Rentenhöhe und Versteuerung

  • Liebe alle,


    ich bin etwas über 50, wohne in Deutschland, und könnte vielleicht einen Job in der Schweiz ergattern. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist dabei die Alterssicherung. Meine Rente in Deutschland ist eher nicht so prall, da ich spät ins Erwerbsleben einstieg. Daher interessiert es mich sehr, wie sich die Situation in der Schweiz darstellen würde.

    Für Säule 1 gibt es ja einen Rechner (https://www.acor-avs.ch/expertise), der aber anscheinend nicht funktioniert, wenn man die Rente für eine zukünftige Tätigkeit berechnen möchte. Daher meine erste Frage: Gibt es eine Alternative zu diesem Rechner oder eine Formel, die ich nutzen kann? Alternativ könnte ich die zu erwartenden Einkünfte in die Vergangenheit verlegen und so fingieren, dass ich die Zeit, die ggf. in der Schweiz noch vor mir liegt, bereits mit dem zu erwartenden Einkommen hinter mir habe.

    Für Säule 2 fand ich eine Formel unter https://www.ch.ch/de/ahv-rente…aeule-berufliche-vorsorge, Dort heißt es "Die Rente wird mit dem «Umwandlungssatz» berechnet. Die Mindesthöhe dieses Satzes ist gesetzlich festgelegt. Er beträgt derzeit 6,8 Prozent (für Männer und Frauen im ordentlichen AHV-Rentenalter)." Als Ausgangswert nahm ich den Abzug unter "Pensionskasse" bei der Berechnung unter https://www.lohncomputer.ch/. Auch dazu habe ich eine Frage: Es ist korrekt, dass der hier angezeigte Wert den summierten Arbeitgeber- und -nehmerbeitrag zu Säule 2 anzeigt?

    Frage 3 bezieht sich auf die Besteuerung der Renten: Wir könnten uns vorstellen, später wieder nach Deutschland zurückzukehren. Hier würde die Schweizerische Steuer ja voll besteuert, wenn ich das richtig verstehe, also mit 100% Einkommenssteuer Deutschland plus Quellensteuer Schweiz. Bei Säule 1 liegt in CH anscheinend eine Versteuerung mit der normalen Quellensteuer vor, bei Säule2 anscheinend nicht. Daher die Frage: Wie wird Säule 2 in der Schweiz denn besteuert?

    Allerbesten Dank, viele Grüße

    Ullzn

  • Hallo,


    da es noch keine Antworten gab, probier ich mich mal an Antworten.


    Zur Säule 1 (AHV): Doch, der Rechner geht schon für die Zukunft. Bei "Bei der AHV versichert" gibst du "Teilweise" ein. Der Beginn darf aber in der Tat nicht in der Zukunft sein. Da musst du halt beispielsweise 01.2021 eingeben und dann das voraussichtliche Ende entsprechend nach vorne datieren.


    Zur Säule 2 (berufliche Vorsorge): Der auf lohncomputer.ch gezeigte Abzug ist nur der Arbeitnehmerabzug. Der Arbeitgeber zahlt in der Regel nochmal genauso viel ein (oder ggf. auch mehr). Die Auszahlung einer Rente aus der Pensionskasse erfolgt aus dem so genannten Altersguthaben, welches sich eben aus den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen speist. Mit dem Alter steigen die Beiträge, hier gibt's eine Übersicht: https://www.comparis.ch/umzug-…o/glossar/lohnnebenkosten

    Das Altersguthaben speist sich auch durch Zinsen, wobei diese natürlich akutell auf einem tiefen, aber gesetzlich festgelegten Niveau sind.

    Der Umwandlungssatz von 6,8 % ist aber nicht in Stein gemeisselt und de facto schon Geschichte, da sich dieser wegen des Zinsniveaus und der steigenden Lebenserwartung nicht mehr halten lässt. Wenn du pessimistisch rechnen willst, solltest du eher 5,0 % oder gar 4,5% ansetzen. Hängt auch davon ab, in welchem Alter du in Rente gehen willst (Regelalter, früher, später).


    Frage 3: Nein, eine solche Doppelbesteuerung mit negativem Effekt sollte es eigentlich nicht geben, dafür gibt es entsprechende Abkommen. Details habe ich derzeit aber keine parat, da müsste ich mich erst einlesen.
    Aber prinzipiell ist es so: Wenn die Schweiz Quellensteuern einbehält, so kannst du diese entweder zurückfordern oder diese werden auf die deutsche Steuerschuld angerechnet (die Steuerschuld also gemindert).

  • Hallo lieberjott,


    das ist sehr hilfreich, vielen Dank. Den Trick zu Säule 1 (Vorverlegung auf 01.2021) habe ich gleich angewandt. Bei Säule zwei müsste ich dann bei der Berechnung meiner Rente meinen Betrag verdopplen, um die Rentehöhe berechnen?


    Bei der Doppelbesteuerung stieß auf diese Info: "

    Die Altersvorsorge der Schweiz basiert auf drei Säulen:


    1. SäuleAlters- u. Hinterlassenenversorgung (AHV) / Invaliditätsversicherung (IV)= gesetzliche Sozialversicherung
    2. SäulePensionskasse= berufliche Vorsorge nach dem BVG (berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge)
    3. SäulePrivate Vorsorge= z. B. Fondsversicherung

    Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber leisten in die Versicherungen der 1. und 2. Säule Beiträge.

    Für Rentenzahlungen aus der gesetzlichen Sozialversicherung, der AHV, hat der Ansässigkeitsstaat Deutschland das Besteuerungsrecht. Der Schweiz steht dabei kein Quellenbesteuerungsrecht zu. Wenn ein in Deutschland ansässiger Steuerpflichtiger eine Rente aus der AHV bezieht, werden diese Rentenbezüge seit 2005 in Deutschland nach § 22 EStG mit dem Besteuerungsanteil ohne Anrechnung einer Schweizer Steuer besteuert.

    Auch für laufende Zahlungen aus einer Pensionskasse (Kasse im Sinne des BVG) hat der Ansässigkeitsstaat nach deutscher Auffassung das Besteuerungsrecht. Die Schweiz vertritt hingegen die Auffassung, dass das Kassenstaatsprinzip nach Art. 19 DBA Schweiz für Auszahlungen aus öffentlich-rechtlichen Pensionskassen greift. Die Rentenbezüge sind seit 2005 in Deutschland nach § 22 EStG mit dem Besteuerungsanteil ohne Anrechnung einer Schweizer Steuer zu besteuern." (https://www.haufe.de/finance/h…sk_PI20354_HI2933742.html). Klang für mich so, als würde Säule 2 doch doppelt besteuert...

    Besten Dank nochmal!

  • Bei Säule zwei müsste ich dann bei der Berechnung meiner Rente meinen Betrag verdopplen, um die Rentehöhe berechnen?

    Annäherungsweise würde das hinhauen ja. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer können je nach Pensionskasse und Modell auch mehr als den gesetzlichen Mindesbeitrag einzahlen. Auch als Arbeitnehmer kann man freiwillig mehr einzahlen durch Einmalzahlungen ("Einkauf").

    Der gesetzliche Zinssatz beträgt derzeit 1%.


    Zur 2. Säule:


    Zitat

    Die Schweiz vertritt hingegen die Auffassung, dass das Kassenstaatsprinzip nach Art. 19 DBA Schweiz für Auszahlungen aus öffentlich-rechtlichen Pensionskassen greift.

    Das bezieht sich auf einen Sonderfall, der nur bei ganz wenigen Personen zutrifft. Die wenigsten Pensionskassen sind öffentlich-rechtlich. Es betrifft mehr oder weniger nur Angestellte im öffentlichen Dienst.
    Der Artikel von Haufe scheint mit eh nicht vollständig und aktuell, es fehlt meines Erachtens auch die Betrachtung von Obligatorium und Überobligatorium in der beruflichen Vorsorge.