Hilfe!!! Keine nachträgliche ordentliche Veranlagung, da Mittelpunkt der Lebensinteressen in Dt. obwohl kein Grenzgänger

  • Hallo,

    ich brauche dringend Hilfe / Tips.

    Ich lebe seit 3 Jahren in der Schweiz und habe hier auch meinen Wohnsitz und eine Aufenthaltsbewilligung B. Ausserdem habe ich in Deutschland noch einen Zweitwohnsitz. Damals habe ich versucht zwischen Grenzgänger und eben Bewilligung B zu entscheiden. Es hieß, dass erstens die Entfernung zu groß sei (150km) und ausserdem habe ich 5 Tage die Woche gearbeitet. Ich konnte mich also nicht als Grenzgänger melden und bin voll mit über 20% quellenbesteuert worden, und eben nicht mit 4,5%. Mein Jahreseinkommen lag über 120 0000.

    Seit 3 Jahren warte ich nun auf die ordentliche steuerliche Veranlagung (Kanton Zürich). Nun bekomme ich einen Schrieb, dass die Prüfung der Unterlagen ergeben hat, dass der Mittelpunkt meiner Lebensinteressen nicht in der Schweiz liegt, ich nur beschränkte in der Schweiz steuerpflichtig bin und daher keine nachträgliche ordentliche Veranlagung durchgeführt wird!!!!

    Das geht doch gar nicht, oder? Entweder ich bin Grenzgänger mit geringerem Quellensteurersatz und entsprechend steuerpflichtig in Deutschland oder ich muss in der Schweiz versteuern. So würde ich ja komplett doppelt besteuert und müsste dann ca. 40% Stehen zahlen?


    Wahrscheinlich brauche ich einen kompletten Anwalt?

    Ich bin gerade völlig geschockt, da ich natürlich seit Jahren aus das Geld warte und es dringend brauche.....

  • Hoi Irina

    Ausserdem habe ich in Deutschland noch einen Zweitwohnsitz.

    Nein, du hast einen Hauptwohnsitz in Deutschland. Es gibt länderübergreifend keinen Zweitwohnsitz. Du hast einen Wohnsitz in der Schweiz und einen Wohnsitz in Deutschland.


    bin voll mit über 20% quellenbesteuert worden

    Ein Blick in den Quellensteuertarif A0N (alleinstehend ohne Kinder) sagt, dass du bis 20'000.- Monatseinkommen 19.83% Quellensteuer bezahlst. D.h. du hast mehr als 240'000.- pro Jahr verdient? Stolze Leistung!

    Seit 3 Jahren warte ich nun auf die ordentliche steuerliche Veranlagung (Kanton Zürich)

    Die Steuerverwaltung im Kanton Zürich ist in der Tat sehr träge. Habe das auch schon von Bekannten gehört.



    Nun bekomme ich einen Schrieb, dass die Prüfung der Unterlagen ergeben hat, dass der Mittelpunkt meiner Lebensinteressen nicht in der Schweiz liegt, ich nur beschränkte in der Schweiz steuerpflichtig bin und daher keine nachträgliche ordentliche Veranlagung durchgeführt wird!!!!

    Da wäre nun die Frage, welche Sachen du in deinem Post nicht erwähnt hast. Lebt dein Ehepartner evtl. noch in Deutschland in der gemeinsamen Wohnung?


    So würde ich ja komplett doppelt besteuert und müsste dann ca. 40% Stehen zahlen?

    Du wirst nicht doppelt besteuert. Die Steuerverwaltung des Kanton Zürich muss dir die Differenz zwischen dein gezahlten 20% und der ermässigten Quellensteuer von 4.5% zurückzahlen. Ich kann dir allerdings nicht sagen, wie schnell oder langsam das geht.


    Wahrscheinlich brauche ich einen kompletten Anwalt?

    Ein Steuerberater (DE) mit Zusatzqualifikation für internationales Steuerrecht oder ein Treuhänder (CH) sollten fürs Erste genügen.

  • Irgendwas in dem Post ist vielleicht in der Aufregung durcheinander geraten.


    Es gibt 2 Fälle (ohne Ausnahmen die es wie immer und überall gibt)


    1. Du hast B, Steuerdomizil ist Schweiz: volle Quellenbesteuerung

    2. Du hast B, Steuerdomizil ist Deutschland: Quellensteuersatz aus dem DBA und ordentliche Veranlagung in Deutschland unter Abzug der gezahlten Quellensteuer.


    Doppelt wird da nichts gezahlt. Mit 240.000 Jahreseinkommen landet man dann in Deutschland tatsächlich bei 39.85% Durchschnittssteuer mit Grenzsatz 42%.


    Das Problem mit dem Steuerdomizil ergibt sich aus dem Wohnsitz in Deutschland. Niemand glaubt doch an eine "echte" Auswanderung wenn im "Heimatland" ein Wohnsitz gemeldet bleibt. Da kann ich die Zürcher verstehen, da braucht es - am Besten vorgängig - eine richtig gute Begründung für.

  • Als internationaler Wochenaufenthalter (Bewilligung G) und mit der Bewilligung B kann man meines Wissens nach nur eine Quellensteuerkorrektur und keine ordentliche Veranlagung machen. Ich sehe in der Antwort der Steuerbehörde keine Aufforderung das Einkommen in Deutschland zu versteuern.

  • Als internationaler Wochenaufenthalter (Bewilligung G) und mit der Bewilligung B kann man meines Wissens nach nur eine Quellensteuerkorrektur und keine ordentliche Veranlagung machen. Ich sehe in der Antwort der Steuerbehörde keine Aufforderung das Einkommen in Deutschland zu versteuern.

    Hallo Simon


    Deine Aussage stimmt nur teilweise. Als "internationaler Wochenaufenthalter" (Bewilligung G) kann man in der Tat nur eine Korrektur der Quellensteuer beantragen. Mit Bewilligung B muss man bei einem Jahreseinkommen über 120k aber eine nachträgliche ordentliche Veranlagung machen.


    Die Threaderstellerin hat eine Bewilligung B, also wäre die NOV korrekt. Natürlich nur, wenn die Steuerverwaltung den Lebensmittelpunkt auch in der Schweiz sieht. Das tut sie in diesem Fall nicht, zumindest laut dem initialen Post.

  • Eine schweizerische Steuerbehörde kann dazu ja gar keine Aufforderung erteilen.


    Aber die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung in Deutschland besteht ohnehin da ein Wohnsitz gemeldet ist. Ob das dann zu einer Veranlagung führt entscheidet das Finanzamt in Deutschland. Und da kommt natürlich der Nicht-Anerkennung des Wohnsitzes in der Schweiz als Steuerdomizil eine zentrale Bedeutung zu.


    Solche "Dinge" empfehlen sich vorgängig zu klären. Sind die Summen um die es geht gross genug, geht man halt den (oft) mühsamen Weg eines Steuerrulings. Ein Forum wie dieses hier wird solch komplexe Sachverhalte nicht wirklich klären können.

  • Und beim Steuerruling hast Du leider auch nur ein paar Jahre Ruhe. Sobald es da wirklich um Kohle geht, kommen die immer und immer wieder. Sehr lästig...

  • Ich weiss warum wir uns auf ein Land konzentrieren und alle anderen Werte in Deutschland aufgelöst haben :grinning_face:


    Hat sich jetzt gerade auch wieder als richtige Entscheidung herausgestellt...das Heulen der Finanzbeamten in Deutschland hören wir allerdings bis hier her.