Finanzamt will für Steuererklärung 2020 die Anzahl der Home-Office Tage wegen Covid-19 wissen

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    • Finanzamt will für Steuererklärung 2020 die Anzahl der Home-Office Tage wegen Covid-19 wissen

      Hallo zusammen,

      ich habe gestern meine elektronischen Steuerbescheid für 2019 vom Finanzamt Lörrach bekommen. Da wird schon vorgemerkt, dass das FA für die Steuererklärung 2020 (die man dann also im Jahr 2021 abgibt ;) ) eine Aufstellung vom Arbeitgeber haben will, wie viele Tage der Arbeitnehmer im Home Office wegen Covid-19 verbracht hat oder gar nicht arbeiten konnte.

      Primär frage ich mich, welche steuerlichen Auswirkungen (abgesehen von Fahrkosten oder 60-Tage-Regelung) eine solche Auflistung denn haben soll. Spannend wäre auch zu wissen, ob das Finanzamt eine Information andere Behörden gibt, falls man über das Jahr gesehen zu oft zu Hause gearbeitet hat (also mehr als 25% - Sozialversicherungspflicht in Deutschland).

      Der Witz ist natürlich eh, dass die meisten Arbeitgeber so eine Bescheinigung vermutlich gar nicht ausstellen könnten - mein Arbeitgeber weiss es jedenfalls nicht, da es in der Zeiterfassung keine Rolle spielt, wo ich arbeite.
      Scheint mir wieder ein halbgare Sache vom Finanzamt zu sein - ich bin mal gespannt, wie das nächstes Jahr in der Praxis aussieht.
    • Hoi,

      natürlich ist das eine halbgare Sache vom Finanzamt, aber diese kann deutliche steuerliche Auswirkungen haben. Die wichtigsten hast du ja selbst schon angesprochen (60-Tage-Regelung, Sozialversicherungspflicht in Deutschland bei >25% Homeoffice). Muss glatt mal bei Freunden nachfragen, die auch im Landkreis LÖ wohnen.

      Die Anzahl der Homeoffice-Tage wird vermutlich der Knackpunkt sein. Wie üblich geht es da wieder um Geld, welches der deutsche Staat einnehmen will.
      Im Zuge von Corona gibt es meines Wissens nach auch Übergangsregelungen für 2020 (ein paar Links: hier, hier und hier)

      Die teilweise unklare Rechtslage wird vermutlich ein gefundenes Fressen für Rechtsanwälte werden im nächsten Jahr.
      Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute bei deiner Steuererklärung im nächsten Jahr. Und ich bin froh, kein Grenzgänger mehr zu sein :)


      VG basileus
    • Für das DBA D-CH ist mir tatsächlich kein Grenzwert bekannt. Im DBA D-Lux ist geregelt, dass ab 14 Tagen im Jahr (abzurechnen bereits in Stunden) die Versteuerung der in Deutschland geleisteten Arbeitsanteile aus der DBA-Regelung rausfällt und in D zu erfolgen hat.

      Im Zuge der Corona-Krise gibt es für dieses DBA eine Sonderregelung, für die D-CH ist mir das nicht bekannt (wohlgemerkt, alles Steuer, nicht SV).

      Knackpunkt könnte hier aber sein, dass D nach Diskussion in der OECD dazu übergegangen ist, Arbeiten die auf einem Server in Deutschland ausgeführt werden auch steuerlich als in Deutschland erbracht ansehen will und nicht mehr das ursprüngliche Niederlassungsprinzip gilt. (Im Grunde gründet man über den Server als "feste Geschäftseinrichtung" eine Niederlassung in Deutschland.) Umgekehrt heisst das aber auch, dass man die Homeoffice-Arbeit, sofern sie auf einem Terminal-Server in der Schweiz stattfindet, auch dort zu versteuern hätte. Das könnte ein wirksames Abwehrinstrument werden. Da dies bisher nur OECD-Empfehlungen bzw. Diskussionsergebnisse sind, sind sie aber noch nicht in Gesetze gefasst. (Trotzdem beraten internationale Steuerkanzleien bereits in diese Richtung, der Kanton Luzern handhabt es laut schriftlicher Auskunft genauso.)
    • Markus Schulz schrieb:



      Knackpunkt könnte hier aber sein, dass DE nach Diskussion in der OECD dazu übergegangen ist, Arbeiten die auf einem Server in Deutschland ausgeführt werden auch steuerlich als in Deutschland erbracht ansehen will und nicht mehr das ursprüngliche Niederlassungsprinzip gilt. (Im Grunde gründet man über den Server als "feste Geschäftseinrichtung" eine Niederlassung in Deutschland.) Umgekehrt heisst das aber auch, dass man die Homeoffice-Arbeit, sofern sie auf einem Terminal-Server in der Schweiz stattfindet, auch dort zu versteuern hätte.
      Hallo Markus,
      Hast du eine Quelle für diese Regel? Ich werde bald eine Stelle in der Schweiz antreten und meist aus Deutschland arbeiten. In der IT auf Schweizer Servern und natürlich über VPN. Da könnte diese Regel relevant sein.
    • badische-zeitung.de/fuer-grenz…e-internationale-einigung


      Konsens wurde erfreulich schnell gefunden
      Die übliche Regelung sehe vereinfacht so aus: Ab einem Viertel der Zeit des Gesamtarbeitspensums im Homeoffice untersteht ein Arbeitnehmer nicht mehr dem Sozialversicherungssystem seines Arbeitslandes, sondern jenem seines Wohnlandes. "Angesichts der zahlreichen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie war erfreulicherweise schnell ein europäischer Konsens erkennbar", so die Infobest-Mitteilung – die Versicherungsunterstellung soll sich nicht aufgrund der Covid-19-Einschränkungen ändern, die Begrenzung soll bis Jahresende zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz nicht mehr gelten.
      Wenn dies der Konsens ist, dann war das Finanzamt wohl ein bisschen voreilig.

      Leider habe ich den eigentlichen Bescheid immer noch nicht in den Händen, gammelt vermutlich ohne Weiterleitung noch irgendwo in der Steuerberatungskanzlei rum :thumbdown:
    • Es hat aber schon einen Unterschied zwischen Sozialversicherung und Steuern :whistling:

      @flokr Die Quelle ist die schriftliche Antwort der Steuerabteilung des Kanton Luzerns auf eine entsprechende Anfrage für eines meiner Mandate. Leider keine öffentliche Quelle. Die Fälle muss man derzeit immer einzeln anfragen.
    • Markus Schulz schrieb:

      Es hat aber schon einen Unterschied zwischen Sozialversicherung und Steuern :whistling:

      @flokr Die Quelle ist die schriftliche Antwort der Steuerabteilung des Kanton Luzerns auf eine entsprechende Anfrage für eines meiner Mandate. Leider keine öffentliche Quelle. Die Fälle muss man derzeit immer einzeln anfragen.
      Klar, wobei es aber beim normalen Grenzgänger steuerlich ja eigentlich keine Rolle spielt (abgesehen von Werbungskosten) ob er nun 100% im Geschäft oder 100% im Home Office arbeitet. Oder sehe ich das falsch?
      Eben, es ist absolut unklar, warum das Finanzamt diese Information will. Und ob ggf. eine Datenweitergabe an andere Behörden stattfindet.