Zurück nach Deutschland - so genervt von täglicher Ausgrenzung

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    • AnjaB schrieb:

      Letztes Jahr habe ich gelesen, dass der Kanton Aargau überlegt, Langzeitarbeitslose über 50jährige nach Deutschland zum Arbeiten zu schicken, die dann allerdings noch eine Ausgleichszahlung bekommen, weil der Lohn in Deutschland ja nicht reicht zum Leben in der Schweiz. Das kann doch nicht sein, oder??? Mein erster Gedanke dazu war, dann sollte man vielleicht einmal über die vielen Grenzgänger nachdenken.
      Liebe Anja

      Während ich einen Grossteil Deiner Aussagen teile, respektiere ich bei Deiner von mir zitierten Aussage zwar Deine Meinung, rate hier jedoch ein wenig zur Vorsicht.
      • Der Ausländer mit Kurzaufenthalt versteht nicht, dass die Grenzgänger toleriert wird
      • Der Ausländer mit B-Bewilligung versteht nicht, wieso seine Gemeinde mit den Sozialkosten für den Erntehelfer im Kurzaufenthalt aufkommen muss
      • Der Niedergelassene möchte am liebsten jeden Aufenthalter ausschaffen, der Sozialleistungen bezieht
      • Und der normale Schweizer: Der hätte am liebsten gar keine Ausländer
      • Der reiche Schweizer hätte am liebsten keine normalen Schweizer, weil sie zu wenig Steuern zahlen
      Und so weiter... Ich denke es ist immer extrem wichtig, dass man einander gegenüber tolerant ist. Dass man andere Lebenspläne akkzeptiert, auch wenn diese nicht den eigenen entsprechen. Und ähnlich verhält es sich mit dem Übertragen der eigenen Werte auf andere. Sobald man selber von einem Problem betroffen ist, neigt man dazu, dass man Mitschuldige sucht. Das ist menschlich total nachvollziehbar, aber nicht immer zielführend.

      Arbeitsmigration ist etwas normales und das gibt es nicht erst seit gestern. Hätte es diese in der Schweiz nie gegeben, würden wir heute wahrscheinlich noch nach Italien über die Pässe fahren müssen. Es war damals auch ganz normal, dass diese (oftmals italienischen) Migranten in der Schweiz gearbeitet haben und davon in der Heimat ein Haus gebaut haben. Davon hat die Schweiz profitiert (und ich zähle mich dazu). Und im Tourismus und in der Landwirtschaft wissen wir noch heute wie das läuft: Saison arbeiten und ab nach Hause. Die Sozialbeiträge werden gezahlt, aber in Anspruch genommen wird insbesondere die ALV und IV seltener. Das System profitiert daher meiner Meinung nach eher von solchen Arbeitnehmern.

      Und klar: Die vielen Grenzgänger werden ja auch oft am Stammtisch oder in den Foren der einschlägigen Medien attackiert und im Kern ist daran natürlich immer was wahres dran, denn sonst funktionieren solche eher populistischen Aussagen nicht. Allerdings wäre ich gespannt was passieren würde, wenn bspw. Basel innert 5 Jahren nicht einen Teil seiner Arbeitskräfte importieren dürfte. Du darfst nicht vergessen, dass insbesondere Grenzregionen unter der Grenzlast (bspw. Einkaufstourismus) leiden. Grenzgänger werden entgegen aller Aussagen in einigen Branchen weniger verdienen - das sehe ich leider so wie die SVP-Vertreter. Andererseits arbeiten diese Grenzgänger aber häufig in Grenznähe und tragen (evtl. - ich kann es nicht belegen) dazu bei, dass das Preisgefälle an der Grenze etwas sanfter Verläuft. Und das betrifft beide Seiten der Grenze. Wenn Du heute am Wochenende in Basel bist, ist das ganz anders als vor 10 Jahren. Die Stadt fühlt sich für mich leer an. Das ist ein typischer Effekt von zu grossem Preisgefälle. Die Schweizer findest Du dann in Lörrach beim Einkaufen oder in Café. Schliesslich ist der Kaffee in Basel viel zu teuer - obwohl die Grenzgänger in der Gastronomie schon wenig verdienen und ich davon nicht leben möchte.

      Ich bin in meiner CH-Zeit zweimal zum Einkaufen über die Grenze gefahren: Einmal habe ich einen Kinderwagen gekauft, den ich in der Schweiz nicht bekommen konnte (und das Kind war etwas zu früh da und ich zeitlich unter Druck ;)). Ein anderes Mal habe ich "grössere Mengen" alkoholhaltiger Getränke gekauft, verzollt und eingeführt. Vielleicht würde ich es häufiger machen, wenn ich in Grenznähe wohnen würde: Keine Ahnung. Wenn ich mir aber die Schlangen an der Grenze anschaue, wenn ich diese Zwecks Besuch oder Arbeit überquere, so bin ich der Meinung, dass ein Grossteil der Bevölkerung grosser Fan vom freien Warenverkehr ist. Und wer den haben möchte, sollte auch so ehrlich sein und den Personenverkehr nicht einschränken wollen. Mir ist aber bewusst, dass das viele anders sehen.

      Was in der Schweiz nicht so gut gelöst ist sind die steigenden Beiträge für die Pensionskasse im Alter. Als Kleinunternehmer musste ich da auch schon häufiger tief schlucken. Ältere Arbeitnehmer werden dadurch neben dem höheren Löhnen auch noch bei den Sozialkosten teurer. Und neben dem höheren Krankheitsrisiko (bei mir ist das leider so) und höheren Urlaubsansrüchen (die betreffen mich nicht) macht das dann den älteren Arbeitnehmer schnell weniger attraktiv. Dieses "weniger Attraktiv" kann man natürlich sofort auf die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt schieben. Aber ich persönlich finde, dass man zunächst einmal die Systemprobleme lösen sollte. Und das wären insbesondere die BVG-Ansätze.

      Und wenn man gerne arbeiten möchte und auf dem Arbeitsmarkt Mühe hat, dann ist das Ausland immer eine Option. Egal woher man kommt und wohin man geht. Gezwungen wird niemand. Würde ich im Alter einen Job suchen und dort (wo auch immer ich dann gerade lebe) keinen Erfolg sehen, würde ich wahrscheinlich zügeln. Das sollte aber ja jedem selber überlassen sein. So schlecht ist Deutschland dann eben auch nicht.

      Gruss,
      Jan
    • Hallo,

      das finde ich auch wirklich krass!
      Ich glaube, da kommt es auch immer drauf an wo genau man wohnt.
      In den Dörfern sind die Leute schlimmer, die Erfahrung habe ich auch gemacht.
      Also... dass sie nur die eigenen Leute akzeptieren aber in den größeren Städten sehe ich da kein Problem.
      Die sind die "Ausländer" wohl schon gewöhnt ;)
      Vielleicht könntest du in Betracht ziehen IN der Schweiz umzuziehen?
      LG
      :CH:
    • Hallo :)
      Also ich muss sagen, ich bin sehr erstaunt von deinen Erfahrungen.
      Ich lebe seit 8 Jahren in der Schweiz und hatte noch nie Probleme. Die Menschen fanden es sogar sehr interessiert, dass ich Auswanderin bin und jetzt in der Schweiz lebe.

      LG
      Und Herze, willst du ganz genesen,
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      Was wir in Welt und Menschen lesen,
      ist nur der eigne Widerschein.
      Theodor Fontane (1819 - 1898), dt. Schriftsteller, Journalist, Erzähler und Theaterkritiker