Steuern und Aufenthaltsbewilligungen: Arbeitgeber in der Schweiz, jedoch keine häufige Rückkehr vom Wohnort Deutschland in die Schweiz

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    • Steuern und Aufenthaltsbewilligungen: Arbeitgeber in der Schweiz, jedoch keine häufige Rückkehr vom Wohnort Deutschland in die Schweiz

      Liebe Auswanderungsspezialisten

      Momentan wohne und arbeite ich in der Schweiz. Bald jedoch werde ich nach Deutschland umziehen, jedoch weiterhin meinen Arbeitgeber in der Schweiz behalten. Meine Arbeit kann zu einem grossen Teil aus dem Home Office erledigt werden, daher werde ich vorraussichtlich nur selten (etwa 1/ Monat) in die Schweiz reisen. Also zusammengefasst bezieht sich meine Frage auf die
      Situation:
      - Arbeitgeber in der Schweiz
      - Wohnort in Deutschland (nicht in Grenznähe)
      - seltene Einreise in die Schweiz

      Nun bin ich mir unklar:
      - Bin ich dann Wochenaufenthalter? Oder Grenzgänger? Oder etwas ganz anderes?
      - Wo zahle ich denn dann meine Steuern?
      - Was für eine Bewilligung braucht man in dieser Situation? G vielleicht? Momentan habe ich eine C-Bewilligung.

      Es wäre toll, wenn jemand von Euch zu einer dieser Fragen etwas Licht ins Dunkel bringen könnte : )

      Ganz liebe Grüsse
      Hambi

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von hambi ()

    • Zu den Bewilligungen kann ich dir nichts sagen - das ist in diesem Kontext eh zweitrangig (IMHO).
      Wenn du aber fast nur im Home-Office arbeitest und dann in Deutschland wohnst, dann bist du sehr wahrscheinlich in Deutschland sowohl steuerpflichtig als auch sozialversicherungspflichtig. Also nichts mit günstiger Schweizer Krankenversicherung, Pensionskasse etc. Du musst in die deutsche Rentenkasse einzahlen, in die deutsche Arbeitslosenversicherung und dich in Deutschland krankenversichern.
    • Hoi Hambi,

      du hast vergessen zu erwähnen, ob du einen Wohnsitz in der Schweiz behalten wirst oder nicht. Ich vermute eher nicht. Davon hängt aber ab, welche Bewilligung du bekommst.

      Nur mit Wohnsitz in DE: G-Bewilligung

      Wie lieberjott schon richtig gesagt hat, wirst du sämtliche Abgaben (KV, RV, Steuern) in Deutschland entrichten. Mit deinem, vermutlich hohen, Schweizer Gehalt wirst du in Deutschland als Single den Spitzensteuersatz von 42% zahlen müssen (über 53k Jahresgehalt). Falls du über 250k Jahresgehalt hättest, sogar 45% Lohnsteuer (ab 250'001€)
      Falls du überlegst, in die gesetzliche Krankenkasse zu gehen, bezahlst du nochmal knapp 800€ dafür (da die Schweiz keinen Arbeitgeberanteil für die KV kennt).

      Du würdest also Geld sparen bei Miete und Lebenshaltung, dafür aber mehr für die KV zahlen sowie mehr Steuern.
      Als Single mit hohem Einkommen ist das nicht die beste Lösung (zumindest aus finanzieller Sicht).


      VG basileus
    • Und als wäre das noch nicht genug, könnte sich durch die permanente HO-Nutzung für Deinen AG die Situation ergeben, dass dies als Betriebsstätte angesehen wird. Damit hat er einen Haufen Administration (und natürlich auch Abgaben) am Hals, die er aus fachlicher Sicht gar nicht stemmen kann, ausser er hat Spass sich in die komplexe Materie einzulesen.

      Generell gewinnt das Thema "Betriebsstätte" immer mehr an Bedeutung. Die Finanzbehörden in Deutschland sind darauf ziemlich "scharf", aber auch in der Schweiz ist man immer mehr geneigt, den Vorschlägen der OECD-Diskussionsgruppen zu folgen. (Der Kanton Luzern hat so bei einem meiner Kunden bereits entschieden, dass bereits die Anmietung eines Servers in der Schweiz eine Betriebsstätte begründet, über die die laufenden Umsätze anteilsmässig abzurechnen und zu versteuern sind.)
    • Markus Schulz schrieb:

      Der Kanton Luzern hat so bei einem meiner Kunden bereits entschieden, dass bereits die Anmietung eines Servers in der Schweiz eine Betriebsstätte begründet, über die die laufenden Umsätze anteilsmässig abzurechnen und zu versteuern sind
      Ist zwar off-topic, aber sehen die noch klare Bilder?? Wie will der Kanton denn nachweisen, wie viel Umsatz über diesen einen Server gelaufen ist? Das wissen doch die meisten Kunden selber nicht einmal.
      Aber sehr gut zu wissen für die Zukunft!
    • Ja, so war auch meine Reaktion. Zumal im vorgängigen Telefonat der Bereichsleiter mit mir noch einer Meinung war, dass es wohl keine Betriebsstätte ist, da die gesamte Masse des Unternehmens inkl. Brain in Luxemburg verortet ist (alle die auf dem Server arbeiten sitzen physikalisch in Lux) und es sich auch nicht um Verkäufe sondern Arbeitsschritte bei Vertragsauswertungen handelte.

      Aber nach Art 51 DBG und Art 5 DBA-Lux wurde dann gegenteilig entschieden, was allerdings eine internationale Kanzlei für Steuer- und Wirtschaftsrecht auch bereits so in Aussicht gestellt hatte. Das Unternehmen sollte dann eine Gewichtung einzelner Arbeitsschritte vornehmen um eine Besteuerungsgrundlage zu schaffen.

      Ich bin überzeugt dass sich da in den nächsten 10 Jahren noch sehr viel tun wird, gerade weil die EU auch mehr bestrebt ist am Ort des Umsatzes zu besteuern. (In der Form kollidiert das dann mit der obigen Betriebsstättendefinition bei einem Server aber vernetzte Welten sind ja noch Neuland.)
    • Ich vermute es ging bei deinem Kunden um grössere Summen, sonst würden die sich nicht die Arbeit machen.

      Die genannten Gesetze stammen von 1990 (DBG) bzw 1993 (DBA-Lux). Dass ein Server als Betriebsstätte zählen kann, ist so was von an den Haaren herbeigezogen, da fehlt mir echt die Sprache. Zählt das dann unter Bergwerk (Art 51 Satz 2 DBG)? ;)

      Meiner Meinung nach würde in diesem Fall eher Art 5 Satz 4 e) DBA-Lux zutreffen: "eine feste Geschäftseinrichtung, die ausschliesslich zu dem Zweck unterhalten wird, für das Unternehmen andere Tätigkeiten auszuüben, die vorbereitender Art sind oder eine Hilfstätigkeit darstellen;"
      Aber ok: das wissen die Rechtsverdreher vermutlich besser als ich...

      Das ist echt hanebüchen! Dann würde ich als Kunde sämtliche Verkäufe bzw Umsätze nicht über diesen Server laufen lassen. Bzw ein Konstrukt erstellen mit Load Balancer in unterschiedlichen Ländern, und nur "Vorbereitungsarbeiten" auf dem Schweizer Server durchführen. Bzw den Server gleich in ein anderes Land umziehen, wenn der Serverstandort nicht unbedingt in der Schweiz sein muss.

      Ein anderer Aspekt ist aber, mal wieder, der Kantönligeist. Habe mittlerweile schon von mehreren Personen gehört, dass die Steuerverwaltung in Luzern "sehr genau" (bewusst in Anführungszeichen) arbeitet. Ein Grund, diesen Kanton für wirtschaftliche Unternehmungen zu meiden.

      Mal davon abgesehen: Riesen-Konzerne wie Google können mit Methoden wie "double irish with a dutch sandwich" Gelder munter hin- und herverschieben und zahlen am Ende den Bruchteil einer Promille Steuern (Stichwort: Lizenzen werden von der Tochtergesellschaft auf den Bermudas "verkauft"), und KMUs werden über Massen besteuert. So etwas ärgert mich massiv!
    • Noch als Ergänzung: das hat noch viel weitreichendere Auswirkungen als ursprünglich gedacht. Man stelle sich Schrauben-Harry vor, welcher keine Ahnung von Technik hat und einfach einen Online-Shop erstellen will. Der geht zum erstbesten Provider und nimmt dort das Produkt von der Stange. Wenn der Anbieter seine Server nun in ganz Europa verteilt hat: zahlt Harry dann 20% in den Niederlanden, 15% in Bulgarien, 60% in Estland und 5% in Spanien?

      Auch bei den grossen Cloudprovidern (Amazon, Azure, Google) hat man eigentlich nie eine Angabe darüber, wo sich der Server genau physikalisch befindet. Von automatischen Loadbalancing-Massnahmen sprechen wir hier gar nicht.

      Das ist echt wieder nur ein Beschäftigungsfeld von Winkel-Advokaten (sprich: Juristen) und Politikern X(
    • basileus schrieb:

      Das ist echt hanebüchen! Dann würde ich als Kunde sämtliche Verkäufe bzw Umsätze nicht über diesen Server laufen lassen. Bzw ein Konstrukt erstellen mit Load Balancer in unterschiedlichen Ländern, und nur "Vorbereitungsarbeiten" auf dem Schweizer Server durchführen. Bzw den Server gleich in ein anderes Land umziehen, wenn der Serverstandort nicht unbedingt in der Schweiz sein muss.
      Ich verstehe ehrlich gesagt nicht wieso du jetzt so schockiert bist: Das Gewinne dahin verlagert werden wo es wirtschaftlich interessant ist, wissen wir doch nun alle. Ob wir das Gefäss nun Server, Briefkasten, Patentbox oder Trust nennen ist doch total egal.

      basileus schrieb:

      Ein anderer Aspekt ist aber, mal wieder, der Kantönligeist. Habe mittlerweile schon von mehreren Personen gehört, dass die Steuerverwaltung in Luzern "sehr genau" (bewusst in Anführungszeichen) arbeitet. Ein Grund, diesen Kanton für wirtschaftliche Unternehmungen zu meiden.
      Meiner Meinung nach hat Luzern mit seiner vor Jahren eingeleiteten Steuerpolitik Schiffbruch erlitten. Das Konzept ist nicht aufgegangen. Und nun wird geschaut wo man noch Geld bekommen hat. Jeder, der an seinem Steuersitz auch wirtschaftlich tätig ist, hat da ja nichts zu befürchten. Der, bei dem das nicht so ist, kannte das Risiko vorher. Wenn es dann ärger gibt, trifft es ja nun keinen unwissenden. Die, die bspw. von Bern nach Luzern oder Zug verlagern, machen das nicht nur wegen des Vierwaldstätter- oder Zuger-Sees. Die Aare wäre nämlich auch schön ;)

      basileus schrieb:

      Auch bei den grossen Cloudprovidern (Amazon, Azure, Google) hat man eigentlich nie eine Angabe darüber, wo sich der Server genau physikalisch befindet. Von automatischen Loadbalancing-Massnahmen sprechen wir hier gar nicht.
      Google kenne ich ja nun weniger, aber bei AWS oder Azure solltest du das recht genau wissen. Sonst läuft da etwas erheblich falsch und ich könnte mir diverse eingekaufte Datenschutzgutachten in die Haare schmieren...
    • jan82 schrieb:

      Das Gewinne dahin verlagert werden wo es wirtschaftlich interessant ist, wissen wir doch nun alle
      Ich verstehe das schon. Allerdings ging es bei Markus Beispiel um folgendes:
      - Luxemburg: Umsätze/Verkaufe
      - Schweiz: ein Schritt auf einem Server im Verarbeitungsprozess (kein Umsatz)
      Überspitzt formuliert heisst das für mich, dass jemand von mir verlangen könnte, dass ein Teil meines Umsatzes in den USA abgeführt werden muss (z.B. weil mein Mailserver dort steht). Aber vielleicht verstehe ich das Ganze auch nur falsch :)

      Wenn der Kunde natürlich den Server in der Schweiz benötigt, um hier Geschäfte zu tätigen, dann wäre auch die Besteuerung in Luzern korrekt.
      Ansonsten: einfach abbauen und woanders hosten.

      jan82 schrieb:

      machen das nicht nur wegen des Vierwaldstätter-
      Also ich finde den Vierwaldstättersee sehr schön :P

      jan82 schrieb:

      Google kenne ich ja nun weniger, aber bei AWS oder Azure solltest du das recht genau wissen.
      Natürlich weiss ich das. Aber mit dem Gedanken oben (Firma in Luxemburg, einer der Server im Ausland) wird es aus meiner Sicht komplizierter. Die Gutachten betreffen zwar den Ort der Server, aber da geht es ja meist um Data Privacy. A la: Daten dürfen nur in der EU verarbeitet werden etc.
      Mir ging es aber um die wirtschaftlichen Auswirkungen. Die reine Nutzung eines Servers im Ausland sagt ja nichts darüber aus, wo die Umsätze generiert werden. Ich kann sämtliche Verkäufe in Deutschland tätigen, aber meinen Webshop in der amerikanischen Amazon-Cloud betreiben (ja, wäre nicht gut wegen Latenz...)
      Nach der Logik von oben hätte ich dann eine Betriebsstätte in den USA ?(

      jan82 schrieb:

      Sonst läuft da etwas erheblich falsch und ich könnte mir diverse eingekaufte Datenschutzgutachten in die Haare schmieren...
      Ich erzähle dir lieber nicht, wie Zertifizierungen und Gutachten (auch bei den ganz grossen) teilweise ablaufen. Dann hättest du vermutlich weniger Haare in Zukunft :D
    • basileus schrieb:

      Ich erzähle dir lieber nicht, wie Zertifizierungen und Gutachten (auch bei den ganz grossen) teilweise ablaufen. Dann hättest du vermutlich weniger Haare in Zukunft :D
      Es ging ja eben auch nicht um Zertifizierungen und Gutachten, sondern darum, dass jedes Unternehmen auch in der Cloud wissen sollte in welchem Land seine Daten liegen (data at rest), wo diese verarbeitet werden und im Falle von direkten Peerings (in der Schweiz bspw. via LAN-i oder BIS) auch wohin die Daten übertragen werden (und das bekommen selbst die Gutachter raus). Wenn mir da ein Unternehmen ab 20 MA erklärt, dass es das nicht weiss: Am besten die IT outsourcen :D

      Und nun: BTT :)