Aufenthaltsbewilligung B - (beruflich) vielreisend

  • Hallo,


    nachdem ich schon als kleines Kind begeistert war von der Schweiz (Politik, Natur, Unabhängigkeit, Infrastrukturplanung etc.) überlege ich nun (mit 23) endlich in die Schweiz zu ziehen.


    Ich bin beruflich selbständig und muss in diesem Zusammenhang (extrem) viel reisen. In vielen Jahren sind das bis zu 90% des Jahres. Ein Großteil dieser Reisen ist sehr kurz (3-8 Tage) und global verteilt!

    Nun habe ich die letzten Tage mit den Migrations Ämtern einiger Kantone telefoniert und oftmals die Auskunft erhalten, dass ich keine Aufenthaltsbewilligung bekomme, wenn ich nicht mindestens 183 Tage im Jahr in der Schweiz bin. Auch wenn ich hier klar meine (einzige(n)) Wohnung, Mobilfunkvertrag, Steuerpflicht, Sozialversicherung habe / hätte.
    Eine Mitarbeiterin im Kanton Luzern meinte, wenn man die berufliche Natur der Reisen begründen kann, ist es möglich eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen.

    Online kann ich dazu kaum Infos finden. Im AIG (Ausländer und Integrationsgesetzt) erscheint mit der relevante Paragraph folgender zu sein:


    "1 Eine Bewilligung erlischt:

    a. mit der Abmeldung ins Ausland

    b. mit der Erteilung einer Bewilligung in einem anderen Kanton

    c. mit Ablauf der Gültigkeitsdauer der Bewilligung

    d. mit der Ausweisung nach Artikel 68

    e.101mit der rechtskräftigen Landesverweisung nach Artikel 66a StGB102 oder Artikel 49a MStG103

    f.104mit dem Vollzug einer Landesverweisung nach Artikel 66abis StGB oder 49abis MStG.

    2 Verlässt die Ausländerin oder der Ausländer die Schweiz, ohne sich abzumelden, so erlischt die Kurzaufenthaltsbewilligung nach drei Monaten, die Aufenthalts- und Niederlassungsbewilligung nach sechs Monaten. Auf Gesuch hin kann die Nieder­lassungsbewilligung während vier Jahren aufrechterhalten werden."


    Rein textbasiert verstehe ich unter Nummer 2 eine dauerhaften Ausreise. Also ich ziehe ins Ausland oder mache 8 Monate Urlaub in Australien.
    In meinem Fall komme ich ja mindestens einmal im Monat in die Schweiz zurück!


    Wisst ihr ob und wenn ja wo es zu diesem Thema eine gesetzliche Regelung gibt? Oder habt anderweitige Infos zu diesem Thema?


    Auch wundere ich mich ein wenig wie Piloten, Monteure, Naturfilmer oder andere Vielreisende mit dieser Thematik umgehen. Ich kann mir kaum vorstellen der einzige mit vergleichbaren Reisepensum zu sein!


    LG und vielen Dank im vornherein für eure Hilfe bei diesem zugegeben sehr speziellen Fall!

  • Hallo swissflyer


    Erzähl doch mal die ganze Geschichte. Für mich persönlich macht das so wenig Sinn. Wenn du als EU Bürger in die Schweiz zügelst, kannst du das machen, wenn du genug Einkommen hast. Wenn du also selbstständig in der Schweiz bist oder aber sonst ausreichend Vermögen/Einkommen hast, bekommst du eine Aufenthaltsbewilligung. Dir steht es auch frei in der Schweiz eine Kapitalgesellschaft zu gründen und dich dort selber anzustellen. Das Migrationsamt wird normalerweise nicht prüfen wo du dich aushältst. Auffällig wird es natürlich ein wenig, wenn du am Lebensmittelpunkt nur ein WG Zimmer mietest. Irgendwann wird man dann vermutlich annehmen, dass es später noch Ärger mit der Steuerverwaltung anderer Länder geben könnte.


    Und sonst: so einfach ist das mit der unbeschränkten (!) Steuerpflicht in deinem Setting nicht - da bin ich leider erfahren. Selbiges gilt mit der sozialversicherungspflichtig - gerade, wenn du auch (!) noch in Deutschland arbeitest. Aber das geht für ein Forum erheblich zu weit - ich empfehle dir da eine gute Steuerrechtskanzlei, die das zusammen mit deinem Treuhänder ruled.


    Gruss,

    Jan

  • Hallo Jan,


    danke für deine Antwort. Ich bin schon mit etlichen Anwälten und Steuerberatern im Kontakt.

    Nur zur Info: in Deutschland habe ich zwar noch Kunden, bin für diese aber zum aller größten Teil im Ausland tätig und kann im Falle auch an ausländischen Töchter dieser Kunden Rechnung stellen.


    Wundere mich aktuell vor allem über die sehr überzeugten Aussagen der Mitarbeiter der Migrations Ämter, ohne dafür schriftliche Infos zu finden.


    Gerade da ich mich in keinem anderen Land länger als maximal 2 Monate aufhalte (und wenn dann immer nur kurz) und nirgends außer an meiner Wohnung einen Lebensmittelpunkt habe, würde ich sehr gerne in der Schweiz meine Basis haben. Auch weil ich mich dort am ehesten identifiziere.

    Mittelfristig sollten die Reisen auch weniger werden, sodass ich mich dann länger in der Schweiz aufhalte. Nur aktuell eben noch ca. 320 Reisetage.

  • Wundere mich aktuell vor allem über die sehr überzeugten Aussagen der Mitarbeiter der Migrations Ämter, ohne dafür schriftliche Infos zu finden.

    Das wird Dein Anwalt Dir ja hoffentlich erklärt haben: Antrag stellen, auf Ablehnung warten, ggfs. beschwerdefähige Verfügung anfordern, dann prüfen und Einsprache einlegen. Notfalls bis ganz nach oben durchziehen.


    Ich kann Dir leider nicht helfen, weil du ganz offensichtlich nicht alles erzählst (was vollkommen okay ist - aber so kann man eben nichts dazu sagen). Aber normalerweise hättest du einfach eine Firma gegründet und fertig. Und das macht dir jeder Treuhänder sofort - das ist deren Kerngeschäft. Dafür braucht man auch keine "etlichen" Berater (für das Ruling danach kann's blöd kommen, aber doch nicht für die Aufenthaltsbewilligung eines EU Bürgers).


    Ich kenne Deine Vermögenssituation auch nicht - ggfs. sind Aufwandsbesteuerung & Co auch interessant für Dich. Und selbst wenn das abgelehnt wird (wieso auch immer) könnte man auch noch für 1-2 Jahre auf den internationalen Wochenaufenthalter mit beschränkte Steuerpflicht setzen (ist vermutlich eh das günstigste). Oder du entsendest dich zunächst einmal. Es gibt so viele Optionen und ich kann mir nicht vorstellen, dass da gar nichts geht...


    Wichtig ist, dass der Kanton (der gibt Bewilligungen, hat die Arbeit und haftet indirekt für Dich) sieht, dass Kohle reinkommt. Es geht immer um die Kohle - bei allen und auch beim Staat. Und den Teil mit "nirgendwo länger als 2 Monate" binde Ihnen bitte bitte nicht auf die Nase, wenn du es Dir nicht absichtlich schwer machen möchtest. Das ist vollkommen unnötig - zu viele Informationen. Ein Geschäftspartner von mir hat am Donnerstag auch einen notariellen Akt vermasselt, weil er beim Smalltalk so viel "interessantes" erzählt hat, dass der Notar jetzt erstmal prüfen muss. Sowas braucht kein Mensch...

  • Danke nochmal für die Antwort Jan. Ich wüsste nicht welche Informationen dir fehlen. Eine Kapitalgesellschaft steht auch im Raum nur will ich eigentlich lieber 20% in die 3A einzahlen, statt BVG etc.. Verfahren wollte ich wenn möglich vermeiden. Ist generell nicht mein Stil mir sowas zu erklagen. Auch bin ich gerne offen, ehrlich und transparent.

    Aber merke immer mehr, dass man sich damit nicht unbedingt einen Gefallen tut. Wie auch immer.

    Werde weiter dran arbeiten und mich melden sobald alles geklappt hat;)

  • Eine Kapitalgesellschaft steht auch im Raum nur will ich eigentlich lieber 20% in die 3A einzahlen, statt BVG etc..

    Die Frage wäre hier: weshalb möchtest du das? Man kann den BVG-Anteil auch auf ein Minimum reduzieren, wenn einem das nicht zusagt.

    Für die BVG kann man auch Anbieter mit höheren Aktienanteil auswählen, oder eine 1e-Lösung benutzen.


    Jan geht es glaube ich nicht um ein Verfahren, sondern um ein Steuer-Ruling. Damit du nicht in ein paar Jahren ein böses Erwachen hast in Sachen Steuern.