Ausbildung in der Schweiz mit deutschem Abitur starten

  • Hallo zusammen, ich bin zu dem Entschluss gekommen zu meiner Freundin in die Schweiz zu ziehen und dort eine Ausbildung zu starten.

    Erstmal Grobes über mich:

    Ich bin 20 Jahre alt, habe mein Abitur hier in Deutschland gemacht und interessiere mich für eine Informatikausbildung im Bereich Applikationsentwicklung in der Schweiz.


    Meine Freundin zog mit ihren Eltern vor 3 Monaten in die Schweiz und macht hier ihre bereits in Deutschland begonnene Ausbildung weiter.


    Unsere Idee war es, sobald ich meinen Arbeitsvertrag habe, dass wir eine gemeinsame Wohnung in der Schweiz beziehen. Ihre Aufenthaltsbewilligung müsste sie auch früher bekommen, da sie bereits länger hier ist.

    Ich denke, mit doppeltem Azubi-Gehalt und etwas Rücklagen meinerseits ist das Ganze möglich. Ein Auto besitze ich ebenfalls.


    Zu dem Thema Aufenthaltsbewilligung habe ich mich ebenfalls eingelesen.


    Meine Frage ist nun, ob das alles so klappt, wie ich mir das vorstelle?

    Im Prinzip bewerbe ich mich jetzt auf einen Ausbildungsplatz (mein Abitur wäre mein Zeugnis dafür), warte ggf. auf eine Zusage, bekomme die Aufenthaltsbewilligung durch den Arbeitsvertrag und melde mich dabei komplett in der Schweiz um. Anschließend können meine Freundin und ich eine Wohnung finden bzw. auch schon etwas früher mit ihrer Aufenthaltsbewilligung und wir teilen uns erstmal die Miete mithilfe ihres Gehalts und meinen Rücklagen.


    Oder stelle ich mir das zu leicht vor?

    Bin gerne offen für Tips und danke im Voraus! :smiling_face:

  • Das ist leider zu einfach gedacht. Mein Stiefsohn ist gerade in einer ähnlichen Situation, nach Abitur ein Jahr studiert und erkannt dass das nichts für ihn ist. Daher möchte er jetzt eine Ausbildung in der Schweiz machen. Daher haben wir in gleiche Richtung Informationen eingeholt.


    Ein Ausbildungsvertrag ist einem Arbeitsvertrag nicht gleichgestellt und zieht daher wohl nicht automatisch die Aufenthaltsbewilligung im Rahmen der Freizügigkeitsabkommen nach sich. (Da kann man ja als EU-Bürger einfach einen Arbeitsvertrag unterschreiben, am nächsten Tag die Arbeit aufnehmen und die Bewilligung steht einem rechtlich zu.)


    Hintergrund sind auf der einen Seite natürlich die nicht tragfähigen Einkommen für einen eigenständigen Aufenthalt in der Schweiz, sowie Einschränkungen bei der Verfügbarkeit der Ausbildungskontingente.


    Wir konnten das noch lösen bevor mein Stiefsohn im September 21 geworden ist, indem meine Frau im August einen Antrag auf Familiennachzug gestellt hat. Darüber ist er als "Kind" dann bei der Schul- und Berufsbildung Inländern im Anspruch gleichgestellt. Unterkunft hat er in unserem Haus, KV ist er bei uns im Familientarif.


    Der Weg fehlt bei Dir.


    Obendrein wird das von den Kosten doch mehr als knapp in der Konstellation: im ersten Ausbildungsjahr: Ausbildung/Lohn


    Selbst bei überdurchschnittlichem Gehalt in der Ausbildung wird das zum Leben hier, zumal noch mit Miete und Auto sowie in Deinem Fall eigenständiger Krankenversicherung, nicht klappen. Darauf eine Bewilligung zu erhalten wird mehr als schwer. Und für den Ausbildungsbeginn im August 2022 bist Du jetzt bereits sehr (oder auch zu) spät dran.

  • Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

    Mein Plan hat sich mittlerweile ein bisschen geändert.

    Die Idee mit dem Ausbildungsstart im August 2022 bleibt bestehen, dennoch bräuchten meine Freundin und ich so schnell wie möglich eine Wohnung. Deshalb habe ich mich bei einem Unternehmen beworben, bei dem ich bereits in Deutschland seit vier Jahren auf geringfügiger Basis eingestellt bin. Somit würde ich in der Schweiz dort arbeiten, bis zum genannten Ausbildungsstart und hätte auch einen Arbeitsvertrag in der Hand, womit eine Wohnung finden leichter sein dürfte bzw. der Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung.