Auswanderung, Grenzgänger in andere Richtung

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    • Auswanderung, Grenzgänger in andere Richtung

      Hallo zusammen,

      erstmals vielen Dank für die vielen Infos, die man in diesem Forum bekommt. Ich habe viele Themen durchgelesen und viele meiner Fragen wurden schon dadurch beantwortet.

      Ich bin Rina und ich werde dieses Jahr in die Schweiz auswandern. Mein Mann hat eine Stelle in Thurgau bekommen, er wird die Stelle im Frühling antreten und nach ein Paar Monaten werde ich dann auch umziehen. Wir haben einige Zeit überlegt, ob wir (bzw. mein Mann) Grenzgänger sein möchten oder doch lieber auswandern und haben uns dann fürs Auswandern entschieden.

      Zu der Auswanderung habe ich viele Informationen durch die Beiträge in diesem Forum bekommen (vielen Dank nochmal). Ich fasse alles zusammen:

      1. Aufenthaltsbewilligung - mein Mann wird die ersten Monate in einer Ferienwohnung wohnen, er meldet seinen Zuzug in dem Einwohneramt in dem Ort, wo die Ferienwohnung ist. Dort stellt er auch einen Antrag für die Ausländerbewilligung.
      2. Bank - Er hat sich für Kantonalbank Thurgau entschieden.
      3. Krankenkasse - obligatorische Krankenversicherung mit evtl. Zusatzversicherungen. Er wird sich bei SWICA versichern lassen.


      Ist das korrekt so? Oder sollte die Reihenfolge anders sein? Sind Kantonalbank und SWICA empfehlenswert?

      Wegen den anderen Versicherungen kläre ich das noch mit unserem Versicherungsmakler, ob wir diese behalten können oder diese gekündigt werden und dann in der Schweiz neue Versicherungen abgeschlossen werden sollen.

      Und jetzt zu dem Teil, wo ich weniger Informationen gefunden habe (ist ja auch eher unüblich :) :(

      ich werde bei meinem jetzigen (deutschen) Arbeitgeber bleiben (Homeoffice), also werde ich Grenzgängerin, aber in eine andere Richtung.

      Was ich bisher gefunden habe: ich bin bis Ende 2022 eine Wegzüglerin, mein Gehalt wird also in Deutschland besteuert. Die Steuer, die ich in der Schweiz zahle, werden angerechnet. Heißt das, dass ich die Steuer in gleicher Höhe zahle, wie bisher, die Steuer wird nur zwischen den beiden Länder sozusagen geteilt?

      Meine Krankenversicherung: ich bleibe in Deutschland wie bisher versichert. Wenn ich zu einem Facharzt muss, kann ich dann nach BW zu einem Arzt gehen. Den Hausarzt hat man aber doch lieber in dem gleichen Wohnort. D.h. hier müsste ich eine Zusatzversicherung in Deutschland abschliessen, die die Behandlungen in der Schweiz übernimmt. Ist es korrekt? Oder kann ich mich einfach in der schweizerischen Krankenversicherung versichern lassen?

      Meine Unfallversicherung: ich arbeite zwar Vollzeit, aber nicht in der Schweiz, muss mich also selbst versichern. Wo kann ich das machen? Ich habe nur gefunden, dass die Leute, die nicht arbeiten, die Unfallversicherung zusammen mit der Krankenversicherung abschliessen.

      Arbeitslosenversicherung: bezahle ich die ALV in Deutschland oder in der Schweiz? Falls in Deutschland, habe ich überhaupt Anspruch auf ALG, wenn ich arbeitslos werde? Oder wird es so sein, dass ich in DE keinen Anspruch darauf habe, da ich in der Schweiz wohne und in der Schweiz nicht, da ich keine ALV bezahlt habe? Gut, man hofft natürlich, dass der Fall nie eintrifft, aber ich würde es trotzdem gerne wissen.

      AU-Bescheinigung: bisher wenn ich mal erkälter war, bin ich zum Arzt gegangen und habe eine AU-Bescheinigung bekommen, die ich dann an den Arbeitgeber verschickt habe. Wird sich was ändern? Reicht es, wenn ich von einem Arzt in der Schweiz eine Bescheinigung bekomme und diese an den AG schicke? Oder muss ich unbedingt zu einem Arzt in Deutschland gehen? (passiert zwar nicht oft, aber ich würde das ebenfalls gerne wissen)

      Jetzt ist es doch sehr lang geworden :)

      Vielen Dank für eure Hilfe.

      LG Rina
    • Hallo Rina,
      Willkommen im Forum! Deine Fragen sind aber vielseitig :-), ich glaube, du könntest ein paar Spezialisten einige Stunden lang beschäftigen.
      Fangen wir mal vorne an: habt ihr vor, euren Wohnsitz in DE komplett aufzugeben? Oder andersrum: habt ihr überhaupt die Möglichkeit (falls es irgendwie steuerlich o. versicherungstechnisch "notwendig" wäre) auch einen Wohnsitz (Meldeadresse) in DE zu behalten?
      Das ist nämlich die wichtigste Frage, alle anderen Punkte hängen von dieser Tatsache ab.
      Gruß: Attila
      :PCH
    • Hallo Attila,

      danke für deine Antwort.

      Attila schrieb:

      ich glaube, du könntest ein paar Spezialisten einige Stunden lang beschäftigen.
      Ich habe leider keine Ahnung, an wen ich mich wenden könnte. Wäre da ein Steuerberater der richtige Ansprechpartner oder eher ein Anwalt?

      Attila schrieb:

      Fangen wir mal vorne an: habt ihr vor, euren Wohnsitz in DE komplett aufzugeben? Oder andersrum: habt ihr überhaupt die Möglichkeit (falls es irgendwie steuerlich o. versicherungstechnisch "notwendig" wäre) auch einen Wohnsitz (Meldeadresse) in DE zu behalten?

      Das ist nämlich die wichtigste Frage, alle anderen Punkte hängen von dieser Tatsache ab.
      Meine Schwiegermutter wohnt in Deutschland, also theoretisch könnte mein Mann (und evtl. auch ich) bei ihr einen zweiten Wohnsitz anmelden. Ich weiß nicht, ob geprüft wird, wie viele Menschen in einer Wohnung angemeldet sind.
    • Hallo Rina

      SWICA und Kantonalbank sind empfehlenswert.

      Bei den Versicherungen bräuchtest du noch sicher Hausrat- und Haftpflicht.

      Für die steuerlichen Fragen würde ich dir raten einen Steuerberater aufzusuchen. Das wird am meisten Licht ins Dunkel bringen.

      Die Unfallversicherung kannst du über eine Krankenversicherung abschliessen.

      Schöne Grüsse
      Maik
    • Hallo zusammen,

      mein Mann ist schon seit fast 2 Monaten in der Schweiz und es gefällt ihm sehr gut dort.
      Er hat auch eine sehr gute Wohnung für uns gefunden, sodass ich in einem Monat auch umziehen kann. Sehr positiv fand er, dass keiner der Vermieter (er hat ein Paar Wohnungen besichtigt) Probleme damit hatte, dass wir einen Hund haben.

      Letzte Woche habe ich auch Antworten auf meine Fragen bekommen (das hat fast 2 Monate gedauert, bis die Oberfinanzdirektion meinem Steuerberater eine Auskunft geben konnte, da der zuständige Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum krank war).

      1. Lohnsteuer
      Da ich vom Home Office arbeiten werde, gelte ich nicht als Grenzgängerin (dafür müsste ich jede Woche zur Arbeit nach Deutschland fahren), somit trifft auch die "Wegzügler"-Regelung auf mich nicht zu. Ich muss also meine Einkünfte in der Schweiz versteuern. Nur die Tage, die ich in Deutschland vor Ort bin, werden in Deutschland besteuert.

      2. Sozialversicherungen
      Da mein Arbeitgeber nur in Deutschland Standorte hat, werden die Sozialversicherungen auch in Deutschland bezahlt. Sollte ich aber arbeitslos werden, werde ich Anspruch auf das Arbeitslosengeld in der Schweiz haben.

      3. Krankenversicherung
      Ich bleibe bei meiner jetzigen (gesetzlichen) Krankenkasse in Deutschland, bekomme von denen das E106-Formular, gebe das bei einer Schweizer Krankenkasse ab und bin dann auch in der Schweiz krankenversichert. Ich bin gespannt, ob ich die 300 CHF Franchise nehmen kann.

      LG Rina
    • Hallo Rina

      Vielen Dank für deine wertvollen Rückmeldungen. Da wird bestimmt der ein oder andere Leser froh drum sein. :thumbsup:

      Schöne Grüsse
      Maik
    • Rina schrieb:

      Hallo Maik,

      vielen Dank für deine Antwort.

      Dann werde ich, wenn ich meinen Mann in der Schweiz besuche, einen Termin bei einem Steuerberater ausmachen. Ich schätze, dass (fast) alle Steuerberater in Konstanz/Singen sich mit dem Thema Grenzgänger auskennen.

      Über die Unfallversicherung frage ich dann bei SWICA nach.

      Viele Grüße
      Rina
      Sofern Du eine private Unfallversicherung hast, kann diese bestehen bleiben. Nur muss die Meldeadresse verändert werden. Danke für deine vielen Rückmeldungen war sehr interessant.
    • Liebe @Rina

      mir geht es fast so wie dir und deine Rückmeldungen haben mir jetzt schon etwas geholfen.

      Ich beginne am 01.02. eine Stelle in Freiburg im Breisgau, lebe dann aber in Basel bei meinem Partner (Deutscher, B-Bewilligung).
      Falls hier noch jemand etwas über Steuern sagen kann, würde ich mich sehr freuen. Ich habe beim zuständigen Amt in Basel nachgefragt und weiß nun immerhin, dass ich dort Kantons- und direkte Bundessteuer von ca. 7,5 % zahlen muss. Und ich bekomme wohl dann in dem Fall, dass ich 2018 nach Basel ziehe zu Beginn 2019 eine Steuererklärung zugeschickt, die ich ausfülle und dann daran wird festgemacht, wie hoch meine zu zahlenden Steuern sind.

      Falls sich jemand also dazu auskennt: bedeutet das, dass ich die Steuern für 2018 in einem Zug nachzahle und hierfür dann bestenfalls selber immer eine Summe x pro Monat zur Seite lege?

      Und da ich in Deutschland arbeite und nach wie vor SV-pflichtig bin, darf ich dann mein deutsches Konto behalten?

      Ich würd mich sehr über Antworten freuen!
    • Hallo @Rina,

      mich würde einmal interessieren, ob es ein sehr hoher Aufwand für Deinen Arbeitsgeber ist, dass Du zu fast 100% HomeOffice in der Schweiz machst. Ich habe irgendwo gelesen, dass Du max. nur 20% HomeOffice in Deinem Wohnsitzland machen darfst, ohne das der deutsche Arbeitgeber in der Schweiz Sozialversicherung zahlen muss oder sogar eine Betriebsstätte anmelden. Würde mich über eine kurze Information von Dir oder
      von jemanden freuen.

      Aufgrund meiner Tätigkeit bin ich bundesweit für meinen Arbeitgeber tätig und habe keinen klassischen festen Dienstsitz. Daher würde es sich anbieten, dass ich administrative Tätigkeiten in Zukunft auch von zu Hause machen könnte.

      Freue mich auf Eure Information.

      Sabine