Angepinnt Wo gibts mehr netto? Grenzgänger oder wohnhaft in schweiz?

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    • Also hier im Thread gibt es IMHO einige Aussagen welcher einer Korrektur bedürfen.


      Pipino schrieb:

      Ja gut bzgl doppelt besteuert. Beim grenzgang würde vom bruttolohn ca 5 prozent an den schweizer staat gehen.
      Hier wird das Doppelbesteuerungsabkommen vom Namen her missverstanden. Denn das Abkommen (DBA) verhindert diese hier angenommene Doppelbesteuerung. Sprich die abgeführten 4,5 % Quellensteuer für Grenzgänger werden 1:1 von der deutschen Einkommenssteuerschuld abgezogen. Man ist in dieser Hinsicht steuerlich also nicht schlechter gestellt.


      SpeedyIX schrieb:

      Mein Arbeitgeber zahlt bspw. einen höheren Anteil an der Pensionskasse, sodass mir weniger abgezogen wird.
      Das wird teuer! Seit 2016 (?) sind diese so genannten überobligatorischen Beiträge zur Pensionskasse wie zusätzliches Einkommen zu werten, müssen also voll von dir als Arbeitnehmer versteuert werden. Und das kann bei grosszügigen Arbeitgebern dann schnell richtig teuer werden. Zudem kannst du deine eigenen überobligatorischen Beiträge nirgendwo geltend machen oder abziehen, obwohl du teilweise gar nicht steuern kannst, ob du diese zahlen willst.
      Grenzgänger sind in dieser Hinsicht ihren Kollegen mit Wohnsitz in der Schweiz deutlich schlechter gestellt - sie zahlen dafür, dass der Arbeitgeber zusätzlich was zur Altersvorsorge tut. Gut, dafür sind die Erträge im Rentenalter dann anders bzw. geringer besteuert, aber eigentlich versucht man im Regelfall genau das Gegenteil zu erreichen - sprich dass man Einkommen (aus Renten bzw. Erträgen) erst im Alter versteuert, weil man dort in der Regel einen niedrigeren Steuersatz hat.


      SunKing schrieb:

      Zum Grenzgängerdasein, hier ist es möglich sich von der KVG entbinden zu lassen. Man versichert sich lediglich VVG (privat) und spart sich locker 100 Franken pro Monat! Noch eine Zahnzusatz in DE abschließen und man fährt bzgl Krankenversicherung am besten!
      Gott sei Dank kann man sich mittlerweile (nach meinen Informationen) nicht mehr nach VVG in der Schweiz neuversichern, dieser grosse Schmuh ist endlich vorbei.
      Warum die Versicherung nach VVG problematisch war? Es gibt mehrere Gründe:
      - Man verbaut sich prinzipiell erstmal das Rückkehrrecht in die deutsche gesetzliche Krankenversicherung. Das kann im Alter (ab 55 Jahren) richtig übel sein.
      - Man verbaut sich die Möglichkeit, in andere Modelle (z.B. KVG) zu wechseln
      - In VVG-Tarifen können höhere Provisionen gezahlt werden, daher wurden diese bevorzugt von Maklern und Vermittlern empfohlen
      - Man kommt mittlerweile aus den Tarifen nicht mehr raus. Sprich das Risiko wächst, weile keine gesunden, jungen Menschen mehr der Versicherung beitreten, wodurch die Prämien überproportional steigen. Auch die Tarife der deutschen Zusatzversicherungen galoppieren davon.
      - Du zahlst auch bei Behandlungen in Deutschland Franchise und Selbstbehalt, was bei einer Versicherung gemäss KVG mit aushelfendem Träger in Deutschland nicht der Fall ist
      - Mittlerweile, unter Berücksichtigung der Franchise, ist eine Grenzgängerversicherung nach KVG günstiger als nach VVG. Ich seh's an den Prämien bei meiner Frau (Helsana, KVG) und bei mir (Sympany, VVG).

      Wer einmal von dem s.g. Optionsrecht Gebrauch gemacht hat, hat richtig grosse Probleme da wieder rauszukommen, da dies nicht vorgesehen ist. Im Zweifelsfall muss ich wohl mal irgendwann ein Jahr pro Forma in Schweiz ziehen, damit ich aus dieser Falle herauskomme.
    • Ich habe bei einer Hilfestelle für Grenzgänger angefragt was mir netto bei 6000.- CHF brutto in Deutschland bleiben würden. Die haben mir eine Einkommenssteuer von fast 1000.- € mtl. errechnet. Was ich nicht verstehe ein Bekannter hat die Steuerklasse 4 und hat weniger Einkommenssteuer bezahlt als was mir errechnet wurde und ich habe die St. Klasse 3. Kann jemand konkrete Zahlen nennen? Ich hätte ca. 50km zur Arbeit (Einweg)
    • Hoi,

      besser ist: selber rechnen. Dazu gibt es den Schweizer Lohncomputer und den deutschen Brutto-Netto-Rechner.


      Eins vorab: auf 1000€ Einkommenssteuer kommt man nicht mal, wenn man 72'000€ Jahresgehalt in den deutschen Brutto-Netto-Rechner eingibt. Da hat man 982,73 €

      Daten: 6'000€ pro Monat bzw 72'000€ pro Jahr, keine geldwerten Vorteile, Steuerklasse 3, 35 Jahre, BaWü



      1. Du rechnest CHF 72'000 um in Euro. Rechnen wir grob mit 1.05 CHF = 1€. (korrekt wäre der Jahresmittelkurs, den wir aber noch nicht wissen. CHF/EUR für 2019 lag bei 1.11247283, nachzulesen bei der ESTV). Ergibt 68'571€. In Brutto-Netto-Rechner eingeben --> Lohnsteuer von 896,91€ pro Monat = 10.762,92€ pro Jahr
      2. Da du als Grenzgänger in der Schweiz aber schon ermässigte Quellensteuer bezahlst (4.5%), kannst du diese gegenrechnen gegen deine deutsche Steuerschuld. 4.5% von CHF 6'000 sind CHF 270 pro Monat, d.h. CHF 3'240 pro Jahr. Umgerechnet auf Euro sind das 3'086€. Diese ziehst du ab von den 10.763€ --> bleiben 7'677€ pro Jahr (=639.75€ pro Monat)
      3. Die Kosten für deine Krankenkasse (vermutlich wirst du eine Schweizer KK wählen) kannst du, meines Wissens nach, auch teilweise abziehen.
      4. Wie es mit den Kosten für AHV/ALV/EO/BU/NBU/KTG und Pensionskasse aussieht, weiss ich leider nicht genau. Du kannst aber (als ganz ganz groben Richtwert) einfach deine Schweizer Sachen in den Lohncomputer eingeben. Also CHF 6'000 pro Monat, keine Kinder, Grenzgänger, 35J. Dort bekommst du CHF 4'922.90 netto raus. Wenn du diese wiederum umrechnest in Euro, kommst du auf 4'688.48€. Dies wiederum eintippen in den Brutto-Netto-Rechner, kommt dort 604,33€ pro Monat raus.
      Steuerklasse 3 und 4 haben erstmal wenig zu sagen. Du bezahlst dann einfach weniger Lohnsteuer vorab, aber mit der Jahressteuererklärung gleicht sich das wieder aus.
      Zudem vergleichst du echte Zahlen (von deinem Bekannten) mit Fabelzahlen von jemandem, der anscheinend keine Ahnung von der Materie hat.
      Du wirst vermutlich irgendwas zwischen 600 und 700€ Lohnsteuer pro Monat bezahlen (mit den von mir angenommenen Daten: nicht verheiratet, 35J, keine Kinder)

      Wie immer der Disclaimer: ich bin kein Steuerberater und nichts von dem oben geschriebenen ist rechtsverbindlich. Dafür bitte einen Steuerberater aufsuchen, am besten jemanden mit der Zusatzqualifikation "Fachberater für internationales Steuerrecht".


      VG basileus
    • Wird in der Schweiz eigentlich auch die monatlich bezahlte Lohnsteuer in der Jahresteuererklärung ausgeglichen?
      Ich bekomme bei meinem zukünftigen Arbeitsgeber aufgrund des Bonussystems stark unterschiedliche Monatsgehälter.
      In Deutschland gibt es ja den Jahres-Durchschnitts-Steuersatz, mein Steuerberater meinte in der Schweiz wird jeder Monat einzelnd betrachtet.
      Weiß da jemand Bescheid?
      Werde als Wochenaufenthalter tätig werden, falls ich in die Schweiz denn einreisen kann...
    • Hoi Simon,

      für den Wochenaufenthalt gibt es einige Voraussetzungen zu erfüllen: mind. 110km einfacher Arbeitsweg, Bestätigung mittels GRE-3 Formular durch den Arbeitgeber, Nachweis für Übernachtungen (um nur einige zu nennen).

      Zuerst musst du also wissen, wo du überhaupt Steuern bezahlen musst. Also ob in der Schweiz oder in Deutschland. Als internationaler Wochenaufenthalter wirst du vermutlich erstmal eine G-Bewilligung (Grenzgänger) erhalten.
      D.h. dein Arbeitgeber wird 4,5% ermässigte Quellensteuer einbehalten von deinem Lohn. Er nimmt also an, dass du deine Steuern in Deutschland bezahlst.

      Für den Fall, dass du doch in der Schweiz besteuert wirst: hier musst du über CHF 120'000 Jahresgehalt verdienen, damit du eine reguläre Steuererklärung machen kannst.
      Verdienst du diese nicht, bleibt die (reguläre) Quellensteuer bei deinem Wohnsitzkanton. Unterschiedliche Monatsgehälter sind dann dein Pech, wobei es aufs Jahr gesehen keinen riesigen Unterschied machen wird.

      Also:
      1. du musst die Voraussetzungen (siehe erster Satz) erfüllen, damit du überhaupt in der Schweiz besteuert wirst
      2. du musst mehr als 120k Jahresgehalt verdienen
      Erst dann darfst du überhaupt eine Steuererklärung hier abgeben. Mit der Schweizer Jahressteuererklärung wird dann geschaut, wie hoch dein persönlicher Steuersatz ist. Der ergibt sich aus Bundessteuern (in allen Kantonen gleich), Kantons- und Gemeindesteuern. Je nach Kanton und Wohnort kann es dann passieren, dass du noch Geld nachzahlen musst (falls deine Gemeinde einen höheren Steuerfuss hat als der durchschnittliche Steuerfuss im Kanton). Speziell im Fall von Zürich (Stadt) ist es besser, wenn man Quellensteuer bezahlt.

      Die Quellensteuer, welche dein Arbeitgeber bereits einbehalten hat, wird dann mit deiner tatsächlichen Steuerschuld verrechnet. Da du als Wochenaufenthalter tätig sein wirst, musst du auf jeden Fall Steuern nachzahlen. Das kommt daher, dass dein AG nur die ermässigte Quellensteuer einbehält, nicht aber die volle Quellensteuer.

      Es kommt somit immer auf den Einzelfall an. Du kannst besser fahren mit Quellensteuer (z.B. Gemeinde mit hohem Steuerfuss), du kannst aber auch günstiger kommen mit regulärer Steuererklärung (Gemeinde mit niedrigem Steuerfuss). Die Quellensteuer ist der Durchschnitt aller Gemeinden im Kanton (stark vereinfacht gesprochen).


      VG basileus
    • Hi Basileus,

      vielen lieben Dank für Deine schnelle Antwort.
      Beide Voraussetzungen sind bei mir gegeben und der AG sitzt tatsächlich in Zürich.
      Da es Unterschiede im Monatslohn von +100% gibt (liegt an dem Prämiensystem), hätte ich in den starken Monaten einen sehr hohen Steuersatz und in den übrigen einen eher niedrigen.
      Daher kann es sich dann schon lohnen wenn ein Durchschnittssteuersatz in der Steuererklärung genommen werden kann. So war es zumindest in Deutschland, aber hier gibt es ja auch eine andere Steuerprogression.
      Müsste wegen Fahrtkosten ect. bei Wochenaufenthalter sich eine Steuererklärung doch eigentlich immer lohnen, oder?

      LG, Simon
    • Hi Simon,

      müsste ist ein Wort, welches bei Steuern oder Recht nicht immer zutreffend ist ;)

      So, lassen wir uns das kurz überschlagen...
      Folgende Annahmen:
      • CHF 8'000 Monatslohn
      • in 3 von 12 Monate verdienst du CHF 16'000
      • macht CHF 120'000 Jahresgehalt
      • ich habe angenommen: ledig, keine Kinder, nicht in der Kirche
      Die Quellensteuertarife für den Kanton Zürich findest du hier
      Quellensteuer für CHF 8'000.- beträgt 732.-, QS für CHF 16'000 beträgt 2'682.-
      D.h. du bezahlst mit Quellensteuer und den unterschiedlichen Gehältern ingesamt CHF 14'904.- = 9x732.- + 3x2682.-

      Wenn du stattdessen CHF 10'000.- pro Monat verdienen würdest (also gleiches Gehalt jeden Monat), dann bezahlst du CHF 1'152.- QS
      Das macht CHF 13'824.- = 12x1152.-

      Du bezahlst also mit unterschiedlich hohen Gehältern CHF 1'080.- mehr im Jahr. Also so schnell wie möglich eine Steuererklärung machen! :thumbup:

      ABER: erstmal rechnen, ob du damit wirklich besser kommst...
      Nehmen wir an du wohnst dann in Zürich. Wichtig für die Steuer ist die Gemeinde, in der du wohnst. Wo dein Arbeitgeber seinen Hauptsitz hat, spielt dafür keine Rolle.

      Den Steuerrechner für den Kanton Zürich findest du hier

      Etwas aufpassen muss man, da man dort das JahresNETTOeinkommen eintragen muss. Ich habe pauschal CHF 9'000.- netto angenommen (für 10k brutto). Das ist vermutlich ein bisschen weniger, aber ich kenne die Sätze deines AGs für BU/NBU/KTG nicht.


      Macht ein Jahresnettoeinkommen von CHF 108'000.-
      Wenn man als Gemeinde Zürich auswählt, kommt man damit auf eine Steuerschuld von CHF 15'441.60

      D.h. du zahlst CHF 537.60 nach, anstatt 1'000 zurück zu bekommen. Das ist übrigens mit der Annahme, dass du gleiche Bruttogehälter hattest (also jeden Monat 10k)
      Wenn wir mit der QS für 10k brutto vergleichen, dann zahlst du sogar CHF 1'617.60 nach :thumbdown:

      Natürlich fehlen noch Fahrtkosten etc, und es ist auch nur eine Überschlagsrechnung. In Basel-Stadt ist die Software der Steuerverwaltung relativ einfach zu bedienen. Dort kann man auch Fahrtkosten eingeben und sieht, ob sich das lohnt oder nicht. Für Zürich kenne ich mich da nicht aus.


      Um es zusammenzufassen: du kommst nicht automatisch besser weg, wenn du eine Steuererklärung machst.


      VG basileus

      PS: nochmal als Erinnerung -> ich bin keine Treuhänder/Steuerberater o.ä. Nichts von meinen Aussagen oben ist rechtsverbindlich!
      PPS: ich würde in deiner Konstellation immer einen Steuerberater aufsuchen. Je nach deutschem Finanzamt kann sich das mit GRE3, Wochenaufenthalt etc relativ kompliziert gestalten. Ich spreche da aus eigener Erfahrung...
    • Generell ist ein Steuerruling in der Schweiz sehr zu empfehlen, wenn ihr wisst, dass ihr euch in einem Grenzbereich befindet. Sonst kommt ihr in jahrelange Rekurse und das ist nicht lustig. Hätte sich bei mir wahrscheinlich recht einfach vermeiden lassen. Auswanderer wie wir haben einfach oftmals Steuerfaktoren, die nicht so einfach schwarz oder weiss sind.

      Ich bin bspw. aktuell nur bis 2012 definitiv rechtskräftig veranlagt. Ab dem 1.6. werde ich dann bis einschliesslich 2018 definitiv veranlagt sein, sofern die ESTV kein Veto einlegt. Sonst geht es wieder auf Feld 0.

      Und für die kommenden Jahre wird es bei mir noch komplizierter. Ich bin einfach mal heilfroh, wenn nun ein paar Jahre abgeschlossen werden. Es lohnt sich das also etwas Zeit zu investieren - auch finanziell.

      Wenn mehrere Länder (bei mir 3) beteiligt sind, zieht sich so ein Steuerruling leider etwas. Deshalb: früh starten.
    • Ivik2510 schrieb:

      Ich habe bei einer Hilfestelle für Grenzgänger angefragt was mir netto bei 6000.- CHF brutto in Deutschland bleiben würden. Die haben mir eine Einkommenssteuer von fast 1000.- € mtl. errechnet. Was ich nicht verstehe ein Bekannter hat die Steuerklasse 4 und hat weniger Einkommenssteuer bezahlt als was mir errechnet wurde und ich habe die St. Klasse 3. Kann jemand konkrete Zahlen nennen? Ich hätte ca. 50km zur Arbeit (Einweg)
      1000 € sind eher das minimum, ich würde von mehr ausgehen (ohne Berücksichtigung der Steuerklassen, da nicht relevant, nach Einzeltarif).
      Und die 1000 € können mehr werden wenn dein Arbeitgeber grosszügig in die Pensionskasse einzahlt oder beispielsweise die Prämien für das Krankentaggeld für dich bezahlt.

      Konkrete Zahlen kann niemand nennen, weil so viele Faktoren eine Rolle spielen (und die sind bei jedem anders) und auch der Wechselkurs einen Einfluss hat. Je stärker der Franken, desto mehr Steuern musst du abdrücken.