Schweiz für StartUps nicht geeignet (Erfahrung)

  • Guten Tag


    Ich wollte meine Erfahrung bei der Firmengründung in der Schweiz teilen.


    Ich bin Co-Founder bei einer IT-Firma und arbeite mit einem internationalen Team.


    Die Firma haben wir vorerst in Zürich gegründet und sind dann nach Zug umgezogen. Die Gründung hat ca. 4 Wochen gedauert.
    Um aber den Schweizer Markt zu bearbeiten muss man in der Schweiz regelmäßig anwesend sein, wenn man sein Geschäft ernsthaft verfolgen möchte.


    Dafür habe ich und ein weiterer Co-Founder (Deutscher Staatsbürger) beim Migrationsamt Zürich einen Antrag bzgl. Aufenthaltsbewilligung gestellt. Nach 3 Wochen haben wir einen Schreiben erhalten, dass wir uns bei der AHV Zug melden sollen. Die AHV unfreundlich und instranparent. Nach weiteren 8 Wochen immer noch keine Rückmeldung erhalten. Daraufhin haben wir eine Beschwerde eingereicht und plötzlich ging alles sehr schnell. Hier hatte sich der Verwaltungsrat eingeschaltet und zugegeben, dass wir sehr lange warten mussten. Angeblich weil eine externe Stelle hier blockierte.


    Nun haben wir beim Migrationsamt die notwendigen Unterlagen eingereicht und warten jetzt erneut seit 4 Wochen. Instesamt werden das dann 4 Monate und wie lange das jetzt noch braucht ist unklar.


    Wir haben unsere reine IT nun ausgeliedert und in Dubai gegründet. Die Gründung hat lediglich 7 Tage gebraucht und zahlen nicht mal Steuern aufs Gewinn und haben zusätzlich Visa erhalten. Die Zeiten haben sich geändert und andere Länder sind längst viel interessanter für Firmen geworden als die EU oder die Schweiz. Das zeigen auch die Zahlen der jeweiligen Länder.


    Unser Resümee ein StartUp oder Unternehmen in der Schweiz zu gründen ist katastrophal und nicht zu empfehlen. Mittlerweile haben wir den Eindruck, dass Ausländer nicht Willkommen sind. Planen jetzt sogar die Firma komplett aufzulösen, weil wir Leute kennen die als Barista bei Startbucks & Co. viel schneller eine Bewilligung erhalten haben als Gründer oder Erfinder. Ist für uns ein Armutszeugnis.

  • Hoi Isa


    Schade, dass du solch schlechte Erfahrungen in der Schweiz gesammelt hast bezüglich deiner Firmengründung. Zwischen den Zeilen lese ich folgendes Problem bei dir heraus: ihr habt die Firma gegründet, ohne dass ihr beide einen Wohnsitz in der Schweiz hattet. Ist das korrekt? Falls ja, dann weiss ich, warum ihr Probleme bekommen habt. Nach
    Art. 814 Abs. 3 OR muss mindestens ein Geschäftsführer in der Schweiz wohnhaft sein und Einzelzeichnungsrecht haben (siehe hier und hier)



    Die Gründung in Dubai mag zwar schnell funktioniert haben, aber habt ihr dort schon ein Bankkonto eröffnet? Falls nicht, viel Spass damit.



    Ich persönlich kann nur Gutes über Gründungen in der Schweiz berichten. Sowohl die Eintragungen ins Handelsregister als auch die Hilfsbereitschaft der Ämter ist bisher sehr gut gewesen. U.a. auch mit der Ausgleichkasse Zug.



    PS: Co-Founding funktioniert nur, wenn von Anfang an klar ist, wer was macht. Nur als Tipp aus eigener Erfahrung. Sonst geht das schnell mal in die Hose ;)


    PPS: die Gründung einer Firma in der Schweiz ist immer noch lohnenswert, speziell im Vergleich zu Deutschland. Die Steuerbelastung hier ist deutlich niedriger.





    VG basileus

  • Hallo Isa


    Also ich habe schon so einige Firmen gegründet und wenn es sich um "ordentliche Gesellschaften" (so bezeichnet meine Revisionsstelle die "nicht-Briefkastenfirmen") handelt, klappt das eigentlich sehr gut. Bei den Firmen, die hier gegründet werden, um Steuern zu sparen, ist man erheblich vorsichtiger geworden - da wird es ab und an interessant. Ein halbwegs versierter Treuhänder oder Anwalt (gerade in Zürich gibt es da viele Experten) hätte das vermutlich in Rekordzeit abgewickelt. Aber ich freue mich, dass ihr eine Lösung für euch gefunden habt.


    Ich habe vor einer Woche die letzte Aktiengesellschaft in Zug mitgegründet - bin nur mit 10% drin. Die AHV Anmeldung (Registrierung für Arbeitgeber) kam da vollkommen automatisch (wie bei den anderen auch). Dauert etwa 2 Wochen. Anmelden musste ich mich bei der AHV ehrlich gesagt noch nie und so ein paar Firmen habe ich schon gegründet, gezügelt und was weiss ich. Das Portal (AHV easy), dass u.a. der Kanton Zug verwendet, finde ich aber persönlich auch nicht so gut wie bspw. das in Bern, wobei es wesentlich moderner daherkommt. Ist vielleicht auch Geschmacksache.


    Ich wünsche euch viel Erfolg.


    Jan

  • Hallo Ihr Lieben,


    vielen Dank für Eure Antworten.


    @basileus
    , es gibt ähnlich wie in der Schweiz in Dubai Treuhänder und man wählt ein Paket in einem sogenannten FreeZone aus.
    Wir haben ein Paket im DMC Freezone inclusive Visa gewählt. Ein Bankaccount hätten wir wählen können. Wir nutzen Revolut Business, weil es aufgrund verschiedener Währungen für unser Business einfach handzuhaben ist.. Da spielt es keine Rolle, wo man sein Business hat. ;-)


    Wir haben NOCH keinen Wohnsitz in der Schweiz, aber es gibt ein Freizügigkeitsabkommen zwischen der EU und der Schweiz. Unabhängig davon sollte jedes Land im Normalfall sich darüber freuen, wenn Firmen im Land gegründet werden und das Unternehmertum gefördert wird.


    Zum Thema Steuern: Deutschland vs. Schweiz, da ist die Schweiz ganz weit vorne. Wir mussten mittlerweile unsere erste Steuer in der Schweiz Zürich zahlen und ich dachte da ist ein Scherz. Schweizer Freunde die über Steuern in der Schweiz jammern, hab ich erstmal mal erklärt was ich vorher in Deutschland zahlen musste. Eine vergleichbare Firma würden wir in Deutschland nicht gründen, weil aufgrund der hohen Steuern es sich nicht lohnen würde.



    @'jan82
    Auf AHV Easy Access warten wir jetzt immer noch und das sind dann jetzt ingesamt 4 Monate.


    Ich kann nur meine Erfahrungen teilen und vielleicht läuft es bei den anderen oder einen in der Schweiz besser. Klar möchten wir weniger Steuern zahlen, aber auch Erfahrungen sammeln. Wenn ein Unternehmen behauptet der zahlt gerne mehr Steuern ist leider nicht glaubhaft.


    Aber für uns funktioniert Dubai sehr gut und sind begeistert. Man kann als Ausländer von der UAE Regierung mit einer Business Idee finanzielle Unterstützung erhalten. Klar hat UAE Interesse daran, dass die Firmen in UAE bleiben. Wir spielen sogar mit den Gedanken für paar Monate nach Dubai zu gehen. Schließlich haben wir ja den Visa.


    Man sollte über den Tellerrand schauen und in vielen Sachen sind mittlerweile andere Länder viel weiter. Es ist sicherlich nicht alles perfekt, aber man kann nicht 4 oder 6 Monate auf eine Behörde warten. Was aber Interessant ist, das Steueramt in Zürich ist sehr schnell, wenn es um eine Forderung geht. Das gibt es keine Probleme..


    VG
    Isa

  • Hoi Isa


    wie Jan schon gesagt hat: mit einem vernünftigen Treuhänder oder Anwalt wäre die Sache problemlos abgelaufen. Er hätte dann als euer Vertreter für die Firma agieren können in der Schweiz.



    aber es gibt ein Freizügigkeitsabkommen zwischen der EU und der Schweiz

    Das Freizügigkeitsabkommen hat nichts mit Gründung einer GmbH zu tun. Entscheidend sind hier die rechtlichen Vorgaben nach Obligationenrecht, und die verlangen mindestens einen GF in der Schweiz. Hätte euch der Treuhänder aber sagen können.



    es gibt ähnlich wie in der Schweiz in Dubai Treuhänder und man wählt ein Paket in einem sogenannten FreeZone aus.

    Ich habe mich mit der Thematik UAE auch schon beschäftigt und kenne die Pakete ;) Problematisch sind die folgenden Sachen:

    • die OECD sieht die Steuerbefreiung überhaupt nicht gerne. Da erwarte ich(!) in den kommenden Jahren Probleme.
    • ihr seid abhängig von dem Treuhänder in Dubai. Im Rechtsfall müsst ihr vor ein VAE Gericht ziehen, um euer Geld zu erhalten. Für die Steuerersparnis holt ihr euch somit eine Unsicherheit bzgl Zugriff auf die Firmenwerte ins Boot.

    Hinzu kommt, dass das Paket in Dubai auch Geld kostet. 2k-4k, je nach Ausprägung (zumindest bei den seriösen Firmen).



    Es ist sicherlich nicht alles perfekt, aber man kann nicht 4 oder 6 Monate auf eine Behörde warten.

    Im Vorfeld einfach besser informieren. Mich wundert es, dass ihr die Firma überhaupt ins Handelsregister eintragen konntet ohne einen GF in der Schweiz. Der Fehler liegt dort. Die AHV ist nur hellhörig geworden und prüft jetzt genauer.


    PS: ihr zahlt zwar keinen Gewinn für die Firma, aber bei der Ausschüttung müsst ihr das Geld entsprechend den Regularien in eurem Wohnland (aktuell wohl DE) versteuern. D.h. ihr zahlt höhere Steuern bei der Entnahme.



    Viel Erfolg bei euren Plänen!
    VG basileus

  • Hallo Isa


    Also nur zur Präzisierung: Personenfreizügigkeit ist nicht ganz so "freizügig" wie das immer klingt. Denn es gibt noch (einfach zu erfüllende) Bedingungen. Im Wesentlichen musst Du für Deinen Lebensunterhalt sorgen können, Krankenversichert sein und Dich einer Sozialversicherung anschliessen (das A1, mit dem Du als international tätige dann bald mehr Bekanntschaft machen dürftest als Dir lieb ist). In der Schweiz erfüllten von Januar bis November 2020 knapp über 90.000 EU Bürger diese einfachen Voraussetzungen. Natürlich ist die Schweiz weniger multinational als die VAE, aber für Europa ist das schon ganz ordentlich.


    Item, Freizügigkeit heisst nicht, dass man sein Steuerdomizil unabhängig vom tatsächlichen Lebensmittelpunkt frei wählen könnte oder dass es für Steuersparkonstrukte gedacht ist. Damit hat die Schweiz - wie auch mit dem Bankgeheimnis - nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Und etwaige graue/schwarze EU Listen versucht man zu vermeiden. Die VAE sind da weniger abhängig.


    In regelmässigen Abständen versuchen mit Gründungsagenturen ihre "Steuersparoptionen" zu erörtern. Am Ende kommt es immer darauf an was man machen möchte und wie man dorthin kommt. Ich bin grundsätzlich (die Ausländerausweise nerven mich auch!) der Schweiz sehr dankbar für das wirtschaftsfreundliche System. Ich bin 2007 mit wenig gekommen und heute geht es mir ganz anständig. Etwas Glück gehört bestimmt dazu, aber eben auch viel Arbeit. Und natürlich muss man zur richtigen Zeit die richtige Idee haben und sich anpassen wollen. Stand heute gibt es viele Dinge, die ich gerne verändern möchte. Aber mit meiner steuerlichen Situation (und der meiner Firmen) sowie mit meinem Einkommen und meiner Lebensqualität bin ich ausgezeichnet zufrieden.


    Ich wünsche Dir/euch in den VAE viel Erfolg und Durchhaltewillen - in guten wie in schlechten Zeiten. Das wird schon gut kommen.


    Behalte aber immer im Hinterkopf: Gratis gibt es selten etwas ;)

  • Hallo, Ihr habt eine Firma in Dubai gegründet? Betrachtet und vergleicht man rein das Image der Schweiz mit dem Image von Dubai, würde ich die Schweiz als einen beachtlichen Tick hochwertiger in der Außenwirkung bewerten. Ich habe noch keine Firma im Dubai gegründet, trotz diverser Angebote von Kumpels, da ich a) das Gefühl habe, dort zieht man eine Registrierungs-Nummer und mehr ist man dann auch nicht aufgrund der großen Nachfrage-Frequenz und andererseits b) zieht es mich in den schiitischen Bereich, Dubai ist sunnitisch. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die Schweiz Startups nicht fördert, zumal im IT-Bereich. Entweder war es wie schon geschrieben die Wohnsitzfrage, oder Ihr habt das Ganze irgendwie falsch kommuniziert.


    Im Laufe meines Lebens habe ich schon viele Firmen auf diesem Planeten gegründet und ich habe neben der Steuerfrage (Flat-Tax, usw.) immer darauf geachtet, welches Land "ein nach Rosen duftendes Image" hat. Immer!! In meiner Zeit im Südamerika war ich in einigen Ländern auf diesem Kontinent - auch um S.A.s zu gründen und ich wäre NIE nach Columbien geflogen, soll es tolle Strände geben, habe ich nie gemacht, weil ich in meinem Reisepass nie einen Einreisestempel von Columbien haben wollte, weil das Land ein brutal schlechtes Image hat und jeder sofort nur an ein Produkt aus diesem Land denkt. =O


    Mein Tipp: Baut die Schweiz auf und integriert Dubai als zweite Firmendestination. Ich habe einen Abrechner für KK-Zahlungen, der sitzt in Heidelberg und die zweite Destination ist Luxemburg. Immer ans Image eines Landes denken, das zahlt sich aus, Winke :)

  • Hallo Amadeus


    Vielen Dak für die Infos.


    Die UAE als Ganzes gibt es erst seit ca. 60 Jahren.
    Da tut sich im Moment sehr viel.


    Wir haben jetzt den Schritt gewagt und ich habe nur den Vergleich zu der Schweiz gemacht. Die Schweiz hat sicherlich einen anderen Image als Dubai, aber die Zeiten ändern sich.


    In Dubai sieht man nicht nur Kamele sondern mittlerweile aauch MIT oder Standford Professoren die sich dort niedergelassen haben.


    @jan82, die OECD kritisiert auch Irland, New Jersey und Luxemburg, etc.. Man wird in Dubai genau so gut an sein Geld kommen wie in Irland oder in New Jersey. Wie bereits geschrieben, man muss sein Geld nicht in Dubai anlegen. Revolut funktioniert ganz gut und die sitzen in UK.


    Ich werden in einem Jahr noch Mal ein Update schreiben.


    VG
    Isa

  • Hallo Isa


    Also bei aller Liebe: Ich bin begeisterter (!) Revolut Nutzer - sowohl Metal als auch mehrfach Business. Aber Revolut hat aktuell (ist zumindest mein letzter Wissensstand) eine litauische Banklizenz (und ist auch genau da von der Reputation) und ist vom Serviceumfang von einer vollwertigen Geschäftsbank in etwa so weit weg wie ich von Grossbritannien. Und ich persönlich (ausdrücklich meine persönliche Meinung) würde da nicht mein Geschäftsvermögen parken - auf gar keinen Fall! Ich habe da vielleicht 10.000 CHF auf den Konten - das wars. Aber ich werde einen Teufel tun dort höhere Beträge zu parken und dann keinen Ansprechpartner zu haben. Mit dem Chat hat das bisher halbwegs gut geklappt, aber Ende letzten Jahres wurde mein Konto vorübergehend "limitiert", weil ich grössere Beträge (tief sechsstellig) für mich privat gewechselt habe. Die Einzahlung erfolgte via Schweizer Kreditkarte und da musste ich dann Einkommensnachweise liefern. Nach einer Woche war das aus der Welt, ist als Geschäftsbank aber uncool. Das sind auch keine Geschichten - bei Bedarf liefere ich da gerne Belege aus dem Chat. Nichtsdestotrotz würde ich Revolut jedem weiterempfehlen - nur eben nicht für grosse Beträge eine international tätigen Gesellschaft.


    Aber auf Dein Update bin ich gerne gespannt. Im Gegenzug liefere ich Dir gerne Quicksupport bei der AK Zug. Ich bin am Dienstag da.


    Liebe Grüsse aus Šilutė (Litauen, nicht weit von "eurer" Banklizenz ;))

  • In Dubai sieht man nicht nur Kamele sondern mittlerweile auch MIT oder Standford Professoren die sich dort niedergelassen haben.

    In Dubai trifft sich die Elite der Welt und gleichzeitig alle Glücksritter der Welt. Selbst die Kamele, dort existiert eine Schokoladenfabrik, die aus Kamelmilch Schokolade herstellt und nach DE verkauft. :P Die Produzenten haben einige Jahre in DE gelebt. Als Beobachter würde ich sagen, Dubai erfindet sich jeden Tag auf ein neues, jeden Tag mehr Superlative. Durch Corona hat sich das alles bisschen abgekühlt, dennoch finde ich die Schweiz imagetechnisch substanzieller, gefühlt mit mehr Tiefe. Du schreibst "die Zeiten ändern sich" da stimme ich Dir zu, doch wie lange dauert dieser Prozess? Nehme mal ein ganz plakatives Beispiel, Du eröffnest in einer mittelgroßen Stadt eine Bäckerei. Es gibt bereits zwei Bäckereien in dieser Stadt und in 10 Jahren, in 20 Jahren, werden die Leute immer noch sagen, ich habe meine Brötchen bei der neuen Bäckerei gekauft und alle wissen sofort, damit ist Deine Bäckerei gemeint, die seit zum Beispiel 1995 schon offen ist. Ein Länder-Image verändert sich extrem langsam. Dubai hat ein derzeit gutes Image, aber all das Beiwerk zu Dubai, Du wirst immer wieder Erklärungen abgeben müssen.