Anmeldung in der Schweiz während man (noch) bei deutschem Arbeitgeber beschäftigt ist

  • Hallo zusammen,


    ich bitte um Entschuldigung, falls das schon diskutiert wurde aber ich habe generell leider keine Information dazu gefunden.


    Ich werde zum Februar eine neue Arbeit in der Schweiz anfangen. Meine Frau und ich sind noch bis einschliesslich Januar beim deutschen Arbeitgeber beschäftigt. Ich bin deutscher aber meine Frau hat die australische Staatsbürgerschaft und muss daher ja etwas warten, bis sie über den Familiennachzug die Arbeitserlaubnis bekommt.


    Wir haben jetzt schon einen Mietvertrag und haben überlegt, ob wir uns bereits jetzt offiziell in der Schweiz anmelden, damit meine Frau möglichst schnell die Arbeitsserlaubnis bekommt. Damit würden wir aber dann wahrscheinlich schon in der Schweiz für die restlichen 2 Monate steuerpflichtig für den Job in D, richtig? Da ja aber die Steuern in Deutschland bereits abgeführt wurden, müssen wir aufgrund von DBA wohl in der Schweiz nichts mehr zahlen? Können wir das dann einfach in der Steuererklärung (Schweiz) angeben? Oder gibt es da irgendwelche Überlappregelungen? Ich würde mir vorstellen, dass das ja recht viele Leute betrifft, weil ja eigentlich immer ein kleiner Überlapp entsteht.


    Vielen Dank!


    Matthias

  • Hoi Matthias


    Ganz so einfach, wie du dir das vorstellst, ist es leider nicht.


    Wir haben jetzt schon einen Mietvertrag und haben überlegt, ob wir uns bereits jetzt offiziell in der Schweiz anmelden, damit meine Frau möglichst schnell die Arbeitsserlaubnis bekommt.

    Hier wäre die Frage, ob ihr euch vorher in DE abmeldet. Also gar keinen Wohnsitz mehr in DE habt.


    Damit würden wir aber dann wahrscheinlich schon in der Schweiz für die restlichen 2 Monate steuerpflichtig für den Job in D, richtig?

    Mit Abmeldung in DE würde ich sagen: ja. Bitte beachte allerdings, dass du den Wohnortwechsel deinem alten Arbeitgeber mitteilen musst. Ob für diesen dann für einen Monat eine neue Betriebsstätte in der Schweiz entsteht, wäre zu prüfen.


    Da ja aber die Steuern in Deutschland bereits abgeführt wurden, müssen wir aufgrund von DBA wohl in der Schweiz nichts mehr zahlen?

    Mit Wohnsitz in der Schweiz und Arbeit in DE (also umgekehrter Grenzgänger) weiss ich leider nicht, wie sich die Steuerproblematik verhält. Normalerweise wird in DE die Lohnsteuer jeden Monat abgezogen (also analog der Quellensteuer in CH). Ob das bei einem Grenzgänger mit Wohnsitz Schweiz auch so wäre: ich weiss es nicht.


    Können wir das dann einfach in der Steuererklärung (Schweiz) angeben?

    Eine Steuererklärung in CH kannst du erst ab 120k Einkommen pro Jahr abgeben, als NOV (nachträglich ordentliche Veranlagung). Ansonsten ist die Steuerschuld mit Abführung der Quellensteuer bereits beglichen.

    Oder gibt es da irgendwelche Überlappregelungen?

    Die "Überlappregelungen" sind eher darauf ausgelegt, dass du unterjährig noch in DE beschäftigt warst. D.h. deine Lohnsteuer würde zwar im Januar 2022 noch abgeführt werden, aber du müsstest in 2023 noch eine Steuererklärung in DE abgeben. Dein Schweizer Lohn würde die Progression erhöhen, d.h. du müsstest noch Steuern nachzahlen für den Januar 2022 in DE.


    Sucht euch am besten einen Steuerberater, welche sich mit internationalen Angelegenheiten auskennt.

  • Ein Betriebsstätte in der Schweiz entsteht ja nur dann, wenn auch inländisch gearbeitet wird (z.B. HO im entsprechenden Umfang).


    Für die Steuerthematik hat sich Deutschland die nachlaufende Besteuerung einfallen lassen. Wer in D arbeitet und nach CH umzieht unter Beibehaltung der Arbeitsstelle in D (wäre hier für 2 Monate der Fall), muss dies im Rahmen der "fiktiven Besteuerung" in Deutschland melden. Da nun mehr als 6 Monate vorbei sind wäre das für den Dezember noch egal, weil ohnehin unbeschränkt steuerpflichtig, für den Januar aber sicher ein extra Aufwand. Die bequeme "Quellensteuer-Regel" gibt es nur für Grenzgänger nach CH, nicht umgekehrt.


    Und bei der Steuererklärung darf man nicht nur auf das Einkommen schauen. Je nach Kanton gibt es unterschiedliche Grenzwerte im steuerbaren Vermögen, ab denen man zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist. (auch mit B, die Quellensteuer kann dann u.U. von Beginn entfallen.)


    Also: Steuerberater der sich damit auskennt fragen.

  • Ein Betriebsstätte in der Schweiz entsteht ja nur dann, wenn auch inländisch gearbeitet wird (z.B. HO im entsprechenden Umfang).

    Ohne Wohnsitz in DE im Januar wäre das dann vermutlich HO in der Schweiz. Es sei denn, die beiden fahren über die Grenze und arbeiten dann aus einem Starbucks o.ä. :winking_face:


    Und bei der Steuererklärung darf man nicht nur auf das Einkommen schauen. Je nach Kanton gibt es unterschiedliche Grenzwerte im steuerbaren Vermögen, ab denen man zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist. (auch mit B, die Quellensteuer kann dann u.U. von Beginn entfallen.)

    Konntest du den Wegfall der Quellensteuer erreichen für dich? Habe angefragt bei der Steuerverwaltung LU, aber dort hat man mich für die Dauer meiner B-Bewilligung darauf verwiesen weiterhin Quellensteuer abzuführen. Obwohl ich jedes Jahr eine NOV machen muss.


    Matthias77 das war Markus gesagt hat stimmt. Wir hatten das in einem Thread bereits diskutiert (über die Höhe des Vermögens) - siehe hier

  • Also in Fribourg war das so, dass ich damals "auf Beschluss des grosses Rates" rückwirkend der ordentlichen Steuer unterstellt wurde. Da musste ich nichts erreichen und das war klar Nachteilhaft. Und zwei Tage später gab es die C-Bewilligung - zumindest dieser Teil war anders als heute.

  • Konntest du den Wegfall der Quellensteuer erreichen für dich? Habe angefragt bei der Steuerverwaltung LU, aber dort hat man mich für die Dauer meiner B-Bewilligung darauf verwiesen weiterhin Quellensteuer abzuführen. Obwohl ich jedes Jahr eine NOV machen muss.

    Ja, vom ersten Tag in der Schweiz unterlagen wir nicht der Quellensteuer. Und wir sind ja auch ganz normal mit "B" hier.

  • Hallo an alle,


    also erst mal vielen Dank für die Rückmeldungen. Es scheint ja doch komplizierter zu sein, als ich dachte. Ich werde dann wohl nicht umhin kommen, einen Steuerberater zu konsultieren. Es wundert mich ein bisschen, da ich annehmen würde, dass das doch eine recht häufige Konstellation ist. Ansonsten müsste ich mich ja pünktlich morgens vor Arbeitsbeginn am 01.02. bei der Einwohnerkontrolle anmelden, oder verstehe ich da etwas falsch?


    Noch zur Erläuterung des ursprünglichen "Plans". Die Idee war, noch einschliesslich Januar in Deutschland gemeldet zu sein. Wir würden auch von D aus arbeiten, wir haben ja noch die Wohnung. Der Hauptgrund für die frühere Anmeldung in CH war, dass wir dann schon die Aufenthaltsbewilligung für meine Frau beantragen können, da der Prozess ja doch eine Weile zu dauern scheint.


    Dass ich in D noch für 2022 eine Steuererklärung abgeben muss, ist auch ein guter Punkt, da habe ich noch gar nicht dran gedacht.


    Nochmal vielen Dank!

  • Ja, vom ersten Tag in der Schweiz unterlagen wir nicht der Quellensteuer. Und wir sind ja auch ganz normal mit "B" hier.

    Interessant. Kann dann wieder mit dem Kantönligeist zu tun haben. Ihr habt zum Start ja in AG gewohnt.


    Bei mir haben sie sich auf das Kreisschreiben 45 Ziffer 11.1 bezogen: "... Die quellensteuerpflichtige Person untersteht ... bis zum Ende der Quellensteuerpflicht weiterhin dem Quellensteuerabzug." Aber wahrscheinlich kommt es auch hier wieder darauf an, welchen Sachbearbeiter man erwischt. Mir ist es im Prinzip egal. Ist halt nur etwas mehr Aufwand aus Sicht der Firma.


    Ansonsten müsste ich mich ja pünktlich morgens vor Arbeitsbeginn am 01.02. bei der Einwohnerkontrolle anmelden, oder verstehe ich da etwas falsch?

    Ich denke du verstehst da etwas falsch. Du musst unterscheiden zwischen der Anmeldung bei deiner neuen Gemeinde und den steuerlichen Aspekten. Natürlich könnt ihr euch auch schon vor Januar in der Schweiz anmelden.


    Das Problem mit der Besteuerung kommt daher, dass ihr im Januar noch Gehalt in DE bezieht und vermutlich auch noch bis dann einen Wohnsitz dort haben werdet. Das kann euch ein versierter Steuerberater aber deutlich besser erklären als ich. Such einfach hier in der Forensuche nach "Fachberater für internationales Steuerrecht". Da gibt es bereits mehrere Threads dazu.