Bewerbungsphase - never ending story

  • Ihr Lieben,


    nachdem ich mir Mal wieder die halbe Nacht damit um die Ohren geschlagen habe, eure Beiträge zu lesen, wird es Zeit, dass ich mich auch einmal zu Wort melde. :smiling_face:


    Einerseits habe ich mich durch eure Beiträge heute Nacht verstanden und aufgehoben gefühlt, andererseits haben sie mir auch gezeigt, dass mein Bauchgefühl mich nicht getäuscht hat und wirklich viel mit der Nationalität im Lebenslauf zusammenhängt.


    Kurz zu meiner Situation: Ich bin 30 Jahre alt und direkt an der Schweizer Grenze aufgewachsen. Daher ist die Schweiz und die Schweizer Mentalität für mich nichts fremdes. Meine erste große Liebe war zum Beispiel auch Schweizer. Durchmischte Freundeskreise sind bei uns normal. Nach meiner Ausbildung hat es mich 200 km weg von meiner Heimat gezogen. Ich habe mir mit viel Engagement und harter Arbeit eine ansehnliche Karriere im digitalen Marketing erarbeitet, auf die ich auch sehr stolz bin. Ich habe zahlreiche namhafte Unternehmen betreut und arbeite nun mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag in einem anerkannten Unternehmen.

    Bei meinen Heimatbesuchen habe ich meinen Freund kennen und lieben gelernt. Er arbeitet schon lange in der Schweiz und ist dort sehr glücklich. Da es für mich regional gesehen “nach Hause kommen” ist, habe ich mich dazu entschlossen zu ihm zu ziehen. Im deutschen Grenzgebiet sind kaum große Unternehmen in dieser Branche ansässig, alsohabe ich mich dazu entschieden mich Richtung Zürich zu orientieren und in die Schweiz zu ziehen. Mein Freund ist gerade in eine große Wohnung gezogen, die auch zu meinem zu Hause werden wird.


    Soweit so gut. Und nun zur Realität. Ich bewerbe mich seit ca. 6 Monaten auf nahezu jede Stelle, die in dieser Branche auf den Markt kommt. Ich hatte bereits sehr gute Gespräche, allerdings wurden die Stellen mir aus unterschiedlichen Gründen abgesagt. Beispielsweise, dass ich zu viel Erfahrung mit großen Unternehmen habe und für diese Stelle überqualifiziert wäre. In Deutschland lief meine Jobsuche immer reibungslos und so langsam kratzt es wirklich an meinem Ego. Ich habe einen sehr verständnisvollen und unterstützenden Freund, aber manchmal frage ich mich wirklich, ob es einen Sinn hat sich weiter zu bewerben und beruflich in der Schweiz anerkannt zu werden.


    Ich weiß, dass es viele Beiträge zu diesem Thema gibt und ihr das alles schon 100 mal gelesen habt, ich würde mich trotzdem über einen neuen Blickwinkel von euch freuen und mich mit euch austauschen. Da man manchmal ja bekanntlich vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht.

    Ich habe bisher immer meine deutsche Adresse auf die Bewerbung geschrieben, da ich ja eh immer angeben muss, ob ich eine Aufenthaltserlaubnis habe und das Unternehmen für mich ja den Visumprozess durchführen muss. Oder habe ich hier etwas falsch verstanden? Würdet ihr mir raten die Adresse in der Schweiz anzugeben?


    Viele Grüße

    Lena

  • Hoi Lena


    Erstmal willkommen im Forum. Ich finde es toll, dass du dir Zeit genommen hast und erstmal andere Beiträge zu lesen.


    Zu deinen Fragen: ich kenne mich im digitalen Marketing leider nicht gut genug aus, aber ich vermute dass dies ein Bereich ist, in welchem sich auch viele Schweizer bewerben. Zu viel Erfahrung klingt komisch, kann aber durchaus ein Kriterium sein. In der Schweiz gibt es einfach nicht so viele Grossunternehmen wie in DE. Selbst Unternehmen mit mehr als 1'000 Mitarbeitern zählen hier schon als gross. In DE wäre das noch grösserer Mittelstand.


    Als Adresse für die Bewerbung könntest du die Adresse deines Freundes eintragen. Das sieht deutlich besser aus, als wenn du dich mit deiner deutschen Adresse bewirbst (aka: "schon wieder eine Düütsche, die hier nur mehr Geld verdienen will"). Du kannst ja erwähnen, dass dein Freund Schweizer ist und ihr zusammen ziehen werdet.


    Hab dir noch eine PN geschickt wegen mehr Details.



    VG basileus

  • Sali Lena


    Nicht verzweifeln, es liegt nicht an Dir. Wir haben ein Überangebot an Marketingfachkräften in der Schweiz. Diese Ausbildung wurde über viele Jahre dermassen gut verkauft und gepusht, dass gefühlt jeder Dritte mindestens den Marketingplaner vorweisen kann. Du brauchst auch ein wenig Geduld. Die Jobsuche kann locker mal ein Jahr dauern.


    "Überqualifiziert" hat nichts zu bedeuten. Ist nur eine Standardfloskel in den Absagen.


    Finde auch, du solltest unbedingt eine Schweizer Adresse angeben. Als Arbeitgeber stelle ich lieber jemanden ein, der die Schweiz schon kennt.


    LG Plastikfudi

  • Ich habe bisher immer meine deutsche Adresse auf die Bewerbung geschrieben, da ich ja eh immer angeben muss, ob ich eine Aufenthaltserlaubnis habe und das Unternehmen für mich ja den Visumprozess durchführen muss. Oder habe ich hier etwas falsch verstanden? Würdet ihr mir raten die Adresse in der Schweiz anzugeben?

    Als EU-Bürgerin steht Dir im Rahmen der Freizügigkeitsvereinbarungen die Aufenthaltsbewilligung zu, insofern Du die Bedingung (Arbeitsvertrag oder aussichtsreich Selbstständigerwerbend etc.) erfüllst und keine Ausschlusskriterien vorliegen. Den Prozess dazu kannst Du komplett alleine z.B. mit einem AV anstossen über das Migrationsamt oder die Gemeinde.


    Den Arbeitgeber musst Du da nicht mit reinnehmen. Der erwartet dass die Erlaubnis gewährt wird und will i.d.R. auch wenig mit dem Verfahren zu tun haben. Daher würde ich das an Deiner Stelle auch nicht in den Anschreiben erwähnen, die Du - wie von den Vorrednern auch vorgeschlagen - am Besten über die Schweizer Adresse abschickst.