Grenzgänger anders herum

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Grenzgänger anders herum

      Hallo,


      ich möchte mit meinem Freund zusammen ziehen. Er arbeitet und lebt bereits seit letztem Jahr in der Schweiz und hat den B-Ausweis. Ich bin Beamtin und werde daher weiterhin in Deutschland arbeiten.
      Ich werde voraussichtlich 2 mal die Woche im Amt arbeiten und ansonsten kann ich Homeoffice machen, wäre demnach Grenzgängerin. Nur gibt es diese Konstellation nicht so häufig :)
      Mir ist daher einiges unklar. ?(
      - Würde ich überhaupt eine Aufenthaltsbewilligung bekommen? (Wir sind ja nicht verheiratet und ich arbeite nicht in der Schweiz)
      - Oder kann mein Freund alleine einen Mietvertrag abschließen und ich bleibe nur in Deutschland (bei meinen Eltern, die auch eine leere Wohnung im Haus haben) gemeldet? Diese Variante würde mir gut gefallen, da ich dann zwecks Versicherungen und Auto alles belassen könnte wie es ist. Aber wahrscheinlich bin ich dann irgendwie illegal in dem Land oder :/
      Wenn ich mich in die Schweiz ummelden würde bzw. könnte hätte ich vielleicht einen steuerlichen Vorteil, allerdings weiß ich nicht ab sich das lohnt, wenn ich mein Auto verzollen muss. Außerdem wäre diese Konstellation nicht von langer Dauer, da ich auf jeden Fall nach 1 - 2 Jahren wieder zurück nach Deutschland ziehen möchte und dann müsste ich mein Auto wieder zurückverzollen X/

      Ich hoffe jemand kann mir ein paar Tipps geben :)
      Dankeschön
    • Oder kann mein Freund alleine einen Mietvertrag abschließen und ich bleibe nur in Deutschland (bei meinen Eltern, die auch eine leere Wohnung im Haus haben) gemeldet? Diese Variante würde mir gut gefallen, da ich dann zwecks Versicherungen und Auto alles belassen könnte wie es ist. Aber wahrscheinlich bin ich dann irgendwie illegal in dem Land oder
      Das wäre sicher am stressfreisten (ausser in Zeiten von Corona, wo Grenzübertritte eingeschränkt wurden)! Zumal du mal prüfen solltest, ob du als deutsche Beamtin überhaupt im Ausland wohnen darfst.
      Illegal würdest du dich nicht aufhalten. Du bist ja EU-Bürgerin und die Schweiz ist auch Schengenmitglied. Ich weiss nur nicht (und werde auch nach schnellem googlen nicht schlau) wie das mit der maximalen Dauer aussieht. Im Worst Case darfst du dich nur 90 von 180 Tagen in der Schweiz aufhalten. Aber das wäre ja recht easy möglich, wenn man sich z.B. nur ein verlängertes Wochenende sieht.

      Wenn du aber wirklich komplett bei ihm einziehen willst und nur pro forma in Deutschland gemeldet bist, dann wird das früher oder später Probleme geben.
    • Hallo lieberjott,

      vielen Dank für deine Antwort. Wir würden schon richtig zusammen wohnen, sonst könnten wir es auch so lassen wie bisher (Er wohnt am Wochenende bei mir). Wie bereits geschrieben, werde ich im Homeoffice arbeiten und nur zwei Tage die Woche im Amt sein. Wahrscheinlich werden ich insg. an 3-4 Tagen in der Woche in Deutschland sein und die restlichen in der Schweiz. Übernachten werde ich aber tatsächlich nur noch selten in Deutschland.

      Ich habe in der Zwischenzeit herausgefunden, dass ich keinem Fall einen steuerlichen Vorteil hätte aufgrund von § 6 AStG.

      Wie sieht es denn mit einer Aufenthaltsbewilligung aus? Könnte ich eine bekommen obwohl wir nicht verheiratet sind?
    • Ja, eine Aufenthaltsbewilligung kannst du vermutlich bekommen. In Bern geht das, wenn du
      • ausreichend Vermögen hast,
      • dein deutscher Job genug Einkommen bringt,
      • oder dein Freund für dich bürgen kann.
      Ich vermute, dass du dann zunächst eine B1 (1 Jahr Gültigkeit) bekommst. Hatte eine Freundin von mir mit ähnlich gelagertem Fall auch.

      Wäre ich an deiner Stelle, würde ich auf die Bewilligung verzichten, sofern du noch eine „Meldeoption“ in Deutschland hast. Bei nur zwei Jahren ist das viel Papierkrieg für nichts. Dann bist du nur zu Besuch da - und das reicht ja für Schengen Mitglieder auch.
    • Gerade als "Beamtin" mit sich daraus automatisch ergebenden besonderen Verpflichtungen sollte der korrekte Weg automatisch eingehalten werden.

      Nur kurz die Punkte gegen die sie vermutlich verstossen wird, da faktisch ein Wohnsitzwechsel vorliegt:

      - Beamte unterliegen, unabhängig von Homeoffice-Möglichkeiten einer verstärkten "Verfügbarkeitspflicht". Das trifft auf kommunale Beamte weniger zu, muss aber mit dem Dienstherrn abgeklärt werden. Dieser hat ein Interesse dass "seine" Beamten ihm ungehindert (z.B. durch Grenzschliessungen) zur Verfügung stehen.
      - KFZ sind am Ort des Wohnsitzes anzumelden, daraus folgend natürlich im Wohnsitzland zu versteuern und vor allem zu verzollen (Zollvergehen sind immer Straftatbestände, für Beamte extra doof)
      - KFZ Versicherung folgt dem Meldeproblem
      - Wer in der Schweiz wohnt muss sich zwingend bei der Einwohnerkontrolle melden (viele Infrastruktur-Komponenten hängen von der korrekten Kalkulation ab, daher müssen die lokal organisierten Gemeinden entsprechend rechnen können)
      - Nebenkostenkalkulationen hängen auch in der Schweiz von der Anzahl der Personen ab (wenn wir hier Wohnungen vermieten erwarten wir tatsächlich die korrekte Anzahl der dort lebenden Personen zu erfahren)

      Am Ende läuft es auch bei grosszügiger "Besuchs-Regelung" auf eine faktische Wohnsitzverlagerung raus die schon durch einen schnöden kleinen Unfall auf dem Weg zur Arbeit "auffallen" kann.

      Nebenbei: §6 AStG bezieht sich auf §17 EStG. Das ist nur einschlägig wenn man (wesentliche) Anteile von Kapitalgesellschaften hält. (Trivial Wegzugsbesteuerung genannt.) Das hat mit Beamten / Arbeit als Grenzgänger nichts zu tun. Du würdest ja ohnehin steuerpflichtig nach DBA in Deutschland sein, dort dann fiktiv besteuert. (Die günstige Quellensteuer gibt es nur im umgekehrten Fall.) Der Schluss dass es keine steuerlichen Vorteile gibt ist hingegen richtig.
    • Zwar hast du recht, das „alles offiziell“ mit Sicherheit besser ist, aber das gibt ein riesiges Theater. Und seien wir ehrlich: die Wahrscheinlichkeit, dass das auffällt, ist doch nahe 0. Aber für zwei Jahre den ganzen Ärger und dazu noch die Möglichkeit, dass man schlafende Hunde weckt...

      Mit den Nebenkosten hast du vielleicht noch recht, aber was die Infrastrukturkalkumation angeht: ich weiss ja nicht. In Deutschland und der Schweiz zahlen sie Studenten immer wieder Begrüssungsgeld, damit sich überhaupt jemand anmeldet. Bei WGs und ähnlichem gibt es das Problem ja auch. Vielleicht sieht du das etwas gar streng und ich etwas gar locker ;)


      Muss schlussendlich jeder für sich entscheiden.
    • Natürlich habe ich recht :D Dass es auffällt ist wohl vor allem vom Bünzli-Faktor der Nachbarn abhängig (wie man ahnen kann ist meiner inzwischen bereits sehr hoch :CH: ) . Oder von Zufällen wie einem Unfall auf dem Weg zur Arbeit. Das sollte einem bewusst sein.


      Und was die Infrastruktur angeht, da meine ich Dinge wie Feuerwehr (es gibt Stellenansätze nach Einwohnerzahl) oder auch Schutzräume (wenn kein eigener vorhanden zahlt man ja die Abgabe). Bei einer "Nicht-Gemeldeten" bestimmt nicht wild, erlauben sich dies alle ergeben sich im Zweifelsfall Probleme.
    • Vielen Dank für eure Antworten :)

      Ich denke ich werde es so machen, dass mein Freund jetzt mal nach Wohnungen sucht und sich bewirbt. Dann werden wir schauen, dass ich in den Mietvertrag aufgenommen werde.
      Beim Zoll reicht der Mietvertrag erstmal aus für einen zollfreien Umzug. Das Auto muss man erst innerhalb eines Jahres ummelden und in der Schweiz versichern. Das finde ich ganz gut, weil wer weiß schon was in einem Jahr passiert :) Zollvergehen will ich natürlich nicht riskieren.


      Mit meinem Arbeitgeber (Staat) hab ich glaube ich die wenigsten Probleme, solange ich meine Arbeit mach. Und bei Grenzschließungen wäre es sogar viel besser wenn ich in Deutschland gemeldet wäre :) Ich würde dann halt Probleme haben in die Schweiz zu kommen, aber das ist halt dann mein Pech.

      Markus Schulz schrieb:

      Und was die Infrastruktur angeht, da meine ich Dinge wie Feuerwehr (es gibt Stellenansätze nach Einwohnerzahl) oder auch Schutzräume (wenn kein eigener vorhanden zahlt man ja die Abgabe). Bei einer "Nicht-Gemeldeten" bestimmt nicht wild, erlauben sich dies alle ergeben sich im Zweifelsfall Probleme.

      Würde dann erst mal so lange abwarten mit der Ummeldung, bis mich jemand anschwärzt. Hab schon gehört, dass die Schweizer immer gleich petzen müssen :)
      Wobei ich ehrlich gesagt nicht einseh, warum ich mich melden sollte. Ich zahle schließlich in dem Land auch keine Steuern. :whistling: