Gehaltsvorstellungen im Vorstellungsgespräch

  • Hallo zusammen,


    auch ich (bzw. wir als Familie) haben langsam aber sicher den Entschluss gefasst aus vielerlei Gründen in die Schweiz umzuziehen.


    Ich habe mich inzwischen ordentlich eingelesen, wie hoch die Lebenshaltungskosten für uns sein könnten und wenn ich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhalte (aktuell läuft alles über remote), recherchiere ich im Netz nach aktuellen Lebenshaltungskosten im entsprechenden Kanton.


    Ich bewerbe mich als Software-Entwickler und habe nächste Woche schon ein Vorstellungsgespräch. Wie ist eigentlich das Prozedere bei Gehaltsfragen im Vorstellungsgespräch in der Schweiz? Wird es einem mitgeteilt oder wird man wie in Deutschland nach einer Gehaltsvorstellung gefragt? Oder soll man selbst nach dem Gehalt fragen? Wird dann aber konkret im 2. Gespräch verhandelt?

  • In der Regel wirst du beim Gespräch nach deiner Gehaltsvorstellung befragt. Und das kann auch schon im ersten Gespräch passieren, daher solltest du vorbereitet sein.
    Daher solltest du recherchieren, was man im entsprechenden Kanton in der entsprechenden Branche so verdient. Für IT-Stellen gibt's ja auch diverse Quellen.
    Eine allgemeine Anlaufstelle ist Salarium, klick' dich da mal durch: https://www.bfs.admin.ch/bfs/d…eau-schweiz/salarium.html

  • Vielen Dank schon mal für die Rückmeldung. Wie verhält sich das bei St. Gallen? Habe gehört, dass die Gehälter dort nicht so hoch sein sollen, wie beispielsweise in Zürich oder Luzern, ist durch die Nähe zu Österreich un Deutschland vielleicht auch verständlich.


    Denkt ihr, ob 110 000 Euro zu viel oder etwas wenig sind? Habe 10 Jahre Berufserfahrung und es handelt sich um eine Stelle als Lead-Entwickler.

  • Ich würde vermutlich mit 120-125k in die Verhandlung einsteigen und mich dann herunterhandeln lassen, ausser es handelt sich um eine "Traumstelle".
    Man sollte aber auch auf jeden Fall berücksichtigen dass die Work-Life-Balance in der Schweiz meist besser ist, nach meinen Erfahrungen werden die Arbeitszeiten die im Vertrag stehen ernster genommen, es wird nicht erwartet das man dauerhaft mehr leistet und selbst wen man mal wg. eines dringenden Problems Überstunden machen muss oder gar am Wochenende arbeiten, die angefallene Mehrarbeit durch Freizeit kompensieren kann. Interessanterweise wird das sogar von den meisten Kunden akzeptiert.

  • Hallo, im 1. persönlichen Gespräch der Vorstellung: die allererste konkrete Aussage in Zahlen, zum monatlichen Gehalt in X.XXX Franken, sollte der Arbeitgeber aussprechen, meine Meinung. Danach hat man verhandlungstechnisch einige Möglichkeiten auf die genannte Erstsumme zu reagieren; man hat einen greifbaren Vorteil in diesem "nachgeordneten-Verhandlungs-Pik". :) Als Software-Entwickler solltest Du im Generellen nicht nur in CH die besten Karten beruflich haben, mit dieser Expertise sind auch die Lebenshaltungskosten im Hochpreisland Schweiz meiner Betrachtung nach wirklich mit einem erhabenen Schmunzeln zu vernachlässigen. Wenn Du es drauf hast als Software-Entwickler ;) Viel Erfolg

  • Vielen Dank für die Tipps. Auch beim Lesen schätze ich das Forum, dass man hier auch mal objektive Tipps bekommt.


    Ist so was wie Weihnachtsgeld in der Schweiz üblich? Aktuell ist es in Deutschland vermehrt so, dass es kaum noch Weihnachtsgeld, sondern fast nur noch Bonuszahlungen gibt, die von sehr vielen Faktoren abhängig sind und man nicht fest damit rechnen kann, dass man den Bonus auch bekommt. Im Gegensatz zum Weihnachtsgeld, wo der Zeitpunkt fix im Vertrag definiert ist, es sei denn, die Firma macht gerade in dem Jahr Verlust oder so.


    Denkt ihr, wären 140 000 Franken in Zürich vorstellbar oder doch zu viel? Wenn ich mir so alles durchrechne, Wohnung + Krankenversicherung + Auto (meine Eltern wohnen noch in Deutschland, ohne Auto wäre es schwierig) + Lebensmittel etc., dann noch die Umzugskosten (ob die Firma sie übernehmen könnte, wer weiß), komme ich auf mindestens 130 000 Franken.

  • Vorstellbar ist es durchaus.


    Das Problem ist einfach, dass "Lead Developer" so einiges sein kann. Je mehr Verantwortung du übernehmen musst, desto mehr muss auch rausspringen - das ist ebenso offensichtlich wie sinnvoll.
    Wenn Du also das Gefühl hast, dass Du viel Verantwortung übernehmen musst und auch Deinen Kopf für das Team hinhalten musst (und zwar nicht nur auf dem Papier), dann liegst du vermutlich nicht so falsch. Wenn Du aber mehr oder weniger "nur" der Dienstälteste in einem nicht wirklich hierarchischem Team bist, dann würde ich eher etwas niedriger einsteigen.

  • Ich sehe das so ähnlich wie jan

    Vielen Dank für die Tipps. Auch beim Lesen schätze ich das Forum, dass man hier auch mal objektive Tipps bekommt.


    Ist so was wie Weihnachtsgeld in der Schweiz üblich? Aktuell ist es in Deutschland vermehrt so, dass es kaum noch Weihnachtsgeld, sondern fast nur noch Bonuszahlungen gibt, die von sehr vielen Faktoren abhängig sind und man nicht fest damit rechnen kann, dass man den Bonus auch bekommt. Im Gegensatz zum Weihnachtsgeld, wo der Zeitpunkt fix im Vertrag definiert ist, es sei denn, die Firma macht gerade in dem Jahr Verlust oder so.


    Denkt ihr, wären 140 000 Franken in Zürich vorstellbar oder doch zu viel? Wenn ich mir so alles durchrechne, Wohnung + Krankenversicherung + Auto (meine Eltern wohnen noch in Deutschland, ohne Auto wäre es schwierig) + Lebensmittel etc., dann noch die Umzugskosten (ob die Firma sie übernehmen könnte, wer weiß), komme ich auf mindestens 130 000 Franken.

    Umzugskosten werden für gewöhnlich nicht übernommen, ausser eventuell man zieht für die Firma zu einem anderen Standort um.
    Weihnachtsgeld war für mich in den letzten 20 Jahren auch in Deutschland relativ unüblich, ich zitiere mal meinen späteren Chef im Vorstellungsgespräch im Jahr 2000 "wir vereinbaren ein Jahresgehalt, wir können Ihnen das gerne auch in 13 oder 14 Monatsraten statt in 12 auszahlen, ich verstehe allerdings nicht genau wozu das gut sein soll, ausser dass Sie dann im Dezember deutlich mehr Steuern zahlen müssen" ;-). Ich habe aber auch nicht erlebt dass es keine Bonuszahlungen gab, meist werden diese zu 50/50 an dem Gesamterfolg der Firma und der eigenen Leistung wettgemacht. Bei den Zielen für die Boni sollte es aber eine schriftliche, objektive messbare Zielvereinbarung geben, also so etwas wie "Das neue Produkt muss bis spätestens Oktober 2021 auf den Markt kommen" oder "Kundenanfragen werden zu 90% innerhalb eines Tages beantwortet" etc.

  • Weihnachtsgeld kennt man in der Schweiz glaube ich gar nicht. Der 13. Monatslohn lässt sich noch am ehesten damit vergleichen.
    Wie aber auch schon geschrieben wurde, gehen viele Arbeitgeber dazu über, den Jahreslohn in nur noch 12 Monatsraten auszuzahlen, was ja auch okay ist.


    Bei einem seriösen Unternehmen dürften die Bonusbedingungen nicht so extrem sein, dass man befürchten muss mit 0% rauszugehen. Oft ist's ja auch aufgeteilt in den individuellen Erfolg und den gesamten Unternehmenserfolg.
    Und fast noch interessanter als Weihnachtsgeld und Konsorten sind andere Lohnnebenleistungen, die der Arbeitgeber so springen lässt, beispielsweise:
    - Volle Übernahme der Prämien für Krankentaggeldversicherung
    - Volle Übernahme der Prämien für die Nichtberufsunfallversicherung (und zwar eine gute, beispielsweise mit Privatleistungen)
    - Lunch Checks, kostenloses Reka-Guthaben, vergünstigter Erwerb von weiterem Reka-Guthaben
    - Höhere Einzahlungen in die Pensionskasse