Allgemeine Fragen zu meinem Vorhaben (bzgl. Steuer, Heiratsstrafe, Krankenversicherung,..) aus der Sicht eines Österreichers

  • Passend zum Thema gibt's Neuigkeiten aus dem Ständerat:
    https://www.bzbasel.ch/news-se…leeren-koennen-ld.2262686

    "Konkret sollen die Guthaben der beruflichen Vorsorge wieder vollständig für den Kauf von Wohneigentum genutzt werden können. Seit 2013 gilt bei der Finanzierung die Regel, dass die Hälfte der Eigenmittel selbst eingebracht werden muss. Die andere Hälfte kann aus der zweiten Säule entnommen werden. Dadurch wurde der Kauf von Wohneigentum erschwert, ist sich die Kommission einig. Sie forderte daher, dass der geforderte Mindestbetrag an Eigenmitteln wieder vollumfänglich mit Geldern der zweiten Säule gedeckt werden kann."


    Ich muss sagen, ich bin da zwiegespalten. Wegen der Eigenkapitalanforderungen wird der Immobilienerwerb natürlich immer schwieriger - die Preise kennen aktuell nur eine Richtung und andererseits gibt's keine Spar- sondern Negativzinsen.
    Andererseits: Wenn dann jemand beispielsweise CHF 200.000 aus seiner PK entnimmt (so viel Altersguthaben muss man ja auch erstmal haben), dann bleibt nicht mehr viel im Alter übrig und dann ist man wieder beim Thema: Teure Immobilie im Alter, kaum abbezahlt, kaum Alterseinkünfte, Tragbarkeit eventuell nicht mehr gegeben.

    Hier bin ich dann übrigens, laut Artikel, überraschender Weise mal der gleichen Meinung wie Ueli Maurer :grinning_face_with_sweat:

  • Wie ich am Ende meines Beitrages erwähnt habe, ist es immer Ansichtssache des Betrachters und jeder muss mit sich selbst, seinen Entscheidungen und Wertvorstellungen am Ende klar kommen!

    Wenn Ihr Eure Verantwortung der Familie gegenüber an Risikolebensversicherungen oder weiss ich was fest macht, damit die Hinterbliebenen später abgesichert sind, dann soll das so sein.


    Ich für mich bin mit meinem jetzt doch recht bescheidenen, minimalistischen Leben sehr zufrieden und stolz auf das, was ich bisher erreicht habe. Meine Wertvorstellungen haben sich im Laufe der (Lebens)jahre gewaltig geändert!

    Der Ausschlag war 2008, als mein damaliger Chef, einer der Besten, den ich je hatte, mit 51 am Herzinfarkt gestorben ist...

    Mein grosses Vorbild ist heute vor allem meine Oma! Oder generell eine andere Generation!

    Sie hat bis ins hohe Alter mit uns in dem Haus gelebt, was ihren Schwiegereltern gehört hat!

    Hauptsächlich aus meiner eigenen Lebensgeschichte, der meiner Eltern und meines Bruders habe ich so viel

    gelernt. Vor allem, dass eine Immobilie, auch ohne Kreditlast (wie die meiner Eltern), keine Garantie für irgendetwas ist!!!


    Ich war 25 Jahre mit einem Pessimist und Geizhals verheiratet, auch das hat mich geprägt.

    Unsere Scheidung hat ganze 7 Minuten gedauert, war ein "Schnäppchen". Wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt. Ich hatte keinen Anwalt und habe eine kleine "Abfindung" bekommen.


    "Betongold" diesen Begriff kenne ich von meinem Vater. Zuletzt wollte er unser Elternhaus meinem Sohn so verkaufen, damit er mit seiner Familie einzieht und wieder ein Mehrgenerationenhaus daraus wird.

    Heute funktioniert das leider nicht mehr so. Die jungen Leute ticken etwas anders. Wenn man bedenkt mit welchen finanziellen, materiellen Mitteln, viel Eigenleistungen und Improvisation in der ehemaligen DDR ein Haus gebaut wurde. Auch nach der Wende und darüber hinaus, bekommt das Wort "Betongold" für mich eine ganz andere Bedeutung.


    Das mein Bruder und ich auf einer Baustelle gross geworden sind, anstatt mit den Eltern um die Welt zu reisen, stört mich auch heute noch nicht! Ganz im Gegenteil, wir hatten eine recht schöne Kindheit, denn es war ja bekanntlich nicht alles schlecht!


    Was aus unserem Elternhaus einmal wird, ich habe keine Ahnung!

    Ich kenne weder den Wert vom Haus, noch das Testament meiner Eltern.

    Das Testament meiner Oma habe ich vor einigen Jahren gefunden, als ich zu Besuch bei meinen Eltern war.

    Ein Zettelchen Handgeschrieben, dass ihre einzige Tochter Alleinerbin ist, fertig! Meine Oma hat uns zu Lebzeiten alles gegeben!

    Vor 7 Jahren, als meine Oma inzwischen im Pflegeheim lag, wollte mein Vater mir die Miete erhöhen, weil er nicht mehr eingesehen hat, mir meinen Lebensstandard zu finanzieren...

    Heute kann ich ihm beweisen, dass ich gut alleine zurecht komme und es ist ihm auch nicht Recht!!!

    Ich könnte mir sogar vorstellen meine betagten, kranken Eltern hierher zu mir zu holen.

    Wenn sie das Haus verkaufen würden, bin ich mir sicher, dass sie sich hier noch einige schöne Jahre machen, sich in Deutschland Betreutes Wohnen oder eine altersgerechte Wohnung leisten könnten.

    Auch hier geht es mir um die Lebensqualität meiner Eltern, trotz fortschreitender Demenz bei meinem Vater und fortschreitendem Parkinson bei meiner Mutter! Nicht darum wieviel von meinem Erbe abgeht!


    Soviel dazu, zur Risikolebensversicherung, ETF`s, Verantwortung für die Familie, Gedanken an Exit...

    Es geht in erster Linie um Lebensqualität und Wertvorstellungen auch da kann/darf man geteilter Meinung sein, ohne einer Bewertung zu unterliegen!

    Ich weiss, dass ich und vielleicht nicht nur ich, anders ticke und das ist auch gut so!


    Ich gebe ehrlich zu, dass ich nur durch Zufall gemerkt habe, dass in der Welt etwas nicht stimmt!

    Nämlich als ich mein Haushaltsbuch aktualisiert habe, am Goldpreis...

    Da kam mir doch gleichzeitig das Buch von Herrn Prof. Dr. Bocker in den Sinn:

    "Freiheit durch Gold" - Sklavenaufstand im Weltreich der Papiergeldkönige.

    Sehr zu empfehlen!

    Sogar ich habe verstanden, was da geschrieben steht, ohne dass ich besonders intelligent bin :winking_face:


    Ich habe meine Art der Altersvorsorge oder das kleine Erbe, was ich später hinterlassen werde, wenn ich aufgehört habe zu LEBEN meinen besonderen Lebensumständen angepasst :winking_face:

    Dabei vergesse ich nicht die armen Menschen, denen es nicht so gut geht wie mir/uns, gerade jetzt, in dieser Zeit...


    Dagegen sind unsere Probleme im Moment sowas von unwichtig!

  • Also auf Pump würde ich mir wahrscheinlich keine Immobilie kaufen. Aber solange ich es mir leisten kann, ohne jetzt gross einen Finanzplan aufstellen zu müssen, würd ich ein Eigenheim einer Mietimmobilie immer vorziehen.

    Neben dem Anlageaspekt gehört es für mich auch einfach zur Lebensqualität, ein kleines Stückchen Land mit einem Häuschen drauf, wo mir (fast) keiner reinquatschen kann. Die Kinder und unser Hund können sich frei entfalten, es gibt keine Hausordnung oder andere Mieter, auf die man Rücksicht nehmen muss. Das Gras wächst, solange ich das will, die Waschmaschine kann auch Sonntags laufen, ich kann den ganzen Tag nackt durchs Haus laufen, wenn ich Lust drauf hab, und vor allem fliesst nicht monatlich ein beträchtlicher Batzen Geld in die Tasche irgend eines Vermieters.

    Das ist für mich die Definition von Betongold.

  • Teure Immobilie im Alter, kaum abbezahlt, kaum Alterseinkünfte, Tragbarkeit eventuell nicht mehr gegeben.

    Sollte eigentlich nicht vorkommen, wenn die Banken korrekt beraten. Also wenn mit 5% Zinsen gerechnet wird und auch die Einkommen aus AHV und Säule 2 und 3a herangezogen werden. Die Bank hat ja auch kein Interesse daran, dass Haus dann irgendwann zwangszuversteigern.

    Also auf Pump würde ich mir wahrscheinlich keine Immobilie kaufen. Aber solange ich es mir leisten kann, ohne jetzt gross einen Finanzplan aufstellen zu müssen, würd ich ein Eigenheim einer Mietimmobilie immer vorziehen.

    Hat bei dir sehr gut geklappt. Leider haben viele Normalverdiener nicht mal eben eine Million EUR/CHF auf hohen Kante liegen, um ohne Kredit kaufen zu können. Für die meisten ist der Eigentumserwerb nur mit Hilfe von Kredit möglich. Rein aus wirtschaftlicher Sicht ist es auch schlechter, ein Eigenheim direkt zu kaufen als über Kredit (zumindest bei den aktuellen Zinsen). Für das Geld bekommt man, vermutlich(!), am Aktienmarkt mehr Rendite. D.h. 20% oder 33% EK sind in der Schweiz sinnvoll, mehr eigentlich nicht. Andererseits hat man natürlich den Vorteil, dass man keine Zinsen für Fremdkapital bezahlen muss und einem das Haus / die Wohnung selbst gehört (nicht der Bank).


    Bitte nicht falsch verstehen: du bist damit zufrieden und hast für dich eine sehr gute Lösung gefunden. Das was du beschrieben hast klingt gut, speziell wenn ihr Landleben mögt.

  • Du hast natürlich recht, dass der Normalverdiener auf Kredit kaufen muss, wäre mir aber zu unsicher, da ein Gehalt auch mal schnell wegbrechen kann bei Jobverlust oder längerer Krankheit. Das hat man doch die nächsten 20-30 Jahre immer im Hinterkopf. Da würd ich mich nicht fürs verschulden entscheiden. Und wer weiss, ob die Kinder dann die Burg überhaupt irgendwann übernehmen wollen. Ich find das auch grässlich, in ein Erbe reingedrückt zu werden, und alle erwarten, dass man es zu schätzen hat, weil sich die Eltern das schliesslich vom Mund abgespart haben. Ich bin selbst ausgebrochen aus so einer generationenlangen Erbschaftsspirale. Wir haben meine Eltern zu Hause bis zu deren Tod gepflegt. Meine Mutter wurde dort auch geboren. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, in der selben Hütte auch irgendwann ins Gras beissen zu müssen, also haben wir nach dem Ableben der Eltern das gesamte Anwesen verkauft, und sind ausgewandert.


    Ich hab auch zuerst überlegt die Summe fürn Hauskauf in der Schweiz zu finanzieren und die eigene Kohle aufm Depot zu lassen.

    Allerdings wer weiss, wie sich der Markt weiter verhält und was nach dem Ukrainekrieg als nächstes auf uns zukommt.

    Daher hab ich mich für die klassische Verteilung Immobilie/Edelmetalle/Barvermögen/Anlagedepot entschieden. Wirft zwar nicht mehr so viel ab, gibt mir selbst aber ein besseres Gefühl.

  • Du hast natürlich recht, dass der Normalverdiener auf Kredit kaufen muss, wäre mir aber zu unsicher, da ein Gehalt auch mal schnell wegbrechen kann bei Jobverlust oder längerer Krankheit. Das hat man doch die nächsten 20-30 Jahre immer im Hinterkopf.

    Da hast du vollkommen Recht. Leider machen sie viele nicht solche Gedanken, dass ein Gehalt auch mal wegfallen kann.



    Ich find das auch grässlich, in ein Erbe reingedrückt zu werden, und alle erwarten, dass man es zu schätzen hat, weil sich die Eltern das schliesslich vom Mund abgespart haben.

    Auch hier gebe ich dir Recht. Jeder trifft für sich Entscheidungen in seinem Leben, und auch wenn die Eltern ihr Leben lang für das Erbe geschuftet haben, heisst das nicht, dass man als Kind in ewiger Bringschuld steht.

    Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, in der selben Hütte auch irgendwann ins Gras beissen zu müssen

    Wird jetzt nicht mehr passieren (ihr seid ja ausgewandert), aber unabhängig davon wünsche ich dir erstmal beste Gesundheit und ein langes Leben.


    Daher hab ich mich für die klassische Verteilung Immobilie/Edelmetalle/Barvermögen/Anlagedepot entschieden. Wirft zwar nicht mehr so viel ab, gibt mir selbst aber ein besseres Gefühl.

    Das ist das Wichtigste. Die Entscheidung muss jeder individuell treffen, und wenn es dir ein besseres Gefühl gibt, dann sind alle anderen Argumente zweitrangig.

  • Hallo Kerstin,


    vielen Dank für diese hilfreichen Infos!


    Ja gesund sind wir Gott sei Dank alle 4, nur ich denke, wir werden doch 4-5x im Jahr jeweils zum Arzt gehen müssen (Erkältung, Grippe, Vorsorgeuntersuchung, die eine oder andere Facharzt-Untersuchung Augen, etc..), also das übliche würde ich sagen. Da ich noch keinen Überblick habe, was mir das kosten würde, habe ich pauschal das Modell mit hoher monatlicher Prämie und kleinster Franchise als richtig eingestuft. Aber eventuell ist die Variante mit 2500er Franchise + der Zusatzversicherung doch die bessere. Notfalls kann man es ändern denke ich, wenn man merkt die andere Variante wäre die richtige oder?


    Den Vorteil, dass man wie ein Privatpatient behandelt wird finde ich auch sehr positiv! In Österreich zahlt der Durchschnitt eine hohe Sozialversicherung, dafür kommst du dir bei 80-90% der Arztbesuche wie in einer Massenabfertigung, d.h. 2 Stunden im Warteraum und 3-5 Minuten beim Arzt. Länger als das dauern die Gespräche mit dem Arzt nicht und das lässt er einem auch so rüberkommen, dass man ja nicht viele Fragen stellt. Man sieht ihm die Ungeduld an und es entsteht die Atmosphäre, als würde er dich kostenlos behandeln und Arzt wie Patient vergessen oft, dass einem monatlich durchschnittlich 400-800€ vom Bruttogehalt in die Sozialversicherung abgezweigt werden...


    Das stimmt "fast". Allerdings ist es so, dass wenn ihr beide einer Arbeit nachgeht, einige Abzüge doppelt gemacht werden. Bspw. zweimal die Säule 3a, zweimal der Weg zu Arbeit, zweimal Verpflegung ausser Haus, zweimal Abzüge für die Arbeit (ich gehe mal davon aus, dass ihr in die nachträglich ordentliche Veranlagung "NOV" rutscht - mit Bonus, 13. und was weiss ich). Das macht dann unterm Strich auf jeden Fall schon etwas aus.

    Wir zahlen zu dritt etwa 1030 CHF im Monat bei maximaler Franchise, aber dafür private Zusatzversicherung. Per S1 Formular sind wir auch am zweiten Wohnort im Ausland "normal" versichert - das war allerdings eine Zangengeburt. Zahnarzt käme bei uns on top, spielt aber bei uns keine Rolle. Die Grössenordnung halte ich bei Dir für realistisch.¨


    Gruss,
    Jan

    Danke auch für deinen Input Jan!


    Dann bin ich ein bisschen beruhigt was die "Heiratsstrafe" angeht :smiling_face:


    Bzgl. Versicherung die auch für das Ausland gilt: Das wäre wohl für uns auch interessant, da wir doch öfters in Österreich zu Besuch sein werden. Muss ich mir dann ansehen, was das genau heißt.


    Zu den Aspekten Steuern und Krankenversicherung gab's ja schon gute Beiträge. Aber hast du denn mal geschaut, was denn deine Wunschimmobilie in der Schweiz kosten würde? Der Grossraum Zürich ist ja nicht gerade günstig.

    Und weisst du, dass man ca. 20 % Cash mitbringen muss (Hälfte darf aus der Pensionskasse sein). Und wie die Tragbarkeit berechnet wird?

    Ja habe mich tatsächlich umgesehen, um ein Gefühl zu bekommen. Zürich Umgebung waren für 90-110qm Wohnung zwischen 0,8 bis 1,2mio zu finden. Häuser so 1,3 - 2mio, je nach Größe, Zustand und Ort. Korrigierts mich, wenn ich hier daneben liege.


    Mein Plan war die ersten 5 Jahre in einer Mietwohnung in Zürich Umgebung zu wohnen und uns in diesen 5 Jahren die 20% Eigenanteil ersparen. Ich denke mit einem Haushaltseinkommen von ca 15k Brutto/Monat, können wir 4-5k monatlich sparen. Das würde rund 250-300k in 5 Jahren bedeuten.


    (PS: In Österreich habe sie es seit heuer auch gesetzlich verankert mind. 20% Eigenanteil erbringen zu müssen)


    Auch ein Danke an alle anderen die bei der Diskussion beigetragen haben!! :smiling_face_with_smiling_eyes:


    PS: Gibt es hier auch Österreicher die den Weg vorgemacht haben und über den "Systemwechsel" berichten können? Das wäre echt mal hilfreich einen direkten praxisnahen Vergleich zu haben!

  • benny23


    Die Vorsorgeuntersuchung ist in der Zusatzversicherung mit eingeschlossen (zumindest bei uns :grinning_face: )

    Gynäkologische Untersuchung für deine Frau würde in der Grundversicherung nur alle 3 Jahre übernommen werden, in der Zusatzversicherung jedoch jährlich.

    Die normalen Arztgänge mit Erkältung oder Grippe oder mal ein Facharzt reissen dir nicht gleich ein Loch ins Portemonnaie.


    Du kannst die Versicherung jedes Jahr ändern - bis 30.11. die Grundversicherung und bis 30.09. die Zusatzversicherung - dann jeweils auf den 31.12. des Jahres. Ausser du hast eine der zwei Kassen gewählt, die Kündigungsfrist am 30.06. haben...(in der Zusatzversicherung)


    Höher versichern geht ganzjährlich immer auf den Folgemonat, ein downgrade geht auch nur zum Kündigungstermin.