Wohnsitz in Berlin, Arbeit Schweiz, gilt die 60 Tage Regel?

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    • Wohnsitz in Berlin, Arbeit Schweiz, gilt die 60 Tage Regel?

      Hallo in die Runde,
      ich habe versucht, aus den vergangenen Beiträgen Hilfe zu ziehen, aber ich verstehe dennoch noch immer die Anwendung der 60-Tage Regel nicht richtig.
      Nach Gesprächen mit meinem Steuerberater und dem Zürcher Finanzamt bin ich nun vollends ratlos. Das Berliner Finanzamt hat sich überhaupt nicht äußern wollen.. ^^

      Kurz zur Situation:
      -Wohnsitz in Berlin
      (Falls von Bedeutung:
      -ein Teilzeitangestelltenverhältnis in Berlin, anfangs 50%, nun 20%
      -freiberufliche Tätigkeit in Deutschland)
      -40% Teilzeitangestelltenverhältnis in Winterthur an einem Theater (also Schichtarbeit)
      -Übernachtung an mehr als 60 Tagen in der Schweiz, Zürich
      -Entfernung Wohnsitz - Schweizer Arbeitsstelle ca. 700km
      -Aufenthaltserlaubnis G
      -momentan Abzug der Quellensteuer
      -Schweizer Arbeitgeber hat mir das Formular Gre-3 bescheinigt, es ist aber noch nicht vom Steueramt bearbeitet

      -Ich war eigentlich der Meinung, dass bei mir (zwangsläufig ob der hohen Entfernung zum Wohnort) die 60-Tage Regel greift
      -Mein Steuerberater ist sich nicht sicher
      -Eine Mitarbeiterin des Zürcher Steueramtes (DA Quellensteuer) war der Meinung, ich wäre internationaler Wochenaufenthalter (nie gehört) und die 60-Tage Regel würde nur für echte Grenzgänger gelten (und das Formular Gre-3 wäre somit für mich ungültig)
      -ein Mitarbeiter der 'normalen' Steuerabteilung des Zürcher Steueramtes war sich unsicher

      -> ich völlig verwirrt!
      Deshalb bitte ich hier um Hilfe
      Ganz viel Dank im Voraus und viele Grüße aus Berlin und Zürich!
    • Hab grad noch mal Wochenaufenthalter recherchiert - jemand, der mindestens alle zwei Wochen an seinen Wohnsitz zurückkehrt. Dieser ist dann in der Schweiz steuerpflichtig.
      Außerdem hab ich gefunden, dass ein Grenzgänger seit 2007 nicht mehr aus dem Grenzgebiet kommen muss. Hier der Link. Bei über 100km Entfernung ist eine Rückkehr eh nicht zumutbar und er wird zum Wochenaufenthalter. Gilt nun trotzdem (zusätzlich?) die 60-Tage Regel?

      Die Dame vom Steueramt meine allerdings, dass Wochenaufenthalter nur die 4,5% Quellensteuer zahlen und den Rest im Wohnsitzland.
      Das alles macht meine Verwirrung nun perfekt..
      Hoffe auf eure Hilfe..
      Grüße!
    • Hilfreich zu wissen wäre, was denn genau Deine Intention ist. Was willst Du klären? Steuerliche Ansässigkeit, Ort der Versteuerung für die jeweiligen Anstellungen?

      Ins Blaue hinein: Internationale Wochenaufenthalter (Bewilligung G) werden gemäss Artikel 91 DBG an der Quelle des Einkommens besteuert, wie in Artikel 83 - 86 DBG vorgesehen.

      D.h. Du zahlst den vollen Quellensteuersatz des Kantons.

      In Deutschland musst Du das deutsche Einkommen versteuern, dabei gilt der Progressionsvorbehalt für die schweizerischen Einkünfte.

      (Fiktives Beispiel: Schweizer Einkommen 60,000 €, deutsche Einkommen 20,000 €. Dann sind tatsächlich nur 20,000 € in Deutschland zu versteuern, aber es gilt der Steuersatz für den Einkommensanteil 60,000-80,000 €. Also statt durchschnittlichem Steuersatz von 11.73% sind es 30.795% oder in Zahlen statt 2,346.00 € sind es 6,159.00 € Steuern).

      Ein Änderung auf Bewilligung B würde in dem Fall auch nicht helfen, dann fällt auch die volle Quellensteuer an, der Progressionsvorbehalt bleibt auf jeden Fall bestehen. Da bei einer 40% Stelle auch keine 183 Tage Auslandsaufenthalt entstehen, bleibt es in Deutschland bei der unbeschränkten Steuerpflicht. Das ist vorteilhaft, da darüber entsprechende Abzüge geltend gemacht werden können (z.B. auch das steuerfreie Existenzminimum). Würde sich das ändern rutscht man in die beschränkte Steuerpflicht, die weit weniger Abzugsmöglichkeiten bietet.

      Alles in allem aber ein Fall für einen Steuerberater mit Fachwissen in beiden Ländern. Gerade in Deutschland könnte eine nachträgliche Veranlagung schmerzhaft teuer werden.

      Knackpunkt dürfte noch die SV sein, die sollte aufgrund der langen Verweildauer in Deutschland aber auch dort verbleiben. Dann brauchst Du für die Anstellung in der Schweiz ein entsprechendes Formular, das können Dir hier aber andere bessere erklären.
    • Hallo! Vielen lieben Dank für deine Hilfe!
      Und stimmt, in meiner Verwirrung hab ich nicht dazugeschrieben, was ich eigentlich wissen wollte - du hast es aber schon gut erahnt :)
      Meine Fragen waren
      - wie ist mein Status? Grenzgänger (dann gibt es ja auch noch den unechten..? Was genau ist das?) oder eben der Wochenaufenthalter?
      - wie weise ich den Wochenaufenthalter nach? Muss ich irgendwo etwas anmelden? Finde ich entsprechende Formulare?
      - Und dann - genau, wo muss ich versteuern. Schweiz wäre natürlich das Ziel ;)
      - Und daraus folgend drittens - müsste ich dann erweiterte Quellensteuer beantragen oder eine reguläre Schweizer Steuererklärung machen?

      -SV = Sozialversicherung? Krankenkasse zahl ich in D, danke Schengen. Ich hab so ein Schriebsel vom entsprechenden Schweizer Amt, Rente natürlich auf alle Einkommen und im jeweiligen Land.

      Meine Suche nach einem Steuerberater in Berlin mit entsprechendem Fachwissen war bisher leider erfolglos. Meine Einkommenshöhe scheint einfach noch zu unattraktiv.. Also berate ich wohl erstmal weiter meinen Steuerberater XD

      Sorry für die vielen Fragen! Und einen riesigen Dank für die prompte Hilfe!!