Frage zur “Initiative zur massvollen Zuwanderung”

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Frage zur “Initiative zur massvollen Zuwanderung”

      Hoi,

      Ich habe im Netz gelesen, dass bei euch anscheinend demnächst eine Volksabstimmung bezüglich Abschottung der EU.
      Mir ist bewusst, dass ich in einem Forum frage, bei denen der grösste Teil Auswanderer ist, aber mich würde es interessieren, wie ihr dazu steht bzw. Wie ihr die Situation (auch mit euren Schweizer Kollegen) mitbekommt.

      Geplant habe ich, nächstes Jahr im September nach meinem Studium in die Schweiz zu ziehen, jedoch habe ich diesbezüglich bedenken, noch weniger willkommen zu sein als ich es jetzt schon wäre ;(
      (Sofern das ein eindeutiges „Ja“ ist und die Schweiz wirklich die Verträge kündigen sollte)


      Wir hatten das Thema vor einigen Tagen tatsächlich in VWL als Beispiel von Abhängigkeiten der Länder und lässt mich seitdem nicht mehr los.
    • Guten Morgen Brunis, diese aktuelle Bürgerbefragung wird ungewollt eine Schlüsselrolle einnehmen. Von Mai 2020 wurde die Wahldurchführung Lage(r)bedingt auf den 27.09.2020 verschoben. So eine ähnliche Befragung der Bürger und Bürgerinnen gab es bereits "gegen Masseneinwanderung" . Seinerzeit wohl etwas zu drastisch formuliert, nun also die sanfte Variante. Gefühlt oder schon überzeugt, wir auch künftig jeder Deutsche Staatsbürger in die Schweiz zügeln können, entweder für einen Job im Expertenbereich, oder Jobs, die kein Schweizer selbst machen möchte, oder mit genügend Cash und eigene Firma in CH gründen.

      Generell hat mich der Viruseinschlag 2020 in seiner geopolitischen Konsequenz stark überrascht, alle haben ihre Grenzen geschlossen. Das deutsche Außenministerium hat mittels Luftbrücke 300.000 Staatsbürger aus allen Teilen der Welt "nach Hause" geholt. Das Wort Luftbrücke kannte ich bisher nur in Verbindung mit Rosinenbomber, die eine belagerte Stadt versorgt haben. Dennoch werden sich die Länder wieder öffnen müssen, auch, wenn sich die Wirtschaft jedes Landes transformiert, mehr heimisch produzieren, vor allem das Systemrelevante, damit meine ich nicht nur Masken, dennoch ist der Welthandel, explizit der europäische Handel sehr stark vernetzt.

      Das neue Jahrzehnt hat wirklich krass begonnen, auf allen Ebenen gesellschaftlich, politisch, juristisch, soziologisch, schultechnisch, touristisch, medizinisch, was sich so manche Menschen mit dem 21.12.2012 und dem Ende des Maja-Kalenders gewünscht hatten, jetzt kommt eine neue Realität für die Menschen, oder anders ausgedrückt, die Menschheit vollzieht eine Art Bewusstseinssprung.

      Freue Dich unvoreingenommen auf dein Umzug in die Schweiz in spe, das tue ich auch schon seit Januar 2019. :rolleyes:

      Schönen Sonntag
      ***************
      Manchmal fährt der falsche Zug an den richtigen Ort.
    • Hoi Brunis,

      Volksabstimmungen bzgl Einwanderungen wird es in der Schweiz wohl immer wieder geben. In einer direkten Demokratie wird es immer jemanden geben, der sich an etwas stört.
      Ich würde mir an deiner Stelle allerdings nicht den Kopf darüber zerbrechen. Bis du Ende 2021 in die Schweiz zügeln möchtest, wird noch viel Wasser den Rhein herunterfliessen.

      Wie Amadeus schon richtig geschrieben hat, wird es für Deutsche vermutlich immer einen Job in Bereichen geben, welche gesucht sind. Die Initiativen gegen Masseneinwanderung kommen meistens von Seiten der SVP, welche (trotz Wählerverlusten) immer noch die stärkste Schweizer Partei ist. D.h. viele Schweizer wählen diese Partei, welche sich im rechtskonservativen Lager einordnet. Dabei ist es aber so, dass die SVP meist auf dem Land ihre Wähler hat und in den grossen Städten weniger Wählen aktivieren kann (stark vereinfacht).

      Die Schweiz ist seit Jahrzehnten ein lohnendes Ziel für Arbeitnehmer, aufgrund der hohen Löhne, der zentralen Lagen in Europa und dank des stabilen politischen Systems.
      Was man nicht vergessen darf: die Schweiz hat einen der höchsten (wenn nicht den höchsten) Ausländeranteile in Europa. Von 8,6 Mio Einwohnern sind knapp 2,2 Mio Ausländer. Hierbei sind die eingebürgerten Schweizer mit Migrationshintergrund noch nicht mitgezählt. Zahlen kannst du hier und hier nachschauen.



      Da die Schweiz in diversen Bereichen einen Mangel an Fachkräften hat (welcher im Gegensatz zu Deutschland real ist), wird es für Experten in diesen Bereichen kein Problem sein weiterhin in die Schweiz zum Arbeiten zu kommen.
      Die Abstimmungen richten sich meist gegen eine unkontrollierte Zuwanderung. Auch die SVP ist clever genug zu wissen, dass die Schweiz weiterhin eine Zuwanderung an qualifizierten Einwanderern benötigt, um ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aufrecht erhalten zu können.

      Also: mach dir keine Gedanken um ungelegte Eier. Es wird sowieso anders kommen, als du dir das heute ausmalst. Und wenn du nicht in die Schweiz kannst, dann wird es halt ein anderes Land :)


      VG basileus
    • Hi zusammen,

      Danke für eure aufmunternden Worte! Dann werde ich mir einfach keine Gedanken machen, wird schon irgendwie. :)

      „Wie Amadeus schon richtig geschrieben hat, wird es für Deutsche vermutlich immer einen Job in Bereichen geben, welche gesucht sind.“

      Das ist nämlich das, wovor ich etwas Bange habe.
      Ich studiere zurzeit BWL Dual (Studium+Praxis) mit (Etwas über) durchschnittlichen Noten, also nichts besonderes. (2,6)

      Was mich jedoch wundert, dass ich schon einige Angebote von deutschen Firmen erhalte, wieso auch immer. Ich dachte immer, Faustregel in BWL ist alles unter ø 1,4 ist Schrott. Da man das ja nahezu überall liest / hört. Ob das der Praxisteil ist, der so viel wett macht...?

      @basileus ja, das sagt mein Vater auch immer (er hat ‘92-‘97 mit Arbeitsvisum in der Schweiz gelebt).
      Auch wenn es für mich als Student teuer ist, (von Mannheim) in Basel einen Nachmittag zu verbunden, tue ich es echt gerne, weil ich mich da super wohl fühle. Ich mein, Geld war mir nie wichtig (ja, von einem BWLer das zu hören klingt etwas paradox.), da ich in DE nachm Studium auch gut leben könnte.
      Wichtig ist mir tatsächlich das persönliche Wohl und mein Drumherum, und ich habe das Gefühl, in der Schweiz besser aufgehoben zu sein als in DE. Ich habe die paar Male die ich Basel war auf der Strasse mehr Leute italienisch (meine 2. Muttersprache) sprechen hören, als in meiner ganzen Lebenszeit in Deutschland. Ich meine, ich würde jetzt nicht sagen, dass ich mich als Italiener fühle, aber hier wird man gefühlt - und damit meine ich jetzt nicht nur zurzeit - komisch angeguckt wenn man italienisch spricht.


      Sei’s drum, wie heisst es so schön? Viele Wege führen nach Rom CH. danke für eure antworten und bleibt gesund! :)
    • Brunis123 schrieb:

      Ich habe die paar Male die ich Basel war auf der Strasse mehr Leute italienisch (meine 2. Muttersprache) sprechen hören
      Ja, das ist normal hier. Basel hat, aufgrund der Uni und der Pharmaindustrie, eine relativ grosse Ticino-Community. Hier würde dich keiner komisch anschauen wenn du Italienisch sprichst ;)
    • jan82 schrieb:

      Kommt auf den Kanton an.
      Mich fasziniert immer wieder die Unterschiedlichkeit der Kantone. Als Außenstehender weiß man vielleicht, dass jedes Kanton sein eigenes Steuerrecht hat, aber wie tief umfassend die Unterschiede sind, sieht man erst in der Viruskrise im Dialog mit dem Bundesrat und im Wahlrecht für Bürgerinitiativen. Ich denke dabei auch an einen zurückliegenden Thread im Forum zum Thema Einwanderung und das förderliche Engagement in örtlichen Vereinen.
      ***************
      Manchmal fährt der falsche Zug an den richtigen Ort.
    • Kann ich: Bund, Kantone und Gemeinde haben je eigene Einbürgerungsvoraussetzungen. In einigen Kantonen macht der Kanton den Gemeinden Vorgaben. Berner und Zürcher Gemeinden sind hier bspw. nicht frei, sondern übernehmen die Regeln des Kantons - das gilt aber nicht überall.

      Auf Ebene Bund wurde die Wohnsitzvoraussetzung vor rund 3 Jahren von 12 auf 10 Jahren reduziert. Im Kanton Zürich musst du aktuell 2 Jahre im Kanton und in der Gemeinde nachweisen. Anrechenbar sind die Zeiten mit B und C - nicht aber mit L. N zählt glaube ich halb.

      Bei mir galten ebenfalls 10, 2 und 2 (Bund, Kanton, Gemeinde).

      Für Zürich ist's auch hier beschrieben:
      gaz.zh.ch/internet/justiz_inne…tliche-einbuergerung.html

      Grundsätzlich galt früher (als ich mich damit beschäftigt habe): Innerschweizer hatten es schwerer.

      Die Einbürgerungsrichtlinien ändern sich natürlich immer mal wieder. Nach den alten Regeln hätte ich bspw. meine Frau miteinbürgern können - nach den neuen nicht. Und so weiter...
    • Selbst wenn die "Initiative zur Massvollen Zuwanderung" oder auch "Begrenzungsinitiative" angenommen wird, können gut und gern 2 Jahre vergehen, bis überhaupt etwas passiert. Von daher ist es für aktuelle Zuwanderungswillige nicht entscheidend. Ich persönlich gehen eher davon aus, dass die Initiative nicht angenommen wird, auch wenn die SVP ihren Slogan schlau gewählt hat. Die Gegner der Initiative haben aus der damaligen Schlappe bei der "Masseneinwanderungs-Initiative" gelernt und wollen dieses Mal wesentlich mehr investieren. Gerade weil es jetzt noch um wesentlich mehr geht und die Kündigung der Personenfreizügigkeit auf dem Spiel steht. Durch die sogenannte "Guillotine-Klausel" würden auch noch weitere Bilaterale Verträge auf dem Spiel stehen. Das ist auch Wirtschaft und Wissenschaft bewusst, daher haben diese bereits angekündigt die Initiative aktiv zu bekämpfen und nicht wie 2014 der SVP kampflos das Feld zu überlassen. Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ist nicht gegen die Zuwanderung von Fachkräften aus dem EU-Raum, aber wie bei der Politik so oft, ist auch entscheidend wieviel Wähler für die Abstimmung aktiviert werden.