Von der Mosel in die Schweiz - Eine Familie möchte auswandern

  • Servus!


    Wir wohnen mit unseren Kindern (2 und 7 Jahre) und unserer Hündin aktuell in der nähe von Trier an der Mosel in unserem Eigenheim. Da uns der Gedanke umzusiedeln immer und immer wieder beschäftigt, suchen wir jetzt nach tiefgehenderen Informationen und Erfahrungen.


    Da wir die Berge lieben und gerne draußen sind, ist Geld definitiv nicht der ausschlaggebende Faktor um auszuwandern.


    Ich arbeite seit >10 Jahren als Ingenieur bei tk und habe eine zusätzliche gute Ausbildung als Six Sigma Black Belt. Als solcher arbeite ich auch aktuell. Meine Frau ist Konditorin & Köchin und aktuell in Elternzeit.


    Wir bevorzugen die Ostschweiz (SG, GL, GR, SZ, AI, AR) da ich mitunter auch Jobs in Liechtenstein annehmen kann. Wichtig ist uns eine ländliche Gegend mit viel Grün. Mehrfamilienhäuser in der Stadt schließen wir gänzlich aus!


    Jetzt zu den Fragen:

    • Was ist an Einkommen in unserer Situation zu erwarten? Meine Frau würde gerne wieder als Konditorin arbeiten (am liebsten 50%). Ich eben als Ingenieur.
    • Was gilt es besonderes zu beachten?
    • Gibt es familienfreundliche Kantone/Bezirke/Gemeinden?


    Vielen Dank!

  • Hallo Stefan


    Fühl Dich wohl bei uns.


    Zu Deinen Fragen:

    • Was ist an Einkommen in unserer Situation zu erwarten? Meine Frau würde gerne wieder als Konditorin arbeiten (am liebsten 50%). Ich eben als Ingenieur.

    Ich gehe davon aus, dass du etwa das doppelte Deines Deutschen Gehalts in CHF erwarten kannst (Xk EUR => 2Xk CHF) - ganz grob. Bei den Konditoren würde ich bei 100% mal von grob 4.500 CHF ausgehen. Einfach daran denken, dass Krankenkasse (auch für die Kinder) zusätzlich zu Steuern und Sozialabgaben noch runter geht. Realistisch ist es vermutlich so, dass es bei einem 2 Jahre alten Kind kaum lohnt das Kind in die Kita zu senden (die hier sehr teuer ist). Dafür ist das Einkommen Deiner Frau zu niedrig. Bei 2.5 Tagen die Woche Kita liegst du in Bern deutlich über 1000 CHF. Da Du recht gut verdienen dürftest, gibt es auch keine Subventionen für euch. Und Deine Frau muss ja auch noch zur Arbeit kommen usw. Trotzdem verstehe ich, wenn sie nicht aus dem Beruf raus möchte. Aus finanziellen Gründen müsstet ihr es aber vermutlich nicht machen.

    • Was gilt es besonderes zu beachten?

    Es gibt einfach sehr unterschiedliche Regionen in der Schweiz. Einige eignen sich mehr zum Arbeiten, andere mehr für den Urlaub. Die Ostschweiz ist bestimmt nicht die uninteressanteste Option. Wenn Du Karriere machen möchtest, würde ich eher in die Nähe der grossen Städte. Suche Dir auf jeden Fall einen Wohnort mit leichtem Zugang zu einem IC-Bahnhof. Das dürfte auch später bei Reisen sehr wichtig für Dich werden.



    • Gibt es familienfreundliche Kantone/Bezirke/Gemeinden?

    Das ist schwierig. Ich war in der Westschweiz (7 Jahre), im Berner Mittelland (7 Jahre) und nun in der Zentralschweiz. In der Westschweiz war ich im Kanton Fribourg - einer der drei zweisprachigen Kantone. Bern ist ebenfalls zweisprachig (genau wie das Wallis). Ich habe das immer sehr genossen. Mein letzter Wohnsitz im Kanton Bern lag nur 800m vom Röstigraben entfernt. In Fribourg waren es bei mit etwa 1500m. Das heisst du gehst ein paar Meter und auf einmal ist alles "anders". Wenn du es einmal erfahren möchtest: Mach einen Ausflug nach Fribourg. Lauf zu Fuss vom Bahnhof in die Altstadt. Du überquerst die Rue des Alpes bei den Linden (Tilleul) und blickst auf das alte Rathaus, gehst in der Grand-Rue den "Stalden" herunter. Dann spürst auf schon am Strassennamen, dass sich gleich etwas ändert. Bei der Grand-Rue gab es nur kleine "Untertitel" (Reichengasse), auf einmal wechseln Deutsch und Französisch. Du siehst die ersten lustigen Übersetzungsfehler (Goltstrasse => rue d'or - man übersetzt also das Althochdeutsche "Golt"="Geröll" mit "Gold") und dann kommt die Brücke über der Sarine/Saane. Und auf der anderen Seite ist auf einmal alles Deutsch. Schon der Wirt des Engels auf der anderen Seite der Saane (ein Oberwalliser) hasst französisch. Und wenn Du dann das Galterntal entlanggehst, stösst auf bspw. auf das Haus der deutschsprachigen Studentenverbindung. Vermutlich klingt das alles nicht so toll, aber es ist tatsächlich fantastisch. Du hast auf beiden Seiten der Sarine komplett unterschiedliche Welten - ich halte das für Kinder optimal, um die Unterschiede in den Kulturen und dem gemeinsamen miteinander kennenzulernen. Toleranz, Respekt, Kultur & Sprache.
    Und wenn ich in der Lage bin meinem Sohn dieses fantastische Erlebnis bieten zu können, wenn er etwas älter ist, werde ich sehr viel dafür auf mich nehmen. Aktuell ist das leider nicht machbar. Aber ich denke: Mehr Lebensschule als in einem zweisprachigen Kanton an der Sprachgrenze kannst du einem Kind kaum mitgeben.
    Die Ostschweiz und auch die Zentralschweiz ist in dieser Hinsicht eher "langweilig", aber hat natürlich andere Vorzüge.