Lohndumping

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    • Lohndumping

      hi liebe Forumsmitglieder,

      Da ich ja seit nem Jahr nun in der Schweiz im Kanton Bern lebe und arbeite, wollte ich fragen ob mein Jahresbruttolohn von 64k im Jahr der totale supergau ist.

      In Deutschland hatte ich ein brutto lohn von 3000k im monat, was ca. 2100 Netto ausmachte. Für Deutsche Verhältnisse ganz ok.
      Bin im Spital beschäftigt, gehe Ende Mai genau aus dem Grund zurück nach Deutschland.
      Nach einem Jahr merkt man das man sich mit diesem Lohn teilweise verschuldet, allein die krankenkassekosten sind immens hoch.

      Miete liegt bei 1456chf für 4 Zimmer, mit Frau und Kind.
      Auto vorhanden, steuer 390chf, sonstige Fixkosten von Strom 350chf alle 3 Monate, internet, mobileabo x3 250chf, Kredit Zahlung aus Deutschland 500€. Kein Anspruch auf Prämienverbiligung.
      Quellensteuer liegen bei 560chf.

      Was meint ihr?
      Habe ich mich über den Tisch ziehen lassen bei der lohnverhandlung?
    • 64k ist schon knapp. Wir zahlen mindestens 75k p.a. bei 100% und bei Praktikanten 50168 p.a. (genau wie die Bundesverwaltung) - bei 25 Tagen Urlaub. Allerdings haben wir bspw. selber kein Reinigungs- oder Sicherheitspersonal. Dann sähe es wohl anders aus.

      Hast du eine abgeschlossene Ausbildung, die anerkannt wird?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von jan82 ()

    • Kommt mir zu wenig vor. Ich kann es dir für Insel oder SNBe nachprüfen, wenn du möchtest (brauche aber 2-3 Tage). Dafür müsstest du mir aber ein paar Details (Funktionsbezeichnung, Berufserfahrung und Ausbildung) mitteilen. Ginge auch per PN.
    • Seid Ihr beide aus dem medizinischen Bereich?
      Meines Wissens werden medizinische Berufe in der Schweiz gut bezahlt, da medizinisches Personal in der Schweiz gefragt ist. Man sagt ein deutscher Arzt verdient mindestens so viel wie eine Schweizer Krankenschwester.

      Kannst Du nicht nachverhandeln, Farrid?
      Oder ist Deine Rückkehr nach Deutschland schon endgültig?
    • Die Frage ist, welchen Job du im Spital genau hattest (medizinisches Profil?).
      Klar, ist es kein Superlohn, aber zu den working poor gehörst du damit eigentlich auch noch nicht. Aber gut, wenn deine Frau nicht arbeitet und auch noch ein Kind da ist, dann ist der Lohn schon knapp.
      Aber ein paar Zahlen lassen mich stutzen...du erwähnst zwei mal Steuern in unterschiedlicher Höhe - was ist damit gemeint?
      Und du hast tatsächlich drei Mobile Abos die jeweils (?) 250 Franken pro Monat kosten? Oder insgesamt? Wobei selbst das viel zu viel ist.
      Dann noch das Auto...ein Auto verbrennt so viel Geld, viele Personen mit so einem Einkommen haben eher kein Auto, gerade wenn man in der Agglo wohnt.
    • Und das Auto hat keine Versicherung? Und kein Wertverlust, Reparaturen etc.?
      CHF 250 für drei Mobile Abos und Internet ist einfach viel zu viel, da wirft man das Geld mit vollen Händen zum Fenster raus.
      Klar, der Lohn ist nicht üppig, aber ich sehe hier (abgesehen von der günstigen Miete) auch ein Ausgabenproblem.
    • Versicherung ist bezahlt, 270chf für 6 Monate, der von Sunrise meinte 250chf für 3 abos Plus internet sei günstig.
      Reparaturen am auto waren keine, nur die Batterie gab den Geist auf in der Pampa, TCS hat ne neue eingebaut, für 560 chf.....
      Mein Fazit, in Deutschland habe ich auch nicht Besser oder schlechter gelebt.
      Aus dem Grund geht es zurück, finanziell bleibt alles gleich nur meine Familie und Freunde sind wieder im Umkreis was schon sehr gefehlt hat.

      Nur Arbeiten und am WE daheim ist auch nicht das was man sich so vorstellt, nach einem Jahr Schweiz keine Kontakte mit Kollegen.
      In Deutschland hatte ich nach nem Jahr schon mind. 5-8 privat Kontakte durch die Arbeit.
    • Farrid84 schrieb:

      Versicherung ist bezahlt, 270chf für 6 Monate, der von Sunrise meinte 250chf für 3 abos Plus internet sei günstig.
      Für Sunrise Abos stimmt das schon ;)

      Wir zahlen bei UPC 129/ Monat für TV, Festnetz international, Internet und zwei unlimitierte Mobil-Abos. Ein drittes würde 30CHF mehr ausmachen :saint:

      Aber jetzt ist eseh zu spät. Ich hoffe, dass es für Dich in Deutschland wieder besser laufen wird!!
    • Hallo Farrid84

      Lohndumping ist in der Schweiz auch ein Thema! Fachkräftemangel herrscht in der Schweiz genauso, wie in Deutschland! Nur wird meiner Meinung nach in vielen Branchen übersehen, dass es doch eigentlich um billige Arbeits-/Fachkräfte geht. Fachkräfte sind hier und da zu teuer. Ich habe mich in der Schweiz auch schon unter Wert verkauft. Wurde mit meinen Qualifikationen und meiner Berufserfahrung, wie eine Berufsanfängerin bezahlt, das war in Zürich... Oder hätte als Freiwillige Mitarbeiterin im Spital, der Rehaklinik oder in einer Stiftung arbeiten können, nur leider kann ich davon meine Miete nicht bezahlen!

      Es gibt auch Schweizer Familien oder Alleinstehende, die hier auf keinen grünen Zweig kommen können. Wo beide Elternteile arbeiten und das Geld reicht vorne und hinten nicht. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht sieht, dass hier nicht das alles wie im Schlaraffenland ist!
      Ich bin nur noch für mich alleine verantwortlich und komme zurecht. Ich kann jederzeit zurück nach Deutschland gehen, komplett in mein altes Leben, in den Job, sogar in meine Wohnung im Haus meiner Eltern. Familie und Freunde würden es gerne sehen. Nicht, dass ich mich dafür schämen würde zurück zu gehen, dass war nur nicht mein Plan vom neuen Leben! Auch wenn in den 4 Jahren nicht alles glatt gelaufen ist.

      Was ich Dir damit sagen will ist, dass Du Dir keine Vorwürfe machen musst. Du hast / Ihr habt es versucht und das zählt. Es hängt auch mehr dran bei Euch als Familie. Das niedrige Einkommen einerseits und fehlende soziale Kontakte andererseits sind wirklich Aspekte die man nicht unterschätzen sollte.
      Vielleicht war der Zeitpunkt ungünstig und Ihr findet Euer Familienglück wieder in Deutschland, ich wünsche es Euch von Herzen und hoffe dass sich die Lage an der Grenze bald entspannt.
    • (Off Topic): Zur Überschrift dieses Threads soll mir als noch unwissend Außenstehender gestattet sein dezidiert nachzufragen, weshalb die Menschen in der Schweiz durch die aktuelle Ausnahmesituation der Gegenwart so schnell an den Rand ihrer Existenz geraten? In der Schweiz verdient man im Weltdurchschnitt beachtlich sehr viel Geld. Das Leben in der Schweiz ist teuer, dass ist bekannt, dennoch reibe ich mir verwundert die Augen, dass die Leute so wenig Geld auf Rücklage (operative Reserve) haben. In den SRF-Nachrichten wird von Menschen in der Schweiz berichtet, die nach wenigen Wochen des Corona-Shutdowns direkt zahlungsunfähig sind. Wie kann das sein? Betreiben die Menschen in der Schweiz ein Leben von der Hand in der Mund auf sehr hohem Niveau? Bildet niemand Rücklagen? Aus meinem Verständnis heraus, sollte man doch abzüglich aller Kosten mindestens 1.000 CHF im Monat sparen können?
      ***************
      Manchmal fährt der falsche Zug an den richtigen Ort.
    • ja Amadeus..das sehe ich genauso.

      Ich kann monatlich einen guten Batzen zurücklegen. Das habe ich die ersten 20 Monate ca gemacht...bis ich einen Wert auf dem Konto hatte der mir gefiel.
      Ich habe aber auch in Deutschland gelebt und bin sparen gewohnt.
      Mein Lebenspartner jedoch ist Schweizer. Verdient genauso gut...(jedoch auf 100 ) Prozent und wir werden in nächster Zeit ein Haus bauen. Er hatte nicht einen Rappen dafür zurückgelegt. Letztendlich hat er es trotzdem mit den 20 Prozent Eigenkapital hinbekommen...aber sparen kannte er bis dahin nicht. Für welche schlechte Zeiten sollte man auch sparen?
      Das hat mich nachdenklich gestimmt. Er hat halt immer sehr gut gelebt...Reisen...Essen gehen...Ausgang...Apero...Shoppen ect pp.
      Gruss die Honigbiene
    • Amadeus schrieb:

      (Off Topic): Zur Überschrift dieses Threads soll mir als noch unwissend Außenstehender gestattet sein dezidiert nachzufragen, weshalb die Menschen in der Schweiz durch die aktuelle Ausnahmesituation der Gegenwart so schnell an den Rand ihrer Existenz geraten? In der Schweiz verdient man im Weltdurchschnitt beachtlich sehr viel Geld. Das Leben in der Schweiz ist teuer, dass ist bekannt, dennoch reibe ich mir verwundert die Augen, dass die Leute so wenig Geld auf Rücklage (operative Reserve) haben. In den SRF-Nachrichten wird von Menschen in der Schweiz berichtet, die nach wenigen Wochen des Corona-Shutdowns direkt zahlungsunfähig sind. Wie kann das sein? Betreiben die Menschen in der Schweiz ein Leben von der Hand in der Mund auf sehr hohem Niveau? Bildet niemand Rücklagen? Aus meinem Verständnis heraus, sollte man doch abzüglich aller Kosten mindestens 1.000 CHF im Monat sparen können?
      Hoi Amadeus,

      ich denke es komme hier mehrere Faktoren zusammen. Den ersten Punkt habe ich mal rot markiert: der Durchschnitt sagt leider nichts aus. Wenn du 9 Leute hast, welche 1'000 verdienen, und einen welcher 31'000 verdient, ist der Durchschnitt aller auch 3'000. Interessanter ist hier das Median-Einkommen, d.h. wo liegt genau die Mitte.

      Wie Anja schon geschrieben hat, ist auch in der Schweiz nicht alles Gold was glänzt. Es gibt durchaus Berufe, in denen Lohndumping betrieben wird. Dass Deutsche bei manchen Arbeitgebern weniger verdienen (gleiche Stelle, gleiche Aufgabe) als ein Schweizer Kollege ist auch kein Geheimnis.

      Es kommt aus meiner Sicht auf zwei Dinge an:
      1. wie viel Geld verdiene ich in meinem Beruf?
      2. wie gut habe ich meine Ausgaben im Griff?

      Zu 1. nicht jeder hier ist Arzt, Banker oder in der IT tätig. Trotzdem hat man in der Schweiz in den meisten Berufen mehr Geld als in Deutschland. Es gibt (meines Wissens nach) keine Minijobs, und es muss hier normalerweise auch niemand aufstocken mit Hartz-IV weil das Gehalt nicht reicht.
      Zu 2. das ist ein ganz entscheidender Punkt. Man kann hier sehr schnell viel Geld verbraten, wenn man z.B. oft auswärts essen geht, sich einen teuren Wagen leistet und ständig die neuesten Gimmicks haben muss. Das passiert auch Leuten, die CHF 10'000 pro Monat verdienen. Hier muss man sich halt selber richtig einschätzen bzw eine Übersicht über seine Ausgaben führen.

      Faktoren die hinzukommen: die Lebenshaltung (Miete, Lebensmittel) ist teurer in der Schweiz, ebenso wie die Kosten für Kinderbetreuung. Die können schnell mal 2'000 bis 3'000.- pro Monat betragen.
      Was man auch nicht vergessen sollte: falls man hier in der Schweiz alt werden möchte, und evtl irgendwann einmal in ein Pflegeheim muss -> die kosten hier auch schnell 7'000.- aufwärts pro Monat.

      Und zum Thema SRF-Nachrichten: irgendwas müssen die ja berichten. Solche "Nachrichten" verkaufen sich natürlich besser als die 95% der Leute, denen es trotz Corona gut geht :)
      Klar gibt es Fälle, bei denen es jetzt knapp wird, aber ich denke das ist nicht die Mehrheit. Ich kenne den Beitrag nicht, den du gesehen hast, aber ich vermute dass die meisten dort gezeigten Personen eher ein Ausgaben- denn ein Einnahmenproblem haben...


      VG basileus
    • Amadeus schrieb:

      Aus meinem Verständnis heraus, sollte man doch abzüglich aller Kosten mindestens 1.000 CHF im Monat sparen können?
      Nein kann man nicht immer. Ich habe mal im Verkauf gearbeitet und meinen ExMann mit durchgezogen. Da war es viel, wenn ich 200 bis 300 Franken sparen konnte. Und wir sind so gut wie nie essen gegangen oder sonst in den Ausgang. Wir haben sparsam gelebt.

      Ich kann es also verstehen, wenn jemand hier kaum Rücklagen bilden kann auch wenn er sparsam lebt.