dann so was...:-(
      Geht meiner Meinung nach echt nicht. Aber gut, ich weiss nicht, wie die Gepflogenheiten in der Schweiz sind, aber so sollte - glaube ich zumindest - nicht sein.

      @MotU, so was ähnliches höre ich auch oft, was mitunter der Grund ist, wieso ich mich eher als Italiener ausgebe. Mein Vater hat einen Deutschen hier kennengelernt, mit dem er sich ab und an trifft. Und so wie mein Vater mir das erzählt, ist dieser ein sehr _angenehmer_ Zeitgenosse auf Nachbarschaftfeaten, der sich permanent am aufregen ist, was in Deutschland besser läuft etc. Da frage ich mich als normaldenkender Mensch, wieso er dann nicht einfach zurückkommt, wenn hier ja doch alles so viel besser ist?

      Ich mein, das ist meiner Meinung nach schon sehr respektlos. Um es in der Welt meiner Freundin auszudrücken: Wir gehen auch nicht zu den Nachbarn, um uns über ihre Deko zu beschweren. :D

      Aber ja, als Borusse bin ich mit diesen Rivalitäten nahezu aufgewachsen. (Pfui S03+1 :P )
      Die Problematik mit den Ämtern kenne ich hier all zu gut. Zumindest in Dortmund ist es so, dass ich oft angesprochen werde als kann ich kein Deutsch (woraufhin ich das Spiel mitmache und meiner Freundin den ein oder anderen Lacher beschere).

      Vielleicht mal als eine kleine lustige Anekdote:
      Ein Mal war ich auf den Weg von Krefeld Richtung Do, als ich von einem Kontrolleur angesprochen wurde. Während er anderen im Zug “ihre Fahrkarte bitte” gefragt habe, wurde mir nur ein Handzeichen für Ticket gezeigt mit der Aussage „Ticket?“. Als ich ihn nur verstört angeschaut habe hiess es wieder „Du Ticket?“ und zeigte oben auf den Text, dass dies sonst (zu der Zeit hoch) 40€ wegen Schwarzfahrens kosten würde. Auch dort habe ich mir den Spass genommen, den etwas hops zu nehmen. ;)

      Nachdem ich ihm zu verstehen gegeben habe, dass ich kein Ticket und keine Ausweispapiere habe, hat er sich anschliessend neben mich gesetzt und hat unsere Beamtenfreunde gerufen, die dann in Dortmund (Endstation) auf mich gewartet haben.
      Als ich denen dann anschliessend auf perfektem Deutsch die Lage erklärt und mich ausgewiesen habe, hättet ihr das Gesicht vom Kontrolleur sehen müssen. Ein Bild für die Götter :D

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Brunis123 ()

    • Also, ich bin Deutscher Staatsbürger und bin dieses Jahr jetzt 5 Jahre in der Schweiz, bin der liebe wegen hier her gezogen.
      Also kein sogenannter Wirtschaftsflüchtling. Ich arbeite im Verkauf und habe jeden Tag mit sehr vielen Nationalitäten zu tun. Darunter Arbeitskollegen/innen Ubd Kundschaft. Schweizer(viele nennen sie auch "Eidgenossen"), sogenannte Secondos aus dem ehemaligen Jugoslawien und anderen Ostblock-Staaten, Italiener, Deutsche, Chinesen usw.

      Was mir immer wieder auffällt und das ganze geht soweit, dass ich mich für meine Landsleute schäme, ist dass Deutsche immer sehr vorlaut verhalten und denken man könne sich hier verhalten wie in Deutschland.
      Damit meine ich unsrere Direktheit, die selbst ich, vor fremden Personen egal welcher Herkunft, manchmal etwas zu "harsch" finde.
      Ein klein wenig zurück nehmen muss man sich schon. Versteht mich nicht falsch, es geht mir dabei rein und das richtige Mass ab Taktgefühl und Diplomatie bei Gesprächen oder dem eigenen Verhalten. Die schweizerische Zurückhaltung ist für mich auch nicht immer nachvollziehbar, aber wer sich entscheidet hier herzukommen, sollte meiner Meinung nach, sein Verhalten anpassen.

      Mir sind schon Dinge passiert, da könnte ich das ganze Forum mit vollschreiben.
      Beispielsweise wurde ich mal von einem deutschen Kunden gefragt ob man an Fasnacht nicht ein Bier trinken könnte.
      Ich hab da überhaupt keine Probleme mit, aber bei der falschen Person kann so was sehr schnell negativ auffallen, egal welcher Herkunft man ist. Für mich sind fremde Menschen, fremd. Egal woher sie Stammen ^^ Im allgemeinen freuen sich meine Landsleute einfach auch mal jemand deutsches zu treffen, weil die meisten doch sehr isoliert und alleine sind. Das ist dann auch wieder Schade, aber es liegt an einem selbst dagegen was zu tun. Anschluss finden ist in einem fremden Land ohne Freunde nicht leicht, aber machbar.
      Durch hobbies findet doch viele gleichgesinnte Menschen (in meinem Fall Halbmarathon und Schlagzeug spielen).

      Ich habe schon viele interessante Diskussion geführt mit teilweise provakativen fragen und ich muss am Ende sagen, dass viele sehr offen. Mit viele meine ich von 100 Leuten, 98 Stück. Sie sehen den Menschen und nicht die Herkunft.

      Abschliessend kann ich nur eins sagen. Ich fühle mich hier daheim und pudelwohl. Es gibt immer Sachen die einen stören, aber wir Deutsche jammern ja generell gerne :D
    • @Marcus vielen Dank für Deine informativen Schilderungen von der kulturellen "Front". Die Deutschen sind generell laut, wirklich. Aber zum Glück - für mein persönliches Empfinden als Deutscher, die Russen sind noch viel lauter. Da steht man brav in einer Warteschlange in einem Laden in Spanien, dann kommt ein Russe in den Laden, redet laut auf russisch an seinem Handy, missachtet jegliche Personenschlage und redet laut auf die Dame hinter der Theke ein, so, als ob jetzt der ganze Laden "STOPP" macht und nur noch sein Anliegen ist Thema =O
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      Manchmal fährt der falsche Zug an den richtigen Ort.
    • Ich halte ja eigentlich von diesen ganzen Klischees nicht wirklich viel, auch wenn sie das Einsortieren von anderen Menschen erleichtern ;-).
      Mir gefällt diese vornehme Zurückhaltung der Schweizer ganz gut, ich bin jetzt auch nicht wirklich anschlussfreudig und komme ganz gut mit wenige Kontakten zurecht. Meistens reicht es mir Kontakt zu den Arbeitskollegen zu haben, sich mal gegenseitig zum Grillieren oder auf ein Bier oder einen Wein zu treffen. Die neue Wohnung hier hat den Vorteil, dass alle Haus selbsz vor Kurzen eingezogen sind und auch ganz nett zu sein scheinen und wir werden bestimmt, wenn es die Lage wieder erlaubt, mal eine Grillparty oder ähnliches zum gegenseitigen Kennenlernen veranstalten.