Neutralität der Schweiz

  • Hallo Ihr Lieben, ich habe da mal eine Frage, die wohl nicht mit J/N zu beantworten ist. Ich schaue fast jeden Morgen im Netz ein Video von einem Schweizer Journalisten und Politiker, er hat eine brillante Rhetorik, gerade um diese Zeit früh morgens und er gewährt mir mit seinen News über die Schweiz und aktuelle Themen einen guten Einblick, gerade das Politische. Letzte Woche hat er in einem seiner Videos gesprochen, dass die Schweiz die Neutralität in der Verfassung stehen hat und dass nun seit 200 Jahren erstmals vom Bundesrat gegen die Verfassung in diesem Punkt verstoßen wurde. Da ging es um den aktuellen Krieg und die Durchsetzung von Sanktionen.


    Wird sich die Schweiz nun verändern diesbezüglich? Normal fanden Verhandlungen in Krisenzeiten in Wien oder in Genf statt; insbesondere Genf. Nun hat die Schweiz Partei ergriffen? Oder?


    Grüße

  • Heikles Thema, das wohl früher oder später wieder gesperrt wird🤔

    Meiner Meinung nach hatte die Schweiz nicht wirklich eine Wahl, oder?

    Ihr wurde seitens der Nato die Pistole auf die Brust gesetzt und mit Sanktionen gedroht, wenn sie nicht Position bezieht.

    Ich denke dass sie wegen der geographischen Lage mitten in der EU klein beigegeben hat, da sie wirtschaftlich von den EU Staaten mehr abhängig ist, als von Russland.

    Allerdings schätze ich auch, dass im Hintergrund bereits Gespräche mit Russland laufen um eine Lösung aus dem Dilemma zu finden.

    Das wäre in meinen Augen der diplomatische Weg, den ich der Schweiz zutrauen würde.

    Das ist meine Meinung zu der Geschichte.

  • Also wenn ein Schweizer sieht dass jemand in einer dunklen Gasse verprügelt wird, dann gebietet ihm die Neutralität dem Opfer nicht zu helfen? :confused_face:


    Es gibt so ein paar Dinge die mir spätestens seit "Corona" fürchterlich ärgern


    • Dieses Geraune und Herumgedruckse "ich würde ja gerne etwas deutlicher schreiben, aber man darf ja wie in der DDR nicht mehr offen seine Meinung sagen." Doch darfst du, du kommst dafür weder ins Gefängnis, wirst beim Teetrinken vergiftet oder fällst plötzlich einem bedauerlichen Verkehrsunfall zum Opfer. Du musst nur ertragen, dass andere Menschen, die du in der Realität noch nie getroffen hast, dir widersprechen. Das nennt man Diskussion oder Meinungsaustausch. Und ja, es ist erlaubt hinzuzulernen oder gar seine Meinung zu ändern.
    • Wenn etwas nicht zu 100% "richtig" oder beweisbar ist, dann muss das Gegenteil auf jeden Fall wahr sein. Was ich nicht innerhalb 10 Sekunden verstehe muss sowie falsch sein, die Welt wird von den Leuten heute nur einfach kompliziert gemacht
    • Wer mehr hat als ich kann das nur auf unlautere Weise erworben haben, Sportler und Musiker selbstverständlich ausgenommen.
    • Dieses "ja aber die haben das auch gemacht und da hat niemand protestiert". Doch es wurde schon immer protestiert, die Proteste gegen den Golfkrieg Anfang der 90er waren aber beim deutschen Michel genauso (un)beliebt wie heute FFF.
    • Und selbst wenn, wenn bei meinem Nachbarn eingebrochen wird und es wird nur halbherzig ermittelt, dann ist das kein Freibrief für den Einbrecher auch bei mir einzubrechen "Herr Staatsanwalt ich verstehe das nicht, mein Kumpel wurde doch auch nicht erwischt, das ist ungerecht"
    • Diese verharmlosenden Wörter wie Dilemma, Ereignisse usw.. Dort findet ein Angriffskrieg statt. Bei einer "Befreiung" würde ich doch jetzt Bilder von Flüchtlingsströmen in Richtung "russischer Heimat" und nicht in Richtung "böser Westen" erwarten, aber selbst bei den Staatsmedien wie RT scheint es die nicht wirklich zu geben.

    Daran dass die Wirtschaftssanktionen fürchterliche Auswirkungen haben sieht man dass es für den Frieden sehr wichtig ist eine enge wirtschaftliche Verflechtung zu haben, es muss einfach viel zu teuer werden eine Angriffskrieg zu führen, leider hat das Putin nicht gesehen oder es war ihm egal.

  • Also wenn ein Schweizer sieht dass jemand in einer dunklen Gasse verprügelt wird, dann gebietet ihm die Neutralität dem Opfer nicht zu helfen? :confused_face:


    Es gibt so ein paar Dinge die mir spätestens seit "Corona" fürchterlich ärgern


    • Dieses Geraune und Herumgedruckse "ich würde ja gerne etwas deutlicher schreiben, aber man darf ja wie in der DDR nicht mehr offen seine Meinung sagen." Doch darfst du, du kommst dafür weder ins Gefängnis, wirst beim Teetrinken vergiftet oder fällst plötzlich einem bedauerlichen Verkehrsunfall zum Opfer. Du musst nur ertragen, dass andere Menschen, die du in der Realität noch nie getroffen hast, dir widersprechen. Das nennt man Diskussion oder Meinungsaustausch. Und ja, es ist erlaubt hinzuzulernen oder gar seine Meinung zu ändern.
    • Wenn etwas nicht zu 100% "richtig" oder beweisbar ist, dann muss das Gegenteil auf jeden Fall wahr sein. Was ich nicht innerhalb 10 Sekunden verstehe muss sowie falsch sein, die Welt wird von den Leuten heute nur einfach kompliziert gemacht
    • Wer mehr hat als ich kann das nur auf unlautere Weise erworben haben, Sportler und Musiker selbstverständlich ausgenommen.
    • Dieses "ja aber die haben das auch gemacht und da hat niemand protestiert". Doch es wurde schon immer protestiert, die Proteste gegen den Golfkrieg Anfang der 90er waren aber beim deutschen Michel genauso (un)beliebt wie heute FFF.
    • Und selbst wenn, wenn bei meinem Nachbarn eingebrochen wird und es wird nur halbherzig ermittelt, dann ist das kein Freibrief für den Einbrecher auch bei mir einzubrechen "Herr Staatsanwalt ich verstehe das nicht, mein Kumpel wurde doch auch nicht erwischt, das ist ungerecht"
    • Diese verharmlosenden Wörter wie Dilemma, Ereignisse usw.. Dort findet ein Angriffskrieg statt. Bei einer "Befreiung" würde ich doch jetzt Bilder von Flüchtlingsströmen in Richtung "russischer Heimat" und nicht in Richtung "böser Westen" erwarten, aber selbst bei den Staatsmedien wie RT scheint es die nicht wirklich zu geben.

    Daran dass die Wirtschaftssanktionen fürchterliche Auswirkungen haben sieht man dass es für den Frieden sehr wichtig ist eine enge wirtschaftliche Verflechtung zu haben, es muss einfach viel zu teuer werden eine Angriffskrieg zu führen, leider hat das Putin nicht gesehen oder es war ihm egal.

    Hut ab wenn der Schweizer bei einer Prügelei in einer Gasse sofort weiss und vor allem entscheiden kann wer Opfer und wer Täter ist. Die Opfer- und die Täterrolle beanspruchen natürlich beide Seiten. In aller Regel wird der Schweizer so wie jeder normale Mensch erstmal die Auseinandersetzung versuchen zu schlichten. Alles weitere kann dann von der Polizei und den Gerichten erledigt werden. Es steht weder dem einfachen Schweizer noch uns zu über den Konflikt zu richten.

    Wir haben weder genügend Informationen noch die Qualifikation in einem Geopolitischen Konflikt Partei zu ergreifen. Natürlich werden wir humanitäre Hilfe Leisten wo es nur geht.

    Fakt ist, dass es seit 2014 Krieg in der Ukraine gibt und nicht erst seit einer Woche. Fakt ist auch das die Welt immer kriegerischer wird. Im Rahmen der NATO Erweiterung haben sich viele Länder vom Prinzip der Neutralität verabschiedet.

    Kriege sind das Problem der Menschheit seit vielen tausend Jahren. Es gibt ständig Kriege auf der Welt. Wir sollten ein Interesse haben das dieser Krieg nicht ausartet und in einem Weltkrieg endet. Momentan sehe ich leider nur Eskalation auf allen Linien und wir können nur hoffen das alle zur Vernunft kommen.

  • Meiner Meinung nach hatte die Schweiz nicht wirklich eine Wahl, oder?

    Ihr wurde seitens der Nato die Pistole auf die Brust gesetzt und mit Sanktionen gedroht, wenn sie nicht Position bezieht.

    Ist das so? Es gab gewiss eine Art moralischen Druck (auch aus der Bevölkerung!), aber bezüglich deiner Behauptungen würde ich gern etwas handfestes zum Lesen bekommen.


    Zitat

    Im Rahmen der NATO Erweiterung haben sich viele Länder vom Prinzip der Neutralität verabschiedet.

    Kriege sind das Problem der Menschheit seit vielen tausend Jahren. Es gibt ständig Kriege auf der Welt. Wir sollten ein Interesse haben das dieser Krieg nicht ausartet und in einem Weltkrieg endet. Momentan sehe ich leider nur Eskalation auf allen Linien und wir können nur hoffen das alle zur Vernunft kommen.

    Sorry, aber das ist mir zu viel Putin-Denkweise.
    Die NATO ist ja kein Angriffs-, sondern ein Verteidigungsbündnis. Angesichts der bisher und jetzt erfolgten Aktionen Russlands ist es sehr verständlich, dass ehemalige Staaten der UdSSR in der NATO sind oder sein wollen - sie wollen nämlich nicht Teil eines autokratischen, bald diktatorischen Regimes sein.


    Und es ist das Gegenteil der Fall: Die Welt hat viel zu lang zugeschaut und nur halbherzig reagiert. Georgien, Republik Moldau, Syrien, Krim...Russland hat laufend mitgemischt bzw. Kriege geführt und es gab zu wenig Widerstand in der restlichen Welt. Klar fühlte sich Wladimir Wladimirowitsch dann irgendwann ermutigt, den nach Westen driftenden (das geht ja von der Bevölkerung aus!) "Bruderstaat" wieder einzufangen - damit nicht die russische Bevölkerung auf den gleichen Geschmack käme.


    Zitat

    Wir haben weder genügend Informationen noch die Qualifikation in einem Geopolitischen Konflikt Partei zu ergreifen

    Das ist schlichtweg Unsinn. Russland hat wochenlang Truppen an der Grenze zusammengezogen und behauptet, sie seien nur für Manöver dort, man würde nie die Ukraine angreifen. Wenige Tage später passierte aber das ganz eindeutig.

  • Ich gebe Dir in vielen Punkten recht. Aber leider löst das Beharren auf seiner Sichtweise keine Konflikte sondern lassen es zu einem Flächenbrand eskalieren.

    Du hast es ja schön mit den Worten abgetan: Das ist mir zu viel Putin-Denkweise….

    Konflikte kann man dadurch lösen in dem man der Gegenseite zuhört, die Meinung akzeptiert und dann in Verhandlungen zu einer Lösung kommt. Das es friedliche Lösungen ohne Waffen gibt haben wir deutschen ja vor über 30 Jahren erlebt. Es gab ein Friedensangebot der Russen an die Europäer. Möglicherweise war Russland damals zu schwach um gegenzuhalten? Wer weis? Nun sind wir an einem Punkt da Russland sich seine Territoriale Stellung auf dem europäischen Kontinent zurück erobert und wir müssen erkennen das wir zu schwach sind oder uns die Ukraine keinen 3. Weltkrieg wert ist.

  • Dann soll man also Putin gewähren lassen und die Ukraine opfern? Putin ist inzwischen so was von jenseits jeder Realität, dass Verhandlungen aussichtslos sind. Bis jetzt hat er die Politiker doch nur verarscht und gelogen.


    Hat das mit der Ukraine erstmal geklappt, versucht er es als Nächstes vielleicht mit dem Baltikum, oder Polen oder... Putin trauert doch den Grenzen von vor 30 Jahren nach. Den wird man so schnell nicht wieder stoppen, ausser in Russland selbst von innen heraus.


    Europa bleiben nur strenge Sanktionen. Wenn das Volk erstmal hungert, die Soldaten angesichts der Sinnlosigkeit dieser Invasion desertieren oder die Oligarchen Milliarden Dollar verlieren, sollte es Putin schwerfallen, diesen dreckigen Krieg weiterzuführen. Hoffe ich.

  • Zitat

    Konflikte kann man dadurch lösen in dem man der Gegenseite zuhört, die Meinung akzeptiert (...)

    Bei einem einseitig angezettelten Angriffskrieg auf einen souveränen Staat, bei welchem vor allem die Zivilbevölkerung zu leiden hat? Ernsthaft?

    Das ist keine "Meinung" einer Gegenseite, sondern ein völkerrechtswidriges Verbrechen.


    Zitat

    und dann in Verhandlungen zu einer Lösung kommt.

    Was "Verhandlungen" für einen Putin bedeuten, sollte doch klar sein. Alleine schon das Verhandeln zu nennen, ist absolut unangemessen.

    Wenn jemand in deine Wohnung einbricht, deine Familie bedroht und all' deine Wertsachen ausrauben will, wirst du dann auch erst mit dem Einbrecher "verhandeln" wollen?


    Auf deiner Einwürfe gehe ich nicht ein, da diese zu weit an der Realität vorbeigehen.

  • Hallo verehrte Forenmitglieder, Ihr habt gedanklich wertvolle Meinungen und Ansichten :thumbs_up: . Meine Frage basierte NUR hinsichtlich der Neutralität der Schweiz, was mich primär interessiert. Nicht die Meinungen über den Ukraine Krieg und seine Hintergründe und Vorgeschichten. Verliert die Schweiz durch dieses Schlüsselerlebnis ihre Neutralität auch für künftige Konfliktherde auf der Welt?

    Meiner Meinung nach hatte die Schweiz nicht wirklich eine Wahl, oder?

    Den Eindruck habe ich auch. Es wirkt wie eine globale Sogwirkung. IKEA schließt seine Filialen in Russland, Menschen müssen wieder richtige Möbel kaufen. :loudly_crying_face: :grinning_face:

    Also wenn ein Schweizer sieht dass jemand in einer dunklen Gasse verprügelt wird, dann gebietet ihm die Neutralität dem Opfer nicht zu helfen?

    Mitte der 90er war ich in London abends im Dunkeln unterwegs und sah von der Straße aus, wie in einem Park jemand von mehreren Leuten verprügelt wurde. Ich bin unbeirrt auf der Straße neben dem Park weitergelaufen, habe mich da nicht eingemischt, oder gar den Helden gespielt. Einerseits wusste ich nicht, um was es da geht und andererseits war mir die Situation zu heikel. Bin ich jetzt aufgrund meines damaligen Verhaltens ein Schweizer? :face_with_monocle:


    Es gibt ständig Kriege auf der Welt.

    Als ich in den 80er Jahren zur Schule ging sagte damals unser Geschichtslehrer, auf der Welt gibt es immer so ca. 30 Kriege/Konfliktherde. Hat sich da was geändert seit heute? Ich denke nicht, nur mit dem Unterschied, das es heute Internet/soziale Medien gibt und jeder weltweit jederzeit von einem Krieg/Konflikt erfährt. Ein sehr prägendes Beispiel für mich war die Operation mit Osama bin Laden in Abbottabad, als sein damaliger Nachbar in den sozialen Medien in "Realtime" berichtete, dass in seiner unmittelbaren Nachbarschaft gerade eine Militäraktion läuft.

    Wir haben weder genügend Informationen noch die Qualifikation in einem Geopolitischen Konflikt Partei zu ergreifen.

    Da stimme ich zu, wir sind alle nur Zaungäste und erfahren je nach Land, in dem wir die Nachrichten schauen, jeweilige Erzählformen, Narrative.


    Zur Nato: Auch die Nato hat ihre geopolitischen Interessen, es ist ein Verteidigungsbündnis, aber auch die Nato interveniert im Interesse Ihrer Mitglieder; im Wesentlichen geprägt und im Kern gesteuert durch die USA und deren geostrategischer Interessen. Die Nato ist keine Blümchen und Bienchen Vereinigung. Generell finde ich die Nato gut, sie schützt kleine Länder vor staatlichen Räubern.


    Wird die Schweiz durch die Parteiergreifung im jetzigen Fall einen Schaden erleiden? Ich würde das als schmerzhaft empfinden.

  • Wird die Schweiz durch die Parteiergreifung im jetzigen Fall einen Schaden erleiden? Ich würde das als schmerzhaft empfinden.

    Hier von "Schaden" zu reden, finde ich im Vergleich zynisch.


    Wie auch immer, zurück zum Thema.

    Die Verfassung lässt sich hier nachlesen:

    https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de

    Das Wort "Neutralität" kommt zwei mal vor.


    Danach sollte man schauen, wie die Neutralität definiert ist:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Neutralität_der_Schweiz

    "Sie [die Neutralität] bedeutet, dass sich die Schweiz nicht militärisch an bewaffneten Konflikten zwischen anderen Staaten beteiligt."

    Weiters: "Inhalt und Tragweite der schweizerischen Neutralität haben sich hingegen im Laufe der Geschichte immer wieder stark gewandelt."


    Also kein Skandal...Zumal die Übernahme der Sanktionen ja auch vom Nationalrat jetzt recht eindeutig gewollt wurde.

  • Ich schaue fast jeden Morgen im Netz ein Video von einem Schweizer Journalisten und Politiker, er hat eine brillante Rhetorik, gerade um diese Zeit früh morgens und er gewährt mir mit seinen News über die Schweiz und aktuelle Themen einen guten Einblick, gerade das Politische.

    Anhand der Beschreibung ist wohl stark zu vermuten, dass von Roger Köppel die Rede ist.

    Da solltest du wissen, dass seine Berichterstattung als SVP-Exponent auch alles andere als neutral ist und der Blick auf die Themen der Schweiz doch im Detail arg verzerrt oder zumindest einseitig sein dürfte.

  • Wird wirklich interessant wie sich die Schweiz bei dieser Transformation der Weltordnung positionieren kann.

    Der Mythos der Neutralität hat in den vergangenen Jahren tatsächlich gelitten. Stichwort: Kryptoaffäre.

    Dazu der ständige Druck auf das Bankgeheimnis. Nun Sanktionen und Anbiederung an die EU die nun wahrlich keinen Aufwärtstrend verbuchen kann.

    Sieht so aus als müsste sich die Schweiz neu erfinden.

  • Anbiederung an die EU die nun wahrlich keinen Aufwärtstrend verbuchen kann.

    :face_with_raised_eyebrow:

    Die EU ist der wichtigste Handelspartner der Schweiz:
    "69% der Schweizer Importe stammen aus der EU und 51% der Schweizer Exporte gehen in die EU. Die EU ist der mit Abstand wichtigste Markt für die exportorientierte Schweizer Industrie."
    Quelle: https://www.eda.admin.ch/missi…/wirtschaft-finanzen.html


    Zweifelsohne profitiert die Schweiz auch zum grössten Teil von den bilateralen Verträgen, welche es deutlich einfacher machen, beispielsweise Medizingeräte in der EU zu verkaufen. Ohne PFZ wäre es für die Schweiz viel schwieriger, den Bedarf an Arbeitskräften zu decken.

    Demzufolge ist es nur logisch, dass man mit der EU durch Verträge verbunden ist.

    Dies als "anbiedern" zu bezeichnen ist einfach nur schäbig, unterstreicht aber eine gewisse negativ-destruktive Geisteshaltung.

    Eine Schweiz als Insel funktioniert nicht.

  • Hier von "Schaden" zu reden, finde ich im Vergleich zynisch.

    ui, zynische Gedanken hatte ich nicht im Kopf, als ich von einem Schaden für die Schweiz schrieb. Ich lese gerade ein Buch mit dem Titel Leben 3.0, es wird gesprochen von einer Industrie 4.0, Windows ist glaube ich aktuell bei 10.0, vielleicht gibt es auch eine Neutralität 2.0, derer sich die Schweiz annimmt, oder sie für sich als fundiert anerkannter neutraler Staat neu definiert.


    Interessant was Wiki in der Definition von Zynismus schreibt, ich hatte das bisher gar nicht so extrem empfunden.


    In der heutigen Umgangssprache bezeichnet Zynismus, sowie das abgeleitete Adjektiv zynisch, vor allem eine Haltung, Denk- und Handlungsweise, die durch beißenden Spott geprägt ist und dabei oft bewusst die Gefühle anderer Personen oder gesellschaftliche Konventionen missachtet. Das Große Wörterbuch der deutschen Sprache definierte 1999 zynisch als „eine gefühllose, mitleidlose, menschenverachtende Haltung zum Ausdruck bringend, die besonders in bestimmten Angelegenheiten, Situationen als konträr, paradox und als jemandes Gefühle missachtend und verletzend empfunden wird“, der Duden nennt als Erstbedeutung für zynisch „auf grausame, den Anstand beleidigende Weise spöttisch“. 

  • Interessant ist, dass sich derzeit konservative Politiker für Frieden und Neutralität einsetzen.

    Christoph Blocher (SVP): Je schlimmer es in der Welt zugeht, desto wichtiger ist die Neutralität.

    https://www.nzz.ch/schweiz/chr…ur-selbstzweck-ld.1672984


    Roger Köppel (Weltwoche) bemängelt die Eskalation im Ukrainekonflikt und mahnt die Schweiz zur Neutralität.

    https://weltwoche.ch/story/welt-am-abgrund-2/


    Wie zur Zeit auf beiden Seiten für Frieden stehende Meinungen niedergeknüppelt werden lässt das Schlimmste befürchten. Wo man hinsieht Scharfmacher, Aufrüsten, maximale Blockbildung. Wir haben schon einen Weltwirtschaftskrieg. Die Schweiz droht in diesen Mühlen zerrieben zu werden.

    Die Schweiz täte gut daran sich auf Ihre Tugenden zurück zu besinnen die sie erfolgreich gemacht hat.

    Wenn alle europäischen Staaten sich mit den Sanktionen ins eigene Fleisch schneiden, ist es eine einmalige Chance der Schweiz hier einen Gegenpol zu setzen. Die Schweiz war viele Jahre der Inbegriff der Diplomatie. Sollte sie diesen Nimbus aufgeben wird es weitreichende Konsequenzen haben.


    D`accord. Aber genau diese Abhängigkeit zeigt doch das derzeitige Dilemma auf. Die EU hat massivste Probleme im Verteidigungsapparat, Energiesektor und mit den Sanktionen auch bald gravierende wirtschaftliche Probleme.


    Das Thema Neutralität ist eng verknüpft mit dem Souveränitätsprinzip die Bundesrat Ueli Maurer bereits 2014 thematisiert hat:

    https://www.admin.ch/gov/de/st…ilungen.msg-id-54954.html


    Zitat:

    „Institutionen ohne demokratische Legitimation erhalten mehr und mehr Kompetenzen. So wie beispielsweise der Internationale Währungsfonds oder die Europäische Zentralbank. Über die Köpfe der betroffenen Bevölkerung hinweg bestimmen sie in vielen Staaten mittlerweile die Wirtschaftspolitik.
    Offenbar akzeptieren mächtige Staaten wie die USA die Souveränität anderer Länder nicht mehr. Sie erklären eigene Gesetze für weltweit gültig - und setzen diese auch hier bei uns durch, wie zum Beispiel FATCA.

    Die EU reduziert seit Jahren Schritt für Schritt die Souveränität ihrer Mitgliedsstaaten. Und sie will offensichtlich auch die Schweiz immer stärker in ihren Machtbereich einbinden: Wir verhandeln jetzt über eine „institutionelle Lösung". Das könnte dazu führen, dass wir ihre Gesetzgebung fortlaufend übernehmen und uns ihren Richtern unterstellen müssten. Das wäre dann das Ende unserer Souveränität.

    Einmal editiert, zuletzt von Maik () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von BonjourSuisse mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Über die Neutralität und was diese konkret bedeutet, darüber kann man in der Tat unterschiedlicher Meinung sein, daher gehe ich nicht näher darauf ein, sondern auf deinen Abgesang auf die so böse/schlimme/schlechte EU, welche seit vielen Jahrzehnten für Frieden und Wohlstand in Europa sorgt.


    Es gibt ja zum Glück nicht nur die SVP-Schweiz, welche der Meinung ist, dass einen dieser Konflikt nichts angeht und auch nichts gegen Profite durch (passive) Beihilfe bei der Umgehung von Sanktionen hat.


    Zitat

    Die EU hat massivste Probleme im Verteidigungsapparat, Energiesektor und mit den Sanktionen auch bald gravierende wirtschaftliche Probleme.

    Hier wird's wieder langweilig, weil immer die gleiche Platte die bar jeder Realität ist.

    Zwischen 2010 und 2019 ist der BIP in der EU um 27 % gewachsen, in der Schweiz im gleichen Zeitraum nur um 16 %.
    2020 war der Einbruch beim BIP in der EU prozentual stärker als in der Schweiz, aber das hat primär mit Corona zu tun (bzw. den Lockdowns)

    Zum Thema Energie: Es ist leicht, sich über die Ökostromstrategie von Deutschland lächerlich zu machen, wenn man in einem Land wohnt, welches Dank ihrer Topographie 56% ihres Stromverbrauchs mit Wasserkraft decken kann. Und spätestens jetzt sieht man ja, wie wichtig es (meiner Meinung nach) ist, sich von russischen fossilen Energieträgern unabhängig zu machen. Dezentrale Erzeugung durch erneuerbare Energien.


    Das Thema Verteidigung ist wohl ebenfalls ein Eigentor. "Die beste Armee der Welt" dürfte wohl auch kaum einen Angriff wie jenen russischen abwehren können. Und Knatsch und Pannen gibt's auch im Schweizer Militär genug. Fun Fact: Vor ein paar Jahren hätte es für einen erfolgreichen Luftangriff schon ausgereicht, diesen ausserhalb der Schweizer Bürozeiten durchzuführen.
    Hier auch wieder auf dem hohen Ross zu sitzen, nur weil die Schweiz glücklicher Weise nicht unmittelbar an Russland grenzt, ist doch sehr wohlfeil.

  • Vor ein paar Jahren hätte es für einen erfolgreichen Luftangriff schon ausgereicht, diesen ausserhalb der Schweizer Bürozeiten durchzuführen.

    ein lustiger Satz :grinning_face_with_smiling_eyes: "Sie wollen Krieg, dann halten Sie sich bitte an unsere Öffnungszeiten, morgen ab 09:00h wieder." :zany_face:

    Und sie will offensichtlich auch die Schweiz immer stärker in ihren Machtbereich einbinden: Wir verhandeln jetzt über eine „institutionelle Lösung". Das könnte dazu führen, dass wir ihre Gesetzgebung fortlaufend übernehmen und uns ihren Richtern unterstellen müssten. Das wäre dann das Ende unserer Souveränität.„

    Das höre ich auch fasst jeden morgen, wenn ich dem Schweizer Rhetoriker in seinem Video lausche um schneller wach zu werden. Irgendwie finde ich es gut, dass die Schweiz kein EU-Mitglied ist, wenn auch viele Verträge bestehen. Generell finde ich die EU gut, leider habe ich das Gefühl, dass diese Vereinigung von Menschen geführt wird, die zwar ansatzweise Visionen haben, aber letztlich schlechte Politiker sind.


    Noch ein (OFF TOPIC): Auf dem TV Kanal Arte gibt es schon seit vielen Jahren eine Sendung mit dem Namen "mit offenen Karten". Wer Interesse hat, mal die gesamte Vorgeschichte der Ukraine zu erfahren, bis Minute 06.11h hier wird das sehr plakativ erklärt.

    Putin, die Ukraine und danach? | Mit offenen Karten Spezial Ukraine | ARTE - YouTube

  • Neutralitätsrecht und Neutralitätsprinzip und Neutralitätspolitik. Neutralitätspolitik ist umstritten und hängt vom Einzelfall ab. Was Neutralitätspolitik ist, das ist nicht ins Matterhorn gemeißelt. (..) Im konkreten Fall habe die Schweiz keine Wahl gehabt, sonst hätte die Schweiz zu Gunsten des Aggressors indirekt die Initiative ergriffen, dass noch mehr Leid entsteht. Und die bedeutende Stellung der Schweiz im Wirtschaftswesen gab mit den Ausschlag sich gegen Russland zu positionieren. Außerdem bestand die Gefahr für die Schweiz von den USA und EU selbst sanktioniert zu werden.


    Es war für mich nicht einfach die Sprache des Podcast zu verstehen :grinning_face: :nerd_face: Die Aussagen decken sich mit meinem Gedanken, weshalb die Schweiz sich in diesem Fall positioniert hat, positionieren musste. Und hier wurde es schon geschrieben, die Kanäle des Dialogs in der Schweiz sind offen.