Umwandlung L-Bewilligung - B-Bewilligung Kanton Zug

  • Hallo zusammen,


    Ich arbeite seit etwas mehr als einem Jahr über eine schweizer Zeitarbeitsfirma im Kanton Zug in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis im gleichen Betrieb. Seit etwas mehr als einem Jahr wohne ich in einer WG in Zug. Ich habe meinen Wohnsitz bei meinen Eltern in Deutschland 2019 abgemeldet, wobei ich mich dort seit 2014 nicht mehr aufgehalten habe, da ich im Ausland war. Ich verfüge über keinen weiteren Wohnsitz im Ausland oder in der Schweiz.


    Formell erfülle ich die "offiziellen" Voraussetzungen für eine B Bewilligung bereits von Anfang an. Dennoch wurde mir zunächst nur eine L-Bewilligung ausgestellt, da ich bei einer Zeitarbeitsfirma arbeite. Antwort "sollte ich in einem Jahr immernoch bei der gleichen Firma arbeiten, würde ich eine B Bewilligung bekommen". Da ich nach wie vor bei der gleichen Firma arbeite, habe ich nun die Umwandlung L-Bewilligung -> B Bewilligung beantragt. Diese wurde jedoch abgelehnt, da ein möbliertes WG Zimmer kein "bedarfsgerechter" Wohnraum wäre. Das Amt für Migration würde sich wünschen, dass ich eine eigene Wohnung miete und Möbel kaufe. Zudem würde ich nach wie vor nicht bei einer "richtigen" Firma, sondern bei einer Zeitarbeitsfirma arbeiten. Mir wurde mitgeteilt, dass die Sozialleistungen in meinem Vertrag nicht ausreichend wären, vor allem das Krankentagesgeld - obwohl es hierfür eigentlich eine Regelung (80% Lohn) in meinem Vertrag gibt. Letztes Jahr war ich zudem aufgrund von Corona Reisebeschränkungen und Homeofficemöglichkeiten ca 6 Monate im Ausland. Für den Nachweis des effektiven Aufenthalts in der Schweiz habe ich sämtliche Kreditkartenabrechnungen, Telefoneinzelverbindungsnachweise und Bankkontenbewegungen an das Amt für Migration gesendet, diese wurden nicht weiter beanstandet.Insgesamt würde ich laut Amt für Migration in der Summe die Voraussetzungen für eine B Bewilligung nicht erfüllen....Von diesen ganzen inoffiziellen "Zusatzvoraussetzungen" die mir das Amt für Migration in Zug nennt habe ich offiziell allerdings noch nichts gelesen.


    Hat jemand bereits ähnliche Erfahrungen mit dem Amt für Migration gemacht? Ich glaube das unterscheidet sich auch sehr von Kanton zu Kanton. Kann man Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen (ohne direkt einen Anwalt zu nehmen) / lohnt sich das? oder bedeutet das nur viel Aufwand/Kosten(?) und am Ende trotzdem wieder die L Bewilligung?


    Generell gefällt es mir gut in der Schweiz und ich möchte auch längerfristig hier bleiben. Aber vielleicht ist es einfacher zunächst in einem anderen Kanton zu wohnen... Welche effektiven Nachteile hat man als deutscher mit L Bewilligung im Vergleich zur B-Bewilligung?



    Vielen Dank für eure Hilfe!

  • Befristete Verträge oder Zeitarbeit sind immer problematisch. Darf ich fragen was für eine L-Bewilligung du hast? Ein Jahr? Bist du im Stundenlohn?

  • Ich glaube ich bin im Stundenlohn, d.h. ich werde pro Stunde bezahlt. Ich habe darin aber bisher auch keine Nachteile gesehen?


    Ich habe eine L-Bewilligung für 364 Tage bekommen, dies ist die Maximaldauer für eine L Bewilligung. Nun soll diese nochmal um 1 Jahr verlängert werden.



    Warum ist "Zeitarbeit" problematisch? - Ich dachte die Hauptsache wäre es, einen unbefristeten Vertrag zu haben?

  • Also zunächst einmal. Eine L-Bewilligung ist kein Weltuntergang. Als ich 2007 kam war das total normal (Kontingente), ich hatte ebenfalls 2 L-Bewilligungen und bin heute Schweizer. Die Zeit mit L zählt einfach nicht für die Einbürgerung und bei einigen Verträgen bist du weniger gerne gesehen. Das scheint jetzt für mich aber "hinnehmbar", zudem Du ja aktuell offenbar eher bescheiden lebst (das meine ich nicht abwertend, aber ich glaube nicht, dass Du Dir morgen ein EFH kaufen möchtest, wenn Du heute in einem WG Zimmer lebst).


    Dann zu Deinem Wohnsitz: Nach Schweizer Recht (Art. 23 ZGB) gilt die Einheit des Wohnsitzes. Du kannst somit nur einen Wohnsitz (nach Schweizer Recht) haben - aber natürlich Zweitwohnungen. Mit einer nicht Grenzgängerbewilligung (für Dich relevant L, B und C) geht der Staat somit eigentlich erstmal davon aus, dass Dein Wohnsitz in der Schweiz liegt. Somit sollte der Teil kein Problem sein.


    Nun kommt ein Grund weswegen ich in Deinem Fall die Füsse eher stillhalten würde: Eine L-Bewilligung erlischt 3 Monate nach der Ausreise. Ich möchte im Detail nicht darauf eingehen, ob das bei Dir der Fall war oder nicht. Ich sage Dir aber, dass es bei gesamthaft 6 Monaten im Ausland schwierig sein könnte das Gegenteil zu beweisen und ich habe keine Ahnung inwieweit kurze Einreisen diese 3 Monate wirklich brechen würden. Das müsste man vorher vermutlich mit einem Experten anschauen - bevor es da noch Probleme wegen irgendwelchen Meldeverstössen gibt.


    Und beim Stundenlohn ist das Problem, dass es teilweise schon sehr fiese Verträge gibt und ich kenne Deinen Vertrag nicht. Oft wird einfach mit Arbeit auf Abruf gespielt, um das wirtschaftliche Risiko auf den Arbeitnehmer zu wälzen. Dazu gibt es ja auch sehr prominente Entscheide des Bundesgerichts, wie bspw. 4A_534/2017 27.08.2018 (bger.ch), die das deutlich relativieren. Aber das Problem bleibt: Ein Vertrag im Stundenlohn hat weder beim Staat noch bei Firmen die gleiche Reputation. Und genau das spürst du vermutlich gerade.


    Das Problem bei Zeitarbeitsfirmen ist, dass die Arbeitsverhältnisse da eher unterdurchschnittlich lang sind. Dafür gibt es erstmal zwei Hauptgründe: 1) man beendet das Arbeitsverhältnis einvernehmlich (!) und der AN erhält eine Anstellung bei dem Kunden der Zeitarbeitsfirma (die dafür natürlich kassiert) und 2) der AN sucht ohnehin etwas anderes, weil die Zeitarbeitsfirma nicht so super zahlt. Aus diesem Grund wird ein solcher Arbeitsvertrag oftmals wie ein befristeter bewertet. Dass das nicht ganz korrekt ist, sehe ich im übrigen ähnlich wie Du. Ich habe 2012-2013 über eine Zeitarbeitsfirma drei Mitarbeiter eingestellt, die alle heute noch bei mir arbeiten. Nach 6 Monaten konnte ich die Mitarbeiter übernehmen und diese Option habe ich damals gelöst.


    Und dann kommt natürlich noch der finanzielle Aspekt - und der spielt in Zug bestimmt mehr rein als in Bern. Sie werden peinlich genau darauf achten, ob Du im Fall der Fälle ausreichend abgesichert bist. Bei einer Anstellung ab 30 Stunden pro Woche ist das vermutlich der Fall - darunter eher nicht. Auch hier sei auf das Urteil des BG verwiesen, denn wie Du da liest müssen Monate in denen nicht abgerufen wird wie solche gewertet werden, in denen abgerufen wird. Allerdings ist in dem Fall immer nur von 0 oder 100% die Rede. Es gibt also in diesem Urteil keine "teilweisen" Abrufe, die in der Praxis aber verbreitet sein dürften.


    Du erfüllst in jedem Fall tatsächlich ein paar Kriterien, die mindestens zu einer tieferen Prüfung führen. Wäre ich an Deiner Stelle und es gäbe keine wesentlichen Gründe, die für Dich gerade eine B Bewilligung erforderlich machen, würde ich es auf sich beruhen lassen. Und ansonsten würde ich persönlich bei der Gemeinde vorsprechen und Ihnen deinen Unmut mitteilen und dann zusammen mit denen das Migrationsamt kontaktieren (am besten schriftlich).

  • Hallo Jan,


    Danke für deine Antwort.


    Das mit dem Erlöschen der Aufenthaltsbewilligung habe ich auch gelesen. Ich hatte hierzu auch eine Anwältin konsultiert - aufgrund der Corona Ausnahmesituation ist das im Prinzip in Ordnung. Dennoch ist dieser Punkt eine Sache die eher für "Füsse stilhalten" spricht. Für mich wäre dies auch ein durchaus akzeptabler Grund für eine Ablehnung. Allerdings wurde dies nicht als Hauptgrund genannt. Die genannten Gründe erscheinen mir willkürlich und ich finde nicht, dass die Behörde mir vorschreiben dürfte wie ich zu wohnen habe.


    Ich arbeite Vollzeit und mein Einkommen ist deutlich höher als der Zuger Durchschnitt. Ich könnte meinen jetzigen Lebnesstandard problemlos weitere 5 Jahre finanzieren. Prinzipiell bekomme ich von meiner Zeitarbeitsfirma nichts mit und arbeite dauerhaft Vollzeit beim Kunden - ohne Interaktion mit meiner Zeitarbeitsfirma. Im Gegensatz zum von dir zitierten Fall habe ich ein stetiges Einkommen durch ununterbrochener Vollzeitarbeit beim gleichen Kunden.


    Ich habe eine Anwältin konsultiert, welche mir gesagt hat, dass ich eine B Bewilligung bekommen müsste.


    Würde eine Behörde durch einen Anwaltsbrief "klein bei" geben oder lohnt sich das alles nicht, da die Nachteile einer L Bewilligung letztendlich überschaubar sind? Hätte ich später Nachteile, wenn ich die Einwände der Behörde jetzt hinnehme und akzeptiere? ...Ich möchte das gleiche ja nicht unbedingt jedes Jahr machen...Würde ein Anwaltsbrief eher negativ ausgelegt werden und weitere "Represalien" ( Kontoauszüge vorzeigen; Ein / Ausreise dokumentieren etc...) zur Folge haben?


    Danke für den Tipp, ich werde mich mal an die Gemeinde wenden.

  • Also zunächst einmal: Ich bin kein Anwalt. Wenn die Anwältin sich da sicher ist, kann sie Dir das ja verbindlich mitteilen. Aber: Das wird Sie aber vermutlich nur ungerne (bis gar nicht) machen, weil es eben wie so oft erheblich leichter ist solche Ausnahmen aktiv zu kommunizieren als später im Nachhinein legitimieren zu lassen. Ich hätte also kein Zweifel daran, dass es möglich gewesen wäre während Corona dem Amt für Migration zu kommunizieren: Ich muss weg, möchte meinen Bewegungsverhalten (den Empfehlungen des Bundesrats folgend) minimieren und bleibe deshalb (bspw.) bei meinen Eltern in Deutschland und arbeite von da, weil ich für diese den Einkauf übernehmen möchte (Risikogruppe). Die Ablehnung der Anfrage wäre vermutlich das Ende der Karriere des Sachbearbeiters gewesen. Aber: Im Nachhinein ist es eben immer blöd. Deshalb habe ich (ich sitze jetzt gerade in Polen) bereits vorauseilend sämtliche Sonderbewilligungen für Ausnahmen von Quarantänen beantragt. Die brauche ich heute zwar nicht, aber ich weiss genau: Wenn ich die Anträge "in guten Zeiten" stelle, muss ich nicht schlechten Zeiten nicht betteln. Und so war das bei mir eine Sache von nur wenigen Minuten.


    Das in der Schweiz die Wohnsituation geprüft wird, ist gang und gäbe. Auch meine Frau musste vor 4 Monaten Auskunft über ihre Wohnsituation in ZG geben - obwohl wir gerade vorher eine Immobilie gekauft haben. Das ist daher vermutlich ein schlechtes Argument. Zwar ist es absolut Deine Sache wofür Du Dein Salär investierst, aber bei einer Abwesenheit von etwa 50%, einem möblierten WG Zimmer bei einem überdurchschnittlichen Einkommen könnte man theoretisch (ganz abstrakt) davon ausgehen, dass Dein Lebensmittelpunkt evtl. gar nicht in Zug liegt. Und das würde dann dazu führen können, dass es steuerlich zumindest komplizierter wird. Und ein Hinweis von mir: Auch ich bin nicht nur wegen des schönen Wetters nach Baar gezogen.


    Ich würde die Anwältin aussen vor lassen (mein Bauchgefühl) und da nichts riskieren. Das Gespräch mit der Gemeinde kannst Du suchen. Ich würde dabei als Argument anführen, dass Dir der Abschluss irgendeines Vertrags (keine Ahnung) verwehrt wurde, da Du nur Kurzaufenthalter bist. Und dann wird das vermutlich schon irgendwie klappen.


    Meiner Meinung nach bekommst Du nach der zweiten L-Bewilligung immer eine B-Bewilligung. Ich sehe keine grossen Nachteile ausser die von mir oben genannten.