Ein Schweizer grüsst euch alle herzlich!

  • Hallo miteinander,


    ich bin neu hier im Forum. Ich bin "waschechter" Schweizer und bin per Zufall auf dieses Forum gestossen. Ich durfte an der Universität Zürich studieren und habe kurz nach Beendigung des Studiums eine Anstellung als Lehrperson im Bereich der Arbeitsintegration gefunden.


    Beruflich und privat hatte und habe ich immer wieder mit Menschen aus Deutschland zu tun, und habe bisher viel Wertschätzung und Respekt erfahren, die ich natürlich auch zurückzugeben versuche. Wie hier in diesem Forum auch von verschiedener Seite erzählt wurde, gestaltet sich das "sich angenommen fühlen", "sich heimisch fühlen" "mit Schweizern Freundschaften aufbauen" oder nur schon "Schweizer in der Nachbarschaft haben" für nicht wenige Deutsche mitunter sehr schwierig.


    Davon bekam ich auch schon ab und zu etwas mit, und es machte mich traurig und befremdete mich. "Diese arroganten Deutschen" - "Arrogante Deutsche?" - Ich habe vielmehr gegenteilige Erfahrungen gemacht. Diejenigen Deutschen die ich kenne, unternehmen z.T. beträchtliche Schritte, um sich zu integrieren. Das wird von einigen meiner Schweizer Landsleute m.M.n. zu wenig gewürdigt und stattdessen schnippisch auf irgendwelche Defizite angespielt.


    Wie dem auch sei, ich möchte gerade denjenigen unter euch, die sich in der Schweiz bestenfalls geduldet fühlen, Mut zusprechen. Vielleicht kann ich jemandem in bestimmten Themen auch den einen oder anderen Tipp geben - auch wenn ich mich z.B. bei Themen wie Finanzen nicht gut auskenne :grinning_face_with_sweat:

  • Hallo Pascal_90, danke für deine positiven Worte. Ich bin sicher, dass du mit deinen Erfahrungen und deinem Wissen den einen oder anderen "Frischlingen" in der Schweiz den einen oder anderen Tipp beim Start geben kannst.

    Hallo Hannoveraner! Gern geschehen! Das würde mich freuen, wenn ich etwas Positives beitragen könnte. Im besten Fall kann ich wirklich den einen oder anderen Tipp geben, auch wenn hier im Forum schon viele Informationen sehr übersichtlich zusammengetragen wurden. Aber jede persönliche Geschichte ist wieder ein wenig anders, dafür ist dieses Forum ja gut. Ich hoffe, du kannst für dich auch etwas aus dem Forum mitnehmen.


    Am ehesten kenne ich mich mit der Stellensuche (beziehungsweise was tun bei Stellenverlust) aus. Die Wohnungssuche ist natürlich sehr von individuellen Präferenzen abhängig (städtisch oder ländlich, nahe bei einem See oder in den Bergen, Infrastruktur, Nähe zum Arbeitsplatz uvm). Ist aber ein interessantes Thema, wo ich natürlich schon auch Präferenzen habe und andere Gegenden eher skeptisch sehe.


    Vielleicht kann ich auch bei anderen Dingen etwas beitragen. Ich finde natürlich Dinge des sozialen Zusammenlebens spannend, wie die Schweizer Knigge. Da habe ich eben darüber nachgedacht, und viele Dinge sind treffend beschrieben. Einige Schweizer sind einfach streng... So rümpfen einige die Nase, wenn ein Deutscher "Züricher" sagt. Ja es heisst Zürcher, aber so schlimm ist das doch nicht. "Für ein anderes Mal: die nennen Zürcher und machen aus dem i- einen Unterschied. Aber halb so wild. Wegen einem i- mehr oder weniger :grinning_face: ", würde ich da sagen und weniger die Nase rümpfen.


    Manchmal läuft es vielleicht auch darauf hinaus, dass ich dem/der einen oder anderen angehenden Auwanderer(in) ein wenig Optimismus für den anstehenden Umzug in die Schweiz geben kann. Ich lasse mich überraschen.

  • Hoi Pascal

    Vielen Dank für diesen positiven und optimistischen Beitrag, ich habe bis jetzt noch keine negativen Erfahrungen mit den Schweizer Ureinwohnern gemacht, ich bin allerdings auch noch nicht wirklich über den Kollegenkreis hinausgekommen, was aber eher an mir und der besonderen Lage der letzten beiden Jahre liegt.

    Wie stehst du denn zu der Frage ob man als deutscher Einwanderer Schwyzerdütsch lernen soll? Auch nach 2 Jahren tue ich mich mit dem Verstehen noch ein bisschenm schwer und muss häufig nachfragen oder raten was wohl gemeint sein könnte. Mit dem Sprechen will ich daher erst gar nicht anfangen, da kann nur merkwürdiger Kauderwelsch herauskommen, auch wenn mir immer mehr Helvetismen herausrutschen.

  • Grüsse zurück in's schöne Solothurn, Hannoveraner :smiling_face_with_smiling_eyes:



    Hoi Pascal

    Vielen Dank für diesen positiven und optimistischen Beitrag, ich habe bis jetzt noch keine negativen Erfahrungen mit den Schweizer Ureinwohnern gemacht, ich bin allerdings auch noch nicht wirklich über den Kollegenkreis hinausgekommen, was aber eher an mir und der besonderen Lage der letzten beiden Jahre liegt.

    Wie stehst du denn zu der Frage ob man als deutscher Einwanderer Schwyzerdütsch lernen soll? Auch nach 2 Jahren tue ich mich mit dem Verstehen noch ein bisschenm schwer und muss häufig nachfragen oder raten was wohl gemeint sein könnte. Mit dem Sprechen will ich daher erst gar nicht anfangen, da kann nur merkwürdiger Kauderwelsch herauskommen, auch wenn mir immer mehr Helvetismen herausrutschen.

    Das freut mich, dass du bisher nicht so viele negative Erfahrungen mit den Schweizern gemacht hast, ich hoffe natürlich das bleibt so!


    Heisst das, dass du dir einen Schweizer Kollegenkreis aufgebaut hast? Dann hast du schon viel erreicht! Oder ist es bisher eher ein deutscher Kollegenkreis (nicht dass das schlecht wäre, Freunde sind Freunde!).


    Das mit dem Schweizerdeutsch ist eine interessante Frage. Tatsächlich sind sich viele Schweizer nicht gewohnt, hochdeutsch zu sprechen und fühlen sich dann eingeschränkt und unfrei (ein wenig ein hartes Wort, aber es geht in diese Richtung). Von dem her wäre es super, wenn du den Schweizerdeutschen Dialekt in deiner Region mit der Zeit besser verstehen könntest. Immerhin wohnst du im Kanton Zürich, dem man nachsagt, dass ihr Dialekt weniger exotisch klingt als der Walliser Dialekt. Das Wichtigste verstehst du mit der Zeit vielleicht zunehmend. Sonst können wir mal ein Sprachtandem machen, und ich lerne Hochdeutsch wie die Profis im deutschen Fernsehen :grinning_face_with_sweat:


    Schweizerdeutsch zu sprechen erwarten die meisten Deutschschweizer eher nicht. Wenn dir Helvetismen herausrutschen, ist das doch auch schon sympathisch :smiling_face_with_smiling_eyes:

    Ich finde es lobenswert und bewundernswert, wenn sich Deutsche im Schweizer Dialekt versuchen. Andere Leute finden es peinlich, aber ich finde das unfair den Bemühungen gegenüber. Es ist schon schwierig. Wobei Menschen aus dem süddeutschen Raum oder aus Vorarlberg (Österreich) hier sicherlich Vorteile haben, weil sie oft Dialekte sprechen, die denjenigen in der Schweiz verblüffend ähnlich klingen.

  • Schwyzerdütsch verstehen reicht in der Regel. Es zu sprechen verlangt schon Übung, damit es nicht albern klingt. Und wird auch nicht erwartet. Verstehen dagegen schon.


    Als ich in Schwaben gelebt habe, meinten dortige Freunde aus Sachsen immer, dass sie super Schwäbisch schwätzen. Es war ein schreckliches Sammelsurium aus zwei schrecklichen Dialekten. Das muss man sich in der Schweiz nicht antun. In der Regel hört man es auch raus, wenn ein Landsmann dahintersteckt.


    Wenn ich gefragt werde, ob Mundart in Ordnung ist, bejahe ich das immer. Und das Gegenüber ist zufrieden. Meine Frau hat mir am Anfang unserer Beziehung mal gesagt, ich solle das Verstehen vorantreiben. „Hochdeutsch“ oder das, was die Schweizer meinen zu sprechen, ist anstrengend, wenn man Mundart reden gewohnt ist.


    Nicht lange und man versteht alle, auch die Walliser. Die hab ich sogar besser verstanden als meine Frau.

  • Hoi Pascal


    Herzlich Willkommen im Forum und vielen Dank für deine Einblicke und die netten Worte! Es ist schön, hier auch einen echten "Local" begrüssen zu können.


    Davon bekam ich auch schon ab und zu etwas mit, und es machte mich traurig und befremdete mich. "Diese arroganten Deutschen" - "Arrogante Deutsche?" - Ich habe vielmehr gegenteilige Erfahrungen gemacht. Diejenigen Deutschen die ich kenne, unternehmen z.T. beträchtliche Schritte, um sich zu integrieren. Das wird von einigen meiner Schweizer Landsleute m.M.n. zu wenig gewürdigt und stattdessen schnippisch auf irgendwelche Defizite angespielt.

    Ich denke es gibt auf beiden Seiten viele nette Menschen, und es gibt auch genug Idioten. Hier spielen sicherlich viele Faktoren eine Rolle, u.a. auch die Sprache. Wenn ich als Deutscher in die Schweiz komme à la "Hoppla, hier bin ich" kommt das natürlich nicht gut an. Auch wenn die Sprache ähnlich klingt, ist man trotzdem Einwanderer. Dementsprechend muss man sich erstmal an die lokalen Gepflogenheiten gewöhnen. Das ist in jedem anderen Land aber genau so.


    Natürlich gibt es auch Schweizer, welche die Anstrengungen nicht genug würdigen oder einfach generell schlecht auf Deutsche zu sprechen sind. Gründe dafür kann es viele geben, z.B. eigene schlechte Erfahrungen oder auch Minderwertigkeitskomplexe bezüglich der Sprache (und unzählige andere). Und natürlich auch Menschen, die Auswärtige generell nicht gut gesinnt sind. Gibt es aber auch in DE, also von daher nichts Neues.


    Meine Erfahrung bisher: wenn man offen ist für den Anderen und die Kultur, den Menschen also ohne Vorurteile begegnet, dann erlebt man viele positive Dinge.

    Das mit dem Schweizerdeutsch ist eine interessante Frage. Tatsächlich sind sich viele Schweizer nicht gewohnt, hochdeutsch zu sprechen und fühlen sich dann eingeschränkt und unfrei (ein wenig ein hartes Wort, aber es geht in diese Richtung).

    Ein Tipp von mir: wenn ich irgendwo anrufe oder mit jemanden persönlich spreche, sage ich als erstes folgenden Satz: Sie können Schwyyzerdüütsch sprechen! Dieser Satz wirkt fast immer Wunder. Du glaubst nicht, wie viele Steine ich schon vom Herzen habe fallen hören danach :smiling_face_with_smiling_eyes:

    Natürlich macht das nur Sinn, wenn man Schweizerdeutsch auch versteht. Zum Glück verstehe ich mittlerweile fast alle Dialekte (auch wenn es z.B. in Grindelwald im Postbus mal etwas länger dauern kann). Ich antworte aber trotzdem weiter auf Hochdeutsch.


    Sonst können wir mal ein Sprachtandem machen, und ich lerne Hochdeutsch wie die Profis im deutschen Fernsehen :grinning_face_with_sweat:

    Das Angebot war zwar an fillg1, aber welchen schweizerdeutschen Dialekt hast du? Züridüütsch?

    Ich weiss auch nicht, wer von uns hier im Forum wirklich Hochdeutsch spricht :rolling_on_the_floor_laughing:


    Vielleicht kann ich jemandem in bestimmten Themen auch den einen oder anderen Tipp geben - auch wenn ich mich z.B. bei Themen wie Finanzen nicht gut auskenne

    Beim Thema Finanzen habe wir einige Leute hier im Forum, die sich gut damit auskennen. Falls du Fragen hast - einfach fragen.



    VG basileus

  • Sali Pascal und Herzlich Willkommen bei uns im Forum :flag_Switzerland:


    Ich freue mich immer sehr, wenn echte Schweizer sich hier anmelden und sich die Zeit nehmen in Einwandererforum zu schreiben. Da dieses Forum sehr vom Austausch untereinander lebt wirst du sehr wahrscheinlich eine grosse Bereicherung sein. Gerade die Meinung und Erfahrung von Schweizern hilft uns Deutschen bei der Integration und löst einige Unsicherheiten.


    Bin sehr gespannt auf deine Beitrage im Bereich Stellensuche und Arbeitsplatzverlust. Da tut uns zusätzliche Expertise sehr gut.


    Schöne Grüsse
    Maik

  • Grüezi Pascal,

    ich finde es auch super mal die Meinung von Einheimischen zu kennen,

    Ich selbst habe bisher keinerlei schlechte Erfahrungen mit Schweizern gemacht!

    Da ich aus dem Süddeutschen Raum komme, habe ich auch schwiizerdütsch von Anfang an

    recht gut verstanden.

    Mir ist es wichtig, mich wirklich zu integrieren und da gehört für mich auch das Dialekt sprechen dazu.

    Wenn man wie ich in Bayern und Baden-Württemberg aufgewachsen ist, bricht man sich dabei auch nicht

    die Zunge, da tun sich die Norddeutschen schon schwer.

    Wenn ich merke, dass jemand (weil ich wenn ich mir nicht sicher bin lieber auf Hochdeutsch antworte) sofort auf

    Hochdeutsch umstellt, wenn ich entsprechend antworte, finde ich das irgendwie sehr wertschätzend. Sage dann auch

    immer, sie dürfen ruhig mit mir Schwiizerdütsch reden, ich verstehe nur kann ich nicht so antworten und bin froh,

    dass man mich hier auf deutsch versteht. Allerdings habe ich auch schon manchen Lacher auf beiden Seiten gehabt,

    wenn ich mit bayrisch oder echt schwäbischen Ausdrücken gekommen bin. Oft rutscht das so raus und ist meist

    erheitert.


    Viel Spass noch im Forum und ich hoffe auf einen regen Austausch

    Beate

  • Hallo Pascal, deine Beiträge sind wirklich nett zu lesen und sehr wichtig für dieses Forum.

    Zu den Problemen die deutsche Einwanderer erfahren können, habe ich gleich ein aktuelles Thema was mich manchmal beschäftigt.

    Wir sind als Familie im Jahr 2017 in die Schweiz gezogen und haben uns auf einem Dorf in der Zentralschweiz sehr schnell integriert (Nachbarschaft, Sportvereine etc.). Unsere Kinder damals 8 und 10 Jahre kamen super klar mit Ihren Schulkollegen auch wenn unser Sohn ab und zu mal berichtete auf Grund seiner Herkunft angefeindet worden zu sein. Leider weigern sich unsere Kinder Schweizerdeutsch zu sprechen obwohl wir sie immer wieder darauf hinweisen, dass wir es für angebracht halten das sie mit Ihren Freunden Schweizerdeutsch sprechen. In meinen Augen sondern sie sich mit diesem Verhalten ab. Unsere Tochter (mittlerweile 14 Jahre) hatte zu Beginn als wir in die Schweiz kamen auch einheimische Freundinnen. Seit 2 Jahren geht sie auf die Kantonsschule und nun hat sie nur noch Freundinnen mit Migrationshintergrund. Es scheinen sich dort Cliquen gebildet zu haben unter den Schweizer Kindern und Migrantenkindern. Wenn ich meine Tochter diesbezüglich befrage sagt sie die Schweizer Kinder sind langweilig aber eigentlich schon nett.

    Mein Sohn im heranwachsenden Alter (Pubertät) hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Natürlich passieren in diesem Alter einige Dummheiten. Meiner Ansicht nach aber normal in diesem Alter. Interessant ist das eine Gruppe von 6 Kindern beschuldigt wird und die zwei Kinder mit Migrationshintergrund als Rädelsführer ausgemacht werden und die Jungs inklusive der Eltern massive Probleme bekommen. Die Schweizer Kinder / Familien werden gleich in der Opferrolle gesehen. Insbesondere die Tatsache das es keinerlei Beweise gegen die zwei Jungs gibt und alles nur auf "hörensagen" basiert, macht mich wütend und fassungslos. Auf Grund der immer sich wiederholenden und gleich gestrickten Muster kann ich eine Ungleichbehandlung und Diskriminierung von Kindern mit Migrationshintergrund nicht mehr ausschliessen. Einige Kinder sind darauf trainiert Unwahrheiten zu erzählen und reflexartig die Opferrolle ein zu nehmen wohlwissend das die Schulleitung dem Widersacher grosse Schwierigkeiten bereitet. Es macht mich traurig zu sehen, dass das was Erwachsene täglich im Konkurrenzkampf am Arbeitsplatz ausfechten sogar schon im Grundschulalter konditioniert wird.

    Wir sind glücklich hier in der Schweiz zu leben und haben einige Schweizer Freunde. Herausfordernd für uns bleibt der Argwohn dem Migranten ausgesetzt sind wenn sich die Schweizer Seele bezüglich Schule / Karriere unterdrückt fühlt. Dieses Phänomen ist aber vermutlich in allen Hochleistungsgesellschaften zu beobachten. Natürlich kann man auch nicht alles verallgemeinern da es ja bereits bei den Eidgenossen untereinander Ressentiments gibt. Unsere Schweizer Freunde aus Basel rümpfen immer die Nase über die unmöglichen / engstirnigen Zentralschweizer, Westschweizer - Ostschweizer, Zürcher....