Jobangebot in der Schweiz - brauche schnell Orientierungshilfe :-/

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    • Jobangebot in der Schweiz - brauche schnell Orientierungshilfe :-/

      Hallo liebes Forum

      ich bin momentan dabei mich nach einem neuen Job umzuschauen und habe heute - völlig unverhofft - einen Anruf bekommen mit einem Jobangebot in der Schweiz.
      Mein Problem ist, dass ich einen unterschriftsreifen Vertrag vorliegen habe (Job in D) und ich nun sehr schnell Pro / Contra abwägen muss.

      Ein wenig konnte ich mich schon einlesen, daher stelle ich meine Fragen mal hier, vielleicht mag dazu jemand kommentieren.

      Meine Situation:
      - 39 Jahre
      - ledig, aber mit Partnerin
      - 4 Kinder
      - Wohnort NRW
      - Jobangebot in Bern, Schweizer Firma, IT
      - Jahresgehalt irgendwo um 140 - 170k CHF
      - vergleichbares Jahresgehalt des unterschriftsreifen Vertrages in D 144k €

      Nun habe ich folgende Fragen:

      Da meine Partnerin selber voll berufstätig ist, kommt für mich (aktuell) kein vollständiger Umzug in die Schweiz in Frage.
      Ich würde versuchen viel remote aus dem dt Home Office zu arbeiten, wäre aber auch häufiger vor Ort in Bern.
      Wenn ich das richtig verstehe, könnte ich den Status des "internationalen Wochenaufhaltlers" bekommen, wenn ich in Bern eine Wohnung unterhalte und regelmäßig nach D zur Familie zurückkehre.
      Dann würde das Gehalt aus dem Job in der Schweiz ausschließlich der Schweizer Quellensteuer unterliegen.

      Nun lese ich, dass ab (nachgewiesenen) mind 60 Tagen "nicht Rückkehr" nach D zur Familie pro Jahr bereits ausschließlich in der Schweiz versteuert wird.
      Bedeutet das im Extremfall, dass ich - sofern ich nachweislich 60 Tage in Bern war und dort genächtigt habe, z.B. 6 Wochen a 5 Tage im Hotel, bereits die restlichen Arbeitstage des Jahres problemlos (in Bezug auf die Steuer) aus D und dem Home Office erbracht werden können? Und dennoch würde die gesamten weiteren Bedingungen des Schweizer Arbeitsvertrages, insbesondere auch die dortige Altersvorsorge greifen und die dt. Regelung ersetzen?

      Könnte ich meine deutsche KV weiterführen, wo auch meine Kinder mitversichert sind?

      Sorry, ich weiß, das sind wohl alles Fragen, die hier schon mehrfach durchgekaut wurden, ich bekomme nur gerade etwas Panik, ob ich den bisherigen Vertrag annehmen soll (das müsste ich sehr zeitnah tun) oder ob es sich lohtn über die Schweiz nachzudenken...

      Vielen Dank für jede Idee dazu!

      LG
    • Hi Jan,

      danke für die schnelle Reaktion!
      Würde Deine Antwort uneingeschränkt auch für 170k CHF gelten?
      Mein (zugegeben sehr naives) Weltbild momentan dazu ist:
      Vom Schweizer Gehalt bliebe bei 170k CHF ~ 9.500 CHF netto im Monat übrig (abzgl. KV).
      In D ca. 6.700 € - da StKl 1. Dazwischen liegen knappe 2.300 € pro Monat netto.
      Davon ist die KV zu zahlen und eben die Pendlerei. Optimiert auf die 60 Tage im Jahr geblockt (siehe oben), dachte ich, dass sich das lohnen könnte...

      Falsch gedacht?
    • swiss-newbie schrieb:

      Würde Deine Antwort uneingeschränkt auch für 170k CHF gelten?
      Ja, würde es. 140k EUR in Deutschland sind echt anständig. Du planst ja keine Verlegung Deines Lebensmittelpunkts in die Schweiz, sondern die Frau samt der 4 Kinder bleiben in D. Ich bin echter Fernbeziehungsprofi (etwa 18 Jahre gesamt) und kenne da 1-2 Vor- und Nachteile. Und du weisst ja: Wenn die Hütte brennt (bspw. Corona, Kundenprojekte oder was weiss ich), dann wird's auch bei der Arbeit mal stressig. Dann bist du auf einmal deutlich mehr in Bern als in NRW. Und das stecken zu Beginn alle gut weg, aber der Ton wird irgendwann auch mal rauer - das ist ein Risiko.

      Mach doch mal die Milchmädchenrechnung, die du gerade anstrebst: Krankenversicherung, kleine Wohnung/Zimmer in Bern, Bahn und Autofahrten. Dann bist du wahrscheinlich schon eher bei 1000 EUR als bei 2300 EUR. Und ich mache an dieser Stelle einfach gar nicht mehr weiter ;)

      Zudem dürftest du - primär aus dem Home Office in D so ziemlich am Karriereende angekommen sein. Ich würde jedenfalls keinen Home-Office Mitarbeiter gross durch die Decke befördern. Mit 39 Jahren in einer Deutschen Firma vor Ort sehe ich das anders.

      Du bist in der gleichen Branche wie ich auch. Bis 50 sind wir gute Informatiker, bis 60 kann man uns gut im Projektmanagement oder ähnlichem gebrauchen - und dann wird es bei uns so langsam aber sicher eng. "Wir" müssen also in vergleichsweise kurzer Zeit einen Batzen auf der Seite haben, um davon später gut auskommen zu können. Ich für meinen Teil muss spätestens mit 60 in Rente - eher mit 55 (ich denke dann bis ich ziemlich durch). Bis dahin muss aber Kohle reinkommen, weil mein Plan sonst nicht aufgeht. Und auch mein Schwager macht gerade die unschöne Erfahrung, dass die Remote Arbeitsplätze in Kriesen am ehesten wackeln - und ein Offshoring (oder Nearshoring) liegt da eben auch auf der Hand. Da bist du in D sicherer.

      Ganz anders sieht es aus, wenn du die richtige (bitte mit einem gewissen Sarkasmus lesen) Entscheidung triffst und Deine Familie (also Deinen Lebensmittelpunkt) nach Bern verlegst. Dann sind 170k ein guter Einstieg, deine Frau findet schnell was und du gehst mit dem Gefühl ins Bett, dass Du das richtige gemacht hast. Um Dir da aber auch die Illusionen zu nehmen: Du musst etwa 50.000 CHF in Deinem Alter pro Jahr (inkl. 2. Säule) zur Seiten schaffen, um in Deinem Alter bei einer vorzeitigen Pensionierung mit 60 Deinen Lebensstandard zu halten. Denn in der 1. Säule klafft schon ein gutes Loch...
    • jan82 schrieb:

      Da würde ich keine Sekunden drüber nachdenken und sofort den deutschen Vertrag unterschreiben.
      This! Ich weiss nicht, welche Qualifikation du hast, aber 144k in Deutschland ist ein 6er im Lotto.
      Bedenke zudem, dass du 144k in Euro erhälst. Aktuell steht der EUR/CHF-Kurs zwar bei 1.06, aber das war in den letzten beiden Jahren durchaus schon mal anders (1.20 in 2018).
      144k € ~ 152k CHF


      swiss-newbie schrieb:

      Davon ist die KV zu zahlen und eben die Pendlerei. Optimiert auf die 60 Tage im Jahr geblockt (siehe oben), dachte ich, dass sich das lohnen könnte...

      Falsch gedacht?
      Hier sind sehr viele Dinge falsch gedacht.
      1. der internationale Wochenaufenthalt muss dir bewilligt werden. Die meisten Kantone tun das, allerdings nur für eine begrenzte Zeit und nur wenn man eine gute Begründung hat.
      2. Dein Lebensmittelpunkt ist weiterhin in Deutschland, da dort deine Partnerin wohnt. Hier wird dir das deutsche Finanzamt mit Sicherheit einen Strick draus drehen.
      3. nur 60 Tage in der Schweiz zu verbringen und den Rest in Deutschland im HO funktioniert in der Theorie, aber das deutsche Finanzamt möchte dann sicherlich mehr Belege sehen dass du wirklich die Woche über in der Schweiz warst
      Die Sachen, die Jan bereits gesagt hat, muss ich nicht wiederholen: Pendelei, Stress in der Beziehung, Karriereknick etc
      Bei fast gleichem Brutto-Gehalt würde ich an deiner Stelle in Deutschland bleiben.

      swiss-newbie schrieb:

      bereits die restlichen Arbeitstage des Jahres problemlos (in Bezug auf die Steuer) aus D und dem Home Office erbracht werden können?
      Nein, bedeutet es nicht. Wenn du mehr als 25% der Zeit im Home-Office in Deutschland verbringst, dann wirst du voll in Deutschland besteuert. Was aufgrund deiner Lebenssituation (Partnerin und Kinder in NRW) vermutlich eh der Fall wäre.


      VG basileus
    • Vielen Dank an Euch alle!
      Zur Qualifikation: IT Vertrieb, Großkonzern, internationale Erfahrung.

      Wirklich klasse, dass man hier so schnell und ausführlich Feedback bekommt - das ist in so manchem Forum ja leider nicht der Normalfall!
      Ich hab das Thema der Umrechnung völlig aus den Augen verloren dabei. Natürlich muss ich - sofern der Haushalt zuhause nicht aufgegeben wird - berücksichtigen, dass der Umrechnungskurs auch mal wieder bei 1.2 oder schlechter liegen kann. Ich habe (natürlich) gestern noch ein wenig recherchiert und würde momentan wohl auch denken, dass in der angegebenen Spanne wohl kein Schuh draus werden würde. Da müssten wohl eher 200k CHF oder mehr auf dem Deckel stehen, so dass es auch finanziell Sinn machen würde.
    • Also ich bin ja in derselbe Branche tätig, auch aus NRW nach CH gewechselt und ich kann Dir sagen, bei einem Vertrag von 144k€ in D, würde ich keinen Gedanken an Auswanderung verschwenden...
      Ich bin ein Jahr aus NRW nach Zürich wöchentlich gependelt, als int. Wochenaufenthalter mit 60 Tage Regel und Partnerin + Kind in D.

      Wenn Du dies mit der Schweiz vergleichen willst, müsste die Offerte hier bei CHF230k-CHF250k liegen, um überhaupt darüber nachzudenken. Um es pi mal Daumen vergleichen zu können, kommt man mit dem Faktor 1,6 zwischen D & CH hin. Wenn das nicht gegeben ist, wird man natürlich nicht verhungern, aber der Lebensstil muss angepasst werden und wäre eben nicht mehr so wie vorher in D. So meine Erfahrung nach nun 2 Jahre CH.
    • Druschii schrieb:


      Wenn Du dies mit der Schweiz vergleichen willst, müsste die Offerte hier bei CHF230k-CHF250k liegen, um überhaupt darüber nachzudenken. Um es pi mal Daumen vergleichen zu können, kommt man mit dem Faktor 1,6 zwischen D & CH hin. Wenn das nicht gegeben ist, wird man natürlich nicht verhungern, aber der Lebensstil muss angepasst werden und wäre eben nicht mehr so wie vorher in D. So meine Erfahrung nach nun 2 Jahre CH.
      D.h. du rechnest € in CHF und multiplizierst danach mit 1,6? Ich hätte vermutet, dass das bei recht hohen Gehältern sich (bei StKl1 in D) "früher" lohnen dürfte...
      Nehme an 230 - 250k CHF sind auch nicht "mal eben" so in der Schweiz machbar :)
    • Wenn Du voll in der Schweiz wohnen möchtest und Wohneigentum erwerben willst - in einer Art, die in etwa Deiner deutschen Kaufkraft entspricht - würde ich fast eher mit Faktor 2 rechnen. Du hast in Deutschland ein sehr hohes Einkommen in einem - das ist nicht abwertend gemeint - vergleichsweise günstigem Land. Daraus resultiert eine enorme Kaufkraft, wenn es über die Grundbedürfnisse hinausgeht.

      Dieses "im günstigen Ausland wohnen" und in der teuren Schweiz arbeiten funktioniert zwar, ist aber anstrengend. In Deinem Fall ist die wirtschaftliche Entscheidung aber so einfach zu treffen, dass man da gar nicht ins Detail gehen muss. Und wir ich bereits geschrieben habe: Wenn Du Deinen Lebensmittelpunkt in die Schweiz verlegen willst, sieht es für mich ganz anders aus...
    • swiss-newbie schrieb:

      D.h. du rechnest € in CHF und multiplizierst danach mit 1,6? Ich hätte vermutet, dass das bei recht hohen Gehältern sich (bei StKl1 in D) "früher" lohnen dürfte... Nehme an 230 - 250k CHF sind auch nicht "mal eben" so in der Schweiz machbar :)

      Dies ist meine Rechnung wenn es ums Gehalt geht...Andere, wie Jan schon schrieb, rechnen mal 2x um auf Nummer sicher zu gehen. Es ist nicht alles teurer und bezogen auf die Kaufkraft in CH, eigentlich schon gar nicht. Aber auch dies sieht jeder anders hier.
      Da muss jeder selbst seinen "Faktor" finden, um sich das wirtschaftlich schmackhaft zu machen. Ein Budgetplan zeigt einem recht schnell, wohin die Reise gehen muss.
    • swiss-newbie schrieb:

      Meine Situation:
      - 39 Jahre
      - ledig, aber mit Partnerin
      - 4 Kinder
      - Wohnort NRW
      - Jobangebot in Bern, Schweizer Firma, IT
      - Jahresgehalt irgendwo um 140 - 170k CHF
      - vergleichbares Jahresgehalt des unterschriftsreifen Vertrages in D 144k €

      Da meine Partnerin selber voll berufstätig ist, kommt für mich (aktuell) kein vollständiger Umzug in die Schweiz in Frage.

      Guten Morgen, bei allen kompetenten Gedanken über Kalkulationen, wieviel Euro ist Deine Familie wert? :D Bestünde die Gefahr, dass Du mit dem Job in Bern dieses heimische Netzwerk zerreißt? Oder es zumindest Schaden nimmt? Ein Schaden, der mit ein paar Tausend Euros mehr oder weniger (auf Deiner Gehaltsebene darf man wohl so über viel Geld sprechen) in keiner Relation stünde? Der Mehrverdienst würde draufgehen für Benzin, CH-Unterkunft und vielleicht für die Honorar-Noten eines Familienpsychologen :P
      ***************
      Manchmal fährt der falsche Zug an den richtigen Ort.
    • Danke für den (vermutlich) wohlwollenden Denkanstoß! Ich bin nicht mehr Anfang 20 und hab meine Prioritäten schon relativ klar.
      Keine Gehaltssteigerung der Welt ist es mir Wert, meine Familie in eine schlechtere Situation zu bringen.
      Auch heute schon habe ich ein enormes Pensum an Dienstreisen (international), was sich bei beiden Optionen des Jobwechsels unterm Strich verbessern würde.
      Das ist eine der Hauptmotivationen - der Gehaltszuwachs ist nicht gänzlich uninteressant, aber eher ein bestärkender Nebeneffekt den Job zu wechseln.
    • Ich stand vor etwa 3 Jahren an einem ähnlichen Punkt: 107 Flüge in einem Jahr (davon 8 Privat). Das hat sich innert 2 Jahren so entwickelt. Dann habe ich die Notbremse gezogen und mich 2019 auf total 6 heruntergearbeitet. Dieses Jahr stehe ich noch bei 0 (natürlich auch wegen Corona, aber trotzdem).

      Und ich muss sagen: Das ist schon besser so und die Lebensqualität steigt enorm - vom Umweltaspekt ganz zu schweigen...

      Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Entscheidung!
    • jan82 schrieb:

      Ich stand vor etwa 3 Jahren an einem ähnlichen Punkt: 107 Flüge in einem Jahr (davon 8 Privat). Das hat sich innert 2 Jahren so entwickelt. Dann habe ich die Notbremse gezogen und mich 2019 auf total 6 heruntergearbeitet. Dieses Jahr stehe ich noch bei 0 (natürlich auch wegen Corona, aber trotzdem).

      Und ich muss sagen: Das ist schon besser so und die Lebensqualität steigt enorm - vom Umweltaspekt ganz zu schweigen...

      Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Entscheidung!
      Das kenne ich: am Anfang ist das Reisen (und Fliegen!) selber noch aufregend und spannend. Mit der Zeit reduziert sich das auf interessante Projekte und für mich nie verloren gegangen ist der Reiz mit den Kollegen vor Ort die völlig unterschiedlichen (Unternehmens-) Kulturen zu erleben. Irgendwann veränderte sich der Reiz beim Fliegen in Stress - vermutlich auch durch's Älterwerden. Die bescheidenen Reiserichtlinien machen es da nicht einfacher. Jeder der schon mal innerhalb weniger Tage je Flug 14h in Eco abrocken musste und das noch in eine andere Zeitzone kennt wohl das Gefühl.
      Spätestens die aktuelle Corona-bedingte Situation hat mir nochmal überdeutlich gemacht, wie hoch der Wert ist jeden Abend (!!) gemeinsam Abendessen zu können. Das wird sich zwar auch wieder ändern, aber hat mich enorm darin bestärkt, das nun durchzuziehen.