Katastrophe mit Arbeitsvertragsverlängerung

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    • Katastrophe mit Arbeitsvertragsverlängerung

      Danke für Eure Zeit und ich benötige bitte Euren "Input" zu meiner Katastrophe die ich nachfolgend beschreibe:

      Vor gut zwei Jahren kam ich mit einer festen Anstellung für ein Jahr aus Deutschland in die Schweiz. Hier arbeite ich als Grenzgänger (60 Tage) für einen IT Dienstleister in einem großen Unternehmen, German/English. Die Firmenanschrift des Dienstleisters ist Zürich, mein Arbeitsplatz und meinen Hausstand (kleine Wohnung) ist im Kanton Schwyz vor Ort beim Kunden, mein fester Wohnsitz und meine Familie lebt in Deutschland und meine Arbeitserlaubnis ist gültig bis 2024. Ja, mir gefällt es hier und habe auch die eine und andere Tätigkeit gemacht ohne auf Bezahlung zu achten - auch an den Wochenenden und in der Nacht. Mein Vertrag ist immer über 360 Tage und wurde weiter um 360 Tage verlängert bis jetzt, auch das wurde mir heuer so zugesagt. Mein Plan ist, hier bis zum Rentenalter zu arbeiten.

      Die Vertragsverlängerung stand an, mir wurde gesagt das wäre kein Problem, dann hat mir dazwischen SAP HR eine Mail geschickt (Roboter) mein Vertrag läuft aus. Sofort habe ich mich darum gekümmert und wieder kam das: machen wir sofort wenn wir aus dem Urlaub zurück sind. Dann bekam ich einen Anruf (das war im Juli) mein Vertrag wird nicht mehr verlängert. Nach Darlegung meiner persönlichen Situation wurde mir mündlich angeboten, dass mein Vertrag doch um weitere drei Monate verlängert wird. Im Juli kam dann der neue Vertrag mit Email und sie haben mir einen Arbeitsvertrag zur Unterschrift (Gegenzeichnung) vorgelegt, welcher jetzt bis August 2021 gültig ist (nicht drei sondern weitere 12 Monate). Drei mal habe ich nachgefragt ob das auch das richtige Dokument ist und das wurde immer wieder so per Mail bestätigt. Mehrmals habe ich nachgelesen und da steht August 2021. Sofort habe ich unterschrieben und das Dokument zurück gesendet. Das war im Juli 2020 (wir leben ja in der E-Mail Welt und persönlicher Kontakt ist da schwierig). Soweit alles gut, der neue Vertrag ist da und die normale Arbeit geht weiter. Nach der Unterzeichnung hat mich auch niemand dazu weiter mehr angesprochen (im IT Support vor Ort bei hunderten Mitarbeiter gibt es immer viel zu tun, wenn man sich um den Kunden kümmert) und ein Teamgespräch oder 1:1 haben wir nicht.

      Gestern Mittag - zwei Monate später - kam eine Mail die in etwa drei Zeilen beinhaltet und sagt "wir haben Dir einen fehlerhaften Vertrag gesendet (technische Schwierigkeiten) und senden Dir den richtigen. Bitte unterschreiben und zurücksenden. - Dieser Vertrag würde dann bis 9 November 2020 (plus ggf. 28 Tage Urlaub) gelten. Ohne Urlaub ist wohl etwa 9. Okt mein letzter Arbeitstag. Keine Ahnung was sie mit technischen Schwierigkeiten meinen.

      Das ich den zweiten Vertrag mit über 60 Jahren nicht sofort oder überhaupt nicht unterschreibe ist verständlich, auch wenn sie mich jetzt danach drängen. Gegenteil, ich beabsichtige diesen nicht zu unterschreiben, weil ich den ersten Vertrag für gültig und verbindlich halte. Die Begründung "es werden keine Verträge mehr verlängert" ist mir Augenwischerei. Auch deswegen weil heute im weltweiten "Townhall Meeting" kein Wort gefallen ist, dass der Standort Schweiz einen anderen IT Dienstleister bekommen oder Personal reduziert werden soll. OK, Mehr kann ich mir vorstellen, dass IT Supportler (2nd/3rd Level) aus Billigländern zu Dumpingpreisen eingekauft werden können. Es zählt nicht der Kundenumgang, es zählt das Ticket und irgend eine Lösung dessen.

      Meine Meinung ist, dass ich rechtlich unter diesen ersten Vertrag (2020 bis Aug 2021) hier in der Schweiz im Moment arbeite und dieser Vertrag gültig ist bis Ablauf im Aug 2021. Ansonsten hätte ich ja Aug/Sep ohne gültigen Arbeitsvertrag gearbeitet. Einer Abänderung zu meinen Ungunsten stimme ich nicht zu. Was ist dazu eure Meinung?

      Unterschreibe ich den Nachfolger (eben angebotenen neuen Vertrag) nicht und werde förmlich gekündigt ist hier in der Schweiz die rechtliche Situation die, dass nach sozialer Auswahl (der mit den niedrigsten Punkten im Team) gekündigt werden muss bzw. als Erster entlassen wird?
      Werde ich arbeitslos wer ist dann zuständig? Deutschland oder Schweiz?
      Habe ich irgendwie Anspruch auf Kurzarbeit um eine Zeit zu überbrücken?
      Wo finde ich den passenden Arbeitsanwalt falls das vor ein Arbeitsgericht geht, weil meine Tendenz ist, ich werde das gerichtlich klären lassen?

      Ja, jetzt ist für mich das mit meinen knapp 62 Lenzen nicht einfach was die Firma sich da jetzt vorstellt. Für mich spricht absolut nichts dagegen in diesem Job weiter zu bleiben auch weil ich vom Kunden sehr gut anerkannt (kundenorientiert), körperlich und mental top fit und sehr belastbar bin (ist man nach mehr als 30 Jahren in der IT). Mir macht die Arbeit sehr viel Spass und verfüge über das notwendige know-how. Bin aber auch gerne offen für eine neue Stelle im IT Support (Windows, LAN/WAN, Client-Server, Cloud, Peripherie, Security, Incidents usw. (gerne dazu mehr in einer PM) und bin hier für jeden Rat, jeden Hinweis dankbar um in Arbeit zu bleiben.

      Ich danke euch herzlich

      ...und nenne mich hier

      Luka
      --
      Luka
    • LIEBE Luka
      Was für eine Katastrophe? Du hast ja den Vertrag, den Du wolltest.Sie haben nur ein Problem, denn natürlich hast Du Deinen richtigen Vertrag.
      Es tut mir sehr leid und zeigt mir wie gnadenlos das Geschäft wird, war und ist...Auch bei mir im Pflegesegment sitzen manchmal völlig fiese Leute die meinen sie machen tolle Zahlen.

      Meine menschliche Meinung ist folgende: Du hast 3 mal nachgefragt, ob es der richtige Vertrag ist und damit bist Du mehr als fair gewesen und raus aus dem Thema.
      Jetzt kann nur noch ein guter Beistand Dir helfen, denn ich könnte mir vorstellen, dass sie eine Menge tun um zu schauen,wie sie IHREN Vertrag einhalten können.Zumindest eine Beratung ist wichtig.
      Richtig:Du bist parat und kannst die Arbeit leisten
      Ich drücke Dir alle Daumen die ich habe.
      Beste Grüsse Honigbiene
    • Hoi Luka,

      ich stimme da Honigbiene zu. Du hast einen gültigen Vertrag bis 2021. Du hast mehrfach nachgefragt und sie haben es schriftlich zugesichert, dass Du den korrekten Vertrag vorliegen hast. Jetzt nach 4 Monaten um die Ecke kommen und sagen "Uuuupsi, war doch falsch, hier der neue Vertrag und in einer Woche packen Sie ihre Sachen", halte ich mehrfach für (arbeits-)rechtlich bedenklich.

      Leider kann ich Dir keinen empfehlen, aber wie Honigbiene bereits meinte, suche Dir direkt einen Rechtsbeistand für Arbeitsrecht, denn das wird tendenziell unangenehm.

      Viel Erfolg!!
    • Hallo Luka

      Ich sehe das auch so, du hast einen gültigen Vertrag. Alles andere musst du nicht unterschreiben. Aber generell können sie dich auch jederzeit unter Einhaltung der Kündigungsfrist kündigen. Das Arbeitsgesetz ist in der Schweiz im Vergleich zu den Nachbarländern nicht besonders streng. Ich würde dir auch unbedingt eine Arbeitsrechtliche Beratung empfehlen. Es gibt dazu für die ersten Fragen bzw. Situationseinschätzung auch kostenlose Angebote von der Gemeinde und über den Schweizerischen Anwaltsverband. Beides kann ich dir aus Erfahrung empfehlen. Mehr Infos dazu findest du noch in diesem Artikel vom Beobachter: beobachter.ch/gesetze-recht/re…htsberatung-zum-nulltarif

      Schöne Grüsse und viel Erfolg dabei, wir drücken dir die Daumen.
      Maik
    • Das Problem des Arbeitgebers ist doch nur der befristete Arbeitsvertrag. Den hätten sie vermutlich nicht zu gleichen Konditionen erneut ausstellen dürfen. Und nun haben sie gemerkt, dass die UNIA das gar nicht gerne sieht und möchten aufräumen. Aber: das kann dem TE total egal sein.

      Der Vertrag ist gültig und vermutlich gibt es Anspruch auf einen unbefristeten Vertrag. Nur: Das hilft das bei den moderaten Kündigungsbedigungen kaum (befristet ist hier super für den TE). In dem vorliegenden Fall gibt es IMHO keine Möglichkeit der ordentliche Kündigung vor Vertragsende.

      Also: Füsse still halten, keine ausserordentliche Gründe verursachen und den Vertrag sauber zu Ende bringen. Und gleichzeitig etwas Neues suchen.
    • Danke für die guten Ratschläge... bin aber jetzt weiter unter Druck:

      - heute in einem dafür angesetzten MS Team Meeting haben sie mir erneut mitgeteilt, dass für mich der Vertrag am 6 Nov 2020 beendet ist. Den Vertrag den ich am 30 Juli unterschrieben haben sehen sie als "technisches Problem" ihrer Mitarbeiter(-innen) - jetzt ist das Backoffice schuld. Das haben sie mir auch eben auf meine Anfrage so per E-Mail mitgeteilt. Eine Kündigung ist mir nicht ausgesprochen worden, wohl desshalb weil sie sagen, meinn Vertrag endet am 6 Nov 2020.

      So, jetzt gehe ich davon aus, dass mein letzter Arbeitstag tatsächlich der 6 Nov sein wird und ich mich am 9 Nov bei der RAV melden muss

      - würde es Sinn machen ein "Schlichtungsverfahren bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten" am Arbeitsgericht über einen Schweizer Arbeitsrechtler einzuleiten?

      - wenn Ja, was würde das etwa kosten und
      - was würde mir eine juristische Beratung bei einem Arbeitsrechtler kosten? Ich müsste das aus der eigenen Tasche zahlen.

      Danke
      --
      Luka
    • Hallo Luka

      Das ist nicht schön zu hören. In diesem Fall würde ich dir aber unbedingt eine Rechtsberatung ans Herz legen. Hast du die kostenlosen Möglichkeiten unter dem von mir oben angebenen Link bereits geprüft? Diese sind meistens Gold wert.

      Schöne Grüsse und viel Erfolg wünsche ich dir
      Maik
    • Hallo Luka,

      ich wünsche Dir viel Durchhaltevermögen und lass Dich von den Drohungen ja nicht einschüchtern.
      Ich habe leider auch in Vergangenheit öfters diese Masche meines Arbeitgebers durchstehen müssen. Es gibt einige Arbeitgeber in der Schweiz die die grosszügige arbeitgeberfreundliche Gesetzeslage für Ihre Geschäfte nutzen. Bitte nicht verwechseln mit Schweizer Arbeitgeber! Bei mir waren es von deutschen Geführte Unternehmen. Da muss man als deutscher der von Arbeitnehmerschutzgesetzen verwöhnt ist erstmal seine Naivität ablegen.
      Konkret hatte es mein Arbeitgeber auf Familienväter abgesehen die mit Frau, Kindern etc. in die Schweiz umsiedeln. Ich hatte mich von dem überaus grosszügigen Vertragsangebot mit 30% mehr Lohn als Branchenüblich in der Schweiz locken lassen. Nachdem ich mit der Familie hier war wurden mir nach und nach immer wieder im Abstand von 3 Monaten neue Vertragsangebote mit schlechteren Konditionen unterbreitet mit dem Unterton: entweder unterschreiben sonst droht Kündigung…. denken sie doch an Ihre Familie… Ganz mies!
      Ich habe mir eine Stunde anwaltliche Beratung zu dem neuen Arbeitsvertrag gegönnt, weil ich mir bezüglich der rechtlichen Situation in der Schweiz auch nicht im Klaren war. Ich habe einen Anwalt gewählt der schon viele Ex-Kollegen gegen meinen Arbeitgeber vertreten hat. Es war definitiv das Geld wert und sehr schnell war klar das ich mich eigentlich nicht in einer solch schlechten Situation Befand wie es zunächst den Anschein machte. Ja! Anwälte leben in diesem Umfeld auch nicht schlecht.
      Nun befinde ich mich mit meinem neuen Arbeitgeber wieder in Vertragsverhandlungen. Ich bekomme nun so langsam Routine was das Thema anbetrifft :)

      Folgende Lehren habe ich daraus gezogen:
      • Ein neuer Job in der Schweiz stellt für die Familie einen Unsicherheitsfaktor da (besser erstmal ohne Frau und Kinder in die Schweiz bis man einen sicheren Job hat)
      • Finanzieller Background hilft um sich verteidigen zu können und Durststrecken zu bewältigen
      • Idealerweise hat die Frau auch einen Job so das man nicht nur auf das Einkommen des Familienvaters angewiesen ist
      • Durchbeissen heisst die Devise und Durchhaltevermögen ist sehr wichtig!


      Viel Erfolg und berichte bitte wie es weitergeht.
    • Ich bin Dir sehr dankbar für Deinen Beitrag.

      Und wenn man sich nicht mit neuen Verträgen rumschlagen muss, dann damit dass sich ständig strukturelle Dinge ändern
      -Übergabe gibt es nicht mehr, jeder muss jetzt sich selber belesen.
      -Wir fangen jetzt 15 min früher am Wochende an.
      -Nein nach der Mittagspause darfst Du nicht früher los..obwohl es uns 3 Wochen vorher offeriert wurde, damit man die Verschlechterungen bzw Anpassungen ersteinmal absegnet und besser schluckt
      -Die Fahrzeit da und da wird nicht mehr bezahlt.
      ich arbeite für den Kanton in der Spitex

      Und ja...auf meinem Konto liegt ein Batzen Geld als Reserve.

      Gruss Honigbiene
    • Generell sollte man natürlich ohnehin etwas Reserve haben - bei einer Auswanderung ganz besonders. Wer auf den letzten Rappen plant, geht einfach ein hohes Risiko - IMHO unnötig.

      Aber es gibt eben sehr viele, die sehr „aktiv“ leben und nie Reserven bilden. Ich bin da eher der Typ, der auf etwas Sicherheit steht und gerne gut schläft.
    • Das Thema Sicherheit bzw. soziale Absicherung passt hier gut in das Thema befristete Arbeitsverträge und Arbeitgeber die durch Vertragspoker Ihren Angestellten zusetzen. Ich arbeite auch im Gesundheitswesen.

      Es ist nun mal Fakt das der Arbeitgeber das unternehmerische Risiko tragen sollte. Dafür hat er ja auch im Falle eines gut geführten Unternehmen einen „Unternehmerlohn“ der den des Angestellten um ein vielfaches übersteigt. Ist in meinen Augen gerecht und als ehemaliger Kleinunternehmer kann ich das alles gut nachvollziehen und unterschreiben.

      Bei meinem aktuellen Arbeitgeber stehe ich seit 2 Jahren unter Vertrag. Seit einem Jahr habe ich eine Kaderposition inne, jedoch habe ich den Kadervertrag noch nicht unterschrieben weil einige Punkte aus meiner Sicht nicht akzeptabel sind. Nun macht die Personalabteilung Druck ich solle den Vertrag so akzeptieren und unterschreiben.
      Die im Vertrag festgehaltene Entlohnung ist zu 100% variabel. Das ist meines Wissens unzulässig.
      Das in einem Kadervertrag sehr oft eine Überstundenkompensation ausgeschlossen wird ist mir schon klar. Dies wird aber meist durch einen grosszügigeren Urlaubsanspruch über die gesetzlichen 4 Wochen hinaus ausgeglichen. In meinem Fall ist das nicht so.
      Es stehen Klauseln im Vertrag drinnen wo mir als Angestellter das finanzielle Risiko übertragen wird. Sprich wenn Kunden nicht zahlen wird es mir vom Lohn abgezogen. OK, man kann ja dem Kaderangestellten mehr Verantwortung für die unternehmerischen Ziele übertragen. Dann muss er aber auch in diesem Bereich Handlungsspielraum haben. Nun ist es aber so das mein Arbeitgeber in diesem Bereich der Finanzen mir keinen Einblick gibt geschweige denn Gestaltungsmöglichkeiten einräumt.
      Weitere Risiken ergeben sich durch diverse Konkurrenzschutzklauseln im Falle einer Kündigung bzw. Vertragsende. Ich dürfte in diesem Fall 6 Monate in keiner Weise eine Beschäftigung annehmen die in einer Konkurrenzsituation mit meinem jetzigen Arbeitgeber steht. Sollte ich dagegen verstossen muss ich eine hohe Konventionalstrafe zahlen. Dies ist fast gleichbedeutend mit einem Beschäftigungsverbot. Die Kündigungsfrist beträgt 4 Monate. Sollte mir mein Arbeitgeber morgen fristgerecht kündigen und würde mich für die 4 Monate freistellen hätte ich 10 Monate keine Einnahmen.
      Ich frage mich wie ich im Falle einer Kündigung mich und meine Familie über diesen Zeitraum finanzieren soll?
      So einen Vertrag können sie einem Anfang 30-jährigen Glücksritter ohne Familie vorlegen. Ich denke es ist ersichtlich, dass es für einen Familienvater keine Option ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von BonjourSuisse ()

    • jan82 schrieb:

      Generell sollte man natürlich ohnehin etwas Reserve haben - bei einer Auswanderung ganz besonders. Wer auf den letzten Rappen plant, geht einfach ein hohes Risiko - IMHO unnötig.

      Aber es gibt eben sehr viele, die sehr „aktiv“ leben und nie Reserven bilden. Ich bin da eher der Typ, der auf etwas Sicherheit steht und gerne gut schläft.
      Zum Thema Reserven haben bei der Auswanderung:
      Natürlich muss man einiges an Rücklagen vor einer Auswanderung ansammeln. Interessant wäre es für das Forum eventuell mal Zahlen zu erarbeiten. Es kommen ja immer wieder hier im Forum dieselben Fragen bezüglich Lebenshaltungskosten, Wohnungsmarkt in Relation zum Verdienst etc. auf. Als Auswanderer tut man sich da immer schwer sein Gehalt ein zu schätzen beziehungsweise fehlen einem wichtige Kennzahlen bezüglich der Gehälter was so Branchenüblich ist. Ich denke das ist ein grosser Knackpunkt bei der Auswanderung und viele Gastarbeiter werden auf Grund der Unkenntnis von Ihren Arbeitgebern „über den Tisch“ gezogen.

      In meinem Fall liegen meine Rückversicherungen im Familien und Freundeskreis. Ein weiterer Baustein unserer Absicherung ist unsere gute Bildung, Qualifikation und Flexibilität.
      Der Job meiner Frau sichert unsere Fixkosten im Falle das mein Einkommen wegfällt.
      Mithilfe von kleinen Krediten aus dem Freundes- und Familienkreis konnten wir ein Eigenheim erstehen. Unsere Wohnkosten sind dadurch auf ein Minimum gesunken dank der attraktiven Zinssituation. Die Ersparnisse durch den Wegfall der hohen Mietkosten gepaart mit dem Doppeleinkommen reichen locker aus um die Kredite zu bedienen. Das funktioniert momentan natürlich nur auf Grund der günstigen Rahmenbedingungen und darf auf keinen Fall ein langfristiges Modell sein. Immobilienblase, Jobverlust und Veränderungen des Zinses müssen in diesen Zeiten immer Berücksichtigung finden.
    • BonjourSuisse schrieb:

      Die im Vertrag festgehaltene Entlohnung ist zu 100% variabel. Das ist meines Wissens unzulässig.
      100% variable Vergütung ist gesetzlich unzulässig, siehe hier


      BonjourSuisse schrieb:

      Es stehen Klauseln im Vertrag drinnen wo mir als Angestellter das finanzielle Risiko übertragen wird. Sprich wenn Kunden nicht zahlen wird es mir vom Lohn abgezogen.
      Auch das ist meines Wissens nach unzulässig. Du trägst dabei das Zahlungsrisiko, hast aber keine Entscheidungsbefugnis in der Firma (im Sinne von GF-Tätigkeiten).


      BonjourSuisse schrieb:

      100% variabel

      BonjourSuisse schrieb:

      In meinem Fall ist das nicht so.

      BonjourSuisse schrieb:

      mir als Angestellter das finanzielle Risiko übertragen wird.

      BonjourSuisse schrieb:

      in diesem Bereich der Finanzen mir keinen Einblick
      Wenn ich das alles so lese, dann würde ich mich an deiner Stelle nach einer anderen Position umsehen. Früher oder später wirst du mit deinem aktuellen AG Schwierigkeiten haben. Vermutlich hast du jetzt schon einige Probleme, und dein Bauchgefühl sagt dir das auch.


      VG basileus
    • Also wenn ich einen Mitarbeiter freistelle, dann entbindet ihm das von seiner Pflicht seine Arbeitsleistung zu erbringen. Ich müsste natürlich dennoch weiter zahlen.

      Und wenn ein Konkurrenzausschluss zu einem faktischen Arbeitsverbot führt, ist das Ding natürlich eh nicht das Papier wert. Das weiss der Arbeitgeber natürlich auch. Und deshalb versucht er es dann mit einem Aufhebungsvertrag.

      Zum Thema Lebenshaltungskosten gibt es hier eine Menge auf der Seite. Da war @Maik fleissig.
    • jan82 schrieb:

      Also wenn ich einen Mitarbeiter freistelle, dann entbindet ihm das von seiner Pflicht seine Arbeitsleistung zu erbringen. Ich müsste natürlich dennoch weiter zahlen.

      Und wenn ein Konkurrenzausschluss zu einem faktischen Arbeitsverbot führt, ist das Ding natürlich eh nicht das Papier wert. Das weiss der Arbeitgeber natürlich auch. Und deshalb versucht er es dann mit einem Aufhebungsvertrag.
      Was soll mir mein Arbeitgeber im Falle einer Kündigung / Freistellung weiterzahlen wenn der Lohn 100% variabel ist also kein Fixlohn im Vertrag steht?

      Ist mir schon klar das viele Klauseln im Vertrag dem Gesetz widersprechen. Also wieso unterbreitet der Arbeitgeber mir überhaupt so ein Angebot?
      Das mit dem Kokurrenzschutz sowie viele andere Bestandteile hauen hinten und vorne nicht hin.
      Es macht keinen Unterschied ob ich unterschreibe oder nicht!? Auch wenn ich es unterschreiben würde müsste ich mir einen Anwalt nehmen.
      Mein Arbeitgeber ist so drauf, dass sie momentan einfach einen anderen Idioten suchen der den Vertrag unterschreibt und dann bin ich weg. Ich erledige einfach meinen Job so professionell es geht um meinem Arbeitgeber keinen Grund zum Kündigen zu geben und schaue von Monat zu Monat. So einfach läuft das Business.
    • BonjourSuisse schrieb:

      Was soll mir mein Arbeitgeber im Falle einer Kündigung / Freistellung weiterzahlen wenn der Lohn 100% variabel ist also kein Fixlohn im Vertrag steht?
      Also: Wenn die Freistellung einseitig bestimmt wird (der Arbeitgeber dich also gegen Deinen Willen freistellt), kann Dein Arbeitgeber nicht einfach den kompletten variablen Lohn und auch nicht den kompletten Bonus (sofern es einen gibt) zurückhalten. Man muss da natürlich etwas unterscheiden: Ermessungsunabhängige Bestandteile (die sich bspw. nach dem Geschäftsergebnis richten) sind so oder so zu zahlen. Ermessenabhängige Bestandteile werden in der Regel durch Vorperioden ermittelt. Und natürlich kann es da streit geben - aber es ist nicht so, das du auf einmal ohne alles da stehst. Und auch der Konkurrenzausschluss greift in der Regel nicht.

      BonjourSuisse schrieb:

      Ist mir schon klar das viele Klauseln im Vertrag dem Gesetz widersprechen. Also wieso unterbreitet der Arbeitgeber mir überhaupt so ein Angebot?
      Der hält sich für clever und möchte der Arbeitnehmer einschüchtern. Finde ich persönlich auch desolat und ich verachte solches Verhalten. Also: Such dir etwas neues. Das hat aber nichts damit zu tun, dass Deine Situation - und darüber bist Du Dir ja auch im Klaren - nicht so schlimm ist wie sie sich auf dem Dir vorgelegten Pamphlet darstellt.

      BonjourSuisse schrieb:

      Ich erledige einfach meinen Job so professionell es geht um meinem Arbeitgeber keinen Grund zum Kündigen zu geben und schaue von Monat zu Monat. So einfach läuft das Business.
      Und genau das solltest du intensivieren. Vor diesem Hintergrund in der Tatsache, dass du gut ausgebildet scheinst und deine Branche ja gerade nicht gerade Personalüberschuss hat, wäre eine Freistellung doch nicht die schlechteste Sache. Und zwar für beide Seiten. Dann hast Du Zeit zum Suchen...
    • BonjourSuisse schrieb:

      Es gibt einige Arbeitgeber in der Schweiz die die grosszügige arbeitgeberfreundliche Gesetzeslage für Ihre Geschäfte nutzen. Bitte nicht verwechseln mit Schweizer Arbeitgeber! Bei mir waren es von deutschen Geführte Unternehmen. Da muss man als deutscher der von Arbeitnehmerschutzgesetzen verwöhnt ist erstmal seine Naivität ablegen.
      Bisher dachte ich auch, dass nur von Deutschen oder Österreichern geführte Unternehmen, in meiner Branche hauptsächlich Arztpraxen, die arbeitgeberfreundliche Gesetzeslage für sich nutzen.
      Dazu sind auch Schweizer als Arbeitgeber in der Lage!

      Als ich bei der letzen Teamsitzung das Thema Arbeitszeiterfassung ansprach, wozu der Arbeitgeber verpflichtet ist,
      war der Chef überhaupt nicht begeistert. Fast wäre ich nicht zu Wort gekommen, weil der Chef uns 1.5 h lang unsere Pflichten vorgetragen hat. Mir war bekannt, das dies (s)ein leidiges Thema ist, welches schon vor meiner Zeit in der Praxis oft angesprochen und vom Chef abgewendet wurde.
      Ich dachte ich höre nicht recht, als er sagte, wir können eine Stechuhr einführen, dann fallen aber die Kompensationstage weg. Damit meinte er die zusätzlichen Arbeitstage im Jahr, die wir Urlaubsvertretung machen. Überzeiten nicht inbegriffen, da diese ja nicht erfasst werden. Wir kommen locker jeden Tag auf 15min. Überzeit. Mit dieser einfachen Rechnung, wäre das bei mir mit 4 Arbeitstagen in der Woche schon 1h/Woche! Auf ein Jahr gerechnet, 5 Tage! Plus 4 Kompensationstage bei Ferienvertretung, die er mit Stechuhr streichen würde!?
      Wenn es ungerecht wird, nicht nur für mich, kann ich sehr unangenehm werden!!!
      Ich weiss was ich für mich zu tun habe, so habe ich es meinem Chef gegenüber beim letzten Gespräch unter 4 Augen auch kommuniziert. Weg mobben lasse ich mich nicht, das kann ich mir trotz finanziellem Polster nicht leisten. Im nächsten Jahr möchte ich meine C-Bewilligung bekommen.

      Ein Satiriker sagte vor Monaten im Radio, als es um die Abstimmung zur Einwanderung ging und Corona noch nicht das vorherrschende Thema war: "Die Gastarbeiter, welche in die Schweiz kommen sind bereit, für wenig Geld zu arbeiten und hohe Wohnungsmieten zu zahlen!"
      Dazu möchte ich als "Betroffene" noch ergänzen: Von dem Geld was dann noch übrig bleibt, sollst Du Rücklagen schaffen, in die 3. Säule einzahlen, Kredite abbezahlen, Versicherungen bezahlen, Deinen Lebensunterhalt bestreiten und Steuern zahlen!
      Familienväter, Alleinstehende, Junge und Alte Arbeitnehmer stehen hier in der Schweiz enorm unter Druck! Nicht nur Gastarbeiter!
      Ein junger Handwerker, Schreiner 21 Jahre jung, der meine Wohnungseingangstür nachgebessert hat, erzählte mir, dass er schon ausgerechnet hat, ob er sich später einmal Kinder leisten könne, mit seinem Einkommen. Nun überlegt er, ob er nicht noch eine 2. Ausbildung macht.

      Nach nunmehr 4 Jahren habe ich ein ganz anderes Bild von der Schweiz bekommen. Was mir im privaten Umfeld, im Gespräch mit "echten" Schweizern, Eidgenossen meiner Generation und älter schon oft bestätigt wurde.
      Die Schweiz ist nicht mehr das, was sie einmal war, schade.
    • Ich bin nicht sicher, ob sie das überhaupt schon mal war oder nur in der verklärten Vorstellung von uns Deutschen.

      Ich bin inzwischen auch ernüchtert, gerade im arbeitsrechtlichen Bereich. Obwohl ich bei einem der grössten Arbeitgeber im Lande bin, finde ich viele Dinge schon grenzwertig, da ich anderes gewöhnt war.

      Letztendlich ist das aber alles nicht so schlimm, da ich nicht wegen der Arbeit oder eines besseren Verdienstes in die Schweiz gekommen bin, sondern ausschliesslich wegen meiner Frau. Das Ende des Arbeitslebens ist für mich absehbar, dann kann ich die Schweiz geniessen ohne Job.
      :CH:
    • Carpaccio schrieb:

      Ich bin nicht sicher, ob sie das überhaupt schon mal war oder nur in der verklärten Vorstellung von uns Deutschen.

      Ich bin inzwischen auch ernüchtert, gerade im arbeitsrechtlichen Bereich. Obwohl ich bei einem der grössten Arbeitgeber im Lande bin, finde ich viele Dinge schon grenzwertig, da ich anderes gewöhnt war.

      Letztendlich ist das aber alles nicht so schlimm, da ich nicht wegen der Arbeit oder eines besseren Verdienstes in die Schweiz gekommen bin, sondern ausschliesslich wegen meiner Frau. Das Ende des Arbeitslebens ist für mich absehbar, dann kann ich die Schweiz geniessen ohne Job.
      :CH:
      Genauso ist es richtig. In der Schweiz hängen die Früchte genauso hoch wie hier und da. Man bekommt von Niemanden was geschenkt.

      Ich will auch nicht undankbar rüberkommen. Ich bin mir bewusst das meine Familie in einem schönen und sicheren Land lebt und meine Kinder eine gute Schulbildung erhalten. Daher bin ich mir auch nicht zu schade einen Job zu machen den ein Einheimischer nicht machen möchte.
      Ich rate auch jedem Auswanderer nicht nach dem Geld / Kaufkraft und aus finanziellen Überlegungen heraus in die Schweiz zu gehen. Da machen sich viele etwas vor und man ist früher oder später unzufrieden. Es gehören schon weitere Motive dazu die wichtiger im Leben sind als der Job / das Geld.
    • jan82 schrieb:

      BonjourSuisse schrieb:

      Was soll mir mein Arbeitgeber im Falle einer Kündigung / Freistellung weiterzahlen wenn der Lohn 100% variabel ist also kein Fixlohn im Vertrag steht?
      Also: Wenn die Freistellung einseitig bestimmt wird (der Arbeitgeber dich also gegen Deinen Willen freistellt), kann Dein Arbeitgeber nicht einfach den kompletten variablen Lohn und auch nicht den kompletten Bonus (sofern es einen gibt) zurückhalten. Man muss da natürlich etwas unterscheiden: Ermessungsunabhängige Bestandteile (die sich bspw. nach dem Geschäftsergebnis richten) sind so oder so zu zahlen. Ermessenabhängige Bestandteile werden in der Regel durch Vorperioden ermittelt. Und natürlich kann es da streit geben - aber es ist nicht so, das du auf einmal ohne alles da stehst. Und auch der Konkurrenzausschluss greift in der Regel nicht.Und genau das solltest du intensivieren. Vor diesem Hintergrund in der Tatsache, dass du gut ausgebildet scheinst und deine Branche ja gerade nicht gerade Personalüberschuss hat, wäre eine Freistellung doch nicht die schlechteste Sache. Und zwar für beide Seiten. Dann hast Du Zeit zum Suchen...
      Wahrscheinlich wird es dann auf den Poker vor Gericht mit Anwalt usw. hinauslaufen. Darauf habe ich aber keine Lust und bestehe auf einem Fixlohn im Vertrag. Das kann ja nicht so schwierig nachvollziehen zu sein für meinen Arbeitgeber. Dann ist im Falle des Falles ja alles geklärt und man kann ohne Anwalt das Prozedere angehen. Dafür ist in meinen Augen ja auch der Arbeitsvertrag da um Dinge fest zu halten für eine Trennung. Wenn nicht mal das im Vertrag steht, dann ist es auch nicht das Papier wert auf dem es gedruckt ist so wie Du es schon schreibst.