Vergleich sämtlicher Kosten (Lohn, Versicherungen, Rentenleistungen etc) als Grenzgänger, Aufenthalter, völlig in D Bleibender

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    • Vergleich sämtlicher Kosten (Lohn, Versicherungen, Rentenleistungen etc) als Grenzgänger, Aufenthalter, völlig in D Bleibender

      Guten Morgen,

      wir sind aktuell ein Grenzgängerpaar mit einem Kind, ein oder zwei weitere kommen noch dazu. Bzgl. der weiteren Lebensgestaltung möchten wir uns mal ein Bild machen, was die Kosten bei folgenden drei Modellen betrifft:

      1) Weiterhin Grenzgänger, wohnhaft in Südbaden
      2) Umzug in die Schweiz mit dortigem Arbeitsverhältnis
      3) Wohnen und arbeiten (irgendwo) in Deutschland

      Konkret geht es uns um Lohn, Steuern, Versicherungen, Rentenbeiträge und zu erwartende Rentenleistungen, Gebühren Ärzte, für Kita und Bildung etc.pp.

      Damit wollen wir die Frage beantworten, wo wir künftig arbeiten und leben möchten und ob wir bereit sind, bestimmte Dinge aufzugeben für einen anderen Gegenwert (z.B. leben und arbeiten in Hamburg: Attraktivere Jobs, schönere Stadt aber weniger Lohn und ggf. schlechtere Leistungen, dafür mit privater Rentenvorsorge zu Betrag X ähnliche Leistungen wie in der CH; dies nur als fiktives Beispiel).

      Gibt es Webseiten bzw. Rechner, wo man dies anschaulich vergleichen kann? Habt ihr Tipps dazu?

      Danke vielmals und Grüsse
      Tom
    • Guten Morgen.
      Ich hänge mich auch dran.
      Ich habe vor in der Schweiz zu arbeiten (Oerlikon). Habe jedoch 2 Kinder - schulpflichtig.
      Da das Schulsystem in der Schweiz mir etwas kompliziert vorkommt - habe ich mich entschieden die Kinder in Waldshut-Tiengen einschulen zu lassen.

      Was ist vorteilhafter: wohnen in der Schweiz (Koblenz, Grenznähe) oder wohnen in Deutschland?

      Für mich würde die Pendlerei kein Problem sein - jedoch die finanziellen Vorteile und die Schulumgebung sind mir wichtig.

      Danke in vorraus.
    • Hallo Tom82 und Alldente,

      hab diesen Thread bisher leider übersehen...

      Zum Thema Schulsystem und Kinder kann ich leider nicht viel beitragen, da ich selber noch keine Kinder habe.

      Zu den Kosten kann ich allerdings etwas sagen: für mich als Alleinstehenden ist es besser in der Schweiz zu leben, da die Quellensteuer hier (gilt für alle Kantone, auch wenn sich die Steuern stark unterscheiden) deutlich niedriger ist als mein Grenzsteuersatz in Deutschland.

      Die Wohnungen in auf deutscher Seite in Grenznähe sind auch relativ teuer (Lörrach, Weil am Rhein), d.h. so viel spart man was Miete angeht leider nicht. Hinzu kommt dass man trotzdem pendeln muss. Wenn man etwas weiter ins Inland geht (Region Dreiländereck) kann das schon wieder anders aussehen. Dort gibt es auch günstigere Wohnungen bzw ganze Häuser. Dafür wohnt man halt in der Pampa und braucht auf jeden Fall zwei Autos.

      Grenzgänger in Deutschland kann sich lohnen wenn ihr beide sehr unterschiedlich verdient (Stichwort Lohnsteuerklasse III/V). Vorteil in Deutschland ist dass die Kinder mit krankenversichert sind in der gesetzlichen Krankenkasse. In der Schweiz muss man für jeden separat zahlen. Das ist in der PKV in Deutschland aber auch, soweit ich weiss.

      In der deutschen PKV sollte man sich allerdings einen guten Tarif suchen. "Geiz ist geil" ist der falsche Ansatz, da man dann im Alter extreme Steigerungen der Prämien hat. In der Schweiz ist das Alter sowie der Gesundheitsstatus bei der Versicherungsprämie egal.

      Dienstleistungen in Deutschland sind günstiger, einfach weil das Lohnniveau nicht ganz so hoch ist wie in der Schweiz. Trotzdem gibt es in Grenznähe auch viele Zahnärzte die Dollarzeichen in den Augen haben und ordentlich abkassieren.

      Die Rentenleistungen in der Schweiz sind deutlich höher als in Deutschland. Jeder zahlt für sich selbst ein, und man kann im Rentenalter auch entscheiden sich einen grösseren Anteil ausbezahlen zu lassen, z.B. um sich ein Haus zu kaufen. Die gesetzliche Rente in Deutschland wurde in den letzten Jahren leider sturmreif geschossen, und das wird in den kommenden Jahren nicht besser. Man verringert den Arbeitgeberanteil immer weiter, und selbst mit einem normalen Einkommen sieht es im Rentenalter dünn aus. Man darf nicht vergessen dass die Renteninfo meist 1% Steigerung pro Jahr einrechnet (was in den vergangenen Jahren nicht der Fall war), dass man bis 67 arbeiten muss (jedes Jahr früher von 60-67 gibt massive Abzüge), dass man die Inflation gegenrechnen müsste (also was sind die 1.500€ im Rentenbescheid in 30J noch wert) und dass man die Rente auch noch versteuern muss plus Krankenkassenbeiträge zahlen. Fazit: rententechnisch wärt ihr in der Schweiz deutlich besser gestellt.

      Versicherungen sind etwas teurer in der Schweiz. Lebenshaltungskosten generell sind hier teurer.

      Nettolöhne könnt ihr hier berechnen:
      Lohncomputer Schweiz --> klick
      Brutto Netto Rechner Deutschland --> klick

      Preise für Wohnungen kann man im Internet vergleichen:
      Deutschland immoscout oder immowelt
      Schweiz comparis.ch

      Die Wohnungspreise kommen natürlich darauf an wo man in der Schweiz hinzieht. Zürich, Genf und Schwyz sind natürlich teurer als wenn man nach Solothurn oder in den Aargau zieht.

      Empfehlen kann ich auch noch den Price and Earnings Report von UBS. Dort sind viele Fragen zu Wohnqualität, Lebenshaltungskosten etc verglichen für viele Städte weltweit.
      UBS P/E Report --> unten auf der Seite "Download Edition for 2015"


      VG basileus
    • Danke Basileus.
      Ich habe noch eine Frage.
      Falls ich 3 Tage die Woche in Zürich arbeite und verheiratet bin - mein Mann/Lebensgefährte aber in Deutschland wohnt - wie wird die Veranlagung bei der Steuer aussehen? Wenn man eine gemeinsame Steuererklärung macht, was in Normalfall auch passiert.
      Danke für die Info schon in vorraus.
    • Hallo Alldente,

      wirst du dann weiterhin einen Wohnsitz in Deutschland haben?

      Falls ja, bist du sogenannter internationaler Wochenaufenthalter. D.h. du verbringst die Woche über in der Schweiz und das WE zu Hause in Deutschland. Wenn du drei Tage pro Woche in Zürich übernachtest (wichtig!) dann fällst du unter die 60-Tage Regel des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und der Schweiz. Das besagt: wenn man nachweislich 60 oder mehr Tage in der Schweiz verbracht hat zahlt man die Steuern im Tätigkeitsstaat, also in deinem Fall in der Schweiz.

      Durch den weiteren Wohnsitz in Deutschland wird das Schweizer Gehalt allerdings passiv gezählt und erhöht deinen Grenzsteuersatz in Deutschland. Falls du dort keine weiteren Einnahmen hast, sollte das für dich relativ egal sein. Die volle Quellensteuer wird dir ja in der Schweiz abgezogen. Blöd wird es wenn du Mieteinnahmen oder ähnliches hast, da du diese dann mit 42% Lohnsteuer versteuern musst.

      Wie das mit einer gemeinsamen Steuererklärung mit deinem Partner läuft weiss ich leider nicht. Ich vermute das Einkommen von dir wird dann zumindest passiv mitgezählt (also du zahlst darauf keine Steuern in Deutschland) und dadurch erhöht sich auch für deinen Partner der Grenzsteuersatz.

      Ich bin aber kein Finanzexperte! Wie das genau mit IV/IV und III/V funktioniert kann ich dir nur erklären am deutschen Beispiel. Du könntest theoretisch in die höherbesteuerte Klasse gehen, da du ja kein Einkommen in Deutschland hast auf dass du Steuern zahlst.

      VG basileus
    • also - bei dem internationaler Wochenaufenthalter wird das Schweizer Einkommen mit max. 20% in der Schweiz besteuert. Und der evtl. Verdienst in Detschland (inklusive Vermietung und Verpachtung) mit variablen Prozentsatz bis 42%. Das würde definitiv heißen, das die gemeinsame Veranlagung in Deutschland sowieso mit 42% besteuert wird - wäre in dem Fall der Ehemann mit der günstigere Steuerklasse besser dran.

      Diese unterschiedliche Besteuerung hört aber auf - wenn man wohnhaft in der Schweiz ist, egal wo man arbeitet (Schweiz oder Deutschland). Dann sind die Schweizer Steuermaßtäbe allgemein gültig mit bis 20% Steuerabzügen.


      Ist das richtig?
    • Ich kann dir das Ganze jetzt nur aus Sicht eines Ledigen erklären, da ich nicht verheiratet bin und auch keine eingetragene Lebenspartnerschaft habe.

      Dein Schweizer Einkommen wird bei der 60 Tage Regel mit der vollen Schweizer Quellensteuer belastet. Diese ist abhängig vom Verdiens und unterscheidet sich von Kanton zu Kanton. Am günstigsten ist es in Zug (3.14% für 5.000 CHF mtl, in Zug, 12.45% in Neuchatel). Je nachdem was du verdienst kommen die max. 20% sicherlich gut hin. Hinzu kommt aber noch AHV/IV/EO, welche 5.5% betragen. Dies sind die Sozialabgaben, die du so oder so bezahlen musst.

      Wenn du reguläre Grenzgängerin wärst wird dir 4.5% Quellensteuer von deinem Gehalt abgezogen, welche du mit deiner Lohnsteuererklärung in Deutschland wieder anrechnen lassen kannst.

      Als Wochenaufenthalterin zahlst du die volle Quellensteuer für den jeweiligen Kanton.

      Eure gemeinsame Veranlagung würde nicht komplett mit 42% besteuert, da eurer Grenzsteuersatz niedriger ist. Ich weiss nur dass Alleinstehende ab ca. 52.000€ pro Jahr für jeden dazuverdienten Euro 42% Lohnsteuer plus Solidaritätsbeitrag abdrücken müssen. Auch dort hat man nicht ab 52k € 42% Grenzsteuersatz, sondern eher so 30%. Dieser nähert sich aber mit jedem Euro mehr den 42% an.

      Dein Partner wäre bei einer gemeinsamen Veranlagung mit der günstigeren Steuerklasse besser dran. Ich weiss allerdings nicht ob das deutsche Finanzamt zulässt dass ihr in III/V gehen könnt, da du ja kein Einkommen in Deutschland hast. Kann also sein dass sie IV/IV verlangen und dein Partner dann die höhere Steuer zahlen muss.

      Wenn du in Schweiz wohnst (und keinen Wohnsitz mehr in Deutschland hast) bezahlst du die volle Quellensteuer. Dein Partner müsste dann aber alleine eine Steuererklärung machen. Ich weiss nicht ob das geht wenn ihr vorher eine gemeinsame abgegeben habt (und vermutlich eine eingetragene Partnerschaft habt).

      Falls ihr zusammen in die Schweiz zieht, er aber weiter in Deutschland arbeitet wäre er Grenzgänger im umgekehrten Sinn. Falls er da in Deutschland übernachtet, müsst ihr die 60 Tage Regel wieder beachten. Diese würde umgekehrt auch gelten.

      VG basileus